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Sabine Hebenstreit-Müller (Hrsg.): Im Dialog mit der Praxis

Cover Sabine Hebenstreit-Müller (Hrsg.): Im Dialog mit der Praxis. Weiterentwicklungen von Early Excellence. Dohrmann Verlag (Berlin) 2015. 196 Seiten. ISBN 978-3-938620-33-5. D: 18,90 EUR, A: 19,50 EUR, CH: 27,50 sFr.
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Thema

Das Buch „Im Dialog mit der Praxis – Weiterentwicklungen von Early Excellence“ ist eine Sammlung von Beiträgen verschiedener AutorInnen, die mit dem Blick aus dem pädagogischen Alltag und auf den pädagogischen Alltag Beispiele beschreiben, wie sich der Early Excellence Ansatz in der Praxis bereits entwickelt hat und welche aktuellen Weiterentwicklungen schwerpunktmäßig in den ersten Early Excellence Einrichtungen in Berlin vonstattengehen. Projekte, die teilweise noch nicht oder gerade erst abgeschlossen sind, werden in ihren Facetten einem breiten Publikum zugänglich gemacht und laden dazu ein, selbst in einen Austausch zu gehen und auch an anderen Standorten Prozesse der Weiterentwicklung anzustoßen.

Herausgeberin

Sabine Hebenstreit-Müller ist seit 1999 Direktorin des Pestalozzi-Fröbel-Hauses und seit 2009 Honorarprofessorin an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg für den Bereich Kleinkindpädagogik. Seit 2000 wird im Pestalozzi-Fröbel-Haus unter ihrer Federführung das Early-Excellence-Konzept weiter entwickelt.

Entstehungshintergrund

Das Pestalozzi-Fröbel-Haus in Berlin war im Jahr 2000 die erste Institution in Deutschland, die den Early Excellence Ansatz in der pädagogischen Praxis anwendete. Das PFH kooperierte dabei mit dem englischen Pen Green Centre (Corby, UK), in dem dieser Ansatz im Ursprung entwickelt wurde. Im PFH in Berlin wird seit dem Jahr 2000 dieser Ansatz auf deutsche Verhältnisse übertragen und weiterentwickelt. Mittlerweile findet der Early Excellence Ansatz in vielen Familienzentren in Deutschland Anwendung. Vier Familienzentren des Pestalozzi-Fröbel-Hauses in Berlin haben begonnen, Qualitätsbausteine zu entwickeln, die Qualitätsdiskurse anregen und dauerhaft zur Etablierung von Qualitätsbausteinen für die Arbeit nach dem Early Excellence Konzept beitragen sollen. Einige Beispiele der Weiterentwicklung von Early Excellence in diesem Sinn werden in den Beiträgen dieses Buches beschrieben.

Aufbau

In elf Kapiteln werden elementare Bausteine von Early Excellence behandelt sowie ausgewählte Bildungsbereiche dargestellt:

  1. Im Dialog mit der Praxis – Weiterentwicklungen von Early Excellence – Einführung – (Sabine Hebenstreit-Müller)
  2. Der positive Blick – was er auslöst und bewirken kann – Auszüge aus einem Video von Tom Briele
  3. Pädagogische Strategien und ihre Relevanz für Teamentwicklung und eine positive Feedback-Kultur (Regina Freytag, Angelika Martin, Anja Piasecki)
  4. Die Rolle der Erzieherinnen und Erzieher im EEC-Ansatz – Kognitiv anregende Interaktion im pädagogischen Alltag – sustained shared thinking (Frauke Hildebrandt, Sabine Hebenstreit-Müller)
  5. Kindergruppen beobachten (Sabine Hebenstreit-Müller, Jana Sommerfeld)
  6. Mit Kindern Projekte gestalten – am Beispiel der Kita Belziger Straße (Sabine Hebenstreit-Müller, Julia Ziegler)
  7. Eine Balance von Herz, Kopf und Bauch finden – Musik im pädagogischen Alltag (Sabine Hebenstreit-Müller)
  8. Abenteuer Oper – Kinder aus dem PFH unternehmen Ausflüge in die Fantasiewelt der Oper (Julia Ziegler)
  9. Erlebnisraum Spielplatz – Gestaltung nach Early Excellence (Jutta Giani)
  10. Die Einführung des Early Excellence-Ansatzes in den Kindertageseinrichtungen der Stadt Mühlheim an der Ruhr (Karin Bode-Brock)
  11. Qualitätsentwicklung in den Familienzentren des Pestalozzi-Fröbel-Hauses (Stefan Bestman, Jutta Burdorf-Schulz, Jutta Husemann, Gertrud Möller-Frommann, Hamad Nasser, Gerd Schmitt)

Inhalte

1. Im Dialog mit der Praxis – Weiterentwicklungen von Early Excellence – Einführung - (Sabine Hebenstreit-Müller). Seitdem der Early Excellence Ansatz vor 15 Jahren zum ersten Mal in Deutschland umgesetzt wurde, steigt die Anzahl der Einrichtungen, die nach diesem Ansatz arbeiten, kontinuierlich. Sabine Hebenstreit-Müller führt dies vor allem auf drei Aspekte zurück: Zum Einen steht Early Excellence (EEC) für die Abkehr von einer defizitorientierten Sichtweise. Im Mittelpunkt steht der sog. positive Blick, der eine wertschätzende Grundhaltung beschreibt und die Ressourcen eines Kindes ins Zentrum der Betrachtung rückt. Das Kind wird als aktiv, sich selbst bildend und kompetent gesehen. Entsprechend richtet sich die Aufmerksamkeit von pädagogischen Fachkräften auf die Fähigkeiten der Kinder. Zum Zweiten bietet Early Excellence ein Konzept, mit dem auf hohem fachlichem Niveau die Bildungspläne und -programme der Bundesländer in der Praxis umgesetzt werden können. Drittens ist Early Excellence ein prozessbezogenes Konzept, das den pädagogischen Fachkräften explizit die Freiheit gibt, pädagogische Instrumente den spezifischen Bedürfnissen der Kinder und ihrer Familien entsprechend abzuwandeln, zu ergänzen, zu erweitern etc. Insofern kann pädagogische Arbeit nach dem Early Excellence Ansatz nur gelingen, wenn die pädagogischen Fachkräfte sich positiv auf die Entwicklung dieses Konzepts einlassen und eine lernende Gemeinschaft, eine learning community, bilden. Drei Fragen stehen im Zentrum der Entwicklung des Konzeptes: Erstens, wie eine hohe Qualität der pädagogischen Arbeit gewährleistet werden kann, die zugleich der Unterschiedlichkeit von Kindern gerecht wird. Zweitens wie die Eltern in die Bildungsprozesse ihrer Kinder einbezogen werden können und drittens, wie die pädagogischen Einrichtungen das Entstehen von familienfreundlichen Strukturen im Sozialraum unterstützen können. Early Excellence ist ein Ansatz, der immer auf zwei Aspekte ausgerichtet ist: auf den theoretischen Aspekt einer an den Bedürfnissen und Interessen der Kinder ausgerichteten Bildung und Erziehung und auf die praktische Umsetzung. Dabei geht es nicht um das Festlegen eines Planes, dem dann unbedingt zu folgen ist. Vielmehr geht es um das Entwerfen eines Planes, bei dem in der Umsetzung das Beobachten der Situationen und das Abwarten der Veränderungen und Entwicklungen elementar sind. So kann eine Rückkopplung zwischen Theorie (dem Plan) und der Praxis (Umsetzung des Planes) entstehen und die Qualität des Handelns kontinuierlich verbessern. In diesem Sinn sind auch die in diesem Buch gesammelten Beiträge zu verstehen. Es werden im Folgenden Aspekte und Prozesse der Weiterentwicklung des Early Excellence Ansatzes beschrieben, wie sie in der Praxis des Pestalozzi-Fröbel-Hauses aktuell diskutiert werden. Ziel ist es, einen fachlichen Austausch anzuregen. Die ausgewählten Beispiele befinden sich Großteils in einem Prozess, dessen Weiterentwicklung nicht abgesehen werden kann, der aber durch den Dialog mit der Praxis befruchtet werden kann.

2. Der positive Blick – was er auslöst und bewirken kann – Auszüge aus einem Video (Tom Briele). Im zweiten Beitrag des Buches werden transkribierte Auszüge aus einem Video von Tom Briele aufgeführt. Pädagogische Fachkräfte aus EEC-Einrichtungen in Mühlheim an der Ruhr schildern im O-Ton ihre Erfahrungen und Beobachtungen. Dabei zeigen sie, was es bedeutet, von den Stärken der Kinder auszugehen, ihre individuellen Potentiale zu erkennen und zu fördern. die Fachkräfte beschreiben den positiven Blick auf sich selbst und was es bedeutet, Stärken wahrzunehmen und zu fördern, ohne dabei Schwächen zu verleugnen. Schließlich führt eine solche Haltung und Herangehensweise dazu, dass Kinder aktiver und offener werden.

3. Pädagogische Strategien und ihre Relevanz für Teamentwicklung und eine positive Feedback-Kultur (Regina Freytag, Angelika Martin, Anja Piasecki). In ihrer Abschlussarbeit einer dreijährigen Inhouse-Leitungsqualifizierung haben sich die drei Autorinnen damit befasst, wie die pädagogischen Strategien auf den Umgang im Team untereinander zu übertragen sind. Unter dem Thema „Teamentwicklung und positive Feedback-Kultur im Early Excellence-Konzept“ haben alle drei in ihren Teams konstruktive Feedbacks etabliert und ausgewertet, welchen Einfluss diese auf die Teamentwicklung haben. Regina Freytag arbeitet als stellvertretende Leiterin in der offenen Ganztagsbetreuung der Sternberg-Grundschule in Berlin. Sie hat in Abstimmung mit der Leiterin die von Whalley für Führungskräfte formulierten acht Erwachsenenstrategien auf den Bereich der Mitarbeiterqualitäten übertragen. Ihr ging es darum, die Kompetenzen von pädagogischen Fachkräften im Kontext von EEC zu verdeutlichen und die eigene Haltung den Kollegen gegenüber darzustellen. In einer dreitägigen Teamfortbildung wurden mit allen Teammitgliedern gemeinsam die von Regina Freytag vorformulierten acht Mitarbeiterstrategien diskutiert und bearbeitet. Auf dieser Basis kann eine Feedback-Kultur entstehen. Angelika Martin arbeitet als stellvertretende Leiterin in der Ganztagsbetreuung der Grundschule am Barbarossaplatz in Berlin. Sie führte als erstes angelehnt an die Vorgehensweise der Beobachtung und Dokumentation von Kindern positive Feedbackgespräche mit jedem einzelnen Mitarbeiter des Teams. So entstand im Team eine Neugierde, wie eine positive Feedbackkultur regelhaft im Team etabliert werden könnte. In einer Mitarbeiterbesprechung wurden gemeinsam die acht Strategien bezogen auf Mitarbeiterqualitäten formuliert. Diese bilden die Grundlage, die Angelika Martin nutzt, um eine regelmäßige Feedback-Kultur im Team zu entwickeln und zu etablieren. Anja Piasecki arbeitet als stellvertretende Leiterin in der Kindertagesstätte Haubachstraße in Berlin. Sie stellte sich zunächst die Frage, wie es ihr als Führungskraft im Alltag gelingen kann, den Mitarbeitern ein positives Feedback zu geben. Dazu bediente sie sich Tür-und-Angel-Feedbacks um von diesen Erfahrungen ausgehend in Mitarbeiterbesprechungen mit dem Team Möglichkeiten eines Gruppenfeedbacks zu erarbeiten. Anja Piasecki hat in ihrem Team den Willen geweckt, eine positive Feedback-Kultur zu entwickeln und diesen Prozess begonnen. Für alle drei Einrichtungen zeigte sich, dass die Mitarbeiter positiv auf das Thema Teamentwicklung und Feedbackkultur reagierten. Ganze Fortbildungstage zur Bearbeitung dieses Themas waren günstiger als die Bearbeitung in Mitarbeiterbesprechungen.

4. Die Rolle der Erzieherinnen und Erzieher im EEC-Ansatz – Kognitiv anregende Interaktion im pädagogischen Alltag – sustained shared thinking (Frauke Hildebrandt, Sabine Hebenstreit-Müller). Das Projekt „Kognitiv anregende Interaktion Kindern“ wurde von Juni bis November 2014 in Kooperation mit der Fachhochschule Potsdam an der Eosander-Schinkel-Grundschule und der Kita Barbarossastraße durchgeführt. Zentrale Fragestellungen waren, wie Erzieherinnen das forschende Lernen von Kindern im Alltag unterstützen können und sich dabei von den Interessen und Anliegen der Kinder leiten lassen. Dazu wurde die Methode des sustained shared thinking, kognitiv anregender Interaktion durch gemeinsam geteilte Denkprozesse, eingesetzt. In dem Projekt wurden Fragen der Kinder aus dem Alltag des Pestalozzi-Fröbel-Hauses aufgegriffen und mit den Kindern wurden gemeinsam Hypothesen entwickelt und Antworten gesucht. Dazu wurden die Teams in einer dreitägigen Inhouse-Fortbildungen zum Thema kognitiv anregende Interaktion qualifiziert; in einem eintägigen Abschlussworkshop wurden die Erfahrungen ausgewertet. Die Umsetzungsphase wurde mit Videografien und beispielhaften praktischen Dialogen gestaltet. Ziel war, am Ende der Pilotphase eine Idee zu entwickeln, ob und in welcher Weise die Erfahrungen auch für andere Einrichtungen genutzt werden können und die Messinstrumente der sustained shared thinking Methode zu überprüfen und auszudifferenzieren. Die Erfahrungen aus der Projektphase werden von allen teilnehmenden Fachkräften ausnahmslos positiv bewertet.

5. Kindergruppen beobachten (Sabine Hebenstreit-Müller, Jana Sommerfeld). Bislang wurde die pädagogische Konzeption von EEC Einrichtungen im individuellen Kind ausgehend gedacht. Die Interaktionen der Kinder untereinander wurden nicht explizit beobachtet und einbezogen. Kindertagesstätten sind jedoch ein wichtiger Ort zur Entwicklung von (Klein-)Gruppen-Kompetenzen der Kinder untereinander und die Beobachtung von Gruppen stellt andere Anforderungen als die Beobachtung eines einzelnen Kindes. Daher war es 2013 / 2014 das Ziel eines Projekts im Kinder- und Familienzentrum Schillerstraße, die Interaktionen von Kindern zu beobachten und dafür geeignete Instrumente zu identifizieren. Die Frage, welche Merkmale eine Gruppe von Kindern qualifizieren, wurde im Projektverlauf immer wieder neu diskutiert und anhand der Beobachtungen reflektiert. In einem ersten Schritt wurde ausgehend von den Beobachtungsbögen für individuelle Beobachtungen ein Beobachtungsbogen für Gruppenzusammenhänge entwickelt. In 5 bis 10 Minuten werden die Beobachtungen notiert und wann immer möglich auch gefilmt. Ausgewertet werden die Beobachtungen unter der Fragestellung, was förderliche bzw. hinderliche Bedingungen für die Interaktion von Kindern in Gruppen sind. Die Beobachtung der Gruppeninteraktion hatte schon in der Projektphase Einfluss auf die pädagogische Arbeit. Angebote für Kindergruppen wurden umgestaltet oder neu entwickelt, die Erzieherin entschied unter Berücksichtigung der Gruppenprozesse bewusst, ob die Gruppenaktivität unterbrochen wird oder nicht, die Raumgestaltung wurde neu betrachtet. Sukzessive soll das gesamte Team in das erweiterte Beobachtungsverfahren einbezogen werden. Aus dem Projekt ergeben sich weiterführende Fragen, z.B. die Frage nach der zeitlichen Realisierbarkeit, die Frage nach der Gewichtung der Ergebnisse von individueller Beobachtung und Gruppenbeobachtung und welche Ergänzungen beide Beobachtungsformen füreinander bedeuten.

6. Mit Kindern Projekte gestalten – am Beispiel der Kita Belziger Straße (Sabine Hebenstreit-Müller, Julia Ziegler). Im Berliner Bildungsprogramm wird angeregt, dass Kindertagesstätten Projekte zu Bildungsthemen durchführen sollen. In der Kita Belziger Straße wurde die Umsetzung von Projekten unter dem Early Excellence Konzept bearbeitet. Ein Ziel war dabei auch, Qualitätskriterien für die Projektarbeit in den anderen Pestalozzi-Fröbelhaus-Kitas zu entwickeln. Die Vorgehensweise orientierte sich dabei an der Vorgehensweise, die angewendet wird, wenn für ein einzelnes Kind ein individuelles Angebot entwickelt wird, mit dem Unterschied, dass Projekte für mehrere Kinder gleichzeitig entwickelt werden sollten. Durch Beobachten der Themen im Alltag, durch Fragen im Morgenkreis und die Auswertung der individuellen Beobachtungen entstand eine Themensammlung, aus der schließlich in der ersten Runde vier Themen als Projekte umgesetzt wurden. Die Projekte wurden für Eltern und Kinder transparent präsentiert, der Projektverlauf in Ordnern dokumentiert und es wurden Räume den Projektthemen entsprechend mit immer wechselnden Materialien ausgestattet. Die Kinder konnten entscheiden, ob sie sich an einem der Projekte beteiligen wollten oder nicht.

7. Eine Balance von Herz, Kopf und Bauch finden – Musik im pädagogischen Alltag (Sabine Hebenstreit-Müller). Mit der Einbindung von Musik im Alltag geht es darum, Musik als einem zentralen Element des Ausdrucks von Lebensfreude von Kindern einen Raum zu geben. Ziel ist dabei weder die Förderung besonders begabter Kinder noch eine gezielte intellektuelle und soziale Förderung durch das pädagogische Instrument Musik. Musik in einer EEC Einrichtung spielt eine wichtige Rolle im ganzheitlichen Bildungsverständnis. Ziel der Musik im pädagogischen Alltag ist vielmehr die Sensibilisierung sowohl der Kinder als auch der Erzieherinnen für Geräusche und individuelle Bewegungsrhythmen der Kinder, für individuelles Tempo und für die musikalische Seite des Lernens.

8. Abenteuer Oper – Kinder aus dem PFH unternehmen Ausflüge in die Fantasiewelt der Oper (Julia Ziegler). Ein Beispiel, wie Musik in diesem o.g. Sinn im Kita-Alltag eingebunden wurde, bietet die langjährige Kooperation des Pestalozzi-Fröbel-Hauses mit der Komischen Oper in Berlin. Unter Mitwirkung und Finanzierung der Heinz und Heide Dürr Stiftung werden seit dem ersten Testlauf im Jahr 2008 spezielle Workshop-Reihen angeboten für Einrichtungen, die nach dem EEC-Konzept arbeiten. Jedes Jahr wird eine Kinderoper produziert. Begleitend finden für Eltern und Kinder Workshops statt, in denen der gemeinsame Besuch der Kinderoper vorbereitet wird, in denen essentielle Szenen herausgegriffen und mit Kindern und ihren Eltern szenisch interpretiert werden. Kinder können ihre Körpersprache und die Wirkung ihrer Stimme erfahren, sie werden selbst zum Darsteller einer Geschichte und erleben, dass Musik durch Bewegung oder Bilder fassbar gemacht werden kann. Durch die gemeinsamen Erfahrungen in den Workshops und den abschließenden gemeinsamen Besuch der Oper werden zugleich familienstärkende Erlebnisse ermöglicht. Seit 2015 bietet die Komische Oper Berlin außerdem eine Erzieherfortbildung zum Thema Musiktheaterpädagogik an.

9. Erlebnisraum Spielplatz – Gestaltung nach Early Excellence (Jutta Giani). Die ersten gezielt angelegten Spielplätze entstanden bereits im 19. Jahrhundert und entwickelten sich seither beständig weiter. Bis in die Nachkriegszeit waren jedoch auch Straßen und Höfe Räume, in denen Kinder spielten. Räume sind für Kinder wichtige Begleiter ihrer Lerngeschichten, denn Kinder können nur das für ihre Bildungsprozesse verwenden, was sie in ihrer Umgebung angeboten bekommen. Spiel-Räume wie Straßen oder Höfe stehen inzwischen kaum mehr zum Spielen zur Verfügung. In dem Maße, wie diese Räume für Kinder unzugänglich wurden, stieg die Notwendigkeit, Spielplätze zu gestalten und mit anregenden Materialien auszustatten, die nach Möglichkeit Kinder unter drei Jahren ebenso Anregungen bietet wie Kindergartenkindern bis zum Schuleintritt. Das Beispiel der Spielplatzgestaltung in der Kita Pestalozzistraße zeigt, wie ein Spielplatz unter Berücksichtigung der Beobachtungen, womit Kinder sich über lange Zeit hinweg beschäftigen, entstand. Fragestellungen, die zur Auswahl der Spielgeräte führten, waren z.B. welche Spielmöglichkeiten ein Gegenstand birgt, welche Elemente sich variabel umfunktionieren lassen, welche Materialien für viele verschiedene Funktionen einsetzen lassen. Dabei wurden sowohl klassische Spielplatzgeräte wie Schaukeln, Spielhäuser, Sandkästen oder Kletterbäume berücksichtigt. Ein Wasserbereich gehört unbedingt zu einem nach EEC-Kriterien gestalteten Spielplatz. Aber auch Elemente wie Baumstämme, Spielvorhänge, unterschiedliche Bodenbeschaffenheiten, Hochbeete und Rückzugsorte wurden eingebaut. Um die Bewegungsmöglichkeiten vielfältig gestalten zu können, ist auch eine große Freifläche wesentlich. Aus der Gestaltung des Spielplatzes der Kita Pestalozzistraße ist ein Leitfaden entstanden, der bei der Planung eines Spielplatzes zu Grunde gelegt werden kann.

10. Die Einführung des Early Excellence-Ansatzes in den Kindertageseinrichtungen der Stadt Mühlheim an der Ruhr (Karin Bode-Brock). Seit 2008 sind die 39 städtischen Tageseinrichtungen im Prozess, ihr pädagogisches Konzept nach den Grundsätzen von EEC auszurichten. Bei der Auseinandersetzung mit Fragen wie eine hohe Qualität der Bildung, Erziehung und Betreuung gerade auch Kindern aus benachteiligten Familien zu Gute kommen kann, wie forschendes und engagiertes Neugierverhalten gefördert und ganzheitliches Lernen ermöglicht werden kann, wie die Zusammenarbeit mit Eltern gelingen kann oder wie Eltern Anteil haben können an den Bildungsprozessen ihrer Kinder, kam der Early Excellence Ansatz als anwendbares Konzept in die Diskussion. In einer Steuerungsgruppe und einem Moderationsteam wird die Pilotphase vorbereitet. Auftakt der Pilotphase bildet ein Workshop für alle Leitungen der städtischen Tageseinrichtungen, an dem sie über das Konzept Early Excellence und die Erfahrungen im Pestalozzi-Fröbel-Haus informiert wurden. Anschließend konnten sich die Leitungen für die Teilnahme an der Pilotphase bewerben, drei Piloteinrichtungen wurden ausgewählt. In einer Entwicklungsgruppe findet bis heute der fachliche Austausch und die Impulssetzung zur Implementierung des Early Excellence Ansatzes statt. Parallel wurde ein Rahmen für kollegiale Beratung geschaffen, der den pädagogischen Fachkräften zugänglich ist, jedoch nicht den Leitungen. Unter der Beratung und Fortbildung der Teams durch Fachberaterinnen des Pestalozzi-Fröbel-Hauses entstanden Konzeptbausteine, die in ihrer Grundstruktur bis heute erhalten geblieben sind. Seit Mitte 2008 gibt es außerdem eine filmische Dokumentation des Prozesses. Finanziell wird der Prozess für alle Mühlheimer Kindertageseinrichtungen durch zwei Stiftungen abgesichert. Nach den ersten drei Piloteinrichtungen folgen 2009 bereits drei weitere Einrichtungen, die sich über ein Bewerbungsverfahren finden. 2010 starten weitere drei Einrichtungen die Einführung des Early Excellence Konzepts. 2011 findet eine weitere Veranstaltung für alle Leitungen statt. Alle Teams bekommen die Möglichkeit zu entscheiden, zu welchem Zeitpunkt sie in das Konzept einsteigen wollen. 2012, 2013 und 2014 steigen jeweils acht weitere Einrichtungen in den Entwicklungsprozess ein. Dieser Prozess ist für alle Einrichtungen auf jeweils drei Jahre angelegt. Ausgehend von den drei Pilotkitas wird der Early Excellence Ansatz in alle Einrichtungen getragen. Dieser Transfer birgt Herausforderungen, Skepsis bei pädagogischen Fachkräften aber auch bei Eltern muss überwunden werden, die Unterstützungs- und Begleitangebote für die Einrichtungen müssen unterschiedlich angelegt sein, ein hoher Fortbildungsbedarf ist erkennbar und erreichte Entwicklungsstufen müssen auch in Stresssituationen gesichert werden. Die zahlreichen positiven Rückmeldungen von Kindern, Eltern und pädagogischen Fachkräften bestärken jedoch den Prozess.

11. Qualitätsentwicklung in den Familienzentren des Pestalozzi-Fröbel-Hauses (Stefan Bestman, Jutta Burdorf-Schulz, Jutta Husemann, Gertrud Möller-Frommann, Hamad Nasser, Gerd Schmitt).Die Leitungen der vier Familienzentren des Pestalozzi-Fröbel-Hauses und der Leiter der Abteilung Kinder- und Jugendhilfe haben insgesamt zwölf Qualitätsbausteine entwickelt, die die Arbeit einer EEC-Einrichtung in Leitsätze und Indikatoren fassen. Diese Bausteine dienen zum internen Dialog im Team und zugleich als Grundlage für das jährliche Evaluationsgespräch mit dem Träger, benötigen jedoch in einzelnen Bereichen noch eine weitere Ausdifferenzierung und Ausarbeitung.

Diskussion

Das Buch „Im Dialog mit der Praxis“ greift Themen auf, die mit dem Kita-Alltag untrennbar verbunden sind, die im bisher in Deutschland umgesetzten Early Excellence Konzept jedoch nur eine Nebenrolle gespielt haben oder teilweise gar nicht relevant waren. So beschäftigt sich das Buch mit Fragen des Einflusses der Early Excellence Grundhaltung auf die Teamentwicklung, auf Methoden eines philosophischen Austausches mit Kindern oder es stellt die Frage nach Möglichkeiten der Beobachtung von Kindergruppen. Damit werden bisherige Lücken in Early Excellence Konzepten vielleicht noch nicht geschlossen, aber es werden wesentliche Bereiche benannt, in denen das EEC Konzept bisher keine oder nur marginale Aussagen anbot und in denen eine Entwicklung stattfinden muss. Das Buch lädt ein teilzuhaben am fachlichen Austausch und an fachlichen Entwicklungen. Pädagogische Fachkräfte erhalten einen transparenten Einblick in die Entwicklungen an den Ur-Standorten von Early Excellence und können so – auch auf dieser Ebene einem wesentlichen Gedanken von Early Excellence folgend – teilhaben an den Prozessen und diese für ihre eigene Entwicklung und Diskussion berücksichtigen. Das Buch ermutigt dazu, eigene Antworten auf die Fragestellungen zu den einzelnen Themen zu finden.

Fazit

„Im Dialog mit der Praxis – Weiterentwicklungen von Early Excellence“ ist eine Bereicherung für jede Fachkraft, die sich mit dem Early Excellence Ansatz befasst bzw. nach diesem arbeitet besonders aber auch für jede Early Excellence Einrichtung und jeden Träger, der dieses Konzept umsetzt. Ansprechend und gut nachvollziehbar werden wichtige Themenbereiche unter dem Aspekt Early Excellence betrachtet und Beispiele vorgestellt, wie Early Excellence sich in der Praxis in Bezug auf diese Themenbereiche ausdrücken kann. Diese können wiederum anderen Einrichtungen und Teams als Diskussionsgrundlage und Anregung zur eigenen Weiterentwicklung dienen.


Rezensentin
Dipl. Pädagogin Lorena Rautenberg
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Zitiervorschlag
Lorena Rautenberg. Rezension vom 15.09.2015 zu: Sabine Hebenstreit-Müller (Hrsg.): Im Dialog mit der Praxis. Weiterentwicklungen von Early Excellence. Dohrmann Verlag (Berlin) 2015. ISBN 978-3-938620-33-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/19312.php, Datum des Zugriffs 26.03.2017.


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