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Sandra Wesenberg: Tiergestützte Interventionen in der Demenzbetreuung

Cover Sandra Wesenberg: Tiergestützte Interventionen in der Demenzbetreuung. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (Wiesbaden) 2014. 271 Seiten. ISBN 978-3-658-08339-7. D: 39,99 EUR, A: 41,11 EUR, CH: 50,00 sFr.
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Thema

Allgemein kann das psychosoziale Wohlbefinden von Menschen mit Demenz durch den Kontakt zu Tieren vielfältig positiv beeinflusst werden. Dabei geht es in dem Buch „Tiergestützte Interventionen in der Demenzbetreuung“ sowohl um die Potentiale als auch Grenzen tiergestützter Interventionen, die anhand einer Übersicht über verschiedene internationale Studien sowie durch die eigene empirische Untersuchung der Autorin verdeutlicht werden. Zusätzlich erläutert die Autorin welche Wirkmechanismen für den förderlichen Kontakt zwischen Mensch und Tier verantwortlich sind und wie die individuellen Bedürfnisse von Menschen mit Demenz durch tiergestützte Interaktionen erfüllt werden können.

Autorin

Dr. Sandra Wesenberg ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozialpädagogik, Sozialarbeit und Wohlfahrtswissenschaften an der Fakultät Erziehungswissenschaften der TU Dresden.

Entstehungshintergrund

Bei dem Buch „Tiergestützte Interventionen in der Demenzbetreuung“ handelt es sich um die Dissertation der Autorin.

Aufbau und Inhalt

Das Buch umfasst 267 Seiten inkl. Literatur und ist in drei Kapitel untergliedert.

Nach einer umfassenden Einleitung, die den/die Leser/in u.a. über den demographischen Wandel samt Auswirkungen in das Thema einstimmt, folgt zu Beginn das Kapitel „Alter und Demenz“. Dieses Kapitel wird nochmals durch zwei Unterkapitel gegliedert. Im ersten Unterkapitel „Alter und Altern im Wandel“ erläutert die Autorin den gesellschaftlichen Kontext des demographischen Wandels sowie die Stereotypen des Alters. Im zweiten Unterkapitel „Alzheimer-Demenz“ erläutert die Autorin diesen Demenz-Typ u.a. durch die spezifischen Symptome sowie die aktuelle Situation der stationären Versorgung von Menschen mit Demenz. Dabei beziehen sich alle Ausführungen auf die Alzheimer-Demenz, welche in weiten Bereichen auch auf die anderen Formen der Demenz übertragbar sind.

Das zweite Kapitel „Demenziell erkrankte Menschen und Tiere“ beinhaltet vier Unterkapitel. Das erste Unterkapitel „Mensch-Tier-Interaktionen im Fokus der Wissenschaften“ beschäftigt sich mit den beiden unterschiedlichen „Formen des Einsatzes von Tieren in Therapie und Pädagogik, der ‚Animal-Assisted Therapy‘ und den ‚Animal-Assisted Activities‘“. Im zweiten Unterkapitel werden die „Bio-psycho-soziale Wirkungen von Mensch-Tier-Interaktionen“ näher erläutert; hierbei geht es um die Wirkungen tiergestützter Interventionen auf verschiedene Klientel wie bspw. Kinder, erwachsene sowie alte Menschen. Im dritten Unterkapitel „Effekte tiergestützter Interventionen auf demenziell erkrankte Menschen“ stellt die Autorin einen umfassenden Überblick über die bisher durchgeführten und veröffentlichten Studien dar, die sich mit dem Thema Tiergestützte Interventionen und Menschen mit Demenz beschäftigt haben; dieser Überblick ist nach den auftretenden Symptomen sortiert. Anschließend folgt eine „Kritische Diskussion und Schlussfolgerungen für zukünftige Studien“. Im vierten Unterkapitel „Wirkmodell tiergestützter Interventionen bei Demenzkranken“ erläutert die Autorin die theoretischen Ansätze der positiven Wirkungen von Tieren auf Menschen sowie die direkten Wirkmechanismen speziell von tiergestützten Interventionen auf Menschen mit Demenz. Abschließend integriert die Autorin diese Ansätze.

Im dritten Kapitel „Empirische Untersuchung“ stellt die Autorin zunächst den Forschungskontext sowie das daraus resultierende eigene Dissertationsprojekt vor. In dem Projekt der Autorin wurden 17 demenziell erkrankte Pflegeheimbewohner/innen über einen Zeitraum von sechs Monaten zu drei verschiedenen Zeitpunkten untersucht. Eine Gruppe nahm an den tiergestützten Interventionen teil, die Kontrollgruppe bekam zur gleichen Zeit eine Intervention ohne Tiereinbezug. Die Interventionseinheiten wurden per Video aufgezeichnet und nach psychopathologischen Auffälligkeiten, Emotionen sowie Sozialverhalten kodiert und analysiert. Nachdem die „Untersuchungsfragen und Hypothesen“, das „Studiendesign“, die „Stichprobe“, die „Methoden der Datenerhebung“ sowie die „Ergebnisse“ ausführlich dargestellt werden, interpretiert die Autorin die eigenen Ergebnisse.

Das Buch schließt mit einem „Fazit und Implikationen für zukünftige Forschung“ ab.

Im Anhang gibt es zwei ausführliche Zusammenstellungen von internationalen, durchgeführten und veröffentlichten Studien, die das Thema Tiergestützte Interventionen sowohl bei Menschen mit psychischen Auffälligkeiten als auch bei demenziell erkrankten Menschen bisher untersucht haben.

Diskussion

Endlich gibt es ein Buch, welches speziell den Bereich der Tiergestützten Interventionen bei Menschen mit Demenz in der stationären Versorgung sowohl mit dem theoretischen wie auch mit dem wissenschaftlichen Hintergrund prägnant zusammenfasst. Hierfür schafft die Autorin einen ausgezeichneten Überblick sowohl zum Thema „Alter und Demenz“ als auch zu der Beziehung zwischen Mensch und Tier. Hinzu kommen die ausführlichen Studienübersichten zu bisherigen Studien, die zum Thema Tiergestützte Interventionen durchgeführt wurden.

Die Autorin verbindet die unterschiedlichen Themen durch gelungene Übergänge miteinander und schafft so ein Themengebiet, wo alle Themen ineinander übergreifen und zusammen gehören. Das wissenschaftliche Buch liest sich wunderbar flüssig und es macht Freude zu lesen.

Zielgruppen

Die Zielgruppen der Veröffentlichung sind zum einen Dozierende und Studierende der Gerontopsychiatrie, Geriatrie, Sozialpädagogik, Pflegewissenschaft und Psychologie und zum anderen Therapeut/innen und Pflegefachkräfte in der Altenhilfe, die selbst tiergestützte Interventionen durchführen oder sich hierfür interessieren.

Fazit

Der Autorin ist es mit diesem Buch gelungen, dem/der Leser/in einen umfassenden theoretischen wie auch wissenschaftlichen Überblick zu dem Thema Tiergestützte Interventionen bei Menschen mit Demenz in der stationären Versorgung zu geben.


Rezensentin
Sabrina Naber
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Zitiervorschlag
Sabrina Naber. Rezension vom 26.06.2015 zu: Sandra Wesenberg: Tiergestützte Interventionen in der Demenzbetreuung. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH (Wiesbaden) 2014. ISBN 978-3-658-08339-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/18461.php, Datum des Zugriffs 26.06.2016.


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