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Armin Schneider, Catherine Kaiser-Hylla u.a.: Kindertages­einrichtungen

Cover Armin Schneider, Catherine Kaiser-Hylla, Sylvia Herzog, Ulrike Pohlmann: Kindertageseinrichtungen. Qualitätsentwicklung im Diskurs : Theorie, Praxis und Perspektiven eines partizipativen Instruments. Verlag Barbara Budrich (Opladen, Berlin, Toronto) 2015. 200 Seiten. ISBN 978-3-8474-0706-5. D: 24,90 EUR, A: 25,60 EUR, CH: 35,50 sFr.
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Thema und Entstehungshintergrund

Immer mehr Kinder besuchen immer länger Angebote außerfamiliärer Betreuung. Träger stehen in der Verantwortung, die Qualität ihrer Einrichtungen sicherzustellen und auch weiter zu entwickeln. Erfolgreich beteiligte sich die Hochschule Koblenz an dem Ausschreibungsverfahren des Landes Rheinland-Pfalz für das Programms „Kita!Plus“ und erhielt den Auftrag für die dritte Säule „Evaluation, Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung einer Eltern- und Familienorientierung in Kindertagesstätten in Rheinland-Pfalz“. Die vorliegende Publikation beschreibt die Entwicklung eines Instrumentariums zur „Qualitätsentwicklung im Diskurs“ und geht dabei sowohl auf die theoretischen Hintergründe als auch auf die Ergebnisse ein.

Autor_innen

Prof. Dr. Armin Schneider, Diplom-Pädagoge, Sozialarbeiter, Theologe, Hochschule Koblenz; Dr. Catherine Kaiser-Hylla, Diplom-Psychologin, Hochschule Koblenz; Sylvia Herzog, Sozialpädagogin, BA Bildungs- und Sozialmanagement, Hochschule Koblenz und Ulrike Pohlmann, MA Erziehungswissenschaften, BA Bildungs- und Sozialmanagement, Hochschule Koblenz

Aufbau

Nach dem Inhaltsverzeichnis und der Einleitung gliedert sich die Publikation in folgende Kapitel:

  1. Qualität im Wandel (26 Seiten)
  2. Evaluation im Kontext von Qualitätsentwicklung im Feld der Kindertageseinrichtungen (26 Seiten)
  3. Organisationsentwicklung (8 Seiten)
  4. Eltern-, Familien- und Sozialraumorientierung als Ausdruck einer professionellen Haltung (32 Seiten)
  5. Projektziele und Fragestellungen (12 Seiten)
  6. Methoden (16 Seiten)
  7. Ergebnisse (20 Seiten)
  8. Diskussion und Schlussfolgerungen (2 Seiten)
  9. Entwicklung eines Instrumentariums zur Qualitätsentwicklung im Diskurs in Kindertageseinrichtungen (6 Seiten)
  10. Ausblick: „Ein doppelter Diskurs“ (24 Seiten)

Den Abschluss bilden das zehnseitige „Literaturverzeichnis“ und das „Verzeichnis der Autor_innen“ (2 Seiten). Im vierseitigen Anhang finden sich außerdem der „Leitfaden für die Gruppendiskussionen“ wie auch die „Transkriptionsregeln“.

Inhalt

In der Einleitung erklären die Autor_innen, dass „Qualitätsentwicklung im Diskurs“ an den Grundlagen ansetze und nach Möglichkeiten in den beiden Bereichen Eltern- bzw. Familienorientierung und Sozialraumorientierung suche. „Kompetenz und damit Qualität liegen im System der Kindertageseinrichtung …“ (S. 10) Alle Verantwortungsträger_innen sollten in einen Austausch kommen und im „Jetzt und Hier“ für eine gute Qualität sorgen.

Im ersten Kapitel verorten die Verfasser_innen ihr Vorhaben im Themenfeld Qualität. Nach einem Blick auf die Entwicklung der Qualitätsdiskussion gehen sie genauer auf den diskursiven Aspekt ein. In ihrem Gastbeitrag „Eine Außenansicht von innen“ zeigt Xenia Roth, dass systemische Denk- und Handlungsansätze geeignete Rahmen sein können, um die Zusammenhänge des komplexen Beziehungsgefüges der Kindertagesbetreuung zu nutzen. Durch Reflexion und Austausch werden Kompetenzen herausgebildet und Qualität gesichert wie auch verbessert. Am Ende des Kapitels steht eine kurze Darstellung des Programms „Kita!Plus“ und seiner Handlungsfelder.

Nach einem Blick zurück geht das zweite Kapitel auf allgemeine Aspekte der Evaluation ein und greift hier auch die „Fourth Generation Evaluation“ (Guba und Lincoln) auf. Die Autor_innen erkennen in ihr erste Verbindungen zu einem partizipatorischen Ansatz. Im weiteren Verlauf werden die Hintergründe der Evaluation im entwickelten Instrument dargestellt. Wesentliche Kennzeichen seien neben „gemeinsamen Evaluieren“ (Partizipation), der entwicklungsfördernde und -begleitende Charakter wie auch die Offenheit für unterschiedliche Methoden. Der Gastbeitrag „Developmental Evaluation and Quality Development in Discourse“ von Michal Quinn Patton schließt das Kapitel ab.

Organisationsentwicklung greift, wenn größere soziale Systeme verändert werden sollen. Im dritten Kapitel stellen die Verfasser_innen diese „Methode“ dar und zeigen Anwendungsbestandteile in Bezug auf Kindertagesbetreuung. Sie stellen den systemischen Ansatz in der Organisationsentwicklung im Instrument dar und erläutern kurz die wesentliche Bedeutung der „Haltung“.

Das vierte Kapitel „Eltern-, Familien- und Sozialraumorientierung“ beginnt mit einem Exkurs von Monika Fink. Sie setzt sich mit dem Haltungsbegriff in der Pädagogik auseinander. Haltungen seien, so erklärt sie in ihrem Fazit, Muster des Denkens, Wahrnehmens und Handelns und benötigten vielfältige Möglichkeiten der Reflexion. Im weiteren Kapitelverlauf setzen die Autor_innen Haltung in den Kontext der Kindertageseinrichtungen.

Der Forschungsauftrag, die daraus abgeleiteten Forschungsfragen, das Konzept, die Ablaufplanung sowie der Evaluationsgegenstand und -zweck werden im fünften Kapitel beschrieben. Zusammengefasst sollten Qualitätsentwicklungskonzepte in den Bereichen der Eltern-, Familien- und Sozialraumorientierung analysiert und ihre Auswirkungen (z. B. durch implizite Haltungen) aufgegriffen werden. Desweiteren ging es um eine Neu- bzw. Weiterentwicklung von Maßnahmen der Qualitätsentwicklung. Hier ging es auch um die Verankerung des Instruments „Evaluation“.

Im Kapitel sechs werden die eingesetzten Methoden beschrieben. Neben einer umfassenden Dokumentenanalyse wurden Gruppendiskussionen durchgeführt, um die gelebte Praxis zu rekonstruieren und Haltungen sichtbar zu machen. Die Ergebnisse beider Erhebungen werden in Kapitel sieben dargestellt, im Kapitel acht diskutiert und Schlussfolgerungen gezogen: Das zu entwickelnde Instrument sollte eine Auseinandersetzung mit dem Aspekt „Sozialraumorientierung“ und deren Bedeutung in der pädagogischen Handlungspraxis ermöglichen. Bezüglich der Eltern- und Familienorientierung sei eine Anregung der Teammitglieder zu einer Auseinandersetzung mit den verschiedenen Vorstellungen nötig. Zusammenfassend halten die Autor_innen fest, dass eine Fülle von Qualitätsentwicklungsinstrumenten, meist in Form von Tabellen oder Checklisten, zu den beiden Themenfeldern bestehen. „Um der Vielfältigkeit von Bedingungen vor Ort gerecht werden zu können, erscheint es notwendig, darüber hinaus über Leitfragen haltungsbezogene Reflexionsprozesse anzustoßen.“ (S. 154)

Kapitel neun gibt einen Überblick über den Aufbau und die inhaltliche Ausgestaltung. Außerdem wird auf die Erprobungsphase eingegangen. Insgesamt werden im Instrumentarium „Qualitätsentwicklung im Diskurs in Kindertageseinrichtungen“ acht Kriterien der beiden Orientierungsbereiche aufgegriffen. Das Instrumentarium orientiert sich an drei Säulen: „Gemeinsam beobachten“, „Gemeinsam entwickeln“ und „Gemeinsam Praxis gestalten“. In allen drei Bereichen sind Reflexionsfragen zur Haltung formuliert. Rückkopplungsschleifen ermöglichen eine wiederholte Überprüfung oder Vertiefung. An der Erprobungsphase (Oktober 2014 bis März 2015) nahmen zehn Kindertageseinrichtungen in Rheinland-Pfalz teil.

Im „doppelten Diskurs“ des Kapitels zehn kommen zunächst, in Form eines Interviews, acht Projektteilnehmer zu Wort. Im wissenschaftliche Ausblick wird auch dafür plädiert, dass zukünftige Forschungsbemühungen „stärker das Zusammenspiel bzw. die Wechselwirkung unterschiedlicher Wirkfaktoren im Bereich der Qualitätsentwicklung“ (S. 183) untersuchen sollten. Nötiger Ansatzpunkt sei hier die Praxis der Kindertageseinrichtung.

Diskussion

Die vorliegende Publikation beschreibt und dokumentiert die Arbeit der Forschergruppe im Rahmen des Handlungsfeldes Nummer drei „Evaluation, Qualitätssicherung und Entwicklung“ des Programms „Kita!Plus“. Dabei handelt es ich um ein Projekt des Landes Rheinland-Pfalz, welches an verschiedenen Punkten ansetzte, um eine stärkere Fokussierung auf Eltern, Familien und Sozialraum in der Kindertagebetreuung zu bewirken.

Auf der Buchrückseite wird beschrieben, dass „ein Instrumentarium entwickelt und vorgestellt wird“. Beim ersten Blick in das Buch wird allerdings schnell deutlich: Der klare Schwerpunkt dieser Publikation liegt auf der theoretischen Verortung beziehungsweise der Entwicklung des Instruments, orientiert an den Gegebenheiten der untersuchten Einrichtungen vor Ort. Interessierte Leser wird dies keinesfalls abschrecken. Leser jedoch, die das Instrument und seine Anwendung in der Praxis kennenlernen möchten, müssen sich noch etwas gedulden. Das „überarbeitete“ Instrumentarium, in Form eines Ordners, soll im ersten Quartal 2016 veröffentlicht werden.

Die Einleitung lädt zum Weiterlesen ein. Bereits hier erklären die Autor_innen, dass sich Haltung nicht verordnen lasse, sondern eine „wertschätzende Kommunikation und Reflexion auf allen Seiten“ (S. 9) benötige. Auf dieser grundlegenden Denkhaltung ist das weitere Vorgehen aufgebaut. Im ersten Kapitel geht es um systemische Ansätze. Der Gastbeitrag von Xenia Roth legt dabei auch ein Augenmerk auf die Bildungs- und Erziehungspartnerschaft. Weitere Anregungen finden sich in ihrem „Handbuch Bildungs- und Erziehungspartnerschaft“, das 2014 erschien. Haltung wurde zum Reflexionshorizont im Instrument Qualitätsentwicklung im Diskurs (Vgl. S. 73). In ihrem Beitrag setzt sich Monika Fink differenziert mit dem „Querschnittthema“ des Projekts auseinander und bereichert auf diese Weise die theoretische Untermauerung. Im weiteren Verlauf werden Forschungsfragen, Methoden und Ergebnisse anschaulich ausgeführt. Das Handbuch zur Qualitätsentwicklung wird neben der Haltung auch das Themenfeld Sozialraumorientierung aufgreifen. „Methoden der Selbstevaluation sollen die Teams der Einrichtungen darin unterstützen, ihren Organisationsentwicklungsstand einzuschätzen und in den Bereichen der Eltern-, Familien- und Sozialraumorientierung weiterzuentwickeln.“ (S. 137) Darüber hinaus ist geplant, eine Weiterbildung für Multiplikator_innen des Instruments einzurichten. Somit wäre eine fundierte Weitervermittlung des Instrumentes gewährleistet.

Leser_innen, die sich in der Zwischenzeit weiter mit dem Thema Sozialraumorientierung beschäftigen möchten, können beispielsweise auf „Die Kita als Türöffner - Wege zur Sozialraumorientierung“ (www.socialnet.de/rezensionen/19531.php) zurückgreifen.

Fazit

Die vorliegende Publikation eignet sich primär für Personen, die sich mit theoretischen Fragestellungen der partizipativen Qualitätsentwicklung oder deren Teilaspekte auseinandersetzen wollen. Wesentliche Entwicklungsschritte des Forschungsprojektes werden nachvollziehbar dargestellt und wecken das Interesse am zukünftigen Praxismanual.


Rezensent
Dipl.Soz-Päd. Martin Walz
Master of Social Management
Fachberater für Kindertageseinrichtungen mit mehrjähriger Berufserfahrung in der Kinder- und Jugendhilfe
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Zitiervorschlag
Martin Walz. Rezension vom 21.03.2016 zu: Armin Schneider, Catherine Kaiser-Hylla, Sylvia Herzog, Ulrike Pohlmann: Kindertageseinrichtungen. Qualitätsentwicklung im Diskurs : Theorie, Praxis und Perspektiven eines partizipativen Instruments. Verlag Barbara Budrich (Opladen, Berlin, Toronto) 2015. ISBN 978-3-8474-0706-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/19523.php, Datum des Zugriffs 25.06.2016.


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