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Gesine Bär: Gesundheitsförderung lokal verorten

Cover Gesine Bär: Gesundheitsförderung lokal verorten. Räumliche Dimensionen und zeitliche Verläufe des WHO-Setting-Ansatzes im Quartier. Springer VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2015. 381 Seiten. ISBN 978-3-658-09549-9. D: 49,99 EUR, A: 51,39 EUR, CH: 53,00 sFr.
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Autorin

Gesine Bär, Soziologin, ist Professorin an der Alice Salomon Hochschule in Berlin. Ihre Forschungsthemen sind u.a. Soziale Ungleichheit sowie Gesundheitsfördernde Stadtteilentwicklung.

Entstehungshintergrund

Ursprünglich verfolgte Gesine Bär das Ziel eine stadtsoziologische Dissertation zu schreiben. Im Forschungsprozess entwickelte sich die vorliegende Public Health-Arbeit.

Aufbau

Nach dem Geleitwort, Vorwort, der Zusammenfassung sowie den Inhalts-, Abbildungs- und Abkürzungsverzeichnissen gliedert sich die wissenschaftliche Abhandlung in fünf Teile, die wiederum in mehrere Kapitel unterteilt sind:

  1. Einleitung
  2. Forschungsstand
  3. Forschungsdesign und Methodik
  4. Fallanalysen
  5. Diskussion und Schlussfolgerungen

Den Abschluss bilden das Quellenverzeichnis, die Bibliografie, das Interviewverzeichnis sowie die Anhänge.

Inhalt

In seinem Geleitwort setzt Mielck einen Schwerpunkt für zukünftige Forschungen und Handlungsansätze im Rahmen der Gesundheitsförderung: dem Anknüpfen an die Lebensbedingungen der Menschen. Er würdigt die Autorin für ihre Leistung, empirische Forschung mit konkreten Interventionen im Stadtteil zu verbinden.

Im Vorwort dankt Bär ihren wissenschaftlichen Förderern und Begleitern.

Die Zusammenfassung hebt den Focus dieser wissenschaftlichen Arbeit hervor: die gesundheitsfördernde Stadtteilentwicklung als Interventionspraxis. Wobei die mesosoziologische Ebene zum besseren Verständnis der jeweiligen Interventionstypen bei komplexen Entwicklungsansätzen beiträgt. (vgl. S. 10)

Teil I erläutert das doppelte Spannungsverhältnis, das der Analyse der gesundheitsfördernden Stadtteilentwicklung zugrunde liegt. Angelehnt an die globale Agenda zur gesundheitlichen Gleichheit (WHO 2008) und aufbauend auf dem Settingansatz betrachtet Bär die Dichotomien Verhaltens- und Verhältnisprävention sowie den Behälter- und Beziehungsräumen.

Teil II setzt sich detailliert mit dem Handlungsfeld der gesundheitsfördernden Stadtteilentwicklung auseinander. In Vorbereitung auf das eigene Studiendesign diskutiert die Autorin „Messprobleme und Evaluationsmöglichkeiten von komplexen Gemeindeansätzen…“. (S 34) Bär greift weiterhin auf bereits vorhandene Forschungsergebnisse zur kommunalen Gesundheitsförderung sowie epidemiologischen und stadtsoziologischen Forschung zurück. Im Ergebnis des Literaturüberblicks belegt die Autorin das Fehlen eines Erklärungsmodells zur gesundheitlichen Ungleichheit sowie Gesundheitsförderung. Bär erstellt eine Definition zur gesundheitsfördernden Stadtteilentwicklung und arbeitet sechs Erwartungen zu deren Wirkung heraus.

Teil III dient als Brückenschlag zwischen der Literaturanalyse sowie der empirischen Untersuchung. Die Realisierung des Forschungsprojektes wird durch das explorative Forschungsdesign und die angewandte Methode, Grounded Theory, beschrieben. Neben den Projektpartner(Städten) werden die Auswahlkriterien für die Wahl der Stadtteile vorgestellt und diskutiert.

Der empirische Teil IV dient der Rekonstruktion und Analyse der drei Fallstudienverläufe. Als Hauptgewinn für die gesundheitsfördernde Stadtteilentwicklung konnte die Autorin den Zuwachs an Beziehungen identifizieren. Trotz unterschiedlicher Fallstudienverläufe kann Bär zentrale Kategorien und Verlaufsmuster für die gesundheitsfördernde Stadtteilentwicklung benennen.

Im Focus des Teil V steht sie Synthese fallstudienübergreifender Auswertungsergebnisse. Die Autorin leitet aus den Studienergebnissen Thesen zu „regulativen, institutionellen und interaktiven Bedingungen von Setting-Interventionen im Quartier“ (S.277) ab.

Diskussion

Die Autorin versucht mit dieser Forschungsarbeit die Forschungslücke der Gesundheitsförderung im Setting „Stadtteil“ ein wenig mehr zu erschließen. Implizit konzentriert sie sich auf die Vermeidung gesundheitlicher Ungleichheit durch gesundheitsfördernde Stadtteilentwicklung. Neben den Erkenntnissen über die Wirkung stadtteilbezogener Interventionen gibt Gesine Bär forschungsrelevante Impulse für die Ungleichheitsforschung, Gesundheitsförderungskonzepte, soziologische Handlungstheorie sowie die Raumtheorie. Die Autorin stützt sich auf bewehrte Konzepte der Gesundheitsförderung, dem Setting-Ansatz und baut auf anschlussfähige Theorien u.a. zum Raum auf.

Fazit

Die Autorin legt eine gut lesbare wissenschaftliche Abhandlung zur lokalen Gesundheitsförderung vor. Allein die Recherche des Forschungsstandes bietet eine Fülle an Wissen und Informationen für die LeserInnen. Der empirische Teil macht Lust auf eigene Projekte, zumal auch Hinweise zur Finanzierung und mögliche Projektpartner gegeben werden. Alle Akteure und Interessierte an (lokaler) Gesundheitsförderung sollten diese Dissertation durcharbeiten und auf die eigene Praxis transferieren. Das Buch von Gesinde Bär ist absolut empfehlenswert!

Discussion

The author endeavors to close with her work an existing research gap concerning health promotion in the setting „district“. Implicitly she is concentrating on the prevention of health disparity by health enhancing district development. Beside the knowledge about the effect of district related interventions, Gesine Bär gives impulses pertinent to the research of disparities, health-promoting concepts, sociological theories of action as well as the spatial theory. The author leans onto established concepts of health promotion, the setting approach and builds on compatible theories like the spatial theory.

Summary

Gesine Bär presents an easily legible treatise about local health promotion. The research about the current state of research itself offers an abundance of knowledge and information for the audience. The empirical part encourages to develop own projects, particularly as she gives information on financing and potential partnerships. All professionals and others interested in (local) health-promotion should read this dissertation and transfer it into their own practice. Gesine Bär´s book is highly recommended!


Rezensentin
Prof. Dr. phil. Barbara Wedler
Homepage www.sa.hs-mittweida.de/professuren/prof-dr-phil-bar ...
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Zitiervorschlag
Barbara Wedler. Rezension vom 11.03.2016 zu: Gesine Bär: Gesundheitsförderung lokal verorten. Räumliche Dimensionen und zeitliche Verläufe des WHO-Setting-Ansatzes im Quartier. Springer VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2015. ISBN 978-3-658-09549-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/19419.php, Datum des Zugriffs 01.07.2016.


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