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Franc Wagner (Hrsg.): Sprachbasierte Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen

Cover Franc Wagner (Hrsg.): Sprachbasierte Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen. Peter Lang Verlag (Frankfurt am Main/Berlin/Bern/Bruxelles/New York/Oxford/Wien) 2014. 252 Seiten. ISBN 978-3-0343-1489-3. D: 68,50 EUR, A: 70,40 EUR, CH: 77,00 sFr.
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Thema

Der Sammelband Sprachbasierte Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen von Franc Wagner herausgegeben, wird als fünfter Band der Reihe Sprache in Kommunikation und Medien (SKM) veröffentlicht. In der SKM-Reihe erscheinen Texte, die ihren Fokus auf gewandelte Kommunikationsformen legen. Dabei geht es um neue Sprachformen, die aus medialem Fortschritt resultieren. So wie in den vorherigen Titeln (z. B.: Kleinberger, Ulla / Wagner, Franc (Hrsg.): Sprach- und Kulturkontakt in den Neuen Medien. Peter Lang Verlag (Frankfurt am Main/Berlin/Bern/Bruxelles/New York/Oxford/Wien) 2010 oder Hauser, Stefan / Kleinberger, Ulla / Sven Roth, Kersten (Hrsg.) Musterwandel – Sortenwandel. Aktuelle Tendenzen der diachronen Text(sorten)linguistik. Peter Lang Verlag (Frankfurt am Main/Berlin/Bern/Bruxelles/New York/Oxford/Wien) 2014) handelt es sich hier um sowohl theoretische als auch angewandte Arbeiten aus der Fachdisziplin Medienlinguistik.

Aufbau

Die behandelten Themen sind demnach auch in zwei Teile aufgeteilt, die von einer umfassenden Einführung (Franc Wagner: Zur Situierung sprachbasierter Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen) eingeleitet wird.

Zu 1. Beschreibung von Medienkompetenzen und Medientexten

Im ersten Teil finden die Leser folgende Beiträge:

Ulla Kleinberger (Medienkompetenz von Vorschulkindern und jungen Schulkindern) weist dabei darauf hin, dass eine basale Lese- und Schreibkompetenz im Vorschulalter noch keine semiotische und kombinatorische Interpretationsfähigkeit inkludiert, die eine online-Kompetenz jedoch bedarf. Anhand zahlreicher konkreter online-Beispiele (z.B.: Lernen mit Bussi-Bär) skizziert die Autorin den Erwerb von Sprachkompetenz und stellt fest „Wer linear in einem Buch lesen kann, kann nicht >automatisch< online-Texte bewältigen, wer mit Stiften schreiben kann, weiss nicht >automatisch< Wörter zu tippen bzw. vice versa.“ (S. 40)

Franc Wagner: Das Zürcher Textbeschreibungsmodell: Sprachliche Besonderheiten von Texten in neuen Medien verfolgt zwei Ziele. Zum einem handelt es sich um einen Entwurf eines Forschungsdesigns aufgrund dessen eine Textschreibkompetenz überprüft werden kann. Zum anderen wird die Überprüfung anhand dieses Forschungsdesigns der Unterschiede in der Produktion und Rezeption von Texten von jüngeren Nutzern und zwar in der Schule als auch in den Sozialen Netzwerken verfolgt. Das Zürcher Textbeschreibungsmodell geht von unterschiedlichen Dimensionen der Schreibkompetenz aus: einer Kommunikationssituation, einer Kommunikationsform, einer Textcharakterisierung und einer Textrealisierung. Diese analytische Aufteilung erlaubte Hypothesenbildung und ihre Evaluierung. Somit könnten auch die Schul- und Freizeittexte miteinander verglichen werden: „Als Ergebnis konnte die kulturpessimistische Hypothese, dass das Scheiben in den neuen Medien eine negative Auswirkung auf die allgemeine Schreibkompetenz habe, entkräftet werden.“ (S. 68)

Christoph Bräuer (Über kompetentes und gekonntes Lesen in neuen Medien) stellt fest, dass, wenn die Lesekompetenz untersucht wird, man auf viele medienübergreifende Gemeinsamkeiten hinweisen kann. Die Digitalisierung der Texte hat mit sich jedoch neue Ansprüche an die Rezipienten gebracht, sowohl in Hinblick auf die Lesehaltung als auch die Lesetechniken. „Es wird deutlich, dass diesen (neuen) Handlungsanforderungen mit den traditionellen Lesetechniken nicht beizukommen ist. Hier kommen auf die Schule neue Lerngegenstände zu, die ein elementares Ziel des Deutschunterrichts erweitern: die Erziehung zur Schriftlichkeit.“ (S. 108)

Jochen Hettinger (Medienbildung in der Schule) widmet sich der Förderung der Medienbildung im Rahmen schulischer Bildung und fasst die Geschichte der Begriffe „Medien“, „Bildung“, „Medienkompetenz“ und „Medienbildung“ zusammen um auf die Defizite der schulischen Unterrichts hinzuweisen.

Zu 2. Empirische Studien zum Schreiben in den neuen Medien

Im zweiten Teil werden Schwerpunkte auf die neuen digitalen Herausforderungen gelegt:

Odile Enders (Kompetenzen für das kollaborative Schreiben in Wikis – am Beispiel von Greifswald Virtuell) macht deutlich, dass StudienanfängerInnen nicht oder nur teilweise über notwendige Kompetenzen kollaborativer Textproduktionsprozessen (z.B.: Reflexivität, Prozessualität und Partizipation) verfügen.

Esther Wiesner (Schreiben mit digitalen Medien: Über Kontext und Kooperation zu Kompetenz) greift die Erfahrungen von GrundschülerInnen mit Schreiben in interaktiven web-settings auf und zeigt, wie das adressatenorientierte und kooperative Schreiben ihre Lese-, Schreib- und Medienkompetenz gestärkt hat.

Karin Vogt und Keiko Miyake (Telecollaborative learning with interaction journals) gehen der Frage nach, wie interkulturelles Lernen zustande kommt und wie es als Lehrmethode anzuwenden wäre. Dazu nutzen die Autoren die Ergebnisse ihrer Studie mit Studenten aus Japan und Deutschland. Dank eines email-Austausches zwischen den deutschen und japanischen Studenten in englischer Sprache konnte die angestrebte Lernumgebung geboten werden, in der das interkulturelle Lernen und Lehren stattfand.

Hajo Diekmannshenke (Kommunikativ-stilistische Hybridität und Bricolage im Internet) beobachtet neue Phänomene in der Internetnutzung: „Traditionell sind Textformen durch spezifische Normen und Konventionen geprägt, die wiederum spezifische Textsortenerwartungen nach sich ziehen (…) Gleichzeitig lässt sich aber auch ein deutlicher freier Umgang mit solchen Textsortenerwartungen beobachten, vor allem bei jungen InternetnutzerInnen. In solchen Fällen kann von einer kommunikativ-stilistischen Hybridität gesprochen werden, die besonders durch das Stilprinzip der (Textmuster)Bricolage bestimmt wird.“ (S. 229) Die neue stilistische Hybridität führt allerdings ebenfalls dazu, dass neue Konventionen entstehen, die jedoch – im Vergleich mit traditionellen Formen -weniger starr sind und weiterer Veränderung unterzogen werden.

Fazit

Der hier besprochene Band bündelt viele relevante Beiträge, mit dem Ziel der Vorstellung empirischer Studien und der Reflexion medienpädagogischer Diskurse. Die Autoren greifen dazu aktuelle Themen und Beispiele auf. Ausgesprochen interessant und für die schulische Praxis von großer Bedeutung sind die Artikel, die sich den konkreten Phänomenen von Internetnutzung widmen. Da die theoretischen Grundlagen der Forschungsmethoden transparent gemacht werden, können die Leser die Forschungsergebnisse nachvollziehen und (Hochschul-)Lehrer ihre Lernziele entsprechend ausrichten.


Rezensentin
Prof. Dr. Anna Zembala
Homepage www.katho-nrw.de/koeln/studium-lehre/lehrende/haupt ...
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Zitiervorschlag
Anna Zembala. Rezension vom 17.06.2015 zu: Franc Wagner (Hrsg.): Sprachbasierte Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen. Peter Lang Verlag (Frankfurt am Main/Berlin/Bern/Bruxelles/New York/Oxford/Wien) 2014. ISBN 978-3-0343-1489-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/17308.php, Datum des Zugriffs 27.06.2016.


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