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Birger Schlürmann: Pflegestufenmanagement

Cover Birger Schlürmann: Pflegestufenmanagement. Mit gezieltem Controlling zum geplanten Umsatz. Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG (Hannover) 2014. 128 Seiten. ISBN 978-3-89993-312-3. D: 12,95 EUR, A: 13,40 EUR, CH: 20,50 sFr.
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Thema

Die wesentlichste Frage von Führungskräften in der ambulanten und stationären Pflege ist: „Sind die Kunden optimal versorgt?“ Die Antwort darauf findet sich in den gelebten oder zu schaffenden Managementtechniken. Hier ist die Orientierung an den gesetzlichen Vorgaben im Pflegeversicherungsgesetz und in den dazu ergangenen Richtlinien zu den Pflegestufen maßgebend. Der notwendige Aufbau eines betrieblichen Pflegestufenmanagements, der sich an den Bedarfen der Kunden orientiert, bedeutet:

  • Das klassische Pflegestufenmanagement (soweit bereits vorhanden) hin zu einem individuell ausgerichteten Bedarfsmanagement weiterentwickeln.
  • Case Management-Ansätze im Bedarfsmanagement können das Dienstleistungsangebot für Kunden erhöhen und weitere Bedarfe generieren.
  • Ohne umfassende Dokumentation und Berichtswesen kann kein Pflegestufenmanagement umgesetzt werden.
  • Ergo kann nur ein gezieltes Controlling zu dem geplanten Umsatz führen.

Den Bedarf der Kunden kontinuierlich und korrekt zu ermitteln und ihnen so die richtige Pflegestufe zu ermöglichen, sollte für professionell arbeitende ambulante und stationäre Pflegedienste eine Selbstverständlichkeit sein. Den richtigen Bedarf zu ermitteln, ist aber gar nicht so einfach, denn die jeweilige Pflegeeinrichtung findet sich hierbei im Spannungsfeld des „Sozialwirtschaftlichen Sechsecks“ wieder.

Die Eckpunkte des Sechsecks sind:

  • Sachzielorientierung
  • wirtschaftliche Orientierung
  • Kundenorientierung
  • rechtliche Orientierung
  • Mitarbeiterorientierung
  • ethische Orientierung

Das Pflegestufenmanagement berührt wie kein anderes unternehmerisches Ziel alle Bereiche dieses sozialwirtschaftlichen Sechsecks. Sind die einzelnen Bereiche nicht abgedeckt, fehlt die Struktur, ein Pflegestufenmanagement im Unternehmen abzubilden. Wo es an Struktur fehlt, wird es schwer werden, standardisierte, aber dennoch individualisierte Prozesse umzusetzen. Wo Prozesse schwammig sind, kann und wird die Ergebnisqualität im Ganzen nicht stimmig sein. Die Kunden (dazu gehören die Hilfesuchenden selbst, die Angehörigen, Hilfsmittelunternehmen, Pflege- und Krankenkassen, die Ämter usw.) erwarten ein professionelles und aktuelles Pflegestufenmanagement. Um Pflegestufenmanagement sinnvoll aufzubauen, muss es von der Spitze des Unternehmens, also Top-Down, verlangt werden. Sämtliche Struktur-, Prozess- und Ergebnisorientierungen sind nun abhängig vom unternehmerischen Ziel – dieses Ziel muss der Unternehmer oder Geschäftsführer verbindlich für seinen Pflegedienst festschreiben. Damit wird das „JA“ gegeben, Spannungsfeldern innerhalb des Sozialwirtschaftlichen Sechsecks auf Augenhöhe zu begegnen, und im täglichen Qualitätsmanagement sowie der Qualitätssicherung Ziele der „Entspannung“ zu verfolgen. Dazu gehört auch, schwierige Wege im Interesse des Kunden zu gehen.

Ein Pflegestufenmanagements muss durch den Unternehmer, Eigentümer und Geschäftsführer entwickelt und an die Mitarbeiter weitergegeben und vorgelebt werden. Es empfiehlt sich, die Verantwortung zu brechen und Einstufungs- oder Bedarfsmanager zu installieren. Notwendig ist das Einrichten regelmäßiger Besprechungen, um den Kunden in der Gesamtheit zu sehen, fernab von den Leistungsnachweisen und den Wohnungen. Es gilt, einige gesetzliche Rahmenbedingungen beim Pflegestufenmanagement zu beachten und doch lässt es den Raum, es interdisziplinär zu gestalten. Deshalb: Pflegestufenmanagement sollte sich immer am Bedarf des Kunden orientieren und von der Leitung gewünscht und vorgelebt werden.

Herausgeberin

Karla Kämmer ist Inhaberin einer Beratungsgesellschaft in Essen. Sie ist Diplom-Sozialwissenschaftlerin, Diplom-Organisationsberaterin, Lösungsorientierter Coach, Motivationstrainerin und Altenpflegerin.

Autor

Birger Schlürmann ist Berater und Fachautor im Bereich der ambulanten und stationären Altenpflege. Dabei bietet er individuelle Lösungen für die Herausforderungen in Einrichtungen an. Er kann auf 20 Jahre Erfahrung in der ambulanten und stationären Pflege zurück blicken. Seit 13 Jahren ist er beratend tätig, unterbrochen von einem Ausflug in das operative Geschäft. Seit 6 Jahren ist er zudem als Chefredakteur beim Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, Zweig Pro Pflegemanagement aktiv und betreut dort den Fachinformationsdienst „PDL business ambulant“.

Zielgruppe

Zur Zielgruppe dürften alle Führungskräfte in der ambulanten und/oder stationären Pflege zählen, die das Wissen über ein praxisorientiertes Pflegemanagement in der täglichen Praxis benötigen und umsetzen müssen. Allerdings können auch in der Wissenschaft Tätige sowie auch Beschäftigte in Sozialverbänden oder bei Sozialleistungsträgern profitieren. Der praxisnahe Aufbau kommt zugleich neu wahrgenommenen Bedürfnissen solcher Leserinnen und Leser entgegen, die den schnellen Zugang zu Informationen und Analysen zum Pflegemanagement suchen.

Aufbau und Inhalt

Dem Buch sind ein Inhaltsverzeichnis und ein Vorwort vorangestellt. Der eigentliche Inhalt gliedert sich dann in vier wesentliche Bereiche, nämlich die Hinweise zum Pflegestufenmanagement und warum der Praktiker hier aktiv tätig werden muss, die kurzfristigen Lösungen, die langfristigen Lösungen und das sich daraus ableitende Fazit. Ein Literaturverzeichnis und ein Register schließen das Buch ab.

Im Hauptteil gliedert sich das Buch wie folgt:

  • Pflegestufenmanagement – Warum aktiv vorgegangen werden muss. Ein fehlendes Pflegestufenmanagement hat negative Folgen. Dabei kann es sich um Personalmangel, Demotivation des Personals oder Pflegeschäden handeln. Deshalb werden dazu Ausführungen gemacht.
  • Warnsignale. Sie können sich z. B. in einem hohen Krankenstand, eine Überstundenblase oder sogar steigende Pflegeschäden niederschlagen. Ihnen muss zeitnah begegnet werden.
  • Ausgeführt wird, wie das Pflegestufenmanagement den Umsatz beeinflusst. Dazu finden sich Ausführungen zur Finanzierung einer stationären Einrichtung, zu Soll-/ Ist-Vergleichen von Umsätzen und auch warum die Angehörigen gebraucht werden.
  • Ausführungen zur Personalbedarfsentwicklung, wie sich der Personalbedarf berechnet, zu Soll-/Ist-Vergleichen von Personalbesetzung und die Folgen für die Heimbewohner und die Mitarbeiter der Einrichtung runden den ersten Untergliederungspunkt ab.
  • Kurzfristige Lösungen werden im nächsten Untergliederungspunkt punktuell vorgeschlagen. So sollen die Begutachtungsrichtlinien beherzigt und die pflegerischen Risiken erhoben werden. Es sollte auch üblich sein, die Pflegedokumentationen systematisch zu sichern und daraufhin Pflegepläne zu erstellen. Ferner sollte ein Antrag auf Höherstufungen rechtzeitig veranlasst und im Ablehnungsfall Widerspruch erhoben werden.
  • Langfristige Lösungen können der Aufbau eines Pflegecontrollings und auch regelmäßige Pflegevisiten sein. Schulungen zur dieser Problematik erhöhen die Mitarbeitermotivation.

Wie schon berichtet, schließen ein Literaturverzeichnis und ein Register das Buch ab.

Fazit

Der Praktiker hat mit diesem Werk Informationen und Werkzeuge in einer Hand und kann sie demnach zweckgerichtet und unmittelbar einsetzen. Sehr interessant sind die umfassenden strukturellen Hinweise und Darlegungen. Dieses Buch führt den Leser fundiert und präzise zu einem praktischen Pflegestufenmix, der auch den aktuellen Pflegebedarf der Heimbewohner abbildet. So gelingt es jeder Pflegedienst- und/oder Bereichsleitung, in wenigen Schritten ein nachhaltiges Pflegestufenmanagement aufzubauen und zu betreiben. Gleichzeitig zeigt der Autor, wie sich Erlöse und Personal mit den Pflegestufen entwickeln. Praktische Checklisten sind hilfreich und Musterformulare lassen sich sofort in die Praxis umsetzen. Das Buch liefert praktische Lösungen für den Berufsalltag und ist darüber hinaus ideal zur internen Weiterbildung.


Rezensent
Hans-Joachim Dörbandt
Rechtsberatung / Rentenberater - Prozessagent - Fachautor in den Bereichen Pflege, gesetzliche Pflegeversicherung, gesetzliche Krankenversicherung
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Zitiervorschlag
Hans-Joachim Dörbandt. Rezension vom 23.12.2014 zu: Birger Schlürmann: Pflegestufenmanagement. Mit gezieltem Controlling zum geplanten Umsatz. Schlütersche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG (Hannover) 2014. ISBN 978-3-89993-312-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/17334.php, Datum des Zugriffs 27.09.2016.


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