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Markus Hipp, Peter Dürr u.a.: Praxis gesellschaftlicher Innovation

Cover Markus Hipp, Peter Dürr, Klaus Sailer, Karl Peter Sprinkart: Praxis gesellschaftlicher Innovation. Best-Practice-Beispiele aus den Zukunftsfeldern Zivilgesellschaft & gesellschaftliche Beteiligung, Bildung & Integration, Diversity of Lifestyles. Walhalla Fachverlag (Regensburg) 2015. 159 Seiten. ISBN 978-3-8029-3928-0. D: 19,95 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 28,50 sFr.
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Innovation braucht Inspiration – Innovation ist Erneuerung

Eine innovative Gesellschaft zeichnet sich dadurch aus, dass es gelingt, die Kreativitäten, Kompetenzen und Visionen von ganz vielen Menschen aus der Gemeinschaft aktiv werden zu lassen. Mit dieser vorläufigen Benennung soll darauf hingewiesen werden, dass eine Gesellschaft Veränderung und Wandel braucht. Der ehemalige Schweizer Top-Manager Hans A. Pestalozzi (1929 – 2004), der einen existentiellen Perspektivenwechsel hin zum Umweltschützer und Menschenrechtsvertreter vorgenommen hat, ruft in seinem Buch „Nach uns die Zukunft“ (1979) zur „positiven Subversion“ auf, indem er das von Kurt Marti in Berner Mundart verfasste Gedicht „Wo chiemte mer hi…“ als Aufruf zum Mittun für eine humane, gerechte, soziale und friedliche (Eine) Welt übernimmt: „Wo kämen wir hin / wenn alle sagten / wo kämen wir hin / und niemand ginge / um einmal zu schauen / wohin man käme / wenn man ginge“. Wir sind bei der Frage, wie gesellschaftliche Einmischung und Mitgestaltung aussehen könnte, und zwar in allen gesellschaftlichen Bereichen und Zusammenhängen, als individuelle und kollektive Aktivitäten (vgl. dazu z. B.: Beate Binder / Friedrich von Bose / Katrin Ebell / Sabine Hess / Anika Keinz, Hrsg., Eingreifen, Kritisieren, Verändern!? Interventionen ethnographisch und gendertheoretisch, 2013, www.socialnet.de/rezensionen/15279.php).

Entstehungshintergrund und Autorenteam

Mit dem Zauberwort „Nachhaltigkeit“ (Ulrich Grober, Die Entdeckung der Nachhaltigkeit. Kulturgeschichte eines Begriffs, 2010, www.socialnet.de/rezensionen/9284.php) hat sich im lokalen und globalen Diskurs um Menschheitsentwürfe und Weltgestaltung eine Vision entwickelt, die wegführen soll vom ökonomischen und konsumtiven Denken und Handeln und sustainable development anstelle eines business as usual und throughput growth setzen will (siehe dazu auch: „Brundtland-Bericht: Unsere Gemeinsame Zukunft“, 1987). In diesem Diskurs um einen Perspektivenwechsel, den u. a. die Weltkommission „Kultur und Entwicklung“ (1995) gefordert hat – „Die Menschheit steht vor der Herausforderung umzudenken, sich umzuorientieren und gesellschaftlich umzuorganisieren, kurz: neue Lebensformen zu finden“ – bringen sich eine Reihe von lokal- und globalgesellschaftlich relevanten Initiativen ein; etwa bildungswissenschaftliche (Johannes Tschapka, Bildung und Nachhaltige Entwicklung. Die Vermittlung einer zerbrechlichen Zukunft, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/11129.php), erziehungstheoretische und -praktische (Andreas Fischer, Hrsg., Die soziale Dimension von Nachhaltigkeit. Beziehungsgeflecht zwischen Nachhaltigkeit und Benachteiligtenförderung, 2010, www.socialnet.de/rezensionen/10709.php), soziale und emanzipatorische (Harald Heinrichs / Katina Kuhn / Jens Newig, Hrsg., Nachhaltige Gesellschaft? Welche Rolle für Partizipation und Kooperation? 2011, www.socialnet.de/rezensionen/11955.php), visionäre (Georg Müller-Christ / Anna Katharina Liebscher, Hrsg., 55 Gründe für mehr Nachhaltigkeit. Ein Projekt von Studierenden der Universität Bremen für eine Welt mit Zukunft, 2013, www.socialnet.de/rezensionen/15809.php) und nicht zuletzt wirtschaftsethische und moralische (Thomas Retzmann / Tilmann Grammes, Hrsg., Wirtschafts- und Unternehmensethik. 15 Unterrichtsbausteine für die ökonomische und gesellschaftspolitische Bildung, 2014, www.socialnet.de/rezensionen/18354.php).

Gesucht wird der „Sozialunternehmer“ und das ökonomische Unternehmen, das nicht allein auf Profit und egoistischem Mehrwert ausgerichtet ist, sondern eine ethische, moralische gesellschaftliche Verantwortung erkennt und praktiziert, dass „Mehr wird, wenn wir teilen“ (Elinor Ostrom, Was mehr wird, wenn wir teilen. Vom gesellschaftlichen Wert der Gemeingüter, 201, www.socialnet.de/rezensionen/11224.php). Wenn wir nicht vom materiellen, profitorientierten Innovieren reden, sondern von sozialer Innovation, tut sich ein Feld auf, das in traditionellen ökonomischen Prozessen eher keine oder nur eine geringe Rolle spielt. Diesem Defizit will ein Münchner Team entgegen treten mit der Innovation, dass unsere Gesellschaft „eine weiter wachsende Kultur und Haltung gegenseitiger Wertschätzung, Partnerschaftlichkeit, systematischer Kooperation und Abstimmung vorhandener Organisationen und Ressourcen (braucht)…, über alle sektoralen, beruflichen und strukturellen Grenzen hinweg“.

Der geschäftsführende Vorstand der BMW Stiftung, Herbert Quandt, der Kommunikationswissenschaftler von der Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften der Hochschule München, Peter Dürr, der Geschäftsführer des „Strached Center for Entrepreneurship (SCE)“, Klaus Sailer und der Kultur- und Kommunikationswissenschaftler Karl Peter Sprinkart haben im Rahmen ihrer Einrichtungen – Studiengang „Management Sozialer Innovationen“, SCE und BMW – eine Ringvorlesung initiiert mit der Überzeugung, dass „Gesellschaftliche Innovation ( ) … ein multiperspektivisches Vorgehen (erfordert), das innovative gesellschaftliche Praxis gleichrangig neben Theorie stellt und dabei auch den Dialog nicht vergisst“. Die Ergebnisse des Vorhabens, dass nachhaltige Wirtschaftsmodelle die Zukunft bestimmen, werden in bisher drei Bänden vorgelegt:

  1. Perspektiven gesellschaftlicher Innovation (ISBN 978-3-8029-3926-6)
  2. Netzwerke gesellschaftlicher Innovation (978-3-8029-3927-3)
  3. Praxis gesellschaftlicher Innovation (978-3-8029-3928-0).

Die drei Bände des Publikationsprojektes stellen ein Kompendium dafür dar, dass Innovation Inspiration braucht. Der dritte Band wird hier vorgestellt.

Aufbau und Inhalt

Im Einleitungsteil diskutieren die Herausgeber die Herausforderungen, die sich beim „unendliche(n) Spiel der Sozialen Innovation“ darstellen. Dass sie dabei den wissenschaftlichen und gleichzeitig innovativen Begriff der „Spieltheorie“ (James P. Carse) einbringen, verdeutlicht das Anliegen: „Wir sollten das Spiel der Sozialen Innovation als unendliches Spiel begreifen, in dem sich alle Akteure als Spieler sehen, denen es nicht um das Gewinnen ihrer je eigenen Organisation geht, sondern um den je größeren Gewinn für diejenigen, für die das Spiel gespielt wird“. Dazu bedarf es eines Diskussionsraums, in dem Gründer, Pioniere und Vordenker im Bereich der gesellschaftlichen Innovationen ihre Ideen, Konzepte und Erfahrungen vorstellen, sich im Dialog mit anderen austauschen, Kooperationen initiieren und Perspektiven entwickeln können. Die Ringvorlesung „Gesellschaftliche Innovation“ ist ein solcher interdisziplinärer und lebendiger Ort.

Der Band „Praxis gesellschaftlicher Innovation“ wird in vier Kapitel gegliedert. Den ersten Teil „Zivilgesellschaft & gesellschaftliche Beteiligung“ führt Markus Hipp mit dem Hinweis auf das „Missverhältnis zwischen einer breiten und starken Engagement-Kultur und der noch immer geringen öffentlichen und medialen Wahrnehmung“ ein. Das Mitglied des Leitungsteams „Generali Zukunftsfonds“ (Generali Deutschland Holding AG), Uwe Amrhein, thematisiert mit seinem Beitrag „Wie Zivilgesellschaft demografischen Wandel gestalten kann“ Chancen und Herausforderungen. Dabei stellt er dem ökonomisch und profitorientierten Arbeitszeitdenken die Idee des „lebenslangen Arbeitens“ gegenüber: „Man arbeitet weiter, aber man arbeitet anders“. Er stellt die Ergebnisse von Studien vor, die von seiner Organisation in Auftrag gegeben wurden: „Altersstudie“ und „Hochaltrigenstudie“, und er zieht daraus den Schluss.: „Wir steigern unsere individuelle Lebensqualität, wenn wir lebenslang arbeiten, und wir leisten den Beitrag, der dringend notwendig ist, wenn wir die sozialen Systeme selbst auch in Zukunft oder die Grundlage der Gestaltung der sozialen Systeme in Deutschland überhaupt verändern wollen“.

Die Volkswirtin und Psychologin Helga Breuninger leitet die „Breuninger Stiftung“ (Beraterfirma Helga Breuninger Consulting, Stuttgart). Mit ihrem Beitrag „Stiftungen als Akteure der Bürgergesellschaft“ geht sie von dem mittlerweile in großen Teilen der Bevölkerung angekommenem Bewusstsein aus, dass „der Staat allein ( ) weder befriedigende Lösungen für die Herausforderungen von Globalisierung und demokratischem Wandel finden, noch aus den Steuereinkommen finanzieren (kann)“, es also angesagt ist darüber nachzudenken, wie wir von einer Sozialstaatsgesellschaft zu einer Bürgergesellschaft kommen können. „Stiftungen können mächtige Akteure der Bürgergesellschaft sein, wenn sie sich weder als Lückenbüßer des Sozialstaats verstehen, noch in ‚Elfenbeintürmen‘ isoliert vor sich hinarbeiten“. An Innovations- und Kooperationsprojekten zeigt die Autorin Möglichkeiten dafür aus der Arbeit der Breuninger Stiftung auf.

Das von Klaus Sailer eingeführte zweite Kapitel wird mit „Integration & Inklusion“ getitelt. Der Gründer und Vorsitzende der dänischen „Specialist People Foundation“ und des Sozialunternehmens „Specialisterne“, Thorkil Sonne, erzählt im englischsprachigen Beitrag „Access to Specialist Competencies through Inclusive Management“ die persönliche Geschichte mit seinem autistischen Sohn, die ihn veranlasste, eine Einrichtung zu schaffen, mit deren Hilfe es möglich sein kann, „die außergewöhnlichen Stärken autistischer Menschen für die Wirtschaft und Gesellschaft nutzbar zu machen und es ihnen ermöglicht, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden“.

Der britische Marketingspezialist Matthew Spacie gründete 1999 eine Initiative, um indischen Straßenkindern eine lebenswertere Existenz zu ermöglichen. Das Projekt „Magic Bus“, das mittlerweile in Indien, Großbritannien, USA und Deutschland gemeinnützige Einrichtungen und ein globales Netzwerk aufgebaut hat, wird vom Autor mit dem englischsprachigen Beitrag „Magic Bus: A Global Project“ vorgestellt. Sein Rat an diejenigen, die sich ehrenamtlich engagieren: „We have to focus on efficacy and impact, on making sure that we are being rigorous enough in our process and on making sure that we are achieving what we say we are going to achieve“.

Peter Dürr führt in das dritte Kapitel „Bildung & Integration“ ein. Dabei verweist er auf drei Fragenbereiche, die im gegenwärtigen und zukünftigen Bildungsdiskurs bedeutsam sind: Welches Individual- und Gesellschaftsmodell soll Vorbild für ein menschenwürdiges, gutes und gelingendes Leben sein? Wie gelingt es, angesichts der rapide sich verändernden demografischen Entwicklung, bisher eher an den Rand gedrängte Minderheiten (Alte, Migranten) in den gesellschaftlichen Fokus zu bringen? Welche Konzepte sind notwendig, um die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine human zu gestalten?

Die Gründerin und Geschäftsführerin der seit 2010 bestehenden Lüneburger Initiative „Ilses weite Welt“, Sophie Rosentreter, berichtet in ihrem Beitrag „Wie wir alte und demenzkranke Menschen in unsere Gesellschaft integrieren können“ über Konzepte, Methoden und Erfahrungen, um die Beziehungen zwischen demenziell Veränderten und Pflegenden zu stärken. Die gemeinnützige Organisation bietet Erfahrungsaustausch und Schulungen an, in denen die Gefühlsebene im Mittelpunkt steht. Der Geschäftsführer der „Generationsbrücke Deutschland“ und Vorstand der Katholischen Stiftung Marienheim Aachen-Brand, Horst Krumbach, erzählt von seinen Erfahrungen in Pflegeheimen. Er plädiert dafür, bei generationenübergreifenden Aktivitäten, etwa wenn Kinder aus Kitas zu Besuch im Altenheim sind, dass nicht etwas „vorgeführt“ wird, Lieder, Theaterszenen, bei denen die einen froh sind, wenn es vorbei ist, andere schlafen oder gar nichts mitbekommen, sondern dass die Kinder, Jugendlichen oder Erwachsenen nichts für die Bewohner, sondern mit ihnen machen.

Der Leiter der Münchner Privatschule SchlaU (schulanaloger Unterricht), Michael Stenger, ist ausgebildeter Lehrer für Deutsch als Fremdsprache. Sein Engagement beim bayerischen Flüchtlingsrat und bei Asyl e.V. brachten ihn dazu, eine Schule für junge, unbegleitete Flüchtlinge einzurichten. Die Ergebnisse motivierten, nach einem dreijährigen, meist erfolgreichen (Mittel-)Schulabschluss, eine Fortsetzung als „SchlaUzubi“ anzubieten, für diejenigen, die entweder weiterführende Schulen besuchen wollen, oder in eine berufliche Ausbildung eintreten wollen. Die erfolgreiche Initiative hat mittlerweile an weiteren Orten in Deutschland Nachahmer und weiterführende Einrichtungen geschaffen; etwa mit dem interkulturellen Bildungs- und Förderverein „Chancenwerk“, das im weltweiten Netzwerk „Ashoka“ mitarbeitet. Der Gründer und Geschäftsführer von „Chancenwerk“, Murat Vural, informiert über die Bildungs- und Förderarbeit des Vereins, bei der es insbesondere darum geht, in der Form von Mentor-Mentee-Beziehungen das Wissen von Älteren und Erfahrenen an Jüngere weiter zu geben. Dass diese Aktivitäten keine Mauerblümchen sind, darauf verweist Vural: Derzeit ist „Chancenwerk“ an 38 Schulen in 21 Städten und Gemeinden mit rund 2.000 Schülerinnen und Schülern tätig.

Die Münchner Diplomkauffrau und Unternehmensberaterin Sonja Stuchtey gründete 2002 die Bildungseinrichtung „Science-Lab“ mit dem Ziel, „allen Kindern die bestmögliche Bildung zukommen zu lassen“. Mit ihrer Organisation bietet sie Aus- und Fortbildungsangebote für Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher an, die als qualifizierte Kursleiter in ihrem beruflichen Umfeld tätig sein können und führt Eltern-Kind-Workshops durch. Schwerpunkt der Bildungsarbeit ist das ganztagsorientierte experimentelle Forschen, über das sie in ihrem Beitrag „Forschen und Experimentieren – fürs Leben lernen“ berichtet.

Karl Peter Sprinkart leitet mit dem vierten Kapitel das Thema „Diversity of Lifestyles“ (Zukünftige Lebensstile) ein. Er wendet sich gegen die Mentalität: „Menschen und Dinge sind nun einmal so!“ und plädiert für die Chance und Kompetenz, humane Veränderungs- und Wandlungsprozesse als wünschenswerte Entwicklungsziele erkennen und praktizieren zu können. Die Mitbegründerin und Geschäftsführerin der „Elektrizitätswerke Schönau“ (EWS) im Schwarzwald, Ursula Sladek, informiert über die Initiative, in einer Gemeinde (und mittlerweile bundesweit) „eine atomstromlose, klimafreundliche und bürgereigene Energieversorgung“ zu installieren und erfolgreich zu betreiben. Das bürgereigene, genossenschaftliche Unternehmen versorgt mittlerweile rund 150.000 Kunden mit Ökostrom. In einer Reihe von Städten und Gemeinden werden die Erfahrungen der EWS zur Dezentralisierung und Demokratisierung der Energiewirtschaft und zum Klimaschutz mit Interesse aufgenommen.

Der Wirtschafts- und Finanzberater Bernd Hinrichs schaut nicht in die Glaskugel oder auf esoterische Szenarien, wenn er über Visionen für gegenwärtiges und zukünftiges, ökonomisches und ökologisches Gestalten referiert. Mit seinem Beitrag „Zukunfts-Radar 2025: Wie mächtige Trends und erstaunliche Technologien unser Leben verändern“ richtet er unsere Aufmerksamkeit auf Entwicklungen, die entweder offensichtlich, möglicherweise als unabwendbar eingeordnete, wünschenswerte oder bedrohliche Zukunftsvisionen verstanden werden. Seine Zukunftsszenarien projiziert er allerdings nicht langfristig (vgl. dazu z. B.: Ernst A. Grandits, Hrsg., 2112 – die Welt in 100 Jahren, 2012, www.socialnet.de/rezensionen/18192.php), sondern auf zehn Jahre im Voraus. Den negativen, vereinnahmenden und anonymisierten, globalen Entwicklungen im Wirtschafts- und Finanzwesen stellt er positive Beispiele im individuellen „Netzwerk-Management“ gegenüber, die es ermöglichen, aktiv (anstrengend und herausfordernd) dafür einzutreten, eine menschenwürdige Zukunft mitzugestalten: „Es kommt nicht darauf an, die Zukunft vorauszusehen, sondern auf sie vorbereitet zu sein“.

Fazit

Die im Sammelband „Praxis gesellschaftlicher Innovation“ versammelten Beiträge gerieren nicht als dezidierte oder gar forcierte Kapitalismuskritik (vgl. dazu: Hans Bürger,: Der vergessene Mensch in der Wirtschaft. Ökonomie zwischen Gier und Fairness, 2012, www.socialnet.de/rezensionen/14184.php); sie plädieren aber auch nicht für ein „Weiter so“ in der ökonomischen, kapitalistischen Entwicklung. Vielmehr zeichnen sie sich als differenzierte – realistische – Erzählungen darüber aus, wie es gelingen kann, soziale Innovationen zu entwerfen und zu praktizieren. Wirtschafts- und Unternehmertum, das auf Eigennutz und egoistischem Profit ausgerichtet ist, zu kritisieren, und humane und soziale Alternativen ökonomischen Handelns vorzustellen, ist notwendig und innovativ! Und es kann dazu beitragen, den notwendigen individuellen und lokal- und globalgesellschaftlichen Perspektivenwechsel einzuleiten, der erforderlich ist, das zu verwirklichen, was der Menschheit in der Präambel der von den Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 aufgegeben „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ formuliert wird: „Die Anerkennung der allen Mitgliedern der menschlichen Familie innewohnenden Würde und ihrer gleichen und unveräußerlichen Rechte bildet die Grundlage der Freiheit, der Gerechtigkeit und des Friedens in der Welt“. Fangen wir damit an, mit den gegebenen Möglichkeiten und an den Orten, wo wir leben!


Rezensent
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 31.08.2015 zu: Markus Hipp, Peter Dürr, Klaus Sailer, Karl Peter Sprinkart: Praxis gesellschaftlicher Innovation. Best-Practice-Beispiele aus den Zukunftsfeldern Zivilgesellschaft & gesellschaftliche Beteiligung, Bildung & Integration, Diversity of Lifestyles. Walhalla Fachverlag (Regensburg) 2015. ISBN 978-3-8029-3928-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/19484.php, Datum des Zugriffs 30.05.2016.


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