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Peter-Ulrich Wendt: Lehrbuch Methoden der Sozialen Arbeit

Cover Peter-Ulrich Wendt: Lehrbuch Methoden der Sozialen Arbeit. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2015. 458 Seiten. ISBN 978-3-7799-3077-8. 18,95 EUR.
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Autor

Professor Dr. Peter-Ulrich Wendt, lehrt als Sozialwissenschaftler Grundlagen und Methoden der Sozialen Arbeit an der Hochschule Magdeburg/Stendal. Langjährige berufliche Erfahrungen in der Kinder- und Jugendhilfe und Verbandarbeit in verschiedenen Organisationen sowie die Mitgliedschaft im Bundesjugendkuratorium weisen ihn als Experten Sozialer Arbeit aus.

Thema

Das Buch vermittelt eine Grundlegung des methodischen Handelns in der Sozialen Arbeit. Als Lehrbuch und Arbeitsbuch konzipiert gibt es umfassende Informationen und Anregungen über eine Fülle verschiedener Ansätze, die subjekt-, system- und handlungsorientiert den jeweiligen Situationen der hilfesuchenden Menschen gerecht werden.

Aufbau und Inhalt

Das Buch gliedert sich in fünf Teile mit insgesamt fünfzehn Kapiteln.

Der erste Teil besteht aus Kapitel 1 (S. 20-56), das Prozesse der Wertschätzung, der Stärkung und der Abgrenzung in den Mittelpunkt grundlegender Perspektiven der Methoden Sozialer Arbeit stellt. Die sechs Perspektiven beziehen sich auf die Entwicklung der Profession, die Subjektorientierung im Hinblick auf die Adressanten, die Reflexion der Systemzusammenhänge, die Chancen des Empowerments, die notwendigen Abgrenzungen zum Beispiel im Hinblick auf therapeutisches Handeln, sowie die Handlungsorientierung im Hinblick auf ein tragfähiges Arbeitsbündnis.

Im umfassenden zweiten Teil des Buches werden Handlungsprinzipien und Schlüsselprozesse in vier Kapitel dargestellt. Das Kapitel 2 (S. 57-78) erläutert unter der Überschrift „Systematisch Handeln“ den Methodenbegriff in der Sozialen Arbeit. Das Kapitel 3(S. 79-121) behandelt unter der Überschrift „Angemessen besprechen“ Grundzüge subjektzentrierter Gesprächsführung. Im Kapitel 4 (S. 122-154) werden Klärungs- und Deutungsprozesse im Hinblick auf das Fallverstehen in den Mittelpunkt gestellt. Sozialpädagogische Diagnostik, Biografie- und Genogrammarbeit, Soziometrie und Sozialraumanalysen sind hier zentrale methodische Ansätze, die diskutiert werden. Das Kapitel 5 (S. 155-176) schleißt den 2 Teil des Buches mit den Ansätzen einer ressourcenorientierten Netzwerkarbeit ab.

Der dritte Teil des Buches behandelt nun die eigentlichen Handlungsformen und besteht aus sechs Kapiteln (S. 177-345) mit den Themen: Beratung, Einzelfallarbeit, Soziale Gruppenarbeit, Bildungsarbeit in Gruppen, Gemeinwesenarbeit und Quartiersmanagement sowie Formen aufsuchender Soziale Arbeit.

Der vierte Teil des Buches umfasst in drei Kapiteln Handlungshilfen und diskutiert im Kapitel 12 (S. 346-371) die methodischen Möglichkeiten, die im Rahmen der zunehmenden Ökonomisierung Effektivität, Effizienz und Evidenz in den Mittelpunkt des professionellen Handelns stellt. Hier wird insbesondere auf das Case Management eingegangen. Im Kapitel 13 (S. 372-396) werden die veränderten Rahmenbedingungen des neuen Leitbildes einer Zivilgesellschaft, die auf das bürgerschaftliche Engagement bei der Lösung sozialer Probleme setzt, analysiert und diskutiert. Schließlich behandelt das Kapitel 14 (S. 397 – 417) die Selbstfürsorge der Professionellen unter dem Stichpunkt der Achtsamkeit.

Im letzten Teil des Buches wird im Kapitel 15 (S. 418-438) die Art und Weise der Handlungsgestaltung reflektiert und im Sinne eins Ausblickes das methodische Handeln in der Sozialen Arbeit als künstlerisches Handeln, bei dem Intuition eine zentrale Rolle spielt, interpretiert.

Diskussion

Peter-Ulrich Wendt hat mit dieser Publikation ein umfassendes Lehr- und Arbeitsbuch erstellt, das sicherlich eine große Bereicherung für die Lernprozesse der Studierenden Sozialer Arbeit, aber auch eine hilfreiche Fundgrube für Lehrende darstellt.

Im Mittelpunkt alle Darstellungen geht es Wendt nicht um eine Vermittlung eines „fertigen Rüstzeuges“ (S. 11), sondern um eine dem jeweiligen Anlass und der jeweiligen Situation gerechte Handlungsform, die bestimmte fachliche Standards erfüllt und das menschliche Subjekt in seinem Lebensweltbezug ernst nimmt. Dabei wird nicht immer klar, wie denn die jeweilige Haltung der professionellen Kräfte auf dieses Kriterium einer dem Anlass gerechten Methode wirkt. Die grundlegenden Prinzipien methodischen Handelns werden zwar im ersten Kapitel auf dem Hintergrund der gesellschaftlichen Entwicklung neoliberaler Konzepte beleuchtet, die Differenz einer unterschiedlichen Haltung und unterschiedlichen gesellschaftlichen Theorie professioneller Kräfte aber wenig beleuchtet. So stehen viele methodische Ansätze aus unterschiedlichen theoretischen Kontexten nebeneinander und müssen im Hinblick auf die Praxis und vor allem die Theorie von dem Leser selbst situativ angepasst werden. Es ist auch der Anspruch des Buches, als eine „Art Puzzle oder Patchwork, ein Mosaik, das die Studierenden in tätiger Auseinandersetzung untereinander und mit sich selbst kreativ zusammenfügen müssen“ (S. 12), zu fungieren. Dabei ist zu betonen, dass die konsequent prozessorientierte Perspektive auf die jeweiligen Methoden, die schon in den gewählten Überschriften der Kapitel zu Geltung kommt, ein hervorragender Focus für die Aneignung und Auseinandersetzung bietet. Dies wird zu einer großen Herausforderung angesichts der ungemeinen Fülle der dargestellten Ansätze, die an der einen oder anderen Stelle auch zu Ungenauigkeiten führt. So wird beim Thema der Abgrenzung der Sozialen Arbeit zur Therapie darauf verwiesen, dass es bei „der Therapie um Anleitung“ ginge, während „im Zentrum der Sozialen Arbeit die Lern- und Klärungshilfe“ (S. 47) stehe. Bei Thema Beratung werden systemische Ansätze dargestellt, ohne die jeweiligen unterschiedlichen theoretischen Hintergründe zu beleuchten. So wird der Ansatz von Staub Bernasconi in direktem Zusammenhang mit konstruktivistischen Ansätzen gebracht ohne die jeweiligen unterschiedlichen weltanschaulichen Hintergründe zu erwähnen. Warum sich die Themen Ökonomisierung und Zivilgesellschaft im vierten Teil des Buches als tatsächliche Handlungshilfen verstehen lassen, erschießt sich dem Leser nicht unbedingt.

Alle Inhalte des Buches werden mit einer Vielzahl von Beispielen aus der praktischen Arbeit verdeutlicht. Ein Fallbeispiel aus der offenen Jugendarbeit durchzieht das gesamte Buch und regt zur Reflexion der methodischen Ansätze ein. Die jeweiligen Definitionen und manche Hintergrundinformationen sind grafisch hervorgehoben und erleichtern das systematische Lesen des Buches. Alle Kapitel schließen mit zusammenfassenden Schlussfolgerungen, Anregungen zur Diskussion und Weiterarbeit sowie Hinweisen auf weiterführende Materialien. Auch auf jeweilige Fachzeitschriften, Berufs- und Fachverbände und Internetplattformen wird verwiesen. Die Auswahl dieser Verweise ist auch eine Art Puzzle und erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, als Ergänzung beim Thema Beratung sei hier zum Beispiel auf die nicht erwähnte Deutsche Gesellschaft für Beratung (DGfB) hingewiesen. So wird durch die didaktische Gestaltung der Publikation das Lehrbuch zu einem tatsächlichen Arbeitsbuch. Es lädt ein die unterschiedlichen methodischen Ansätze zu diskutieren und zu vertiefen. Dazu dient auch das umfassende Literaturverzeichnis von fast 40 Seiten.

Fazit

Angesichts der immer weiter steigenden Komplexität methodischer Handlungsansätze Sozialer Arbeit bietet dieses Lehr- und Arbeitsbuch eine umfassende Fülle von Informationen, geschichtlichen Hintergründen, aktuellen Diskussionen und Arbeitsanregungen. So stellt diese Publikation ein weiteres Standardwerk für die Ausbildung von Fachkräften Sozialer Arbeit dar.


Rezensent
Dr. Georg Singe
Dozent am Institut für Soziale Arbeit, Angewandte Psychologie und Sportwissenschaft der Universität Vechta
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Zitiervorschlag
Georg Singe. Rezension vom 10.04.2015 zu: Peter-Ulrich Wendt: Lehrbuch Methoden der Sozialen Arbeit. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2015. ISBN 978-3-7799-3077-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/18052.php, Datum des Zugriffs 29.07.2016.


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