socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Liga der freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg e.V. (Hrsg.): Standards in der Altenpflege

Cover Liga der freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg e.V. (Hrsg.): Standards in der Altenpflege. Wissen und Orientierung für die Praxis. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2014. 81 Seiten. ISBN 978-3-7841-2694-4. D: 16,90 EUR, A: 17,40 EUR, CH: 24,50 sFr.
Recherche bei DNB KVK GVK.

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

Thema des Buchs sind Standards in der Altenpflege.

Entstehungshintergrund

Diese Broschüre entstand im Rahmen einer Projektarbeit mehrere Studierender des Studiengangs Pflege /Pflegemanagement der Uni Esslingen.

Sinn und Zweck dieser Projektarbeit der Studierenden ist die Erstellung eines fundierten Auswertungsinstruments. Es dient auch der Orientierung im Alltag und kann Anregungen bei schwierigen Themen geben. Zusätzlich soll es als Evaluationsinstrument für Pflegevisiten zur Verfügung stehen.

Aufbau

Diese Broschüre ist recht übersichtlich aufgebaut. Der grundsätzliche Aufbau zeigt

  • im ersten Schritt die Expertenstandards auf,
  • im zweiten die Kontrakturprophylaxe ohne Basis eines Expertenstandards,
  • im dritten Schritt die Körperpflege und
  • als letzten Punkt die Biografie- und physischen Aspekte.

Innerhalb der einzelnen Themen finden sich Beschreibungen zu den Punkten:

  • Relevanz
  • Literatur
  • Dokumentation mit folgendem pflegefachlichen Inhalt, so bezogen auf Pflegehilfsmittel, Prophylaxen und Beratung.

Die einzelnen Themen selbst sind in Tabellenform dargestellt und klären auf zu wichtigen Dokumentationsregeln, Assessments und Pflegemaßnahmen. Einige Punkte sind konkret erklärt, andere hingegen bestehen nur aus einer Überschrift.

Vor den Expertenstandards selbst stehen jeweils wichtige Inhalte zu der jeweiligen Relevanz, Begriffserklärung und Literaturhinweise.

Inhalt

Der Inhalt der Broschüre ist pflegefachlicher Natur. Das Vorwort informiert uns über den Zweck der Broschüre. Sie soll den Leser in die Lage versetzen, zu prüfen, ob zum Beispiel Prüfungspersonen pflegefachlich korrekt prüfen.

Zudem soll hier ein Auswertungsinstrument für die Praxis angeboten werden.

Das Vorwort des Herausgebers lobt noch einmal den Sinn und Zweck der Broschüre und leitet direkt zu den wichtigsten Abkürzungen über.

Damit der Leser über das Thema Expertenstandards informiert wird, gibt es einen einleitenden Teil, der einige inhaltliche Aspekte dazu vertieft.

Nun beginnt der pflegefachlich interessante Teil, denn es werden die Expertenstandards kurz und knapp in Tabellenform vorgestellt. In Stichpunkten sind die wichtigsten Aspekte des Themas in der Tabelle so gehalten, dass der Leser meist eine Erklärung dazu erhält.

Da das Thema Kontrakturenprophylaxe auch ohne Basis eines Expertenstandards wichtig ist, wird dies im Anschluss herausgearbeitet und in der bekannten Tabellenform dargestellt. Auch hier stellt sich sehr viel Literatur zum Nachlesen dar, die etwas den Lesefluss beeinträchtigt.

Nach diesem wichtigen Thema folgt nun die Körperpflege mit vielen sinnvollen Hinweisen für die individuelle Pflege alter Menschen.

Auch die folgende Beschreibung der Biografiearbeit zeigt dem Leser, was er bei der Erarbeitung beachten muss.

Es folgen die Beschreibung von Lebensqualität, sozialer Teilhabe, freiheitsentziehender Maßnahmen und dem Umgang mit Demenz.

Die Broschüre schließt ab mit der Palliative Care, mit kurzen und markanten Angaben.

Diskussion

Aktualität. Die Broschüre sagt uns schon im Vorfeld, dass es sein kann, dass einige Texte nicht mehr ganz aktuell sind, weil sich zum Beispiel Expertenstandards inhaltlich Änderungen unterzogen haben. Da ist fraglich, ob dieses Medium, welches als Buch nie tagesaktuell sein kann, wirklich sinnvoll ist. Bereits am Tage der Erscheinung zeigt sich daher „veraltetes“ Wissen. Dies ist nicht Autoren anzulasten, sie können nicht einmal mehr reagieren, als eben im Vorfeld dieses Manko anzukündigen. Dies schreibe ich auch in dem Wissen, dass jede MDK-und Heimaufsichtsprüfung das aktuelle Wissen abverlangt, nicht das, was man zuletzt gelesen hat. Viele Quellen halte ich schlicht für zu alt und überholt. Gerade dann, wenn es üblich ist, Fachzeitungen nach mindesten zwei Jahren zu entsorgen, weil sich das Pflegewissen einfach zu schnell weiterentwickelt.

Nutzen. Die Broschüre verfolgt das Ziel, ein Nachschlagewerk zu sein. Pflegefachkräfte brauchen aktuelles Wissen. Dies für eine Prüfung, im Alltag und auch für Fortbildungszwecke. Pflegehilfskräfte, welche engagiert sind, können die Broschüre durchaus als wertvolles Instrument nutzen. Sie sind hier weniger auf die exakten inhaltlichen Kleinigkeiten angewiesen, sondern eher auf die Erklärungen, worauf sie achten sollen und wie einzelne Pflegeinhalte in Beziehung stehen. Für Schulungszwecke, als Richtschnur für die Schulung mehrerer Inhalte halte ich die Broschüre auch für sinnvoll. Allerdings wird hier die Anwendung durch die vielen inhaltlichen Verweise erschwert. Die müssen ja vorher noch recherchiert und evtl. aktualisiert werden. In diesem Sinne sehe ich die Broschüre als schönes Produkt, welches als Ergebnis dieser Projektarbeit hervorging, aber nicht speziell für den Einsatz im Alltag konzipiert wurde. Hintergrundwissen zu einzelnen Teilaspekten sind nur im Ansatz vorhanden.

Anwendbarkeit in der Praxis. Da die Inhalte vielfach nur abgeschrieben sind, wurde dieser wahrscheinlich schon des öfteren von den Pflegefachkräften gelesen. Dann kann die Broschüre hier als Zusammenfassung gelten. Allerdings auch nur, wenn der Inhalt noch aktuell ist. Ich vermisse hier Nutzensorten, also anwendbare Instrumente. Dazu würden Checklisten zählen, die mir sagen, ob ich alles erledigt habe. Oder ein Test, der das Wissen abfragt oder ein Formular, welches ich in der Praxis einsetzen kann. Das finde ich hier nicht, wäre jedoch eine große Arbeitserleichterung für den Leser. Eine Onlineunterstützung könnte jeweils den Austausch anbieten, wenn es Änderungen gibt.

Fachwissen. Leider haben sich hier einige Punkte eingeschlichen, die nicht zu 100 Prozent recherchiert wurden. So wird hier z. B. der MNA empfohlen, obwohl für die Altenpflege dieser nicht sehr aussagefähig ist. Zudem wird immer noch von „Lagerung“ gesprochen, obwohl längst andere Begriffe anzuwenden sind.

Format. Das Format verspricht eine Abkopiermöglichkeit und die Nutzung im Alltag. Es soll Nutzen bringen. Hier finde ich zwar Tabellen, aber sie sind für den Alltag nicht geeignet, da sie nicht direkt einen Nutzen bringen. Es sind keine Handlungsanweisungen, keine Überprüfungsinstrumente oder Checklisten. Außerdem sind die Tabellen so gesetzt, dass sie nicht einfach kopiert werden können. Es wird hier durch das Format sehr viel Platz verschwendet, es wirkt trotz großer Schrift und Übersichtlichkeit verwirrend durch die leitende Tabellenform.

Preis / Leistungsverhältnis. Da die Broschüre nicht sehr teuer ist, kann man mit dem Kauf auch nicht viel verkehrt machen. Allerdings hätte sie sehr viel teurer verkauft werden können, wenn mehr direkter Nutzen eingebaut worden wäre.

Fazit

Als zusammenfassendes Fazit möchte ich die Broschüre als nutzbringendes und lesenswertes Pflegebüchlein für die schnelle Lesepause zwischendurch nennen. Die übersichtliche Tabellenform lässt den Leser schnell den Faden wieder aufnehmen, wenn er die Broschüre aus der Hand gelegt hat. Er kann sich in den wichtigsten Pflegethemen grob orientieren und auf den Stand von 2012 bringen. Und dies genau ist das Problem. Bis so eine Broschüre fertig und zum Versandt bereit steht, ist viel Text bereits veraltet.

Um mich schnell selbst zu überprüfen, ob ich alles zu der genannten Pflegemaßnahmen durchgeführt und dokumentiert habe, ist die Broschüre sinnvoll.

Als Nachschlagewerk für Pflegefachkräfte mit aktuellem Fachwissen ist sie leider nicht sehr zu empfehlen.


Rezensentin
Anke Kasimir
Gesundheits- und Krankenschwester, Lehrerin für Pflegeberufe, Qualitätsmanagerin, Pflegesachverständige i. W. www.anke-petra-kasimir.de
Homepage www.anke-petra-kasimir.de
E-Mail Mailformular


Alle 4 Rezensionen von Anke Kasimir anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Anke Kasimir. Rezension vom 08.01.2015 zu: Liga der freien Wohlfahrtspflege in Baden-Württemberg e.V. (Hrsg.): Standards in der Altenpflege. Wissen und Orientierung für die Praxis. Lambertus Verlag GmbH (Freiburg) 2014. ISBN 978-3-7841-2694-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/17691.php, Datum des Zugriffs 23.07.2016.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

Stellenangebote

Einrichtungsleiter/in Bereich Seniorenbetreuung, Lünen

Einrichtungsleiter (w/m), Stuttgart (Großraum)

Weitere Anzeigen im socialnet Stellenmarkt.

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Schon 12.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft

Gehören Sie auch schon dazu?

Ansonsten jetzt für den Newsletter anmelden!