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Reinhard Burtscher, Dominique Heyberger u.a.: Die „unerhörten“ Eltern. Eltern zwischen Fürsorge und Selbstsorge

Cover Reinhard Burtscher, Dominique Heyberger, Thomas Schmidt: Die „unerhörten“ Eltern. Eltern zwischen Fürsorge und Selbstsorge. Lebenshilfe-Verlag (Marburg) 2015. 143 Seiten. ISBN 978-3-88617-543-7. 18,00 EUR.
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Thema

Ungefähr die Hälfte der erwachsenen Menschen mit geistiger Behinderung lebt im Elternhaus zusammen mit ihren älter werdenden Eltern. Die in diesem Zusammenhang entstehenden Fragen und Probleme werden bisher in der Literatur wenig berücksichtigt.

Autoren und Autorin

  • Reinhardt Burtscher ist Professor an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen in Berlin; Lebensqualität und Wohnen sind einer seiner Arbeitsschwerpunkte.
  • Dominique Heyberger promoviert zurzeit in Göttingen und interessiert sich insbesondere für Biografieforschung und Verstehende Soziale Arbeit.
  • Thomas Schmidt promoviert am Berliner Institut für Rehabilitationswissenschaften; ein Fokus seiner Forschung liegt auf der Angehörigensperspektive insbesondere der Väter von erwachsenen Menschen mit Behinderung.

Entstehungshintergrund

Die vorliegende Schrift stellt das Projekt „Älter werdende Eltern und erwachsenen Familienmitglieder mit Behinderung zu Hause. Innovative Beratungs- und Unterstützungsangebote im Ablösungsprozess“ (ElFamBe) vor, das von der Katholischen Hochschule für Sozialwesen in Berlin durchgeführt wurde. Zahlreiche Praxispartner wie zum Beispiel die Lebenshilfe, die Spastikerhilfe Berlin und der Paritätische Wohlfahrtsverband arbeiteten im Projekt mit.

Aufbau und Inhalt

Nach dem einleitenden ersten Kapitel folgt

Kapitel 2 von Dominique Heyberger, Katja Driesener und Reinhard Burtscher. „Im Mittelpunkt: älter werdende Eltern“ beleuchtet zentrale Begriffe wie ‚der Prozess des Älterwerdens‘, ‚Eltern- und Familienbegriff‘, ‚erwachsene Familienmitglieder mit Behinderung‘, ‚Zuhause‘, ‚innovative Beratungs- und Unterstützungsangebote‘, und ‚Ablösungsprozess‘.

Kapitel 3 trägt „Zahlen aus Berlin: Ergebnisse unserer Umfragen“ zusammen. Es werden Zahlen zu dem Alter der befragten Eltern und ihrer Kinder, zum Familienstand der Eltern, zu Gesundheit und Behinderung der Eltern, zu Formen der Behinderung, Pflegestufe und Pflegegeld der Kinder, zur Zufriedenheit mit den Angeboten der Behindertenhilfe, dem Wunsch des Auszugs aus der gemeinsamen Wohnung, dem Haushaltseinkommen und zu Unterstützungsleistungen und – wünschen erhoben.

Kapitel 4 von Katja Driesener, Dominique Heyberger, Thomas Schmidt und Steffi Schuppan „Partizipative Projektplanung: Unsere Veranstaltungspraxis“ stellt die Organisation des Projektes ElFamBe in Form von Elterncafés, Themencafés und Tagesveranstaltungen an der Hochschule vor. Angesprochene und von den Eltern gewünschte Themen waren Zukunftsplanung konkret, Zusammenleben und neue Wohnformen, Krisen und Notfallbewältigung – schnelle Hilfen, Gesundheit und Alter sowie eine Abschlussveranstaltung mit politischen Vertretern und Akteuren der Behindertenhilfe.

Im Kapitel 5 von Dominique Heyberger und Thomas Schmidt werden nach einer Einführung in die Biografieforschung zwei biografische Fallrekonstruktionen, ein Familienportrait sowie die Ergebnisse von Leitfadeninterviews vorgestellt.

Reinhard Burtscher stellt im Kapitel 6 „Wir haben gute Gründe - Zusammenleben im elterlichen Haushalt“ die Argumente für und gegen das Zusammenleben aus der Perspektive der Eltern und der Fachleute der Behindertenhilfe zusammen.

Im Kapitel 7 „Eltern zwischen Lachen und Weinen“ fasst Reinhard Burtscher Verhaltensweisen, seelische Verletzungen und deren Auswirkungen bei älter werdenden Eltern im Zusammenhang mit dem Ablöseprozess zusammen.

Schließlich werden von Reinhard Burtscher in Kapitel 8 „die Eltern ‚erhören‘ – Empfehlungen für die Praxis“ zusammenfassend Anregung für einen wertschätzenden Umgang mit den älter werdenden Eltern aufgezeigt und Änderungs- und Forschungsdesiderate benannt.

Fazit

Das Buch ist sehr informativ und eröffnet neue Einblicke in die häusliche Situation von erwachsenen Menschen mit Behinderung und deren Eltern. Daneben gibt es ein anregendes Beispiel für die Unterstützung dieser Personengruppen in Elterncafés und Themencafés. Die Beispiele sind sehr gut gewählt und illustrieren die Aussagen eindrucksvoll. Der Text ist durch die vielen Beispiele, Bilder und Grafiken sehr angenehm zu lesen. Die Veröffentlichung stellt eine gelungene Zusammenstellung von Theorie und Praxis dar, und es ist zu wünschen, dass die Ergebnisse und Anregungen auf eine lebhafte Resonanz insbesondere in Fachkreisen treffen.


Rezensentin
apl. Prof. Dr. Susanne Wachsmuth
Justus-Liebig-Universität Gießen, Institut für Heil- und Sonderpädagogik Geistigbehindertenpädagogik
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Zitiervorschlag
Susanne Wachsmuth. Rezension vom 17.03.2015 zu: Reinhard Burtscher, Dominique Heyberger, Thomas Schmidt: Die „unerhörten“ Eltern. Eltern zwischen Fürsorge und Selbstsorge. Lebenshilfe-Verlag (Marburg) 2015. ISBN 978-3-88617-543-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/18140.php, Datum des Zugriffs 30.08.2016.


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