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Jan-René Schluchter (Hrsg.): Medienbildung als Perspektive für Inklusion

Cover Jan-René Schluchter (Hrsg.): Medienbildung als Perspektive für Inklusion. Modelle und Reflexionen für die pädagogische Praxis. kopaed verlagsgmbh (München) 2015. 101 Seiten. ISBN 978-3-86736-265-8. D: 14,80 EUR, A: 15,30 EUR.
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Thema

Vor dem Hintergrund bislang unzureichend beachteter Potentiale aktiver Medienarbeit im Kontext von Inklusion bieten Jan-René Schluchter und Studierende der Lehrveranstaltung „Medienbildung als Perspektive für Inklusion“ im gleichnamigen Buch eine konzeptionelle Rahmung sowie Modelle einer inklusiven Medienbildung in der schulischen und außerschulischen Praxis an.

Herausgeber

Dr. Jan-René Schluchter ist Sonder- und Diplompädagoge mit den Schwerpunkten Medienpädagogik und Erwachsenenbildung. Seit 2009 ist er Akademischer Rat für Medienpädagogik und wissenschaftlich-fachlicher Leiter im Bereich des Zentrums für Medien- und Informationstechnologie der PH Ludwigsburg. 2014 promovierte er zu dem Thema „Medienbildung in der (sonder)pädagogischen Lehrerbildung. Bestandsaufnahme und Perspektiven für eine inklusive Lehrerbildung“.

Entstehungshintergrund

Die vorliegende Publikation dokumentiert verschiedene Projekte inklusiver Medienarbeit von Studierenden der Lehrveranstaltung „Medienbildung als Perspektive für Inklusion“, die der Herausgeber seit dem Wintersemester 2010/2011 an der PH Ludwigsburg anbietet. In der Lehrveranstaltung erarbeiten sich Studierende verschiedener Lehramtsstudiengänge das Thema Inklusion in Verbindung mit Ansätzen handlungsorientierter Medienpädagogik. Eigenständig planen die Teilnehmenden inklusive Medienprojekte, führen diese durch und reflektieren sie. Ziel des Bandes ist es, die Potentiale aktiver Medienarbeit für Inklusion herauszustellen sowie Konzepte inklusiver Medienbildung für die pädagogische Praxis zugänglich zu machen (vgl. S. 7f.).

Aufbau

Das Buch gliedert sich in zwei Teile.

  • Im ersten Teil gibt der Herausgeber einleitend eine Einführung in die Rahmung (A) und den Aufbau (B) der Publikation. Dem folgt eine Einführung in die grundlegenden Begrifflichkeiten (C) der im Anschluss beschriebenen Skizze einer inklusiven Medienbildung (D).
  • Im zweiten Teil beschreiben und reflektieren die Studierenden der o.g. Lehrveranstaltung Projekte inklusiver Medienbildung anhand einer einheitlichen Struktur (E) gefolgt vom Anhang der Publikation (F), der das Literaturverzeichnis und den Leitfaden für die Projektdokumentation und -reflexion umfasst.

Zu Teil 1: Inklusive Medienbildung

Einführend erläutert Jan-René Schluchter sehr verdichtet Inklusion als gesellschaftlichen und pädagogischen Anspruch, der zu ausdifferenzierten Aufgaben und Reflexionsbedarfen führe. Das Konzept der Medienbildung wird als weiterer Aspekt der theoretischen Hinführung vorgestellt und als Ziel und Intention einer aktiven Medienarbeit beschrieben. „Medienbildung als Perspektive für Inklusion“ bedeutet folglich, mediale Erfahrungen von Kinder und Jugendlichen als Ressource wahrzunehmen und Potentiale der Medien zur Förderung individueller Handlungsfähigkeit und sozialer Partizipation sowie zur Beeinflussung struktureller Lebensbedingungen zu nutzen.

Im anschließenden Kapitel leitet der Herausgeber aus der beschriebenen Perspektive die Skizze für eine „Inklusive Medienbildung“ ab und beschreibt differenziert die Potentiale sowie die Rahmenbedingungen.

Zu Teil 2: Praxisprojekte inklusiver Medienbildung

Das Kapitel „Modelle und Reflexion inklusiver Medienbildung“ (S. 27) stellt den zentralen Inhalt der Publikation dar und nimmt folglich den größten Raum ein. Insgesamt werden sieben Praxisprojekte von den durchführenden Studierenden vorgestellt.

Jede Projektbeschreibung orientiert sich an folgendem Aufbau (vgl. S. 101):

  • Projektname/ -bezeichnung
  • Ziele/ Intention
  • Hinweise zu Ort und Rahmen des jeweiligen Projekts
  • Eine Checkliste für die Durchführung
  • Eine Skizze des durchgeführten Projekts mit zeitlichem Ablauf
  • Beschreibung des durchgeführten Projekts
  • Reflexion der Studierenden entlang der theoretischen Skizze zur inklusiven Medienbildung

Annemarie Binder und Tanja Eisenhardt beschreiben ein Projekt um das Medium Trickfilm mit Schüler_innen der Sekundarstufe I, z.T. mit Beeinträchtigungen im Bereich motorischer sowie kognitiver Entwicklung.

Ein inklusives Projekt mit Schüler_innen der Sekundarstufe I, z.T. mit Beeinträchtigung im Bereich des Sehens, und dem Medium Film erläutern Robin Holly, Anneli Mairbichler und Annika Vetter.

Im Außerschulischen Bereich beschäftigen sich Jugendlichen, teilweise mit Beeinträchtigungen im Bereich motorischer Entwicklung, mit dem Medium Video/Clip, wie Sandra Braun und Anna-Lena Schweinsberg beschreiben.

Dominik Staubführte ein Foto-Projekt in einem inklusiven Kindergarten durch und erläutert Potentiale und Herausforderung aktiver Medienarbeit mit Kindern.

Mit den Möglichkeiten von Ton/Klang befassen sich Kevin Müller und Ricarda Richter in einem Medienprojekt mit einer Inklusionsklasse in der Sekundarstufe I.

Ebenfalls mit einer Inklusionsklasse der ersten Sekundarstufe führte Lena Sellmeier ein Projekt zu Hörspiel durch und reflektiert dieses.

Abschließend erläutert Rahel Vollmer ein Projekt zum Medium Radio mit Schüler_innen der Sekundarstufe I, z.T. mit Beeinträchtigungen im Bereich kognitiver Entwicklung.

Diskussion

Grundsätzlich positiv hervorzuheben ist die Intention des Herausgebers, durchgeführte inklusive Medienprojekte von Studierenden beschreiben und reflektieren zu lassen. Zum einen bietet der Band dadurch hilfreiche Anregungen für eine inklusive Projektarbeit im Kontext von Medien, zum anderen wird dem pädagogischen Nachwuchs die Möglichkeit gegeben, neben den Erfahrungen mit der handlungsorientierten Medienpädagogik, erste Erfahrungen als Autor_innen zu sammeln.

Der Fokus der Buchs liegt somit auch nicht auf einer umfassenden theoretischen Beschreibung des Konzepts inklusiver Medienbildung. So ist auch die sehr verdichtete theoretische Hinführung zu den Praxismodellen nachvollziehbar, jedoch wirken die begrifflichen Bestimmungen teilweise deutlich verkürzt. Hier wären weitere Ausführung angebracht gewesen.

Wünschenswert wären des Weiteren Hinweise auf die Bedeutung der digitalen Medien im Kontext inklusiver Medienbildung bzw. ein Praxisprojekt mit diesem Fokus gewesen. Die Digitalisierung sowie ihre Chancen und Herausforderungen sind insbesondere unter Aspekten der Inklusion zu diskutieren. Eine deutlichere Beachtung würde sowohl der Skizzierung einer inklusiven Medienbildung als auch dem Wandel von Gesellschaft und Kultur durch digitale Medien gerecht.

Fazit

Insgesamt liefert die Publikation „Medienbildung als Perspektive für Inklusion“ eine erste Annäherung an eine komplexe Thematik und bietet hilfreiche Anregungen sowie Hinweise zu Rahmenbedingungen für eine inklusive Medienpraxis in verschiedenen pädagogischen Handlungsbereichen. Den Ansprüchen der Autor_innen, die Potentiale aktiver Medienarbeit für Inklusion in die Gesellschaft hervorzuheben und Anhaltspunkte für die praktische Umsetzung zu geben, wird der Band gerecht. Für Studierenden und Praktiker_innen schulischer und außerschulischer Felder ist die Lektüre zu empfehlen.


Rezensent
Christian Helbig
M.A., staatlich anerkannter Sozialarbeiter/-pädagoge, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Medienforschung und Medienpädagogik der Technischen Hochschule Köln
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Zitiervorschlag
Christian Helbig. Rezension vom 24.08.2015 zu: Jan-René Schluchter (Hrsg.): Medienbildung als Perspektive für Inklusion. Modelle und Reflexionen für die pädagogische Praxis. kopaed verlagsgmbh (München) 2015. ISBN 978-3-86736-265-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/19153.php, Datum des Zugriffs 04.12.2016.


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