Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung e. V. (Hrsg.): Überleitung und Case Management in der Pflege
Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung e. V. (Hrsg.): Überleitung und Case Management in der Pflege. Schlütersche Verlagsgesellschaft (Hannover) 2004. 184 Seiten. ISBN 978-3-89993-128-0. 19,90 EUR, CH: 45,00 sFr.
Reihe: Pflegeforschung.
Das Thema
Die integrierte Versorgung im Rahmen von Gesundheitsleistungen und die Professionalisierung dieses Vorganges im Rahmen von Case Management stehen im Mittelpunkt dieser Veröffentlichung. Schnittstellenmanagement und die Einbeziehung von pflegenden Angehörigen werden in verschiedenen Beiträgen beleuchtet, ergänzt durch Erkenntnisse aus Praxisprojekten. Die Möglichkeiten eines in diesem Arbeitsfeld angesiedelten Konzeptes von Case Management werden diskutiert und in Verbindung zu den neuen Anforderungen im Gesundheitswesen gebracht.
Das Buch trägt dazu bei, zukünftig Standards und Überleitungskonzepte zur optimalen Versorgung von Patienten zu entwickeln.
Die Autoren
Das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. (dip) ist ein Forschungsinstitut der Fachbereiche Pflege und Gesundheit der katholischen Fachhochschulen in Deutschland. Bei den Autoren selbst handelt es sich um Sabine Dörpinghaus, Sabine Grützmacher, R.Sebastian Werbke und Frank Weidner.
Der Inhalt
Die Überleitung von Patienten aus dem Krankenhaus, die integrierte Versorgung von Patienten, die Situation pflegender Angehöriger werden in diesem Buch in den Kontext des sich stark verändernden Gesundheitswesen gestellt. Kostendämpfung wie Qualitätssicherung sollen sich nicht negativ auf die Bedarfe der Patienten niederschlagen. Dieser hohe Anspruch an einen Strukturwandel wird kritisch beleuchtet und mit konzeptionellen Vorschlägen versehen. Case Management wird in Bezug auf das Gesundheitswesen als Konzept dargestellt und in Verbindung mit der Arbeit von pflegenden Angehörigen gebracht. Das Thema wird abgerundet durch ein Projektbeispiel einer Krankenkasse.
Ausgehend von der bisherigen Situation der Entlassungsplanung in Krankenhäusern werden dieser Praxis Standards für das Entlassungsmanagement in der Pflege gegenübergestellt. Dieses Konzept beinhaltet Aussagen zu Einzelinformationen, Zielvorstellungen sowie Handlungsabläufe, die in einer Überleitungssituation zu bearbeiten sind. In diese Ausführungen fließen die Erkenntnisse aus 20 Projekten zur Pflege-Überleitung ein, mit dem besonderen Aspekt auf Pflege-Überleitungsbögen. Eine informative und kritische Aufarbeitung dieses Teils führt zu der Frage, inwieweit Case Management im Gesundheitswesen der Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung dienen kann.
Das Gesundheitswesen prägt noch eine strikte Trennung der verschiedenen Versorgungsbereiche und eine mangelnde Koordination und Kooperation der Leistungserbringer. Mit Case Management verspricht man sich ein höheres Maß an effektiven und effizienten Behandlungs- und Versorgungsabläufen, die gleichzeitig die Patientenorientierung gewährleisten sollen. Wobei befürchtet wird, das der ökonomische Aspekt - die Effizienz - das effektive Geschehen in den Hintergrund rückt, ähnlich wie bei dem parallelen Thema "fördern und fordern".
Nach einer Klärung verschiedener Fachbegriffe (Managed Care, Disease Management, Care Management) werden die Grundlagen, die Entwicklung, die Ziele, der Prozess des Case Management kurz aufgezeigt. Um einen differenzierten Einblick in die Möglichkeiten und Grenzen des Case Managements zu bekommen, müssten die Ausführungen hier deutlicher werden, so dass sich mehr Handlungsableitungen ergeben.
Eine besondere Bedeutung wird der Mitwirkung der pflegenden Angehörigen zugemessen, die im Rahmen des Case Managements ebenso Unterstützung benötigen, wie die Patienten selbst. In Deutschland findet dieser Aspekt im Gegensatz zu anderen Ländern noch wenig Berücksichtigung. Für die Funktion und Rolle des Case Managers ergibt sich eine Reihe von zu klärenden Fragen.
- Wer ist der Auftraggeber, mit welcher Intention?
- Welche Beziehung muss der Case Manager zu den Patienten und insbesondere zu den pflegenden Angehörigen aufbauen, um ein Fundament für ein mehrdimensionales Krankheitsmodell und ein personenzentriertes Behandlungsmodell zu legen?
Hierzu liefert dieser Teil viele Anregungen.
Im letzten Teil wird ein Partnerschaftsmodell zwischen der Bosch Betriebskrankenkasse Stuttgart und dem Robert-Bosch-Krankenhaus vorgestellt. Die Umsetzungsmöglichkeiten in Form von Patientenberatung und Überleitungsmanagement werden damit verdeutlicht, aber auch darauf aufmerksam gemacht, wie vielschichtig dieses Thema ist und welche Berufsgruppen, Organisationen im Gesundheitswesen tangiert sind.
Zielgruppen
Das Buch bietet insbesondere den verschiedenen Berufsgruppen (Mitarbeiter in Krankenhaus-Sozialdiensten, Pflegekräfte, Krankenhausärzte, Hausärzte) und den Verantwortlichen in Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern und Krankenkassen einen Einblick in das Konzept Case Management, in Verbindung mit dem Struktur- und Aufgabenwandel im Gesundheitswesen. Für Interessierte aus dem Feld der Sozialen Arbeit bietet sich ein interessanter Blick über den Zaun.
Fazit
Ein informatives Buch, das sehr komprimiert Kernfragen des Gesundheitswesens aufgreift.
Rezensent
Prof. Dr. Manfred Neuffer
Dipl. Sozialarbeiter, Dipl. Pädagoge, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, Fakultät Wirtschaft und Soziales, Department Soziale Arbeit. Schwerpunkte: Sozialarbeitswissenschaft, Systemische Beratung, Case Management, Mediation
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Zitiervorschlag
Manfred Neuffer. Rezension vom 15.02.2005 zu: Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung e. V. (Hrsg.): Überleitung und Case Management in der Pflege. Schlütersche Verlagsgesellschaft (Hannover) 2004. 184 Seiten. ISBN 978-3-89993-128-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/1901.php, Datum des Zugriffs 08.02.2012.
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