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Klaus Fröhlich-Gildhoff, Iris Nentwig-Gesemann u.a. (Hrsg.): Profession und Professionali­sierung

Cover Klaus Fröhlich-Gildhoff, Iris Nentwig-Gesemann, Norbert Neuß (Hrsg.): Profession und Professionalisierung. FEL Verlag Forschung Entwicklung Lehre (Freiburg) 2014. 336 Seiten. ISBN 978-3-932650-66-6. 24,00 EUR.

Forschung in der Frühpädagogik VII.
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Thema

Die vorgestellte Publikation greift die umfangreichen und dynamischen Veränderungen der letzten Jahre in den Bereichen Ausbildung, Praxis- und Forschungsfeldern der Frühpädagogik auf. Hauptsächlich werden Studien, empirische Forschungen und wissenschaftliche Arbeiten zum thematischen Schwerpunkt Profession und Professionalisierung gebündelt bzw. aufgegriffen.

Die Beiträge namhafter AutorInnen liefern wissenschaftlich fundierte Einblicke über die Veränderungsbemühungen und Entwicklungen im theoretischen und praktischen Handlungsfeld der Frühpädagogik und nehmen darüber hinaus Bezug auf die Weiterentwicklung der verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen. In den wissenschaftlichen Ausführungen wurden unterschiedlichste quantitative und qualitative Forschungszugänge bzw. Methoden berücksichtigt und eingesetzt. Beiträge zu allgemeinen Bereichen des Themenfelds Frühpädagogik ergänzen zudem den thematischen Hauptteil des Werkes.

Herausgeber und Herausgeberin, Autorinnen und Autoren

Prof. Dr. Klaus Fröhlich-Gildhoff ist hauptamtlich als Dozent für Klinische Psychologie und Entwicklungspsychologie an der Evangelischen Hochschule Freiburg tätig. Darüber hinaus fungiert er dort als Co-Leiter des Zentrums für Kinder- und Jugendforschung und koordiniert die Buchreihe Materialien zur Frühpädagogik. Des Weiteren forscht Klaus Fröhlich-Gildhoff im Bereich Pädagogik der frühen Kindheit, Jugendhilfe sowie der Psychotherapie mit Kindern- und Jugendlichen.

Prof. Dr. Iris Nentwig-Gesemann ist Diplompädagogin und als Professorin für Bildung im Kindesalter sowie als Leiterin des Studiengangs „Erziehung und Bildung im Kindesalter“ an der Alice Salomon Hochschule in Berlin tätig. Darüber hinaus forscht Iris Nentwig-Gesemann schwerpunktmäßig zu den Bereichen Frühpädagogik und Kindheitsforschung, Professionalisierung und Kompetenzentwicklung sowie Methoden qualitativer Bildungs- und Evaluationsforschung.

Prof. Dr. habil. Norbert Neuß ist als Erziehungswissenschaftler und Medienpädagoge an der Justus-Liebig-Universität in Gießen tätig. Dort leitet er den Studiengang „Bildung und Förderung in der Kindheit“ (BA) sowie den Masterstudiengang „Inklusive Pädagogik und Elementarbildung“. Darüber hinaus forscht Norbert Neuß im Bereich Professionalisierung und Bildung in der Frühen Kindheit.

Neben den drei aufgeführten Herausgebern sind folgend aufgeführte AutorInnen an der Publikation beteiligt: Dr. Marjan Alemzadeh, Nicola Böcker, Marion Brandl, Prof. Dr. Kirsten Fuchs-Rechlin, Frauke Gerstenberg, Prof. Dr. Hilmar Hoffmann, Nicole Kirstein, Michaela Koch, Martin Krause, Melanie Kubandt, Josefin Lotte, Sarah Meyer, Prof. Dr. Christoph Mischo, Oliver Nicko, David Nolte, Stefanie Pietsch, Katharina Rauh, Annegret Reutter, Dr. Inge Schreyer, Nadine Seddig, Dr. Wilfried Smidt, Dr. Janina Strohmer, Christiane Theisen, Prof. Dr. Dörte Weltzien, Claudia Tinius, Prof. Dr. Susanne Viernickel, Dr. Holger Weßels.

Entstehungshintergrund

In der Publikationsreihe Materialien zur Frühpädagogik werden Forschungsarbeiten, Arbeitsmaterialien und Untersuchungsergebnisse aus den Bereichen Bildung und Erziehung in der Kindheit bzw. Aspekte der Frühpädagogik veröffentlicht. Koordinator und Herausgeber dieser Reihe ist Prof. Dr. Klaus Fröhlich-Gildhoff. Das hier vorgestellte Buch „Forschung in der Frühpädagogik VII, mit dem Schwerpunkt Profession und Professionalisierung“ stellt den 15. Band der Publikationsreihe dar.

Aufbau

Die Publikation ist eine Sammlung unterschiedlicher Forschungsarbeiten und wissenschaftlicher Fachartikel zum inhaltlichen Schwerpunkt Profession und Professionalisierung in der Frühpädagogik.

Nach einem erläuternden und einleitenden Vorwort, welches gleichzeitig einen Überblick über die folgenden Beiträge namhafter Wissenschaftler bietet, teilt sich das Werk in zwei Bereiche. Der erste Teil des Buches beinhaltet acht wissenschaftliche Veröffentlichungen und Beiträge zum Schwerpunktthema Profession und Professionalisierung. Darauf folgt der zweite und allgemeine Teil der Publikation. Hier sind drei schwerpunktübergreifende Beiträge zu lesen.

Jeder Fachbeitrag beinhaltet einen Abstract in deutscher und englischer Sprache sowie ein umfangreiches Literaturverzeichnis. Abschließend sind Hinweise zu den beteiligten AutorInnen sowie weitere in der Reihe veröffentlichter Werke angefügt.

Zu Teil I: Schwerpunkt Profession und Professionalisierung

Nach einem einleitenden Vorwort führt Prof. Dr. Norbert Neuß den Leser mit seinem Beitrag „Professionalisierung der Frühpädagogik – eine kriteriengeleitete Analyse“ (Seite13-46) in die Veränderungen und Entwicklungen der letzen Jahre ein. Ein kriteriengeleiteter Überblick, über den Professionalisierungsprozess der letzten Jahre wird geboten. Neuß benennt dabei sieben Merkmale (in Anlehnung an Wilensky und Combe), anhand dessen sich Professionalisierungsbemühungen bzw. der Stand der Entwicklung einordnen lässt. Neben der Fokussierung auf das professionelle Handeln pädagogischer Fachkräfte nimmt Norbert Neuß darüber hinaus Bezug zu weiteren strukturellen Entwicklungsschritten und verdeutlicht, dass Professionalisierung sich nicht ausschließlich auf pädagogisches Handeln bezieht, sondern auch organisatorische und übergeordnete Kriterien berücksichtigt werden müssen. Ferner nimmt Prof. Dr. Norbert Neuß die Veränderungen und Abgrenzung der unterschiedlichen bzw. sich neu entwickelnden Wissenschaftsdisziplinen, die sich mit Früh- bzw. Kindheitspädagogik beschäftigen, in den Blick.

Im Anschluss daran folgt der Beitrag „Professionelle Praxis im Spannungsfeld von evidenzbasiertem Wirken und Handeln in ungewissen Situationen- empirische Plausibilisierung und Transferperspektiven“ (Seite 47-79) von Hilmar Hoffmann, Melanie Kubandt, Josefin Lotte, Sarah Meyer und David Nolte. Ausgehend von empirischen Ergebnissen des nifbe Forschungsbereich Elementarpädagogik wird hier dargestellt, warum es erforderlich ist, die pädagogische Praxis in Kindertagesstätten auch nach der derzeitig sichtbaren Orientierung an Forschung und wissenschaftsbasierten Grundlagen im Blick zu behalten. Wissenschaftlich fundiert wird dargelegt, dass auch weiterhin umfassende Längs- und Querschnittstudien benötigt werden, um derzeitig aktive Betreuungssysteme langfristig evaluieren zu können und deren Wirkung zu untersuchen. Darüber hinaus betonen die Autoren, dass nicht nur die Steuerung von Bildungssystemen, sondern auch die pädagogische Praxis als solches weiterentwickelt und hinsichtlich ihrer Wirkungen evaluiert werden muss. Der Bereich der Forschung wird dazu aufgefordert die pädagogische Praxis differenzierter in den Blick zu nehmen. Ferner wird verdeutlicht, dass es nicht die Aufgabe der Fachpraxis ist, die von außen herangetragenen Anforderungen und Ansprüche blind zu übernehmen, sondern diese kritisch zu hinterfragen.

Martin Krause, Inge Schreyer, Marion Brandl und Oliver Nicko beschreiben in ihrem Beitrag „Auswirkungen von Arbeitsbedingungen auf Arbeitszufriedenheit, Commitment und Fluktuationsneigung bei Kita MitarbeiterInnen – Ausgewählte Ergebnisse der AQUA – Studie“ (Seite 81-100) die Arbeitssituation pädagogischer Fachkräfte und untersuchen ausgehend von vier Hypothesen die Auswirkungen der Arbeitsbedingungen in Kindertagesstätten auf die Arbeitszufriedenheit der Fachkräfte. In ihren Ausführungen greifen sie auf Ergebnisse der AQUA-Studie (Arbeitsplatz und Qualität in Kitas) zurück. Darauf aufbauend entwickelten die AutorInnen einen Index zur Bewertung der Arbeitsbedingungen und nutzten die Instrumente von Neubert & Allerbeck zur Messung der Arbeitszufriedenheit. In ihren Ergebnissen zeigen Krause, Schreyer, Brandl und Nicko auf, dass sich die Qualität der Arbeitsbedingungen im Besonderen auf die Bindung der Fachkräfte an die Einrichtung und den Träger auswirkt sowie die Fluktuation beeinflusst. Generell wird deutlich, dass pädagogischen Fachkräfte häufig mit ihrem Beruf an sich zufrieden sind, aber strukturelle Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel die Bezahlung, oder der nicht mehr zeitgemäße Personalschlüssel etc. zu Unzufriedenheit führt.

Klaus Fröhlich-Gildhoff, Dörte Weltzien, Nicole Kirstein, Stefanie Pietsch, Katharina Rauh, Annegret Reutter und Claudia Tinius befassen sich in ihrem Beitrag „Aufgabendifferenzierung in multiprofessionellen Teams in Kindertageseinrichtungen“(Seite 101-133) mit der zunehmenden Veränderung von Kita – Teams bzw. der beruflichen Qualifikation pädagogischer Fachkräfte. Beeinflusst durch die Akademisierung pädagogischer Fachkräfte und durch Maßnahmen, um dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken, ergeben sich zunehmend neue Prozesse und Herausforderungen in pädagogischen Teams. Aber auch Chancen und Möglichkeiten sich im pädagogischen Handlungsfeld differenziert aufzustellen, lassen sich ableiten. Die Autoren legen in ihren Ausführungen zwei (Teil-) Untersuchungen dar, in denen sie sich vorrangig mit der Aufgabendifferenzierung befassen. Die Untersuchungen basieren auf Sekundaranalysen von Studien, einer Fachkräftebefragung sowie auf Fallanalysen. Die Ergebnisse der Untersuchungen zeigen, dass die Multiprofessionalität von pädagogischen Fachkräften ein elementares Thema der Zukunft darstellen wird und einer professionellen Steuerung durch die Leitung bedarf. Darüber hinaus betonen die Autoren, dass die Auseinandersetzung mit der pädagogischen Haltung sowie die Aufgabendifferenzierung als grundlegende Faktoren angesehen werden können, um multiprofessionelle Teams gelingen zu lassen.

Im Beitrag „Professionalisierung im Feld der Frühpädagogik- Zur Rolle der strukturellen Rahmenbedingungen und Organisationsmilieus“ (Seite 134-171) legen Susanne Viernickel, Iris Nentwig-Gesemann und Holger Weßels Untersuchungsergebnisse dar, welche sich auf die vertiefende Analyse der bereits bestehenden Studie „Schlüssel zur guten Bildung, Erziehung und Betreuung“ sowie auf zwei Formen der Typenbildung beziehen. In ihrem Beitrag fokussieren sie zum einen das Spannungsfeld der Anforderungen und Erwartungen an die Professionalisierung der pädagogischen Arbeit in Kindertagesstätten und untersuchen darüber hinaus die damit verbundene Diskrepanz zwischen Anspruch und bestehenden Qualität der Rahmenbedingungen, Strukturen und Prozesse im frühpädagogischen Handlungsfeld. In den Ausführungen wird zunächst ein Überblick über bestehende Modelle der Professionalisierung geboten. Weiterhin wird der derzeitige Stand der Professionalisierung benannt und aufgezeigt, dass die Strukturen und Rahmenbedingungen keinesfalls die geforderten Ansprüche an die Professionalisierung abbilden, sondern eine erhebliche Lücke zwischen Forderungen und erlebter Wirklichkeit besteht. In ihren Untersuchungsergebnissen formulieren die Autoren förderliche und hemmende Faktoren, welche als Voraussetzung dafür verstanden werden können, um der bestehenden Diskrepanz entgegen zu wirken. Hier benennen sie u. A. einen partizipatorischen Leitungsstil, eine kritisch-diskursive Kommunikations- und Streitkultur im Team sowie die Bedeutung der Strukturqualität. Ferner gehen sie auf den Zusammenhang von strukturellen Rahmenbedingungen, der Leitungs- und Teamqualität und der Umsetzung von Bildungsprogrammen und Ausführungsgesetzen ein. Die Autoren betonen in ihren Ausführungen, dass zukünftig von einem systemischen Verständnis von Professionalisierung ausgegangen werden muss, um die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit stetig zu verkleinern.

Im fünften Beitrag fokussieren Janina Strohmer und Christoph Mischo die „Aufgaben und Funktion von Kindertageseinrichtungen aus Sicht angehender frühpädagogischer Fachkräfte- welche Rolle spielten Ausbildungsart und Ausbildungszeitpunkt?“ (Seite 173-195). In ihren Ausführungen widmen sie sich der Frage, welche Bedeutung angehende pädagogische Fachkräfte den Aspekten Bildung, Betreuung und Erziehung beimessen. Grundannahme dieser Untersuchung ist, dass sich die Haltung der angehenden Fachkräfte im Bezug auf die Aufgaben und Funktionen von Kindertagesstätten wesentlich auf das pädagogische Handeln in der Praxis auswirkt. Methodisch stützen die Autoren ihre Ergebnisse auf eine Fragebogenerhebung von 157 angehenden pädagogischen Fachkräften. Darüber hinaus geben die Autoren Faktoren an, welche Einfluss auf die pädagogische Orientierung nehmen. Hier wird vor allem der Ausbildungszeitpunkt sowie das Ausbildungssystem, also Fachschule oder Hochschule, in den Blick genommen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Bereiche Bildung und Betreuung als bedeutungsvoll bewertet werden. Am Ende des Beitrages werden unterschiedliche Interpretationsmöglichkeiten der Ergebnisse diskutiert und weitere Forschungsfragen abgeleitet.

In dem Ausführungen von Wilfried Schmidt, Christian Theisen und Kirsten Fuchs-Rechlin wird die „Platzierung und Etablierung von KindheitspädagogInnen auf dem Arbeitsmarkt der Frühpädagogik“ (Seite 197-218) untersucht. Sie erforschen die im Rahmen der Professionalisierungsdebatte entwickelten Studienabschlüsse und deren mögliche Etablierung auf dem Arbeitsmarkt. In ihren Ausführungen fokussieren sich die Autoren darauf inwiefern und unter welchen Bedingungen sie ihren Platz im Arbeitsfeld der Kindertagesstätte finden. Datengrundlage der Erhebungen bildet die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Längsschnittstudie ÜFA, bei der der Übergang von fachschul- und hochschulausgebildeten Fachkräften in den Arbeitsmarkt untersucht wurde. Schmidt, Theisen und Fuchs-Rechlin zeigen das Spannungsfeld zwischen Fachpolitik und den Bedingungen des Arbeitsmarktes auf. Die Ergebnisse belegen, dass die Absolventen der kindheitspädagogischen Studiengänge in der Regel etwas bessere berufliche Platzierungen erreichen, als an Fachschulen ausgebildete Fachkräfte. Darüber hinaus erreichen sie häufiger höhere Einkommensstufen und Führungspositionen. Weitere multivariante Analysen zeigen, dass neben dem Ausbildungssystem auch Persönlichkeitsmerkmale und organisationale Merkmale Einfluss auf Einstellung, Führungsposition und Vergütung, also die Etablierung am Arbeitsplatz nehmen.

Als abschließender Beitrag im ersten Teil der Publikation, untersuchen Michaela Koch und Nicola Böcker die „Bewegungspädagogische Fachpraxis im Spannungsraum von Freiheit und Begrenzung“ (Seite 219-239). Auf Grundlage einer qualitativen Befragung pädagogischer Fachkräfte untersuchten sie die subjektive Sichtweise derer zum Thema Bewegung. Ausgehend von der Annahme, dass die Qualität frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung im Wesentlichen von den Kompetenzen der pädagogischen Fachkräfte beeinflusst werden, wird die biografische Perspektive auf das Handeln frühpädagogischer Fachkräfte im Bezug auf Bewegung in den Blick genommen. Die Ergebnisse eröffnen den Spannungsraum zwischen dem Verständnis von „Bewegung ist Freiheit“ und „Bewegung ist Begrenzung“. Davon ausgehend werden Konsequenzen für die Aus- und Weiterbildung pädagogischer Fachkräfte entwickelt. Die Untersuchung stützt sich auf die Methodologie der Grounded Theory sowie das integrative Basisverfahren nach Kruse.

Zu Teil II: allgemeine/ vertiefende Beiträge

Der vorliegende Schwerpunktteil wird durch folgend aufgeführte allgemeine Beiträge ergänzt. Marjan Alemzadeh beschäftigt sich in ihrem Beitrag „Interaktionsprozesse in der Lernwerkstatt Natur“ (Seite 243-275) mit der Frage, wie sich langanhaltende Interaktionen in der pädagogischen Fachpraxis entwickeln. Exemplarisch belegt sie dies am Beispiel der Natur- Lernwerkstatt. Die Autorin stellt Forschungsergebnisse ihrer Dissertation dar, die sich auf ethnografische Beobachtungsprotokolle beziehen. Im Beitrag wird die Typik der Integrationsorganisation herausgearbeitet. Es wird deutlich, wie es Kindern und pädagogischen Fachkräften gelingt, sich in ihrer Interaktion jeweils an den gegebenen Rahmen und Orientierungen des Anderen anzupassen, sich zu verstehen und zu verständigen. Alemzadeh zeigt auf, dass gemeinsam geteilte Erfahrungen, die Grundlage für eine anschlussfähige Bezugnahme aufeinander bilden und so die Grundlage für eine reziproke, responsive Interaktionsorganisation darstellt. Die Autorin unterstreicht in ihren Ausführungen die Bedeutsamkeit der professionellen Beobachtung der Kinder und die Wahrnehmung der Relevanzsetzung der Kinder, für die langanhaltende Interaktion als Grundlage einer professionellen pädagogischen Arbeit.

Darauf folgend widmet sich Frauke Gerstenberg dem Potenzial einer gesprächsanalytischen Heuristik. In ihren Ausführungen mit dem Titel „Die Frage als Diskursbewegung in (pädagogischen) Praktiken. Zu den Möglichkeiten einer Gesprächsanalyse der Dokumentarischen Methode“ (Seite 277-306) widmet sie sie sich ebenfalls der Interkation von Kindern und pädagogischen Fachkräften und analysiert diese in einem außerschulischen Angebot. Dabei bezieht sie sich in ihrer Studie auf unterschiedliche Fragestellungen, die vor allen die Frage als Diskursbewegung in den Blick nimmt und untersucht, wie darüber pädagogische Vermittlung stattfinden kann. In der Studie wurden Kinder und Fachkräfte in der Lernwerkstatt Zauberhafte Physik beobachtet. Die Bedeutung der Frage bzw. des Sich-Gegenseitig-Fragens und dessen Einfluss auf Bildungs- und Lernprozesse werden dargestellt. Gerstenberg arbeitet heraus, dass die Frage als Diskursbewegung eine vermittelnde Funktion einnimmt, wenn pädagogische Fachkraft und Kind in einem Interaktionsmodus agieren.

Nadine Seddig beschäftigt sich in ihrem Beitrag „In der Schule lernt man was und im Kindergarten nicht. Vorstellungen und Bilder von Kindern über Kindertageseinrichtungen und Grundschule vor und nach der Einschulung“ (Seite 307-326) mit der Frage, welches Bild beider Institutionen aus kindlicher Sicht vorherrscht und wie diese mit dem Konstrukt lernen in Verbindung gebracht werden. Der Beitrag nimmt die Sicht der Kinder in den Blick und zeigt auf, dass Kinder sehr strikt zwischen beiden Institutionen unterscheiden. Die Untersuchungsergebnisse der Autorin beziehen Aussagen von Kindern in einer Kindergruppendiskussion ein und unterscheiden die Sichtweise von Kindern vor der Einschulung und nach der Bewältigung des Übergangs in die Grundschule.

Abschließend liefert der Beitrag Autorenhinweise einen Überblick über alle am Werk beteiligten AutorInnen. Darüber hinaus sind zum Ende einige Seiten angefügt, auf denen weitere Werke der Reihe „Materialien zur Frühpädagogik“ vorgestellt sind.

Diskussion

Das hier rezensierte Werk greift umfassend und tiefgründig das Themenfeld Profession und Professionalisierung auf und belegt die unterschiedlichen Facetten des Schwerpunktthemas mit verschiedensten Forschungsansätzen und Untersuchungen. Dabei bietet die Publikation eine Vielzahl unterschiedlicher Forschungsmethoden sowie qualitative und quantitative Untersuchungszugänge. Die hervorgebrachten Ergebnisse machen deutlich, welche Diskrepanz zwischen Anforderung und derzeitiger Qualität im pädagogischen Handlungsfeld besteht. Aber es lassen sich auch deutliche Veränderungsbemühungen der letzten Jahre erkennen, sowie bereits erreichte Erfolge und eine Steigerungen der Qualität belegen.

Das Buch beleuchtet den Themenschwerpunkt in einer umfassenden Weise und ist geprägt durch die rein wissenschaftliche Herangehensweise. Die Publikation ist höchst anspruchsvoll und ermöglicht dem Leser das Vorgehen der AutorInnen, den wissenschaftlichen Zugang und die Forschungsmethoden nachzuvollziehen. Für den Einsatz im hochschulischen Kontext ist es nach Ansicht der Rezensentin sehr gut geeignet.

Fazit

Das Buch dokumentiert die in den letzten Jahren fortgeschrittenen Entwicklungen und Bemühungen der Wissenschaftsdisziplinen und belegt Veränderungen in Haltung und Handeln des pädagogischen Praxisfeldes. Viele namhafte Wissenschaftler betonen die Bedeutung der Professionalisierung als Grundlage für eine Steigerung der pädagogischen Qualität. Das Werk nimmt Bezug zur aktuellen Lage der Praxis und bezieht ebenso die Ausbildung der Fachkräfte an Fach- und Hochschulen ein. Praxis- und forschungsrelevantes Wissen wird anspruchsvoll und auf hohem wissenschaftlichem Niveau vermittelt. Anzumerken bleibt an dieser Stelle, dass die vorgestellte Publikation für den alltäglichen Gebrauch im pädagogischen Praxisfeld eher ungeeignet erscheint, dafür aber für Ausbildung und Studium sowie für Lehre und Forschung als sehr bereichernd zu bewerten ist.


Rezensentin
Katharina Lörsch
Erzieherin/ Fachkraft für Frühpädagogik/ Studierende des Studiengangs Bildungs- und Sozialmanagement an der Hochschule Koblenz/ Referentin in der Erzieherfortbildung
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Zitiervorschlag
Katharina Lörsch. Rezension vom 01.07.2015 zu: Klaus Fröhlich-Gildhoff, Iris Nentwig-Gesemann, Norbert Neuß (Hrsg.): Profession und Professionalisierung. FEL Verlag Forschung Entwicklung Lehre (Freiburg) 2014. ISBN 978-3-932650-66-6. Forschung in der Frühpädagogik VII. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/17983.php, Datum des Zugriffs 05.12.2016.


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