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Maike Rönnau-Böse, Klaus Fröhlich-Gildhoff: Resilienz im Kita-Alltag

Cover Maike Rönnau-Böse, Klaus Fröhlich-Gildhoff: Resilienz im Kita-Alltag. Was Kinder stark und widerstandsfähig macht. Herder (Freiburg, Basel, Wien) 2014. 111 Seiten. ISBN 978-3-451-32684-4. D: 19,99 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 28,90 sFr.
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Thema

Die Publikation von Maike Rönnau-Böse und Klaus Fröhlich-Gildhoff widmet sich dem Thema Resilienz und deren Förderung in Kindertageseinrichtungen. Neben wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Resilienzforschung finden sich praxisorientierte Kapitel, die ganz konkret die Umsetzung und Anwendung von resilienzförderndem Handeln in Kindertageseinrichtungen beschreiben. Das Buch wendet sich gezielt an Fachkräfte von Kindertageseinrichtungen.

Autor und Autorin

Prof. Dr. Klaus Fröhlich-Gildhoff ist Professor für Entwicklungspsychologie und Klinische Psychologie an der Evangelischen Hochschule Freiburg. Er leitet gemeinsam mit Prof. Dr. Dörte Wetzien das Zentrum für Kinder- und Jugendforschung.

Prof. Dr. Maike Rönnau-Böse ist Professorin für Pädagogik der Kindheit an der Evangelischen Hochschule Freiburg.

Aufbau und Inhalt

„Dieses Buch hat das Ziel, Fachkräfte im Bereich der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung zu ermutigen, gezielt die seelische Widerstandskraft (Resilienz) bei Kindern in der Institution Kindertageseinrichtungen zu fördern.“ (7) Das Buch gliedert sich in folgende Bereiche: wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Begriff von Resilienz und Beschreibung von Kindertageseinrichtungen als Sozialinstanzen und als gesundheitsfördernde Orte für Kinder und Eltern. Den größten Teil bilden die Bausteine zur Förderung von Resilienz, sie sind der Schwerpunkt der Darstellung. Der letzte Bereich thematisiert die Förderung von Resilienz und seelischer Gesundheit im Fachkräfte-Team.

Da Resilienzförderung in der kindlichen Entwicklung als umfangreiche und viele unterschiedlichen Ebenen verbindende Aufgabe gesehen wird, erläutern die Autoren zunächst den Begriff der Resilienz und beschreiben die damit verbundenen Konnotationen. Der Resilienzbegriff wird historisch beleuchtet, Forschungen zu Resilienz werden dargestellt und sowohl Risiko- und Schutzfaktoren als auch Resilienzfaktoren beschrieben.

Die Beschreibung der einzelnen Teilbereiche wird durch stichpunktartige zusammenfassende Darstellungen illustriert und veranschaulicht. So findet sich z.B. bei der Beschreibung von Risikofaktoren eine Auflistung von Vulnerabilitätsfaktoren und Stressoren(18f.). Selbst- und Fremdwahrnehmung, Selbststeuerung, Selbstwirksamkeit, Soziale Kompetenz, adaptive Bewältigungskompetenz und Problemlösefähigkeit werden als entscheidende Resilienzfaktoren gesehen und beschrieben. Der enge innere Zusammenhang dieser Fähigkeiten wird als Fakt gesehen, allen Eigenschaften gemeinsam sei, dass sie erworben werden können (20), unterstützt und gefördert werden können (21) und nicht angeboren oder genetisch bedingt gesehen werden müssen(20). Hierin begründet sich die Aufgabe der Fachkraft in der Kindertageseinrichtung, das Ermöglichen von Handlungsweisen und Orientierungen, die den Umgang mit Resilienzfaktoren erleichtern(22).

Der zweite Teil des Buches widmet sich der Kindertageseinrichtung als Sozialisationsinstanz und gesundheitsförderlichem Ort für Kinder und Eltern. Die Anforderungen an pädagogische Fachkräfte in der Bildungsinstanz Kindertagesstätte wird umfangreicher als noch vor 10 Jahren beschrieben (24) und Rönnau-Böse und Fröhlich-Gildhoff führen hierbei einerseits die hohe Zahl an verhaltensauffälligen und gesundheitlich belasteten Kinder als auch überforderte Eltern ins Feld. Sozial benachteiligte Kinder, Kinder mit Behinderungen und Kinder aus unterschiedlichen Kulturen bedingten erhöhte Anforderungen an die Kindertageseinrichtungen und ihre pädagogischen Fachkräfte. Aus diesem Grund sehen die Autoren die Kindertageseinrichtung auch als Sozialisationsinstanz. Neben der Arbeit mit den Kindern sei die Arbeit mit den Eltern zentraler Bestandteil der Arbeit, ebenso wie die sozialräumliche und institutionelle Vernetzung (27: Abbildung 3). So kann die Kindertageseinrichtung als gesundheitsförderlicher Ort gesehen werden, wenn sie sich der psychischen und psychosozialen Gesundheit der Kinder widme. Rönnau-Böse und Fröhlich-Gildhoff machen sich für Prävention und Präventionsprogramme stark, sie plädieren für frühe und gezielte Maßnahmen (28).

Mittelpunkt des Buches bilden dann die fünf „Bausteine zur Förderung von Resilienz“ (32ff). Dieser praxisbezogene Teil will der Fachkraft wichtige Wissenselemente zur Förderung von Resilienz an die Hand geben, Fördermöglichkeiten ganz konkret benennen und Hilfestellungen zur Durchführung bieten.

  1. >Die Entwicklung eines gemeinsamen Leitbildes als Teil der Organisationsentwicklung einer resilienzförderlichen Kindertageseinrichtung wird als der erste Baustein zur Förderung von Resilienz beschrieben. Rönnau-Böse und Fröhlich-Gildhoff beschreiben sehr konkret die Vorgehensweise zur Entwicklung eines Leitbildes und beschließen diesem Baustein mit Reflexionsfragen für den Leser.
  2. Der zweite Baustein ist die „Förderung der seelischen Gesundheit und Resilienz von Kindern im Alltag und mithilfe von speziellen Programmen“ (41ff.). Die positive Beziehung der pädagogischen Fachkraft zum Kind als wichtiges Element wird als Basis von Resilienzförderung gesehen und vorausgesetzt (41). Im Folgenden werden verschiedene Präventions- und Resilienzprogramme im Vorschulalter vorgestellt (Papilio, EFFEKT, Kinder stärken, PRiK) (42-46) und sechs Resilienzfaktoren benannt: Selbstwahrnehmung, Selbststeuerung, Selbstwirksamkeit, soziale Kompetenz, adaptive Bewältigungskompetenz und Probleme lösen (46-57). Flankiert wird jeder Faktor von sog. Praxistipps, sie verstehen sich als praktische Anregungen oder Maßnahmen zur konkreten Unterstützung der jeweils benannten Faktoren.
  3. Baustein drei widmet sich der „Zusammenarbeit mit Bezugspersonen unter der Berücksichtigung der Resilienzperspektive“ (56-69). Analog der positiven Fachkräfte-Kind- Beziehung im vorausgehenden Kapitel wird hier „die positive Eltern-Kind-Beziehung als Basis einer entwicklungsfördernden Erziehung“ (56) beschrieben. Um Eltern in ihrer Erziehungsarbeit zu unterstützen, formulieren die Autoren aufeinander aufbauende Schritte zur Zusammenarbeit der Fachkräfte mit den Eltern: „Haltungsarbeit“ (59) im gesamten Team, eine Sozial- und Bedarfsanalyse(59), die Bildung von Netzwerken(60), gute Öffentlichkeitsarbeit / Werbung(60), niedrigschwellige Methoden und eine begleitende Prozess- und Ergebnisevaluation(61). Flankiert werden diese Überlegungen auch hier durch reflexive Fragen an den Leser. Die Frage der Erreichbarkeit von Eltern wird ebenso thematisiert wie die Methoden der Elternbildung. Dabei werden Elternkurse in Kindertageeinrichtungen aus unterschiedlichen Gründen als favorisiertes Modell vorgestellt.
  4. Die „Netzwerkbildung“ (70) bildet den vierten Baustein: „Die Bildung von Netzwerken bietet viele Chancen für die Kindertagesseinrichtung, aber auch für Familien und einzelne Kinder, sich (soziale) Unterstützung zu sichern. Netzwerke können somit helfen, Schwierigkeiten zu bewältigen. Allerdings bedarf der Aufbau, aber auch der Erhalt von Netzwerken eines Aufwandes, für den Ressourcen zur Verfügung gestellt werden müssen. Netzwerke sind keine automatischen ‚Selbstläufer‘, sie müssen gepflegt und ihre Wirkung muss immer wieder reflektiert werden.“ (77)
  5. Baustein fünf umfasst die „Evaluation eigener Maßnahmen und Angebote“ (77). Rönnau-Böse und Fröhlich-Gildhoff betonen die Wichtigkeit von Reflexion und Evaluation und zählen sie zum selbstverständlichen Bestandteil einer Einrichtung. Die sich aus Evaluationen ergebenden Vorteile und Verwendungsmöglichkeiten von Evaluationen für eine Einrichtung werden beschrieben, wie z.B. Dokumentation von Stärken und Kompetenzen der Kinder (78). Exemplarisch werden die Evaluation eines Kinderkurses zur Resilienzförderung und die Zusammenarbeit mit Eltern dargestellt und „standardisierte Instrumente zur Vorher-Nachher-Evaluation“ (82) kurz vorgestellt.

Ein abschließendes Kapitel widmet das Autorenteam den pädagogischen Fachkräften: „Förderung von Resilienz und seelischer Gesundheit im Fachkräfte-Team“ (88). Hier liefern Rönnau-Böse und Fröhlich-Gildhoff Daten unterschiedlicher Untersuchungen zu Belastungen und zur Zufriedenheit von Fachkräften und geben praxisorientierte Hilfestellungen und Tipps zur Gesundheitsförderung.

Diskussion

„Was Resilienzförderung von Kindern stark und widerstandsfähig macht“ so der Untertitel des Buches kann auch als Zusammenfassung der Intention der Autoren gesehen werden. Die Förderung der Resilienz wird nicht als ein isoliertes Element in der Frühpädagogik dargestellt, vielmehr wird durch die verbindende Zusammenschau auf Eltern, die Kindertageseinrichtungen in ihrer Gesamtheit und Institutionen innerhalb und außerhalb der Einrichtung Resilienzförderung von Kindern als eine differenzierte und allumfassende Aufgabe beschrieben. Dabei bleibt der Blick auf das Kind und seine Bedürfnisse gerichtet, die Notwendigkeit der wechselvollen Teamarbeit aller Beteiligten in der Kita wird klar benannt. Die zentralen Bausteine – Handlungsanweisungen um die Resilienz von Kindern zu fördern – greifen das Element der Vernetzung erneut auf. Auch hier spannt sich der Bogen von der Fachkraft zu den Eltern und zu allen Beteiligten. Die Interessenslagen für ein berücksichtigendes Miteinander werden deutlich dargestellt. Die einzelnen fünf Bausteine werden sehr nachvollziehbar präsentiert. Der Baustein 5 (Evaluation) ist klar beschrieben, allerdings ist der Anspruch an die Umsetzbarkeit sehr hoch. Es ist auch nur folgerichtig, dass die Resilienz der Fachkraft ebenfalls in den Fokus rückt. Die pädagogische Fachkraft ist zentrale Dreh- und Angelpunkt für die kindliche Entwicklung und ihr Einfluss, gerade auch auf die Fähigkeit resilient zu agieren, nicht zu unterschätzen. Ob allerdings ein autoritativer Erziehungsstil der Eltern (56) der allein richtige ist, darf angezweifelt werden, ebenso bleibt erscheint die „Haltungsarbeit des Teams“ (59) etwas unvermittelt

Fazit

Der Stellenwert und die in sich stimmige Einordnung der Förderung von Resilienz in ein umfassendes Bildungs- und Erziehungskonzept der Frühpädagogik machen diesen Praxisbegleiter zu einem lesenswerten Buch. Die umfassende und zugleich sehr praxisorientierte Auseinandersetzung mit den Themen der Resilienz im Kita-Alltag ist bestens geeignet, der interessierten Fachkraft sowohl differenzierte und weiterführende Anregungen zu geben, als auch mit einem schnellen Blick ‚blitzlichtartig‘ zu informieren.


Rezensentin
Christiane Bartosch
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Zitiervorschlag
Christiane Bartosch. Rezension vom 13.11.2015 zu: Maike Rönnau-Böse, Klaus Fröhlich-Gildhoff: Resilienz im Kita-Alltag. Was Kinder stark und widerstandsfähig macht. Herder (Freiburg, Basel, Wien) 2014. ISBN 978-3-451-32684-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/17557.php, Datum des Zugriffs 29.06.2016.


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