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Rhea Seehaus: Die Sorge um das Kind

Cover Rhea Seehaus: Die Sorge um das Kind. Eine Studie zu Elternverantwortung und Geschlecht. Verlag Barbara Budrich (Opladen, Berlin, Toronto) 2014. 278 Seiten. ISBN 978-3-8474-0178-0. D: 33,00 EUR, A: 34,00 EUR, CH: 43,70 sFr.
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Thema

Rhea Seehaus untersucht in ihrer Studie die unterschiedlichen Dimensionen von Elternverantwortung. Sie geht der Frage nach, wie Eltern selbst ihre Elternverantwortung ausgestalten und wie sie diese auf dem spezifischen Feld der Kindervorsorgeuntersuchungen konstruiert sehen. Im Folgenden beschreibt sie auch wie die Befragten ihre eigenen Vorstellungen bezüglich Elternverantwortung und ihre Praxis mit gesellschaftlichen Entwürfen austarieren.

Autorin

Dr. Rhea Seehaus, FH Frankfurt am Main ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Gender- und Frauenforschungszentrum der hessischen Hochschulen (gFFZ) und Lehrbeauftragte an verschiedene Hochschulen.

Entstehungshintergrund

Die Autorin befragte zu ihrer Dissertation anhand eines Interviewleitfadens 17 Mütter, 4 Väter und 7 Elternpaare im Alter zwischen 25 und 45 Jahren in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Die jüngsten Kinder der befragten Familien waren im 0-6 Jahre alt.

Aufbau

  1. Einleitung
  2. Elternschaft und Verantwortung
  3. Forschungsprozess und methodisches Vorgehen
  4. Wer sorgt für das Kind? Elterliche Aufteilung von Sorgearbeit
  5. Entwicklung unter Assistenz – Gegenstand elterlicher Sorgearbeit
  6. (Selbst)-Formierung der Elternsorge im Kontext der kindermedizinischen Untersuchungen
  7. Fazit

Inhalt

Bei ihrer Studie baut Rhea Seehaus auf erziehungswissenschaftliche und kindheitssoziologische Untersuchungen sowie auf Geschlechterforschung auf. Sie untersucht die Sorgearbeit um das Kind sowohl im Kontext der Familie, wobei sie der Konzeption und Aufteilung unter den Eltern nachgeht, als auch im institutionalisierten Kontext der kinderärztlichen Untersuchungen. Entgegen der üblichen Wissenschaftspraxis fokussiert Seehaus nicht auf Defizite der Kindererziehung sondern darauf, wie die Erziehungsarbeit von den Eltern gesehen, aufgeteilt, gestaltet und diskutiert wird. Sie befragte Eltern rückblickend nach ihren Vorstellungen der zukünftigen Arbeitsaufteilung während der Schwangerschaft und bezüglich der tatsächlichen Praxis nach der Geburt des Kindes sowie über ihre Rolle bei den kindermedizinischen Untersuchungen.

Die Autorin führte teilstrukturierte erzählungsgenerierende Interviews nach folgendem Leitfaden:

Familie(nleben). Als sie erfahren haben, dass Sie Eltern/Mutter/Vater werden, wie war das für Sie? Erzählen Sie doch mal, wie Sie Ihren Familienalltag als Eltern erleben.

Kindermedizinische Vorsorge- Untersuchungen. Wenn Sie sich an die letzte Vorsorgeuntersuchung zurückerinnern, können Sie mal erzählen, wie die ablief und was in dieser so passierte? Was denken Sie ist Ihre Aufgabe bei den Untersuchungen?/Was denken Sie, ist die Aufgabe des Arztes/der Ärztin?

Entwicklung des Kindes. Ein Thema der Vorsorgeuntersuchungen ist ja auch die Entwicklung des Kindes. Wie erleben Sie die Entwicklung Ihres Kindes in der Familie, aber auch in Ihrem Umfeld?

Elternbildung und Elterninformation. Für Eltern gibt es ja eine ganze Fülle an Internetseiten und Newsletter, Elternratgeber in Buchform, Elternbildungsangebote. Wie erleben Sie das?“ (Siehe Seite 273, Formatierung geändert)

Die Autorin zeigt auf, wie sich die aktuellen gesellschaftlichen Diskussionen über die Elternverantwortung auf die Vorstellungen der Eltern bezüglich der Aufteilung der Care- Arbeit auswirken. Sie beschreibt aber auch, wie sich die Vorstellungen darüber nach der Geburt des Kindes wandeln. Besonderen Augenmerk legt sie auf die Diskrepanz zwischen Ansprüchen, die Sorgearbeit gleichmäßig aufzuteilen, und alltäglicher Praxis, wobei in den meisten Familien die Mutter den Großteil der Sorgearbeit übernimmt. Sie widmet ihre Aufmerksamkeit auch den Erklärungs- und Distinktionsversuchen der Mütter, um diese Diskrepanz zu erklären und gleichzeitig ihre Macht auf dem Gebiet der Kindererziehung zu verteidigen.

Diskussion

Die Autorin nutzt Synergieeffekte aus verschiedenen wissenschaftlichen Feldern wie der Care-Forschung, der Entwicklungsforschung und der Genderforschung, wodurch ihre Arbeit wegweisend zur Weiterentwicklung von Forschungsmethoden beiträgt.

Fazit

Ein sehr interessantes Werk mit einem innovativen interdisziplinären Zugang zum Thema Sorgearbeit. Empfehlenswert.


Rezensentin
Mag. a Gabriella Könczei
Klinische- und Gesundheitspsychologin und Integrative Therapeutin, arbeitet im Ambulatorium Wiental der VKKJ, Zentrum für Entwicklungsneurologie und Sozialpädiatrie
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Zitiervorschlag
Gabriella Könczei. Rezension vom 29.10.2015 zu: Rhea Seehaus: Die Sorge um das Kind. Eine Studie zu Elternverantwortung und Geschlecht. Verlag Barbara Budrich (Opladen, Berlin, Toronto) 2014. ISBN 978-3-8474-0178-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/17237.php, Datum des Zugriffs 25.07.2016.


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