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Frank Dieckbreder, Susanne Koschmider u.a. (Hrsg.): Kita-Management

Cover Frank Dieckbreder, Susanne Koschmider, Martin Sauer (Hrsg.): Kita-Management. Haltungen - Methoden - Perspektiven. Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2014. 256 Seiten. ISBN 978-3-525-70113-3. D: 24,95 EUR, A: 25,70 EUR, CH: 33,90 sFr.
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Thema

Kindertagesstätten stehen im Fokus der Anspruchshaltungen von Eltern, Politik und Wissenschaft. Leitung und Betrieb einer Kita müssen mittlerweile als höchst anspruchsvolle Aufgaben angesehen werden, die verschiedensten und teilweise widersprüchlichen Anforderungen zu entsprechen haben. Notwendig ist ein Kita-Management, welches systemisch integrierende Kompetenzen aufweist und sowohl in fachlicher wie in betriebswirtschaftlicher Hinsicht auf dem neuesten Stand ist.

Entstehungshintergrund

Der vorliegende Band wendet sich vorwiegend an Leitungskräfte, Träger und Studierende im Bereich der frühen Bildung und Erziehung, die die „Handwerkskunst des Führens, Gestaltens und des gemeinsamen Entwickelns in Kindertagesstätten“ erlernen möchten. Es sollte ein Arbeitsbuch konzipiert werden, welches den Anforderungen an das Kita-Management auf hohem Niveau entspricht.

HerausgeberInnen und AutorInnen

  • Frank Dieckbreder ist Professor für Theorie und Methoden der Sozialen Arbeit an der Fachhochschule der Diakonie in Bielefeld.
  • Susanne Koschmider ist Pfarrerin in Köln, sie leitet in der Evangelischen Landjugendakademie Altenkirchen eine Weiterbildung für Leitungskräfte in Evangelischen Tageseinrichtungen für Kinder.
  • Martin Sauer war bis 2013 Rektor der Fachhochschule der Diakonie in Bielefeld sowie Professor für Sozialmanagement und Personalarbeit.
  • Die Autorinnen und Autoren des Bandes sind mehrheitlich Referentinnen bzw. Referenten im IBEK-Lehrgang für Kita-Leitungskräfte.

Aufbau und Inhalte

Die Publikation enthält zwölf Abschnitte.

  1. Einführend skizzieren Kaarina Meyn und Jörg Walther den „Kindergarten im Wandel“. Sie beschreiben aktuelle Rahmenbedingungen und Herausforderungen für Kindertageseinrichtungen mit Blick auf gesellschaftliche und politische Veränderungen, bildungspädagogische und pädagogische Entwicklungen sowie ökonomische Rahmenbedingungen.
  2. Unter „Bildung gestalten – Bildungsmanagement“ erörtern Peter Siebel und Johanna Wittmann darauf hin die Bedeutung der Bildung in der Kita, erläutern das Bildungsverständnis im Rahmen frühkindlicher Betreuung, Bildung und Erziehung, betonen aber auch die Bedeutung von Selbstbild, Biografie und Bildung, die Bildung zwischen Selbstbildung und instrumentellem Kompetenzerwerb, die Entwicklung von Bildungskonzepten sowie das Bildungsmanagement und die Bildungsnetzwerke.
  3. Susanne Wunderlich widmet sich anschließend unter „Mit den Veränderungen wachsen“ dem lebenslangen Lernen als Haltung und Methode. Ihre Schwerpunkte konzentrieren sich auf die Bewältigung von Wandel durch Lernen, die Identifikation von Lernbedarf sowie auf die motivationalen Aspekte von Lernen.
  4. „Inklusion im Kontext frühkindlicher Bildung“ ist das Thema von Angela Quack. Das inklusive Denken, die Klassifikationen, eine Fallgeschichte, inklusives Handeln sowie inklusive Werte-Orientierung sind ihre Hauptpunkte.
  5. Mit „Organisationsentwicklung – das Gestalten von Veränderungsprozessen in Kindertagesstätten“ wird dann von Petra Beitzel ein erstes betriebswirtschaftliches Thema eingebracht. Die Autorin beschreibt unter systemischen Blickwinkeln die Kindertagesstätte als sich entwickelnde Organisation, die Leitungen von Kitas als Gestalterinnen des Wandels und fügt darüber hinaus auch ethische Reflexionen und weiterführende Aspekte an.
  6. „In Netzwerken denken und handeln“ ist das Gebiet von Frank Dieckbreder und Susanne Marie Koschmider. Wesen und Nutzen von Netzwerken werden in diesem Beitrag ebenso erläutert wie das Denken und Handeln in Netzwerken mit besonderem Bezug auf systemische Aspekte. Ebenfalls im Fokus stehen der Sozialraum als Bezugsgröße von Netzwerkarbeit, das methodische Handeln im sozialen Raum sowie die Netzwerkaufgaben in der Kitaleitung.
  7. Susanne Marie Koschmider und Martin Sauer widmen sich daraufhin dem Gebiet „Leitungshaltung und Leitungshandeln“. Die Begriffe Leiten und Führen werden in diesem Beitrag erklärt, es werden aber auch ein Abriss zur Geschichte der Führungsforschung vorgenommen und ethische Dimensionen von Leitung und Führung expliziert.
  8. „Rechtsstrukturen und Wirtschaftlichkeit“ sind Gegenstand des Beitrags von Sarah Steinfeld und Susanne Vaudt. Neben Rechtsstrukturen der Kindertageseinrichtung werden hier die Kita-Finanzierungsystematik als Ausgangspunkt für Wirtschaftlichkeitsüberlegungen und Controlling sowie das Controlling des Budgets im Sinne von Kostenrechnung und Kostensteuerung dargelegt.
  9. Martin Sauer schildert daraufhin „Personalmanagement und Kompetenzentwicklung in Kindertageseinrichtungen“. Er umreißt Bereiche der Personalarbeit und der Personalbeschaffung, veranschaulicht aber auch die Aufgaben der Personalentwicklung, der Kompetenzentwicklung sowie der Personalbindung. Auch dieser Abschnitt enthält ethische Reflexionen.
  10. Unter der Überschrift „Kreativität ist auch im Qualitätsmanagement möglich!“ beschreibt Jürgen Bombosch das Feld für Kitas. Inhaltlich konzentriert er sich dabei zunächst auf die Definition, die Geschichte und die gesetzlichen Grundlagen des Qualitätsmanagements und geht dann über zu QM-relevanten Gesetzesgrundlagen sowie die Entwicklung eines QM-Systems am Beispiel des Bundesrahmenhandbuchs Diakonie-Siegel und der Johanniter NRW.
  11. Die „Kollegiale Beratung als interventionsorientiertes Beratungsformat zur Qualitätssicherung in Kitas“ ist Gegenstand der Abhandlung von Annelie Nolte. Die Autorin legt nach einer Einleitung ihr Verständnis von Beratung dar, schildert das Wesen der kollegialen Beratung und das Heilsbronner Modell zur kollegialen Beratung und widmet sich auch Wirkungsprozessen sowie Werten und normativen Prämissen der kollegialen Beratung.
  12. Das Thema „Konfliktmanagement – Die Kita als Konfliktfeld pflegen“ wird von Werner-Christian Jung bearbeitet und bildet den Abschluss dieser Publikation. Wesentliche Inhalte seines Beitrags sind Kita-Konflikte als Chance, die Grundmerkmale sozialer Konflikte, eine Konflikttypologie, die Bestimmungsfaktoren sozialer Konflikte, aber auch das Vermitteln im Konflikt sowie Aspekte der Konfliktethik. Diese Abhandlung enthält als Anhang einen Fragebogen zur Analyse sozialer Konflikte.

Diskussion

Bei diesem Handbuch handelt es sich um eine wertvolle Kompilation zum Kita-Management im mehrfachen Sinne. Zum einen werden auf durchgehend hohem Niveau die komplexen Aufgaben der Kita-Leitung beschrieben und entsprechende Ansätze eines zeitgemäßen Führens und Leitens skizziert. Systemische Aspekte finden eine angemessene Berücksichtigung. Zum anderen werden – vor dem Hintergrund der aktuellen Ansprüche von Politik und Gesellschaft sowie der Werthaltungen insbesondere evangelischer Träger und Einrichtungen – die fachlichen und ethischen Anforderungen an eine Kita-Leitung dargelegt.

Diese Verknüpfung gesellschaftspolitischer, fachlicher, ethischer und betriebswirtschaftlicher Inhalte ergibt eine gute Einsicht in die Vielfalt und Komplexität der Aufgaben von Leitungskräften im Bereich der Elementar- und Hortpädagogik. Das Buch kann Leitungskräften, Mitarbeitenden und Studierenden im Sektor der Elementar- und Hortpädagogik bzw. der Frühen Bildung und Erziehung empfohlen werden.

Fazit

Eine werthaltige Kompilation zum Kita-Management.


Rezensent
Prof. Dr. Harald Christa
Professor für Sozialmanagement an der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit in Dresden mit Schwerpunkt Sozio-Marketing, Strategisches Management, Qualitätsmanagement/ fachliches Controlling.
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Zitiervorschlag
Harald Christa. Rezension vom 21.11.2014 zu: Frank Dieckbreder, Susanne Koschmider, Martin Sauer (Hrsg.): Kita-Management. Haltungen - Methoden - Perspektiven. Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2014. ISBN 978-3-525-70113-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/17343.php, Datum des Zugriffs 24.07.2016.


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