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Friedrich Breyer, Peter Zweifel u.a.: Gesundheitsökonomik

Cover Friedrich Breyer, Peter Zweifel, Mathias Kifmann: Gesundheitsökonomik. Springer Gabler (Wiesbaden) 2013. 6., vollst. erweiterte und überarbeitete Auflage. 640 Seiten. ISBN 978-3-642-30893-2. D: 39,95 EUR, A: 41,07 EUR, CH: 50,00 sFr.
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Thema

Im Klappentext ist das Thema des Buches aus eigener Sicht beschrieben. „Dieses Buch macht den Leser mit den zentralen Fragestellungen und dem analytischen Werkzeug der Gesundheitsökomomik vertraut. Erörtert werden u.a. die Ausgabendynamik im Gesundheitswesen, der Umgang mit der Gesundheit, die Rolle des Arztes und sein Verhalten, Ineffizienzen in Krankenhäusern und die Anreize zur Risikoselektion im Krankenkassenwettbewerb. Diese Themen werden stringent mit mikroökonomischen Methoden analysiert, ethische Gesichtspunkte jedoch auch berücksichtigt. Für die 6. Auflage wurde das Buch umfangreich überarbeitet und um neue Aspekte erweitert. Beispielsweise wurde die Darstellung der Evaluationsmethoden ausgeweitet und der Rationierung medizinischer Leistungen ein eigener Abschnitt gewidmet. Des weiteren werden mögliche Gründe für ein Marktversagen auf Versicherungsmärkten in einem einheitlichen Modellrahmen behandelt sowie neue Ansätze bei der Vergütung von Leistungserbringern diskutiert.“

Autoren

Friedrich Breyer ist Professor für Wirtschafts- und Sozialpolitik an der Universität Konstanz, Forschungsprofessor am DIW Berlin und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium für Wirtschaft uind Technologie. 2012/2013 war er Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Gesundheitsökonomie.

Peter Zweifel ist emeritierter Professor für Wirtschaftstheorie und empirische Wirtschaftsforschung an der Universität Zürich. Im Jahr 2004 war er Präsident der International Health Economics Association.

Mathias Kifmann ist Professor für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Ökonomik der Gesundheit und der sozialen Sicherung an der Universität und Kernglied des Hamburg Center for Health Economics (HCHE).

Lernziele und Zielgruppe

Das Buch ist ein Lehrbuch. Die Autoren verweisen im Vorwort auch selbst ausführlich und klar, an wen sich das Buch richtet, welche Lernziele bestehen und welche Grundvoraussetzungen der Leser haben muss. Daher auch diese in unveränderter Form. „Unter Gesundheitsökonomie verstehen die Autoren dieses Lehrbuches die systematische Anwendung ökonomischer Analysekonzepte – vor allem aus der mikroökonomischen Theorie – auf Probleme der Aufteilung von knappen Produktionsfaktoren innerhalb des Gesundheitswesens sowie zwischen diesem und anderen Wirtschaftsbereichen. Es soll gezeigt werden, wie man mit ökonomischen Begriffen wie Angebot und Nachfrage, Geldwert oder Produktionsfunktion auch Phänomene wie Gesundheit und Länge des Lebens erfassen kann, von denen vielfach geglaubt wird, dass sie sich ökonomischen Kategorien entziehen.

Damit sind gleichzeitig auch die Lernziele dieses Lehrbuches umrissen: nach der Lektüre soll der Leser in der Lage sein, durch Anwendung des in der (mikro)ökonomischen Theorie erlernten Instrumentariums auf Entscheidungssituationen, die mit Gesundheit und Gesundheitsleistungen zu tun haben, die Besonderheiten der betreffenden Güter und Märkte herauszuarbeiten, aber auch das Vergleichbare zu erkennen und entsprechende Wohlfahrtsaussagen abzuleiten.

Der systematische Einsatz der mikroökonomischen Theorie verlangt dabei auch die Kenntnis der entsprechenden formal-mathematischen Hilfsmittel, wie sie in den Lehrbüchern zur Mathematik für Wissenschaftler dargestellt werden.“

Aufbau …

Das Buch ist gegliedert in 14 Kapitel mit folgenden inhaltlichen Schwerpunkten:

  1. Einleitung
  2. Zur ökonomischen Bewertung von Leben und Gesundheit
  3. Das Individuum als Produzent seiner Gesundheit
  4. Empirische Untersuchungen zur Gesundheitsproduktion
  5. Gesundheitsgüter, Marktversagen und Gerechtigkeit
  6. Optimale Ausgestaltung von Krankenversicherungsverträgen
  7. Risikoselektion im Krankenversicherungswettbewerb
  8. Der Arzt als Anbieter medizinischer Leistungen
  9. Krankenhausleistungen und ihre Effizienz
  10. Optimale Vergütung von Leistungserbringern
  11. Organisationsformen der medizinischen Versorgung
  12. Der Arzneimittelmarkt
  13. Die Politische Ökonomie des Gesundheitswesens
  14. Herausforderungen

… und ausgewählte Inhalte

In Kapitel 2 gehen die Autoren auf die ökonomische Bewertung von Leben und Gesundheit ein. Dargestellt werden verschiedene Verfahren der Evaluation im Gesundheitsbereich, die Kosten-Nutzwert-Analyse, Kosten-Nutzen-Analyse. Dabei werden der Humankapitalansatz, der Ansatz zur Zahlungsbereitschaft sowie auch Themen wie die gesellschaftliche Wohlfahrtsanalyse oder das Konzept der QALYS ausführlich erörtert.

In Kapitel 3 und 4 werden das Individuum als Produzent seiner Gesundheit (2) sowie empirische Untersuchungen zur Gesundheitsproduktion (3) zusammengefasst. Dabei geht es z.B. auch um die Grenzproduktivität des Gesundheitswesens und einzelner medizinscher Bereiche, zur Messung des Gesundheitszustandes sowie u.a. auch um die Nachfrage nach Gesundheit sowie die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen.

Kapitel 5 widmet sich den Gesundheitsgütern, Marktversagen und der Gerechtigkeit. Ausführlich beschrieben wird das Problem des Marktversagen auf den Märkten für Gesundheitsgütern, externe Effekte und die Kollektivgüterproblematik, unvollkommene Informationen auf Gesundheitsmärkten, das Marktversagen auf den Märkten für Krankenversicherung u.a. mit der Thematik des Trittbrettfahrerverhaltens. Schließlich werden Gerechtigkeit als Begründung für staatliche Eingriffe in das Gesundheitswesen differenziert analysiert. Zahlungsunfähigkeit und -bereitschaft und der Zugang zu Gesundheitsgütern werden behandelt, ebenso wie die angeborenen Unterschiede in der Krankheitsanfälligkeit und der Zugang zu den Gesundheitsgütern. Im weiteren werden Rationierung und Typen primärer Rationierung dargestellt, ehe die Gestaltung einer sozialen Krankenversicherung aufgezeigt wird, am Beispiel und mit der Beitragsgestaltung in Deutschland und der Schweiz.

Kapitel 6 stellt die optimale Ausgestaltung von Krankenversicherungsverträgen zusammen. Welche Typen von Krankenversicherungsverträgen es gibt mit Anreizwirkungen, wie sieht der optimale Versicherungsschutz bei Abwesenheit von Moral Hazard und mit Moral Hazard aus.

Das Thema der Risikoselektion im Krankenversicherungswettbewerb ist in Kapitel 7 beschrieben. In der deutschen GKV ist eine Risikoselektion nicht zulässig, so dass der Leser hier eine ökonomische Begründung und formale Darstellung dafür erhält. Bei der Theorie der Risikoselektion wird zum einen die direkte Risikoselektion, zum anderen die indirekte Risikoselektion inhaltlich und modellhaft analysiert.

Ärzte nehmen eine wichtige Rolle bei der Leistungserbringung medizinscher Leistungen ein. Kapitel 8 befasst sich damit. Sehr aufschlussreich ist dabei die Darstellung und der Zusammenhang von Ärztedichte und Inanspruchnahme von Leistungen, einhergehend mit der These der angebotsinduzierten Nachfrage nach ambulanten Arztleistungen. Analysiert werden modellhaft auch die Nutzenmaximierung des Arztes und die angebotsinduzierte Nachfrage. Aber auch alternative Erklärungsmodelle zum Zusammenhang der Ärztedichte und Inanspruchnahme, so z.B. ein permanenter Nachfrageüberhang oder der Rückgang der Indirekten Kosten bzw. Zunahme der Qualität der Behandlung.

In Kapitel 9 wird auf die Krankenhausleistungen und ihre Effizienz eingegangen. Beginnend wird auf das Krankenhaus als Produktionsbetrieb eingegangen, ehe man sich dem Krankenhausbetriebsvergleich widmet.

Kapitel 10 und 11 befassen sich mit der optimalen Vergütung von Leistungserbringern (10) sowie der Organisationsform der medizinischen Versorgung (11).

Kapitel 12 umfasst den Arzneimittelmarkt. Dabei werden Themen wie die Entwicklung eines neuen Arzneimittels, die Innovation als Investition, die Rolle des Patentschutzes sowie die Preisregulierung der Arzneimittel differenziert und ausführlich ökonomisch betrachtet und analysiert.

Politisch wird´s in Kapitel 13 mit der politischen Ökonomie des Gesundheitswesens. Die kollektiv finanzierte Gesundheitsversorgung in einer Demokratie wird anhand eines Modelles der direkten Demokratie analysiert, ehe auf den Einfluss von Interessensgruppen im Gesundheitswesen eingegangen wird.

Last but not least wird in Kapitel 14 auf die Herausforderungen an das Gesundheitswesen eingegangen. Dabei werden die gängigen genannt und analysiert: Die technologische Herausforderung, die demografische Herausforderung, Alter und medizinscher Fortschritt (z.B. auch das Sisphus-Sysndrom) sowie internationale Herausforderungen.

Diskussion

Gesundheitsökonomik, Gesundheitsökonomie oder auch die ökonomischen Grundlagen des Gesundheitswesens haben eine noch nicht allzu lange Tradition in der deutschen Literatur oder der Lehre an deutschen Hochschulen. ‚Mainstream‘ ist sicherlich die formale Beschäftigung mit dem Thema, und an vielen Hochschulen und Universitäten wird Gesundheitsökonomik genauso gelehrt, wie es von Breyer/Zweifel/Kifmann in ihrem Lehrbuch zur Gesundheitsökonomik zur Verfügung gestellt wird.

Das Lehrbuch hat ein formal-theoretisch sehr anspruchsvolles Niveau, und ist für Studierende im Hauptstudium der Ökonomie oder der Gesundheitsökonomie gedacht und geeignet. Es befasst sich mit allen gängigen Themen, so dass der Leser einen sehr guten Überblick über die Gesundheitsökonomie und deren Betrachtungsweise hat. Neben vielen formaltheoretischen Ableitungen, Grafiken und Funktionen werden an geeigneter Stelle immer wieder Zusammenfassungen gemacht, Folgerungen der Autoren kompakt dargestellt und Übungsaufgaben zur Verfügung gestellt. Literaturhinweise ergänzen diese Kapitel.

Fazit

Das Lehrbuch ist eines der bekanntesten und in seiner Form auch eines der angesehensten Lehrbücher der Gesundheitsökonomik von renommierten Ökonomie-Professoren. Für (formal orientierte) Ökonomen und Wirtschaftstheoretiker ein unbedingtes Muss und ein Standardwerk. Bereits in der 6. Auflage wird auf über 600 Seiten die Gesundheitsökonomik umfassend dargestellt. Die Autoren legen im Vorwort selbst fest, dass zum Verständnis sowohl (fundierte) mikroökonomische Kenntnisse als auch die entsprechenden formal-mathematischen Hilfsmitteln aus den Lehrbüchern für Mathematik für Wirtschaftswissenschaftlern nötig sind. Da sie dies so deutlich zum Ausdruck bringen, werden die eigenen, sehr hohen Ansprüche, auch in jeglicher Hinsicht erfüllt und transparent dargestellt.


Rezensent
Diplomökonom Univ. Uwe Huchler
Analyse und Beratung in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft, Lehrbeauftragter für Volkswirtschaftslehre, Informations- und Wissensmanagement, Informationstechnologie im Gesundheitswesen sowie Sozialinformatik an verschiedenen Hochschulen in Süddeutschland, seit 15 Jahren im Rahmen der Selbstverwaltung in der GKV aktiv (Hamburg Münchener Krankenkasse, DAK Gesundheit), Chefredakteur von www.social-software.de
Homepage www.uwehuchler.de
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Zitiervorschlag
Uwe Huchler. Rezension vom 08.06.2015 zu: Friedrich Breyer, Peter Zweifel, Mathias Kifmann: Gesundheitsökonomik. Springer Gabler (Wiesbaden) 2013. 6., vollst. erweiterte und überarbeitete Auflage. ISBN 978-3-642-30893-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/18474.php, Datum des Zugriffs 01.10.2016.


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