socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Ludger Kolhoff (Hrsg.): Sozialraum­orientierung in der sozialen Arbeit

Cover Ludger Kolhoff (Hrsg.): Sozialraumorientierung in der sozialen Arbeit. Dokumentation eines deutsch-französisch-italienischen Seminars der Ostfalia, Hochschule Braunschweig. Shaker Verlag (Aachen) 2015. 109 Seiten. ISBN 978-3-8440-3626-8. D: 27,80 EUR, A: 27,80 EUR, CH: 34,75 sFr.
Recherche bei DNB KVK GVK.

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Entstehungshintergrund

Bei dem vorliegenden Buch handelt es sich um die Dokumentation eines jährlich stattfindenden deutsch-französisch-italienischen Austauschseminars in Form der Verschriftlichung von Vorträgen sowie Auszügen aus Hausarbeiten Studierender zu Exkursionen in Braunschweig und Wolfsburg, die während des Seminars stattgefunden haben. An dem Seminar haben 34 Personen aus den genannten drei Ländern teilgenommen.

Aufbau und Themen

Entsprechend seines Entstehungshintergrundes beinhaltet das Buch in einem ersten Teil die Verschriftlichung der im Rahmen des Seminars gehaltenen Vorträge. Ludger Kolhoff gab nach einer Begrüßung mit dem Beitrag „Sozialraumorientierung in der Sozialen Arbeit“ eine allgemeine Einführung in das Thema. Karl-Heinz Gröpler befasste sich mit der „Sozialraumorientierung in der Schulsozialarbeit“ und Duminique Dupont trug unter dem Titel „Soziale und lokale Entwicklung der Sozialen Arbeit“ vor. Giorgio Porcelli verschriftlichte seinen englisch sprachigen Beitrag „From Gemeinwesen to Cyber-Gemeinwesen: a Concept Revisited“.

Ergänzt werden die Vorträge unter dem Titel „Exkursionen“ um studentische Arbeiten zur Braunschweiger Weststadt (Maik Donsbach, Felix Sirrenberg; Gemeinwesenarbeit/Community Organisation), zur Wolfenbütteler Innenstadtentwicklung in Form eines Gesprächs mit dem OB (durchgeführt von Norman Gresch), zur Lebenshilfe Braunschweig in Form einer Projektvorstellung (Laura Bösel; Sozialraumorientierung in der Behindertenhilfe) sowie zum Haus der Jugend bzw. dem Bildungshaus in Wolfsburg (Ann-Kristin Höhne; Sozialraumorientierung in der Kinder- und Jugendhilfe).

Es folgen ein paar persönliche Statements von Teilnehmenden sowie ein Pressetext aus der Wolfenbüttler Zeitung vom 14.04.2014, die Namen der Seminarteilnehmer_innen und die Adressen der besuchten Institutionen.

Zum Inhalt der Vorträge

Die Zielgruppe der Vorträge und Beiträge der Studierenden sind vermutlich – auch wenn dies nicht explizit festgestellt wird – Studierende der Sozialen Arbeit, die auf diese Weise im Nachhinein Inhalte des Seminars vermittelt bekommen. Ludger Kolhoff stellte zunächst in seinem einleitenden Vortrag die Grundzüge der Gemeinwesenarbeit als einer Methode der Sozialen Arbeit dar, die „gesellschaftsbezogen an den sozialen Verhältnissen“ ansetzt (S. 13). Er differenzierte dabei zwischen konservativen, sozialreformerischen und radikal-demokratischen Ansätzen der Gemeinwesenarbeit, welche er in der vorliegenden Veröffentlichung jeweils in einem Schaubild verdeutlicht. Im Zuge der Ansätze nannte Kolhoff auch die Ursprünge der GWA in den USA und England. Einen eigenen Abschnitt widmete er der in den 1960er Jahren beginnenden Entwicklungsgeschichte in Deutschland. Es folgten Überlegungen zu „Netzwerken“ bzw. „Communities“ und „Nachbarschaften“ sowie zur Koordination in Netzwerken. Dabei wurde zunächst zwischen primären, sekundären und tertiären Netzwerken unterschieden, im Anschluss die Differenzierung von Straus in Bezug auf den Wandel der Nachbarschaft bzw. des nebeneinander Wohnens vorgestellt, um schließlich etwas zur Koordination in und von Netzwerken zu sagen. Einen zentralen Teil des Vortrags bildeten die Prinzipien der Sozialraumorientierung sowie die kurze Benennung einiger Arbeitsfelder der Sozialen Arbeit, in denen die Orientierung am „Sozialraum“ eine Rolle spielt. Letztere bildeten den Abschluss des Vortrags und gleichzeitig die Überleitung zu den weiteren Vorträgen und damit Inhalten des Buches.

Der sich anschließende Beitrag zur Schulsozialarbeit von Karl-Heinz Gröpler ist in aufeinander folgende Einzelabschnitte strukturiert, die jeweils für sich stehen. Ein paar einleitende Worte zum deutschen Schulsystem und zur grundsätzlichen Definition der „Sozialen Arbeit“ und allgemeiner Arbeitsprinzipien beinhaltet einen Vergleich der in der Sozialen Arbeit in der Schule und in der Jugendhilfe verfolgten Prinzipien in tabellarischer Form (S. 33). Es schließen sich Überlegungen zur „Intermediären Schulsozialarbeit“ an, die sich vor allem auf die Kooperation zwischen Jugendhilfe und Schule beziehen. Unter der Überschrift „Sozialraumorientierung – Quartiere mit Entwicklungsbedarf“ (S. 35f) stellte Gröpler fest, dass die Plattenbauten und Trabantenstädte der 1970er Jahre durchaus mit dem Ideal der Schaffung lebenswerten Wohnraums für Familien entstanden sind, um dann in dem Abschnitt „Was macht ein Quartier zum Problemviertel“ auf die unterschiedliche Verteilung von Bevölkerungsgruppen einzugehen. Gröpler weißt darauf hin, dass (unfreiwillige) Segregation zu einer Konzentration von Menschen mit hohem Armutsrisiko in bestimmten Gebieten führt. Unter der Überschrift „Netzwerkarbeit und Einmischung“ wurde im mit der vorliegenden Veröffentlichung dokumentierten Seminar anschließend die Eingrenzung der Sozialraumorientierung von Früchtel u.a. vorgetragen und die Notwendigkeit des Empowerments sowie der Partizipation der Zielgruppen der Sozialen Arbeit betont. Die Schulsozialarbeit könne diese Prinzipien ebenfalls verfolgen. Der Vortrag schließt mit der Darstellung eines Praxisbeispiels aus Wolfsburg-Westhagen.

Der dritte Vortrag von Dominique Dupont befasste sich mit der Sozialen Arbeit in Frankreich. Überlegungen zur „kommunitären“ Gemeinwesenarbeit oder Sozialarbeit oder auch der kollektiven Sozialarbeit (hier handelt es sich wahrscheinlich um verschiedene Übersetzungen) leiteten den Beitrag ein. Es folgten Aussagen zur „Wiederbelebung eines sozialen Gewebes“ (DSL; S. 48f), zur Aktivierung oder des Empowerments von Bewohnern und deren Prinzipien. Dabei wurde an dieser Stelle der zentrale Bezug zum „Zusammenleben in der Demokratie“ hergestellt. „Die DSL ist eine Vorgehensweise, ein Prozess: sie ist keine Maßnahme, keine bestimmte Technik selbst, wenn sie sich auf eine bestimmte Methode bezieht. Sie stützt sich ebenso auf die republikanischen Werte: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ (S. 49). In der Darstellung der Geschichte der DSL werden Bezüge zur Entwicklung der Sozialen Arbeit in Deutschland deutlich. Der Beitrag in der vorliegenden Veröffentlichung schließt mit den „Hindernissen und Ängsten“, die der Umsetzung von DSL im Wege stehen sowie einigen positiven Entwicklungen.

Der letzte von dem Italiener Giorgio Porcelli stammende englisch sprachige Vortrag trug den Titel „From Gemeinwesen to Cyber-Gemeinwesen: a Concept Revisited“ und vermittelte etwa über die Bezüge auf Tonnies und Durkheim eine soziologische Perspektive. Porcelli beschrieb einen Wandel von der Gemeinschaft zur (individualisierten) Gesellschaft und fragte nach der Rolle der Sozialen Arbeit in dieser gesellschaftlichen Entwicklung (S. 60). Er befasste sich mit dem Einfluss der sozialen Medien auf die Realität und die Gemeinschaftsbildung von Jugendlichen und vertrat die Ansicht, dass das Cyber-Gemeinwesen eine Ergänzung, jedoch keinen Ersatz für nicht-virtuelle soziale Gemeinschaften darstellt. Die Soziale Arbeit müsse sich mit beiden befassen.

Zu den Exkursionen

Der zweite Teil des Buches beinhaltet Ausschnitte aus studentischen Arbeiten zu Exkursionen, die während des Seminars stattgefunden haben. Der Auszug aus der Hausarbeit von Maik Donsbach und Felix Sirrenberg zur „GWA in der Weststadt Braunschweigs“ stellt die Weststadt in Form der Ergebnisse einer Sozialraumanalyse vor, geht kurz auf die in diesem Gebiet erfolgende Umsetzung des Programms „Stadtumbau West“ ein (an dieser Stelle als „Projekt“ bezeichnet), um dann die Ergebnisse einer Stärken-Schwächen-Analyse der nördlichen Weststadt vorzustellen. Die Analyse und die folgenden Abschnitte zu den Zielvereinbarungen, der Projektfinanzierung und der erfolgenden Maßnahmen gehören ebenfalls zur Beschreibung des Programms, obwohl die Nummerierung der Abschnitte in der vorliegenden Veröffentlichung nicht hierauf hinweist. Im Fazit stellen die Studierenden fest, dass die standardisierte Umsetzung des Programms nicht immer den z.B. von Oelschläger formulierten Ansprüchen an die GWA entspricht.

In dem Beitrag von Norman Gresch „Sozialraumorientierung – Zukunftsprofil Innenstadt Wolfenbüttel“ werden anhand eines Vortrags des OB Thomas Pink Probleme der innerstädtischen Entwicklung der Stadt Wolfenbüttel aufgeworfen. Insbesondere die Beteiligung der ohnehin bereits partizipationsstarken Bürger an dem „Zukunftsprofil“ der Innenstadt wird von Gresch kritisch gesehen. Im Fazit betont er zudem den starken Einfluss des demographischen Wandels auf die Gestaltung der Stadt.

Laura Bösel dokumentierte den Besuch im „Haus der Begegnung“, ein Beispiel für die Sozialraumorientierung in der Behindertenhilfe. Die Autorin stellt verschiedene an das Haus angeschlossene Betreuungsformen bzw. Projekte vor, welche sich vor allem an ältere Menschen mit Behinderung richten. Im zweiten Teil dieses Ausschnitts aus einer Hausarbeit wird der Versuch unternommen, das theoretische Modell Bronfenbrenners („Ökologie der menschlichen Entwicklung“) auf das Haus der Begegnung zu übertragen. Es wird so eine Einordnung der Bedeutung der Kontakte der das Haus besuchenden Menschen und ihrer Umgebung vorgenommen. Das dazugehörige Fazit bezieht sich dann jedoch auf die persönliche Einschätzung der Exkursion insgesamt.

Der von An-Kristin Höhne verfasste Ausschnitt beschäftigt sich mit dem „Haus der Jugend und Bildungshaus“ in Wolfsburg und wird der Sozialraumorientierung in der Kinder- und Jugendhilfe zugeordnet. Mit verschiedenen Bezügen zur allgemeinen Literatur werden die Wolfsburger „Bildungslandschaft“ und die Veränderungen durch die flächendeckende Einführung der Ganztagsschule vorgestellt. Höhne bezieht sich dabei auch auf Überlegungen der Geschäftsleitung des städtischen Bereichs Schule zum Thema „Inklusion“ und auf einen in Planung befindlichen „interaktiven Lernort“ als neues Element der Bildungslandschaft. Der abschließende Abschnitt dieses Beitrags beschreibt eine inklusive Ferienbetreuung als ein innerhalb der Bildungslandschaft gestartetes Projekt.

Diskussion

Aufgrund des Charakters einer Dokumentation haben die vorliegenden Beiträge eine hohe Aktualität. Aufgrund der sehr verkürzten Darstellung der Inhalte und der gleichzeitig bestehenden Unübersichtlichkeit im Wissenschaftsfeld der „Sozialraumorientierung in der Sozialen Arbeit“ werden die über den Titel des Buches geweckten hohen Erwartungen jedoch enttäuscht. Dies um so mehr, da auf in der Literatur bereits existierende unterschiedliche Strukturierungsversuche, etwa der Unterscheidung der Gemeinwesenarbeit als Methode (insbes. Hinte) von der Gemeinwesenarbeit als Arbeitsprinzip (insbes. Oelschläger), nicht Bezug genommen wird. Vor allem in dem einleitenden Beitrag von Kolhoff kommt eine kritische Auseinandersetzung mit den vorhandenen theoretischen Perspektiven zu kurz. Sein Abschnitt zu den „Netzwerken“ erscheint zudem unstrukturiert, da hier in einem Abschnitt verschiedene Differenzierungen vorgenommen werden, die nebeneinander existieren und deren Kriterium der Auswahl (warum gerade diese?) nicht deutlich wird. Bei der zentralen, da für die Praxis der Sozialen Arbeit wichtigen Darstellung der „Prinzipien der Sozialraumorientierung“ (S. 22) vernachlässigt Kolhoff m.E. die Schritte der Entwicklung von der Gemeinwesenarbeit zur Sozialraumorientierung in der Sozialen Arbeit und damit die Schritte der Entwicklung hin zu den genannten Prinzipien. Der von Ludger Kolhoff in seinem Beitrag einleitend dargestellte Gegensatz zwischen einer „an dem Primat der Politik“ orientierten Gemeinwesenarbeit und einer an der Psychologie orientierten Einzelfallhilfe und Gruppenarbeit ist darüber hinaus zwar mit der Entwicklungsgeschichte der GWA zu begründen, in der aktuellen Praxis der sozialraumbezogenen Sozialen Arbeit und das heißt auch in der Verfolgung der genannten Prinzipien ist der Gegensatz so jedoch nicht existent. Kolhoff verkennt die fließenden Übergänge in der Praxis, in der die Gemeinwesenarbeit und die Einzel- und Familienhilfe zum Teil von denselben Personen bzw. Trägern ausgeübt wird. Dies zeigt sich auch bei den „Feldern der Sozialraumorientierung“ (S. 25f), wo er das sich eigenständig entwickelnde Feld der Schulsozialarbeit der Kinder- und Jugendhilfe zuordnet.

Gröpler verspricht zu Beginn seines Beitrags: „Nach einer kurzen Einführung zu den Begrifflichkeiten und Trägermodellen, wird eine Definition zum Verständnis von Sozialraumorientierung angeboten. Nach einigen Gedanken zu Netzwerken und Einmischung im Rahmen von Schulsozialarbeit, werden mögliche Praxisumsetzungen am Beispiel des Stadtteils Wolfsburg-Westhagen betrachtete und ein Fazit gezogen.“ (S. 30). Die Erwartungen sind damit hoch gesteckt. Zu den Trägermodellen der Schulsozialarbeit wird in dem Beitrag jedoch lediglich insofern etwas gesagt, dass es unterschiedliche Schulmodelle (z.B. Stadtteilschule) in Deutschland gibt (S. 31). Tatsächlich befasst sich Gröpler insbesondere mit den Arbeitsprinzipien der Sozialen Arbeit, hier vor allem mit den in der Schule und im Bereich der Jugendhilfe verfolgten (s.o.). Die tabellarische Gegenüberstellung der beiden Bereiche soll wesentliche Unterschiede der pädagogischen Praxis verdeutlichen. Sie bietet eine interessante Anregung, leidet jedoch unter dem zu allgemeinen Bezug zu den beiden Arbeitsfeldern „Schule“ und „Jugendhilfe“. Soziale Arbeit in der Schule hat in der Praxis sehr viele Facetten – sieht in einer Grundschule gänzlich anders aus als in einer Schule, in der der Übergang zum Beruf unterstützt wird. Hinzu kommt, dass die Aneinanderreihung der „Gedanken zu…“ es erschweren, den roten Faden des Beitrags zu verfolgen. Im Zusammenhang mit dem Praxisbeispiel scheint es sogar so, als seien redaktionelle Fehler unterlaufen, denn dem Abschnitt „2.2.9 Praxisbeispiel Wolfsburg-Westhagen“ folgen Abschnitte, die eigentlich als Unterabschnitte fungieren, konkrete Umsetzungen in Form von geschaffenen Strukturen und Projekten vorstellen. Dieser Eindruck wird dadurch verstärkt, dass die Überschrift „Fazit“ im normalen Text verschwindet (S. 42). Der erste Satz des Fazits, „Die Konsequenz, dass jedes sozialarbeiterische Handeln ganzheitlich, intermethodisch und somit auch sozialraumorientiert sein sollte, schließt ggf. auch die Schulsozialarbeit als Akteur mit ein“ (S. 42), hätte gut zu Beginn des Beitrags stehen können. Er zeigt die dem Beitrag zugrunde liegende Problematik auf: Es ist schwierig, einerseits allgemein etwas zur Sozialen Arbeit, zur Sozialraumorientierung und andererseits etwas zu einem sich aktuell stark differenzierenden Arbeitsfeld wie der Sozialen Arbeit in der Schule auf nur wenigen Seiten zu sagen. Der Beitrag leidet darüber hinaus unter der stellenweise nur in Stichworten erfolgenden Darstellung sowie unter fehlenden bzw. nicht korrekten Quellenangaben (z.B. ist die Definition der Sozialen Arbeit nicht zuzuordnen). Dies ist im Hinblick auf die Zielgruppe der Studierenden als Leserschaft, die eine korrekte Zitation lernen sollen, ärgerlich.

Über den Beitrag von Dupont wird schließlich der internationale Charakter des Buches deutlich: Der als sehr hoch eingeschätzte Wert der Aktivierung von Bewohnern/Bürgern einer Demokratie bzw. der Bezug zur demokratischen Verfasstheit des Staates sowie der Beitrag, den die Soziale Arbeit hierzu leisten kann, prägen diesen Beitrag. Der von Giorgio Porcelli geschriebene englisch sprachige Vortrag „From Gemeinwesen to Cyber-Gemeinwesen“ lässt vermuten, dass er sehr ambitioniert und lebendig vorgetragen wurde. Auch leidet er nicht unter einer vielleicht nicht immer passenden Übersetzung wie der vorangehende französische Beitrag und ist entsprechend sehr gut zu lesen. Die im zweiten Teil der Veröffentlichung unter dem Titel der „Exkursionen“ dokumentierten Ausschnitte aus den studentischen Arbeiten geben den Leser_innen kurze Einblicke in die im Verlauf des Seminars besuchten Projekte und Institutionen in verschiedenen Sozialräumen. Diese Texte sind wenig voraussetzungsvoll und insofern sehr gut für interessierte Studierende geeignet.

Fazit

Das Buch bietet einen kleinen Einblick in die Sozialraumorientierung in drei Bereichen der Sozialen Arbeit (Gemeinwesenarbeit, Soziale Arbeit in der Schule und Sozialraumorientierung in der Behindertenhilfe) und lässt Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Traditionslinien der sozialraumorientierten Sozialen Arbeit in den an dem dokumentierten Seminar teilnehmenden Ländern erahnen. Es bietet über den internationalen Bezug die Möglichkeit, Einblick in unterschiedliche Schwerpunkte der Betrachtung der Vortragenden insbesondere aus Frankreich und Italien zu bekommen. Dieses ist m.W. bisher einzigartig. Auch profitieren die Leser_innen von den unter dem Titel „Exkursionen“ dargestellten konkreten Bezügen zur sozialarbeiterischen Praxis in den vorgestellten Sozialräumen. Als nur ansatzweise ausgearbeitete Dokumentation bleiben die Beiträge im ersten Teil jedoch zwangsläufig sehr oberflächlich, da eine womöglich im Anschluss an die Vorträge stattfindende Reflexion und Einordnung der Inhalte in der Veröffentlichung nicht enthalten ist. Manches ist zudem voraussetzungsvoll und auch zu stichwortartig, z. B. wenn etwa Abkürzungen oder Begriffe nicht erläutert werden. Letztlich erscheint ein Ergebnisprotokoll, wie es auf der Hochschulseite der Ostfalia in Bezug auf das sich an dem vorliegenden Seminar anschließende Treffen in Frankreich zur Verfügung gestellt wird, passender als die Veröffentlichung in Buchform unter einem sehr vielversprechenden Titel. [1]


[1] Dokumentation des deutsch-französisch-italienischen Seminars „Sozialraumorientierung, DSL, lokale Entwicklung und Gemeinwesenarbeit“ vom 13. Zum 17 April 2015 in Poitiers/ Frankreich. https://www.ostfalia.de/export/sites/default/de/s/not_in_menu/Kolhoff/Downloads/WS_11-12/Poitiers_15.pdf


Rezensentin
Prof. Dr. Heike Herrmann
Hochschule Fulda, Fachgebiet Stadt- und Regionalsoziologie, Soziale Arbeit im Sozialraum und Sozialmanagement
E-Mail Mailformular


Alle 2 Rezensionen von Heike Herrmann anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Heike Herrmann. Rezension vom 03.03.2016 zu: Ludger Kolhoff (Hrsg.): Sozialraumorientierung in der sozialen Arbeit. Dokumentation eines deutsch-französisch-italienischen Seminars der Ostfalia, Hochschule Braunschweig. Shaker Verlag (Aachen) 2015. ISBN 978-3-8440-3626-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/19521.php, Datum des Zugriffs 26.07.2016.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Schon 12.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft

Gehören Sie auch schon dazu?

Ansonsten jetzt für den Newsletter anmelden!