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Frank Oppenländer, Thomas Trölitzsch (Hrsg.): Praxishandbuch der GmbH-Geschäftsführung

Cover Frank Oppenländer, Thomas Trölitzsch (Hrsg.): Praxishandbuch der GmbH-Geschäftsführung. C.H.Beck Verlag (München) 2004. 796 Seiten. ISBN 978-3-406-47516-0. 84,00 EUR, CH: 139,00 sFr.

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Die rechtstatsächliche Bedeutung der GmbH

In Deutschland gibt es derzeit mindestens 900.000 Gesellschaften mit beschränkter Haftung. Damit stellt sie mit großem Abstand die am weitesten verbreitete und umsatzstärkste Rechtsform dar. Auch und gerade gemeinnützige Körperschaften - zumeist Idealvereine - gehen dazu über, Teilbereiche ihres gesamten Tätigkeitsfeldes in eine gemeinnützige GmbH auszugliedern. Dabei handelt es sich in der überwiegenden Zahl der Fälle um den Teilbereich des steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetriebs. Daher ist es auch für Vereinsvorstände im Vorfeld aus einer sog. Ausgliederung von Bedeutung, wie sich die Geschäftsführung einer GmbH gestaltet. Denn schließlich sind die ausgliedernden Körperschaften zumeist Mehrheitsgesellschafter der gemeinnützigen GmbH, so dass auf diesem Wege - neben der möglichen Installierung eines Aufsichtsrates - die Vereinsvorstände berufen sind, die GmbH-Geschäftsführung in ihrer Eigenschaft als Gesellschafter zu überwachen. Aber auch für die zu berufenen Geschäftsführer, die in einer Vielzahl der Fälle immer noch einen beruflichen Hintergrund haben, der sich aus sozialen Quellen speist und eben nicht der betriebswirtschaftlichen Profession zuzuordnen sind, ist die Kenntnis ihrer Rechte und Pflichte als GmbH-Geschäftsführer unabdingbar. Daher bietet es sich an, dass Werk der Herausgeber Oppenländer/Tröltzsch vorzustellen.

Die Autoren

Neben den beiden Herausgebern, die als Rechtsanwälte und als Notar (Oppenländer) in Stuttgart tätig sind, treten fast durchweg ebenfalls Autoren aus der Praxis auf. Die meisten sind als Rechtsanwälte und Notare tätig. Es finden sich aber auch Steuerberater unter den Verfassern (Steffan - verantwortlich für den Bereich "Aufgaben des Geschäftsführers in der Krise und Insolvenz der GmbH"; Weber - verantwortlich für den Bereich "Steuern"). Die Autoren Weber und Drygala (verantwortlich für den Bereich "Die GmbH-Geschäftsführung im Konzern") sind neben ihrer praktischen Tätigkeit als Rechtsanwalt und Steuerberater (Weber) auch noch als Professor an der Universität tätig (Professor Dr. Drygala an der Universität Leipzig). Insgesamt zeichnet sich das Werk durch ein hohes Maß an Aktualität aus. Die Autoren haben es nämlich zusammen mit dem Verlag geschafft, das Werk auf den Stand von Mitte Mai 2004 zu bringen und dabei weitgehend die bis zu diesem zeitpunkt relevante Literatur zu berücksichtigen.

Struktur des Werks

Das Buch gliedert sich insgesamt in dreizehn Kapitel. Diese einzelnen Kapitel sind:

  1. Die GmbH als Rechtform
  2. Gründung
  3. Satzungsgestaltung
  4. Die Organstellung des Geschäftsführers
  5. Der Anstellungsvertrag des Geschäftsführers
  6. Geschäftsführung und Vertretung
  7. Die anderen Gesellschaftsorgane und ihre Beziehungen zu den Geschäftsführern
  8. Haftung der Geschäftsführer
  9. Die Pflichten der Geschäftsführung im Zusammenhang mit der Erstellung, der Prüfung und der Publizität des Jahresabschlusses
  10. Die Aufgaben des Geschäftsführers in der Krise und Insolvenz der Gesellschaft
  11. Steuern
  12. Die GmbH-Geschäftsführung im Konzern
  13. Der Geschäftsführer der GmbH in öffentlicher Hand

Wie zu sehen ist, haben die Autoren keinen Aspekt der GmbH-Geschäftsführung außer Betracht gelassen. Auf einzelne ausgewählte Probleme soll im Folgenden ergänzend eingegangen werden.

Bewertungen einzelner Kommentierungen

Trölitzsch befasst sich im 4. Kapitel u.a. mit der Frage, ob und wann auch ein Nicht-EU-Ausländer zum Geschäftsführer einer GmbH ernannt werden kann (§ 11 Rn. 32). Er verweist in diesem Zusammenhang erfreulicherweise auf das Urteil des OLG Dresden (NZG 2003, 628) hin, wonach auch die Bestellung eines solchen Nicht-EU-Ausländers trotz der evtl. nicht gegeben jederzeitigen Möglichkeit zur Einreise in das bundesdeutsche Hoheitsgebiet möglich ist. Allerdings ist die bislang herrschende Meinung in der Rechtsprechung (vgl. OLG Köln NJW-RR 1999, 1637; OLG Hamm NJW-RR 2000, 37; OLG Frankfurt/Main, FGPrax 2000, 124) anderer Auffassung. Tröltzsch gibt insofern einen wertvollen Hinweis für die Praxis: Sollte das eintragende Registergericht weiterhin die herrschende Auffassung in der Rechtsprechung vertreten, empfiehlt es sich, neben den Nicht-EU-Ausländer als Geschäftsführer einen zweiten Geschäftsführer zu bestellen. So kann die Handlungsfähigkeit der GmbH erhalten bleiben und ein evtl. Rechtsstreit um die Eintragung des Nicht-EU-Ausländers in das Handelsregister als Geschäftsführer in Ruhe durchgeführt werden. Eine vorherige Verständigung mit dem Handelsregister dürfte aber nach Auffassung Tröltzsch noch wirkungsvoller sein.

Zuzustimmen ist Tröltzsch auch in seiner Aussage, dass es mit der Stellung eines Geschäftsführers unvereinbar ist, gleichzeitig im fakultativen Aufsichtsrat zu sein (§ 11 Rn. 34). Für den obligatorischen Aufsichtsrat gilt dies ohnehin. In beiden Fällen ist nämlich das anzustrebende Ergebnis der Vermeidung einer Interessenkollision gegeben.

Steffan beschäftigt sich in seinen Ausführungen u.a. mit dem sehr praxisrelevanten Thema eines Risikomanagementsystems (§ 36 Rn. 18 ff.). Gerade in der heutigen Zeit, die leider durch eine Vielzahl von Insolvenzen geprägt ist, kann diesem Bereich der Unternehmensführung nicht genug Aufmerksamkeit gewidmet werden. Vorteil der Steffan'schen Darstellung ist, dass in graphischer und daher sehr anschaulicher Form der Aufbau eines Risikomanagementsystems gezeigt wird (§ 36 Rn. 19) um sodann zur Risikoidentifikation (z.B. gesetzliche Risiken, Standortrisiken) (§ 36 Rn. 23 f.) sowie zur Risikobewältigung (§ 36 Rn. 26 f.) überzuleiten. Dabei geht Steffan auch auf die Bedeutung eines unternehmensinternen Berichtswesens ein (§ 36 Rn. 31), welches als Risikokommunikationsmittel in Form eines permanenten Risiko-Reporting dienen kann.

Zielgruppen

Das Werk richtet sich an sowohl an Geschäftsführer als auch an Aufsichtsräte und Gesellschafter. Ebenso profitieren aber auch Justitiare und Steuerberater gemeinnütziger Körperschaften. Schließlich ist das Buch auch Notaren, Rechtsanwälten sowie anderen Professionen zu empfehlen, die mit der Beratung und Betreuung von Gesellschaften mit beschränkter Haftung betraut sind.

Fazit

Das Werk besticht durch seine hohe Aktualität, der umfassenden Darstellung der Thematik, die keinen Aspekt außer Betracht lässt, sowie seine durchgehend auf das wesentliche konzentrierte Darstellung, die dabei aber weiterführende Hinweise nicht unterschlägt. Die hohe Praxistauglichkeit ergibt sich zudem aus dem Umstand, dass das Buch insgesamt 70 Formulierungsmuster sowie rund 50 Checklisten, Berechnungsbeispiele und Übersichten enthält. Vor allem die graphische Darstellung erleichtert den Zugang zu manchen Themen ungemein. Die Formulierungsbeispiele helfen dabei, Anstellungsverträge mit Geschäftsführern oder GmbH-Satzungen zu formulieren. Kurz gesagt: Für die Praxis der Führung einer GmbH - egal auf welche Organebene man abstellt - dürfte das Buch unverzichtbar sein.


Rezensent
Dr. iur. Marcus Kreutz
LL.M., Rechtsanwalt. Justiziar des Bundesverbandes Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland e.V. in Köln
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Zitiervorschlag
Marcus Kreutz. Rezension vom 04.01.2005 zu: Frank Oppenländer, Thomas Trölitzsch (Hrsg.): Praxishandbuch der GmbH-Geschäftsführung. C.H.Beck Verlag (München) 2004. 796 Seiten. ISBN 978-3-406-47516-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/1739.php, Datum des Zugriffs 21.05.2012.


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