socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Monika Zoege: Die Professionalisierung des Hebammenberufs

Cover Monika Zoege: Die Professionalisierung des Hebammenberufs. Anforderungen an die Ausbildung. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2004. 440 Seiten. ISBN 978-3-456-84062-8. 34,95 EUR, CH: 59,90 sFr.

Reihe: Gesundheitsberufe - Geburtshilfe (Projektreihe der Robert-Bosch-Stiftung).
Recherche bei DNB KVK GVK.

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

Zoege betrachtet in ihrer professionstheoretischen Untersuchung die Hebammenkunst auf der Basis eines handlungsorientierten Ansatzes.

Aufbau und Inhalt

Nachdem zu Beginn Fragestellung, Forschungsweg, Methode und Erhebungsinstrumente sowie der Aufbau der Arbeit dargestellt werden, widmet sich das zweite Kapitel der Hebammentätigkeit unter einem handlungsorientierten Fokus, welcher in Zusammenhang mit den normativen Vorgaben (WHO, KMK) dargestellt wird. In der folgenden Sequenz wird das Berufsbild der Hebamme mit anderen Berufsbildern im Gesundheitswesen verglichen. Die Autorin analysiert die aktuellen Handlungsmerkmale, -determinanten und -probleme der Hebammentätigkeit. Im vierten Kapitel wird die Qualifizierung in der Aus-, Fort- und Weiterbildung dargelegt, und es werden unterschiedliche Bildungskonzepte und -reformen diskutiert, um anschließend die soziologische Professionalisierungsdebatte aufzugreifen und sie auf das Arbeitsfeld der Hebammen anzuwenden. Aus den theoretischen und empirischen Befunden leitet die Autorin anschließend Perspektiven und Empfehlungen für ein professionelles Tätigwerden von Hebammen ab und erläutert Konsequenzen für die Ausbildung.

Neben dem Literatur- und Abkürzungsverzeichnis rundt ein umfangreicher Anhang mit einem Verzeichnis der Hebammenschulen, Befragungsinstrumenten und Beurteilungsbögen als auch Fortbildungstabellen die Publikation ab.

Diskussion

Gut aufbereitete Daten sind eine unabkömmliche Arbeitsgrundlage für Analysen und Bewertungen und gleichzeitig eine wichtige Basis zur Vorbereitung von Entscheidungen. Wer in Deutschland zuverlässiges und vergleichbares Zahlenmaterial im Gesundheitswesen sucht, ist oftmals vor eine schwierige Aufgabe gestellt. Seit Jahren wird im Gesundheitswesen eine unzureichende Planungssicherheit aufgrund mangelnder Daten beklagt. Als überaus erfreuliches und unverzichtbares Nebenprodukt gibt Monika Zoege eine Einführung und Grundlegung dieser bislang vernachlässigten Thematik der Datenaufarbeitung im Hebammenwesen, ihrer systematischen Sammlung, Aufbereitung, Bereitstellung und Verknüpfung. Zoege beschreitet innovativ ein wichtiges und lange vernachlässigtes Feld im Hebammenwesen. Erstmalig werden in diesem Feld vorliegende Daten aufbereitet und zusätzlich durch eigene Erhebungen ergänzt.

Pointiert stellt die Autorin auch die qualitative Seite der Hebammenkunst dar, derweil die Anforderungen an Hebammen in der modernen Gesellschaft immer weiter anwachsen. Eine Großzahl von Frauen wendet sich gegen eine interventionsfreudige und medikalisierte Geburtshilfe, gegen Pathologisierung und Verunsicherung und finden in der Hebamme eine Anwältin für ihre Interessen. Zoege veranschaulicht, dass innerhalb des Berufsstandes Autonomie und Eigenkompetenz der betreuten Familien als handlungsleitendes Prinzip Beachtung finden.

Die auch in den anderen Gesundheitsfachberufen zu beklagende Datenlage wurde für das Hebammenwesen durch die Arbeit von Zoege sorgfältig und umfangreich aufgearbeitet. Das vorliegende Buch ist das Ergebnis eines langjährigen und intensiven Auseinandersetzungsprozesses mit den Bedingungen im Hebammenwesen. Verschiedene, mehrjährige Forschungsarbeiten der Autorin werden in dieser Dissertation zusammengeführt. Das Werk zeichnet sich durch eine akribische Recherche der Autorin aus, die an den verschiedensten Stellen der Leserin durch eine historische Aufarbeitung von Sachbeständen und Liebe zum Detail großen Lesegenuss und zugleich tiefe Einblicke in die verschiedensten Sachverhalte bereitet. Durch polarisierende Vergleiche zwischen Hebammenwesen und Pflege, wird ein enger Begriff von Pflege deutlich. Das neue Krankenpflegegesetz mit erweitertem Tätigkeitsfeld findet noch keine Berücksichtigung.

Zielgruppe

Das Werk wendet sich in erster Linie an die interessierte Fachöffentlichkeit und hier insbesondere an die im Hebammenwesen Beschäftigten, Gesundheitswissenschaftler, Pflegewissenschaftler, zuständigen Behörden und Institutionen sowie den Gesetzgeber. Darüber hinaus ist das Werk allen auch als Informationsquelle empfohlen, die sich in Aus- Fort-, Weiterbildung und Studium mit Fragen des Hebammenwesens im Gesundheitswesen auseinandersetzen. Nicht zuletzt ist es eine lohnende Quelle für eine professionstheoretische Debatte im Hebammenwesen und somit auch auf der Ebene von Hochschulen und Politik richtungsweisend. Die Dissertation selbst stellt einen Meilenstein zur Systematisierung im Hebammenwesen dar.

Fazit

Die sorgfältige und umfassende Aufarbeitung des Datenmaterials, die, aufgrund langjähriger Forschungsarbeiten vielfältigen Blickwinkel, die frauenfreundliche Sichtweise, die Herausarbeitung des handlungsleitenden Prinzips von Hebammen, das gesundheitswissenschaftliche Plädoyer zur sorgfältigen Risikoselektion versus Interventionsfreudigkeit und Medikalisierung machen dieses Buch nicht nur für Experten sondern auch für interessierte Laien äußerst lesenswert.

Bei dem vorliegenden Grundlagenwerk handelt es sich um eine der wichtigsten Arbeiten zur wissenschaftlichen Aufarbeitung des Hebammenwesens, weshalb ihm größte Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte.


Rezensentin
Dipl. Pflegewiss. Sabine Dörpinghaus
Hebamme, M.Sc., Doktorandin Institutsleitung am Bildungsinstitut für Gesundheit – Bensberg
Homepage www.sabine-doerpinghaus.de
E-Mail Mailformular


Alle 5 Rezensionen von Sabine Dörpinghaus anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Sabine Dörpinghaus. Rezension vom 03.08.2004 zu: Monika Zoege: Die Professionalisierung des Hebammenberufs. Anforderungen an die Ausbildung. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2004. ISBN 978-3-456-84062-8. Reihe: Gesundheitsberufe - Geburtshilfe (Projektreihe der Robert-Bosch-Stiftung). In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/1904.php, Datum des Zugriffs 25.07.2016.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Schon 12.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft

Gehören Sie auch schon dazu?

Ansonsten jetzt für den Newsletter anmelden!