Michael Macscenaere, Eckhart Knab: Evaluationsstudie erzieherischer Hilfen (EVAS)
Michael Macscenaere, Eckhart Knab: Evaluationsstudie erzieherischer Hilfen (EVAS). Eine Einführung. Lambertus Verlag (Freiburg) 2004. 80 Seiten. ISBN 978-3-7841-1530-6. 8,00 EUR, CH: 14,80 sFr.
Hintergrund und Funktion des Buches
Vor einem ganz ähnlichen Hintergrund wie die Jugendhilfe-Effekte-Studie (vgl. dazu die Rezension von Petermann, F. & Schmidt, M. H. (2004). Qualitätssicherung in der Jugendhilfe. Weinheim / Basel: Beltz PVU) ist auch dieses Buch entstanden: Die Evaluationsstudie erzieherischer Hilfen (EVAS) begleitet evaluierend die Praxis der Jugendhilfe im Bereich des Hilfeplanverfahrens nach § 36 KJHG seit nunmehr über 5 Jahren. Es richtet sich wohl hauptsächlich an die verantwortlichen Fachkräfte in den Einrichtungen, Diensten und Jugendämtern, nach eigenen Angaben allerdings auch an Studierende und Fachschüler. In der Tat ist es gelungen, in einer kurzen, übersichtlichen und klar strukturierten Art und Weise, die zentralen Aspekte dieser umfangreichen Untersuchung darzustellen. Die Hauptbotschaft der Herausgeber: Das zur Verfügung gestellte Instrumentarium ist über sein zunächst nur evaluierendes Potenzial hinaus auch in der Lage, zur Qualitäts- und Organisationsentwicklung in den einzelnen Jugendhilfeeinrichtungen beizutragen.
Inhaltliche Einblicke in das Buch
Die einzelnen Kapitel wurden von den Mitarbeitenden des Instituts für Kinder- und Jugendhilfe in Mainz geschrieben und ergänzen sich gegenseitig gut zu einem Gesamtbild:
- Eckhart Knab stellt in einen kurzen Kapitel zunächst die nunmehr fünfjährige Entwicklungsgeschichte von EVAS dar und versucht darauf aufbauend, vor allem diesen einen Nutzen deutlich zu machen: Nämlich Evaluationsberichte als Anlass zur Qualitätsentwicklung vor Ort zu betrachten.
- Im nächsten Abschnitt legen Jens Arnold und Daniela Adams die theoretischen Grundlagen für das EVAS-Instrumentarium. Sie versuchen eine grobe Einordnung in die zur Zeit gebräuchlichen QE-Verfahren und leiten die einzelnen Abschnitte der Dokumentationsbögen aus den jugendhilferelevanten Qualitätsdimensionen nachvollziehbar ab.
- Konsequenterweise folgt nun die Darstellung des Untersuchungsplans insgesamt und die der Instrumente im Einzelnen. Michael Macsenaere und Timo Herrmann gehen dabei auf alle wichtigen Anwendungs- und Umsetzungsfragen ein. Allerdings wird an der Stelle der beträchtliche Dokumentationsaufwand für die Fachkräfte besonders deutlich: Es ist schon mit Arbeit verbunden, die umfangreichen Bögen für jeden einzelnen Hilfeprozess vollständig, zuverlässig und regelmäßig zu bearbeiten. Unklar bleibt übrigens, warum im Anhang nur der Aufnahme- und der Abschlussbogen, nicht aber der eigentliche Verlaufsbogen abgedruckt ist.
- Für PraktikerInnen besonders interessant dürfte der folgende Abschnitt mit praktischen Implementierungshinweisen sein. Andrea Appel geht dabei z.B. auf die Fragen nach Mitsprachemöglichkeiten, der Planung zeitlicher Ressourcen, der Begegnung von Kontrollängsten und auch der Motivation der Mitarbeitenden, 'bei der Stange zu bleiben', ein.
- Die wichtigsten Ergebnisse von EVAS referiert im nächsten Kapitel Timo Herrmann. Auf der Basis der bisher vorliegenden Daten (immerhin nahezu 12000 dokumentierte Hilfeverläufe) geht er auf Fragen ein wie etwa 'Wird die Kinder- und Jugendhilfeklientel immer älter und immer 'schwieriger'?' oder 'Hängt die Strukturqualität mit dem Abbau von Defiziten und mit der Förderung von Ressourcen zusammen?'
- Daniela Adams nimmt dann die einleitende These des Buches noch einmal ausführlich auf: Sie zeigt, wie mit Hilfe von EVAS Veränderungsprozesse in den Einrichtungen initiiert und umgesetzt werden können. Dieses Kapitel aber dann auch gleich als einen "Handlungsleitfaden auf dem Weg zu einer lernenden Organisation" zu bezeichnen, nur weil Kline & Saunders' "Zehn Schritte zur Lernenden Organisation" (1996) übernommen worden sind, scheint allerdings etwas übertrieben.
- Der letzte Abschnitt lenkt den Blick auf die künftige Weiterentwicklung des Instrumentariums und thematisiert im Sinne eines Fazits die Perspektiven von EVAS im Blick auf eine generelle, wirkungsorientierte Steuerung in der Jugendhilfe. Dass dazu abschließend noch Reinhard Wiesner, der 'Vater des KJHG', zu Wort kommt, rundet das Buch mit einem generalisierenden Blick sinnvoll ab.
Fazit
An vielen Ecken dieses ansprechenden und gelungenen Buches klingt sein für die 'EVAS-Methode' werbender Charakter deutlich (manchmal etwas zu deutlich) heraus. Dies ist wohl Ausdruck des inzwischen hart umkämpften Marktes, auf dem ganz verschieden akzentuierte Evaluations-, Qualitätsmanagement- und Qualitätsentwicklungskonzepte nicht nur in der Jugendhilfe miteinander konkurrieren. Was den vorliegenden Ansatz ehrt, nämlich seine empirische Gründlichkeit und methodische sowie inhaltliche Differenziertheit, ist gleichzeitig auch sein großer Nachteil auf diesem Markt: Das Instrumentarium ist aufwändig und im praktischen Alltag sperrig. Die Frage, ob der notwendige Dokumentationsaufwand langfristig vertretbar ist (und auch nur dann kommen ja die entscheidenden Vorteile im Hinblick auf ableitbare Qualitäts- und Organisationsentwicklungsperspektiven erst richtig zum Tragen), ist aus der Sicht der verantwortlichen Fachkräfte wohl berechtigt. Die Herausgeber beantworten sie gleich auf der ersten Seite mit 'ja' und werden mit diesem nicht zuletzt günstigen Buch (8 € - ein toller Preis!) auch sicher gute Überzeugungsarbeit leisten.
Rezensent
Prof. Dr. Joachim König
Evangelische Hochschule Nürnberg, Fakultät für Sozialwissenschaften.
Allgemeine Pädagogik, Empirische Methoden, Jugendarbeit/Jugendsozialarbeit, Jugend- und Erwachsenenbildung, Praxisberatung und Fortbildung in Qualitäts- und Evaluationsfragen.
Leiter des Instituts für Praxisforschung und Evaluation im kirchlichen, sozialen und Bildungsbereich.
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Zitiervorschlag
Joachim König. Rezension vom 16.11.2004 zu: Michael Macscenaere, Eckhart Knab: Evaluationsstudie erzieherischer Hilfen (EVAS). Lambertus Verlag (Freiburg) 2004. 80 Seiten. ISBN 978-3-7841-1530-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/1760.php, Datum des Zugriffs 08.02.2012.
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