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Klaus Ahlheim, Rose Ahlheim (Hrsg.): Frühe Bildung - früher Zugriff?

Cover Klaus Ahlheim, Rose Ahlheim (Hrsg.): Frühe Bildung - früher Zugriff? Offizin (Hannover) 2014. 203 Seiten. ISBN 978-3-930345-99-1. D: 15,00 EUR, A: 15,50 EUR, CH: 23,00 sFr.
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Thema

Thema der vorliegenden Publikation ist die frühkindliche Bildung. Diese wird aus verschiedenen Perspektiven – aus Sicht der empirischen und historischen Bildungsforschung, aus früh- und erwachsenenpädagogischer sowie psychoanalytischer Perspektive - kritisch unter die Lupe genommen.

Herausgeber/innen und Autor/innen

Herausgeber/innen des Bandes sind Prof. Dr. Klaus Ahlheim, ehemaliger Professor für politische Erwachsenenbildung an der Universität Duisburg-Essen, und Rose Ahlheim, Diplom-Pädagogin, Sonderschullehrerin und analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin. Letztere leitet eine Säuglingsambulanz am Institut für analytische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie Esther Bick in Berlin.

Zum Band haben insgesamt zehn Autorinnen und Autoren beigetragen. Zwei von ihnen (darunter der Herausgeber) sind emeritierte Professoren an Universitäten in den Bereichen politische Erwachsenenbildung bzw. Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Soziologie der Erziehung uns des Bildungswesens, eine Autorin ist Professorin für Psychoanalyse. Alle anderen sind in der analytischen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie bzw. einer von ihnen in einer psychoanalytisch orientierten Sozialpädagogischen Familienhilfe tätig.

Entstehungshintergrund

Die Publikation ist erschienen als Band 9 in der Reihe ‚Kritische Beiträge zur Bildungswissenschaft‘, die von Prof. Dr. Klaus Ahlheim selbst herausgegeben wird und in der kürzlich bereits der zehnte Band erschienen ist. Auch bei sieben anderen Bänden dieser Reihe wirkte er als Autor bzw. Co-Autor mit. Während sich die anderen Bände schwerpunktmäßig Aspekten der politischen (Erwachsenen-)Bildung widmen, werden in ‚Frühe Bildung – früher Zugriff‘ erstmalig Fragen der frühkindlichen Bildung in den Blick genommen. Die Beiträge der Buchreihe „setzen sich kritisch mit dem wissenschaftlichen Mainstream und seiner Tendenzen zur Verklärung des Status quo auseinander“ (Flyer zur Buchreihe). Mit einer solchen kritischen Perspektive verfolgen die Autorinnen und Autoren der vorliegenden Publikation die Absicht, „kritisch Bilanz aus Sicht der empirischen und historischen Bildungsforschung, aus früh- und erwachsenenpädagogischer Sicht und aus psychoanalytischer Perspektive zu ziehen“ (Buchcover Rückseite).

Aufbau und Inhalt

Im Anschluss an ein Vorwort der beiden Herausgeber finden sich im Band neun Beiträge sowie ein gemeinsames Literaturverzeichnis.

Im Vorwort führen Klaus Ahlheim und Rose Ahlheim kurz in das Thema ein, zitieren aus ausgewählten Dokumenten des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sowie der Bundesregierung/der Regierungschefs der Länder und zeigen an diesen auf, dass in bildungspolitischen Veröffentlichungen rund um frühkindliche Bildung das „Kindeswohl . bisweilen doch zu kurz“ komme (S. 8) – ein Grund, aus den o.g. Perspektiven her „kritisch Bilanz“ (ebd.) zu ziehen. Im Folgenden skizzieren sie die Inhalte der einzelnen Beiträge.

In den ersten drei Beiträgen wird aus historischer Perspektive ein Blick geworfen auf die Familie, ihre Bilder und Realitäten (Thomas Kuchinke), auf die Erziehung im Nationalsozialismus und deren Nachwirkungen in beiden deutschen Staaten (Rose Ahlheim und Margarete Meador) sowie auf die Krippenerziehung in der DDR (Agathe Israel).

Kuchinke beginnt seinen Beitrag „Vom Nest zum Netzwerk. Familie im geschichtlichen Wandel“ mit einem Blick auf Aussagen aus politischen Programmen rund um das Thema Familie und ihre Rolle im Bildungsgeschehen. Er geht auch auf den Titel der Publikation ein. „Frühe Bildung – früher Zugriff“ ziele auf das Eingreifen des Staates und frage „mit dem Begriff des polizeilichen Jargons der präventiven Kontrollaktivität (Festnahme z.B.) nach der Überwachung des einzelnen, wie sie üblicherweise nicht gerne mit dem Bildungsbegriff verbunden gesehen“ (S. 16) werde. Sein Rückblick auf Familienbilder und -Realitäten beginnt in den 1880er Jahren. Er wird angereichert u.a. mit familienrechtlichen und sozialpolitischen Aspekten und mit durch Wissenschaft und Ratgeberliteratur vermittelten Bildern. Zum Ende hin stellt er die Frage, wie das Kind als „Humankapital-Ressource“ (S. 27) wohlfahrtstaatlich geschützt und gefördert werden kann und verweist auf die politische Dimension des Themas.

Der Beitrag „Ideologiegeleitete Empathieverweigerung im nationalsozialistischen Deutschland und in den beiden deutschen Nachkriegsstaaten“ von Rose Ahlheim und Margarete Meador, der ursprünglich als Dialogvortrag für ein Symposium verfasst worden war und in dieser Dialogform abgedruckt ist, focussiert die Erziehungspraxis in der NS-Zeit. Zentral wird dabei auf das erstmals 1934 erschienene und bis in die 1980er Jahre (!) publizierte Ratgeberbuch von Johanna Haarer Bezug genommen. Die Autorinnen zeigen ferner die „Empathieverweigerung“ insbes. im Krippenwesen der DDR sowie im Umgang mit Neugeborenen und Kleinkindern den frühen Jahren der BRD auf und stellen die Folgen für die „innere Welt des Kindes“ (S. 42) dar.

Agathe Israel schildert in „Frühe Fremdbetreuung. Erfahrungen mit der Krippenerziehung in der DDR“ anschaulich das Krippenwesen und die Lebenssituation junger Eltern in der ehemaligen DDR incl. einer eigenen Untersuchung zu Folgen von Krippenerfahrungen auf die Persönlichkeitsentwicklung und die Gesundheit. Sie setzt sich mit dem „Kontextwandel für das Großziehen von Kindern“ (S. 49) auseinander, den sie sowohl in der DDR als auch aktuell wahrnimmt und stellt Folgerungen für das an, was Kinder in der Krippe benötigen (vgl. S. 71). Im Focus stehen hier Anforderungen an Erzieherinnen.

Im vierten Beitrag wird die frühkindliche Bildung im Kontext sozialer Ungleichheit betrachtet. Peter Büchner arbeitet zentrale Aspekte von Bildungsungleichheiten heraus, die bereits im frühesten Alter ihren Ursprung haben. Er wendet sich gegen eine Verengung des Bildungsdiskurses allein auf Schulfähigkeit, verweist auf die Bedeutung der Familie und der Rahmenbedingungen institutioneller Bildung und Betreuung für frühkindliche Bildungsprozesse sowie des Krippenausbaus zur Vermeidung herkunftsbedingter Bildungsbenachteiligung.

Im Mittelpunkt der folgenden Beiträge stehen die Themen Bindung und Beziehung. Marianne Leuzinger-Bohleber widmet sich im fünften Beitrag („Jede Kultur schafft sich unbewusst die Früherziehung, die sie braucht, aber auch jene, die sie verdient“) der Bedeutung von Bindung für frühkindliches Lernen. Sie referiert Ergebnisse einer Studie zu Langzeitwirkungen früher Fremdbetreuung aus den USA und stellt anhand dieser sowie weiterer Studien incl. einer eigenen vergleichenden Untersuchung von Schüler/innen in Ost- und Westdeutschland aus den frühen 1990er Jahren die Bedeutung „früher, kontinuierlicher und empathischer Beziehungserfahrungen“ (S. 94) für die Entwicklung von Kindern heraus. Aus Erkenntnissen aus der Bildungs-, Hospitalismus-, Säuglings- und Mentalisierungsforschung zieht sie Schlüsse für die Bedeutung von elterlicher bzw. individueller häuslicher Betreuung sowie erforderlicher Unterstützungsleistungen für Familien.

Hieran schließt inhaltlich unmittelbar der Beitrag von Claudia Burkhardt-Mußmann an, in dem ein Präventions- und Forschungsprojekt zur Schaffung von Bedingungen für gute Beziehungserfahrungen zwischen Migranten-Müttern und ihren Kindern beschrieben wird. Ihre Kritik richtet sich u.a. gegen vorherrschende Programme zur Sprachförderung und zur Begleitung von Eltern sowie gegen eine institutionelle Betreuung von Kleinkindern ohne intensive Zusammenarbeit mit den Eltern. „Frühkindliche Bildung“ sei „ein Machbarkeitswahn“, so der Titel. In erster Linie ginge es um Beziehungsarbeit, Bildung sei „ein Zusatznutzen“ (S. 132).

Im siebten Beitrag nimmt Gisela Weigand die Beziehungen zwischen Kindern und der sie betreuenden Fachkraft unter die Lupe und fragt „Frühe Bildung oder geteilte Betreuung – was brauchen Unter-3-Jährige und ihre Eltern?“ (Titel) Auch hier wird erneut die sichere Bindung als zentrale Grundlage herausgestellt und „die Fähigkeit der emotionalen Verfügbarkeit der Bezugspersonen“ (S. 136). Weigand sieht die Gefahr, dass schulische Curricula mit „tradierten, instruktiven Lehr-Lernbeziehungen“ (S. 137) Eingang finden in Kindergarten und Krippe und dass das Thema von Beziehungen zwischen Fachkräften und Kindern bzw. deren Eltern außen vor bleiben. Die Frage nach dem, was Kinder und Eltern brauchen, führt sie zu der, was Fachkräfte benötigen, um ihre Arbeit gut leisten zu können und zur Kritik an den aktuellen Aus- und Weiterbildungskonzepten.

Welche Bedeutung den Erwachsenen (Eltern und Fachkräften) im Rahmen des Zusammenseins mit Klein- und Kleinstkindern zukommt, zeigt auch der achte Beitrag von Rose Ahlheim und Rita Stockmann. Diese stellen die Beobachtung von Kindern – die interessanterweise Weigand im vorangehenden Beitrag als „fachlich inakzeptabel“ (S. 150) ablehnt – in den Mittelpunkt. Es gehe darum, vom „Kind her denken“ zu lernen und „Babybeobachtung als pädagogische Propädeutik“ (Titel) zu begreifen. Sie schildern anschaulich das Vorgehen im Rahmen einer Langzeitbeobachtung von Kleinstkindern in ihrer Familie im Rahmen eines Baby-Beobachtungs-Seminars. Beobachtung liefere die Grundlage für ein Erkennen der Bedürfnisse, Fähigkeiten und Interessen eines Kindes und trage dazu bei, eine „erwachsene Unterstützung kindlicher Lern- und Bewältigungsstrategien“ S. 166) zu leisten.

Im letzten Beitrag des Bandes ordnet Klaus Ahlheim die frühkindliche Bildung in den Kontext lebenslangen Lernens ein. Er geht dem Wandel der Erwachsenenbildung und ihrer zunehmenden Veränderung v.a. im Kontext des neoliberalen Zeitgeists und der Ökonomisierung nach. Die „Pflicht zum lebenslangen Lernen“ habe „auch die Allerjüngsten erreicht“ (S. 177), die „Diskussion um öffentliche Kindererziehung“ erscheine teilweise „als sei sie nur ein Annex der ökonomischen Hochrüstung der Republik“ (ebd.). Auch das Thema Chancengleichheit taucht hier erneut auf, jedoch anders gewendet. Der gesamte Band zeige, dass der Begriff der frühkindlichen Bildung nicht überstrapaziert werden solle (vgl. S. 181). Sozialer Aufstieg durch möglichst frühe Bildung sei angesichts von Armut, Arbeitslosigkeit und von Massen wahrgenommener Bildungsangebote eine Illusion, trotzdem bliebe „- paradox genug - die Forderung nach gleichen und gerechten Bildungschancen für alle“ (S. 182) aktuell.

Diskussion

Das Buch zeigt anschaulich, aus welch unterschiedlichen Richtungen ein „früher Zugriff“ (Titel) auf die frühe Bildung erfolgen kann. Die Beiträge rufen eindrücklich zum Mitdenken und zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema auf.

Der aktuelle Ausbau im Bereich der Kindertageseinrichtungen, hier besonders der Ausbau des Betreuungsangebots für Unter-Dreijährige, muss kritisch begleitet werden. Dazu beizutragen, ist ein Verdienst des vorliegenden Bandes. So darf der Ausbau z.B. keine Rechtfertigung werden für die Wirtschaft, Familien zu nötigen für (geringes) Entgelt immer mehr zu arbeiten und ihre Kinder rund um die Uhr in fremde Hände zu geben. Er darf auch kein Einfallstor bieten für eine Vorverlagerung schulischen Lernens und schulischer Curricula in den Elementarbereich. Ebenso gilt es, noch umfassenderes Wissen zu erlangen über die im Band aufgeworfenen Fragen der institutionellen Betreuung von Kleinstkindern, der Möglichkeiten und erforderlichen Rahmenbedingungen von Bildung, des (auch politischen) Spannungsfeldes, in dem sich der frühpädagogische Bereich bewegt, der Chancen und Gefahren und der Fragen darüber, was Kleinst- und Kleinkinder sowie deren Eltern brauchen.

Hierzu bedarf es vermehrter Wissenschaft im frühpädagogischen Bereich und erweiterten Erkenntnisgewinns. Zu lange war die Elementarerziehung in Deutschland eine weitgehend ‚akademiker/innenfreie‘ Zone. Die (geringe) Forschung und Lehre fand so gut wie gänzlich unabhängig von der Praxis frühkindlicher Erziehung, Bildung und Betreuung statt. Dies öffnete in zweihundert Jahren öffentlicher Kleinkinderziehung auch Raum für fragwürdige Konstrukte (z.B. Kleinkinderbewahranstalten, Kleinkind‚schulen‘, Wochenkrippen), einen „Zugriff“ des Staates unter wechselnden sozial-, wirtschafts-, familien- und frauenpolitischen Vorzeichen und für ‚Konjunkturschwankungen‘, bei denen mal der eine, mal ein anderer Aspekt der Trias Erziehung, Bildung und Betreuung im Vordergrund stand.

Seit fünfzehn Jahren ist das gesamte Feld in großer Wandlung begriffen. Seitdem, seit dem „PISA-Schock“, hat auch das Thema Bildung wieder Konjunktur. Leider vermisse ich im Band eine eingehendere Auseinandersetzung mit dem Bildungsbegriff und den Bildungsansätzen, wie sie aktuell in der Forschung und der Praxis sowie der Aus- und Weiterbildung der Frühpädagogik verwendet und verfolgt werden. In einigen Beiträgen gerät „Bildung“ so eher zu einem Schlagwort, gegen das sich die Kritik der Autor/innen aus ihrer jeweiligen Perspektive richtet.

Auch im Hinblick auf andere Aspekte, die von einzelnen Autor/innen kritisch betrachtet werden (u.a. Beobachtung und Dokumentation, Aus- und Weiterbildung) fehlt mir teilweise eine vertiefte Betrachtung. Der Anspruch ‚kritisch‘ zu sein, bedeutet auch eine Gratwanderung: Es droht die Gefahr, an Stellen, an denen sich kritisch gegen aktuelle, ggf. vermeintliche, Normen geäußert wird, selbst normativ zu argumentieren. So gilt es z.B. im Kontext von Fragen rund um die Rolle und die Fähigkeiten einer Mutter (Der Vater taucht nicht wirklich auf, nur als „Eltern“.) im Vergleich zu einer Fachkraft gilt es, auch eigene Bilder von Familie, Rollen und „Fremdbetreuung“ zu hinterfragen.

Dass der Fokus in einer Reihe von Beiträgen auf die Erwachsenen im Geschehen – Eltern und Fachkräfte - gerichtet wird, erachte ich als außerordentlich wichtig. Genau daran wird bereits vielerorts gearbeitet: So gibt es zahlreiche Bemühungen um die Professionalisierung von Erzieher/innen und Kindheitspädagog/innen (die auch auf die Personen selbst, auf ihre Subjekt- und Sozialkompetenzen gerichtet sind) und Studiengänge, in denen sowohl die Förderung der selbstreflexiven Fähigkeiten von Studierenden als auch ihrer Kompetenzen für die Zusammenarbeit mit Eltern und die Bildungsarbeit mit Eltern einen hohen Stellenwert einnehmen.

Die frühe Bildung auch im Kontext von Ungleichheit und Bildungsgerechtigkeit zu betrachten, ist zentral für einen solch kritisch angelegten Band und trifft nicht zuletzt aktuelle Diskurse zur Inklusion (in einem weiten Verständnis des Begriffs). Peter Büchners fundierter Beitrag zeigt hier eindrücklich die Bedeutung von Krippen als Institutionen, die herkunftsabhängiger Bildungsbenachteiligung entgegenwirken können und gibt zahlreiche Anstöße für eine eingehendere Beschäftigung mit den aufgeworfenen Aspekten.

Hervorheben möchte ich auch die kritische Auseinandersetzung mit dem Ratgeber „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ von Johanna Haarer, das Generationen von Eltern, v.a. Mütter, in ihrer Haltung gegenüber ihren Kindern und ihren Handlungen beeinflusst hat und das deshalb in seinem Einfluss auch auf heutige Eltern und Erwachsene, die mit Kindern arbeiten, nicht unterschätzt werden sollte.

Vor einem lediglich schnellen Überfliegen des Buches möchte ich warnen. Angesichts tw. aussagekräftiger Begriffe in den Titeln („Zugriff“, „Empathieverweigerung“, „Machbarkeitswahn“ u.a.) und einzelner drastisch formulierter Textpassagen in den Artikeln läuft die Leserin/der Leser Gefahr vorschnell anzunehmen, das gesamte Buch richte sich gegen eine institutionelle Erziehung, Bildung und Betreuung von Kindern. Nationalsozialistische Erziehung und das Krippenwesen in der DDR, politische Vereinnahmungen des Elementarbereichs und neuere Entwicklungen hätten gezeigt, wie schädlich „frühe Fremdbetreuung“ sei, während der Mutter und der Familie („Nest“) die höchste Bedeutung zukomme. Die Kritik und die Forderungen genauer zu erfassen, erfordert eine intensivere Lektüre. Bei dieser zeigen sich dann die unterschiedlichen Ausgangspunkte der Autor/innen und es erschließen sich differenziertere Betrachtungsweisen.

Der Band präsentiert sich mit einer Vielzahl von Perspektiven auf die neuen Entwicklungen im Bereich früher Bildung, Erziehung und Betreuung. Größeren Raum nimmt die psychoanalytische Sicht ein. Auffällig ist, dass kein Artikel aus explizit frühpädagogischer Perspektive einbezogen wurde.

Zielgruppen

Interessant ist der Band aus meiner Sicht v.a. für

    • einschlägig in der Praxis Tätige
    • einschlägig Forschende, die den im Band aufgeworfenen Fragen nachgehen möchten,
    • einschlägig Lehrende, die anregende Artikel für ihre Lehre suchen und denen der eine oder andere Beitrag zur gemeinsamen Lektüre und Diskussion in Lehrveranstaltungen empfohlen werden kann (z.B. die Beiträge von Peter Büchner, Rose Ahlheim/Margarete Meador, Agathe Israel, Rose Ahlheim/Rita Stockmann),
    • für Studierende der Kindheitspädagogik und Schüler/innen an Fachschulen, die ausgewählte Artikel im Zusammenhang mit Fragen rund um die Zusammenarbeit mit Eltern, um Diversität und Selbstreflexion diskutieren möchten.

Fazit

Der vorliegende Sammelband löst das Ziel ein, aus verschiedenen Perspektiven kritische Blicke auf die frühkindliche Bildung zu werfen. Die ausgeworfenen Fragen bieten nicht zuletzt wichtige Ansatzpunkte für weitere Forschung und für eine reflexive Betrachtung des Alltags in Krippen. Eine – je nach eigenen Schwerpunkten und Interessen auszugsweise – Lektüre kann sehr empfohlen werden.


Rezensentin
Prof. Dr. Elke Kruse
Dipl.-Päd., Dipl.-Soz.Päd., Professorin für ‚Erziehungswissenschaft, insbes. Pädagogik der Kindheit und Familienbildung‘ an der Hochschule Düsseldorf, Dekanin des Fachbereichs Sozial- und Kulturwissenschaften
Homepage soz-kult.hs-duesseldorf.de/personen/kruse
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Zitiervorschlag
Elke Kruse. Rezension vom 26.08.2015 zu: Klaus Ahlheim, Rose Ahlheim (Hrsg.): Frühe Bildung - früher Zugriff? Offizin (Hannover) 2014. ISBN 978-3-930345-99-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/17768.php, Datum des Zugriffs 30.07.2016.


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