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Anke Karber: Sozialpädagogik und Didaktik

Cover Anke Karber: Sozialpädagogik und Didaktik. Herausforderung aus einem ungeklärten Verhältnis. Schneider Verlag Hohengehren (Baltmannsweiler) 2014. 234 Seiten. ISBN 978-3-8340-1353-8. D: 24,00 EUR, A: 24,70 EUR, CH: 34,50 sFr.

Grundlagen der sozialen Arbeit, Bd. 33.
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Thema

Die Didaktik des Lehramtsstudiums Sozialpädagogik ist Gegenstand des Bandes 33 der Reihe Grundlagen der Sozialen Arbeit und widmet sich deren Entwicklung. Die Veröffentlichung versammelt theoretische Wissensbestände zur Didaktik im Kontext des berufspädagogischen Lehramtsstudiums mit der Fachrichtung Sozialpädagogik und nimmt eine empirische Analyse von Interviews mit Expert_innen zur zentralen didaktischen Fokussierung in relevanten Lehramtsstudiengängen vor. Im Mittelpunkt der Ausführungen steht die Beantwortung der Frage danach, wie Studierende des Lehramts Sozialpädagogik lernen, sozialpädagogisches Handeln zu lehren (S.6).

Entstehungshintergrund

Diplom Pädagogin Anke Karber bearbeitete für das vorliegende Buch ihre Dissertation, die sie unter gleichem Titel 2013 an der Leuphana Universität Lüneburg vorlegte und erfolgreich verteidigte.

Autorin

Anke Karber arbeitete drei Jahre als pädagogische Fachkraft in der Jugendberufshilfe. Von April 2007 bis Juni 2010 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Leuphana Universität am Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik, insbesondere in der Lehramtsausbildung Berufsbildende Schule Fachrichtung Sozialpädagogik. Seit Juli 2010 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Karl-Franzens-Universität Graz, Institut für Bildungs- und Erziehungswissenschaft im Arbeitsbereich Elementarpädagogik.

Aufbau und Inhalt

Das Buch gliedert sich in vier Abschnitte.

  1. In einem ersten Abschnitt wird ein umfangreicher und breiter Themenaufriss geliefert, der die Diskurswellen zum Verhältnis von Sozialpädagogik und Didaktik mit dem Fokus auf die Didaktik berufspädagogischer Lehramtsstudiengänge in den Mittelpunkt rückt.
  2. - Der zweite Abschnitt versammelt aktuelle Wissensbestände zu zwei Schwerpunkten. Es werden die sozialpädagogischen Didaktik als Fachdisziplin des beruflichen Handelns angehender sozialpädagogischer Fachkräfte fokussiert und die Sozialdidaktik der wenigen fachspezifisch ausgerichteten Lehramtsstudiengänge zur Qualifizierung der Lehrenden an sozialpädagogischen Fachschulen im Sinne von teach-the-teacher.
  3. Im dritten Abschnitt erkundet die Autorin mit einer empirisch-qualitativen Studie die „Sichtweisen und Denkstrukturen zur Didaktik“ (S. 131) der Expertinnen für die Sozialdidaktik in diesen Studiengängen.
  4. Abschließend wird die erforderliche Entwicklung einer Didaktik für die Lehramts-Fachrichtung Sozialpädagogik in den Blick genommen und es werden Forschungsdesiderata benannt.

Im Mittelpunkt des ersten Teils steht eine – den Themenfokus Sozialpädagogik zunächst nur peripher tangierende – Darstellung der Diskurswellen zur Hochschuldidaktik im Allgemeinen, um jedoch schließlich das forschende Lernen als aktuelle didaktische Präferenz an Hochschulen als genuin sozialpädagogische Didaktik herauszuarbeiten. Die Autorin begründet diese theoretische Conclusio mit der strukturierten Offenheit sozialpädagogischer Arbeit (S. 13). In der weiteren Darstellung der Diskurse zur Sozialpädagogik, zu personenbezogenen sozialen Dienstleistungen und zur Erzieherinnenausbildung fokussiert die Autorin den mäandernden wissenschaftlichen Diskussionsstroms zum Verhältnis von Sozialpädagogik und Didaktik auf die Qualifizierung von Fachkräften in elementarpädagogischen Institutionen als dem zahlenmäßig bedeutsamsten Berufsfeld für sozialpädagogische Fachkräfte und greift die Diskurse zur Erzieherinnenausbildung auf.

Im zweiten Teil stellt die Autorin didaktische Ansätze der Sozialpädagogik vor und bringt sie in eine gedankliche Nähe zu sozialdidaktischen Ansätzen in den Lehramtsstudiengängen, die in eine gemeinsame tabellarische Darstellung beider Foki mündet (S. 94). Abschließend werden die Zielgruppen der tabellarisch präsentierten Didaktik einschließlich deren Veröffentlichungen geordnet und den Ebenen Hochschule, Fachschule und der sozialpädagogischen Praxis (insbesondere Kindertageseinrichtungen) adressiert.

Im dritten Teil stellt die Autorin die Ergebnisse ihrer leitfadengestützten Interviews zur sozialpädagogischen Didaktik in den von ihr fokussierten berufspädagogischen Lehramtsstudiengängen mit der Fachrichtung Sozialpädagogik vor. Die Auswertungen beginnen dankenswerterweise mit einer graphischen Darstellung ihrer Ergebnisse zu den herausgearbeiteten Dimensionen: Vertikal weist sie die institutionellen Ebenen Hochschule / Universität, Fachschule und sozialpädagogische Praxis und horizontal die jeweiligen Rahmenbedingungen der Institution als zentrale Dimensionen für die „Entwicklung einer Didaktik im Kontext des Lehramtsstudiums Fachrichtung Sozialpädagogik“ (S. 197) als ihrem vierten, dem resümierenden Teil IV aus.

Diskussion

Das Buch richtet sich an ein zwei fachwissenschaftliche Strömungen. Zum einen an ein Publikum mit Interesse an der institutionellen Pädagogik für junge Kinder vor dem Schuleintritt als umfangreichsten sozialpädagogischen Berufsfeld einschließlich des Interesses an der Professionalisierung dieses bislang semi-professionell arrangierten institutionellen Geschehens. Zum anderen richtet es sich an Hochschuldidaktiker_innen mit Fragestellungen rund um die Lehramtsstudiengänge mit der Fachrichtung Berufspädagogik einschließlich deren berufspolitisch agierenden Vertreter_innen.

Die Autorin kann herausstellen, dass die Fachrichtung Sozialpädagogik in berufspädagogischen Lehramtsstudiengängen mit ihrem zentralen Fokus auf Bildungs- und Lernarrangements über ein Alleinstellungsmerkmal im Unterschied zu anderen Fachrichtungen für das duale Ausbildungssystems verfügt, wenn auch vergleichbar zu anderen personenbezogenen sozialen Dienstleistungen. Damit wird ein bedeutsames Merkmal im Rahmen aktueller berufspolitischer Diskussionen um die Einordnung der Tätigkeit von sozialpädagogischen Fachkräften in Kindertageseinrichtungen und Kindheitspädagog_innen thematisiert. Die Autorin schließt aus ihren Ergebnissen, dass eine didaktische Fokussierung von „bildungswissenschaftlichen, diagnostischen, curricular-gestaltenden und methodisch-didaktischen Kompetenzen“ (S. 151) vorzunehmen sei.

Die Autorin verbleibt – konsequenterweise für eine Qualifizierungsarbeit - mit ihrer abschließenden Diskussion innerhalb des Systems der Lehramtsstudiengänge als Basisqualifizierung für Lehrämter an sozialpädagogischen Fachschulen und deren Vermittlungspotential für sozialpädagogisches Handeln in der Praxis als der aktuell bedeutsamsten Qualifizierungsform für die in Kindertageseinrichtungen tätigen Fachkräfte. Vollständig unberührt bleibt die Frage danach, welche Vorteile in dieser Qualifizierungsform zu sehen sind und warum es einer Optimierung der berufspädagogischen Lehramtsstudiengänge bedarf. Im Übrigen wäre eine Anknüpfung an den ersten Teil des Buchs, die historische Darstellung zu den Qualifizierungswegen von Erzieherinnen, eine interessante Fortsetzung der präsentierten Forschungsergebnisse, insbesondere vor dem Hintergrund zahlreicher kindheitspädagogischer Studiengänge und den aktuellen berufspolitischen Entwicklungen im Feld der Kindertageseinrichtungen.

Fazit

Es handelt sich um ein wissenschaftliches Grundlagenwerk zur Professionalisierung der Berufsbilder im Bereich Kindertagesbetreuung, der Sozialen Arbeit und der Kindheitspädagogik. Es ist ein Verdienst der Studie, die recht schmale Basis der Erkenntnisse über didaktische Qualifizierungsmuster in sozialpädagogischen Berufsbildern, insbesondere für Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen, zusammen getragen und aufbereitet zu haben.

Der Titel des Buches verführt allerdings zu der Hoffnung, didaktische Grundlagen für die Qualifizierung sozialpädagogischer Fachkräfte geliefert zu bekommen. Diese Hoffnung muss das Buch enttäuschen, denn es handelt sich nicht um eine Arbeit über sozialpädagogische Didaktik als Kernbereich des pädagogisch-praktischen Handelns. Vielmehr ist die Basis des Buchs eine empirische Aufbereitung hochschuldidaktischer Qualifizierungsinhalte und seine Schlussfolgerungen münden in die Präsentation eines Status quo der höchst verschiedenen Vorgehensweisen und dahinter liegenden Didaktiken hochschulischer Qualifizierungsmodi. Ein Plural, der auf eine Theorielücke verweist, bei deren Bearbeitung die professionsspezifischen Entwicklungen im Feld der Kindheitspädagogik gleich mitberücksichtigt werden können.


Rezensentin
Prof. Dr. Irene Dittrich
Professorin für Pädagogik der Kindheit und Familienbildung / Didaktik und Methodik an der Hochschule Düsseldorf
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Zitiervorschlag
Irene Dittrich. Rezension vom 24.11.2015 zu: Anke Karber: Sozialpädagogik und Didaktik. Herausforderung aus einem ungeklärten Verhältnis. Schneider Verlag Hohengehren (Baltmannsweiler) 2014. ISBN 978-3-8340-1353-8. Grundlagen der sozialen Arbeit, Bd. 33. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/18086.php, Datum des Zugriffs 11.12.2016.


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