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Tanja Sand: Ambulant betreute Wohngemeinschaften

Cover Tanja Sand: Ambulant betreute Wohngemeinschaften. Die Rolle der Angehörigen von Menschen mit Demenz. Mabuse-Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2015. 90 Seiten. ISBN 978-3-86321-292-6. 16,95 EUR.
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Autor

Monika Jansen Diplom Sozialpädagogin, Erziehungswissenschaftlerin (M.A.) und Master of Organizational Management (MoM) ist tätig als Referentin für ambulante Dienste, Bereich Wirtschaft und Statistik eines großen Wohlfahrtsverbandes. Langjährige Berufserfahrung in Führungspositionen der unterschiedlichen Arbeitsfelder der Altenhilfe. Herausgeberin der beiden Werke „Pflege & Management“ und Pflegehandbuch des Raabe Verlags.

Thema

Ambulant betreute Wohngemeinschaften sind eine relativ neue und sinnvolle Alternative zu bestehenden ambulanten und stationären Einrichtungen der Pflege und Betreuung von Menschen mit demenziellen Erkrankungen. Bisher wenig in den Blick genommen wurden und werden dabei die Angehörigen und ihr Anteil am Gelingen eines solchen speziellen Wohn- und Versorgungsangebotes.

Aufbau und Inhalt

Im ersten Kapitel werden die Grundlage und der Einstieg ins Thema gelegt. Vorangestellt sind zum besseren Verständnis des Themas die Definitionen der Hauptbegriffe Motive, Motivationen und Rolle.

Im zweiten Kapitel stellt die Autorin bestehende Untersuchungen und deren Ergebnisse zur Situation von Menschen mit Demenz vor. Sie geht dabei vor allem auf die veränderte Situation bezogen auf die abnehmenden Fähigkeiten im Bereich der Alltagskompetenz und die damit eng verbundenen Auswirkungen für pflegende Angehörige. Bezug genommen wird auf die Motive und die Motivation von pflegenden Angehörigen diese aufwendige, zeitbindende und hoch emotionale Aufgabe von Pflege und Betreuung zu übernehmen. Im Fokus steht dann die Entscheidung für oder gegen einen Umzug in eine ambulant betreute Wohngemeinschaft als Alternative zum Pflegeheim.

Im dritten Kapitel wird die alternative Wohnform der ambulant betreuten Wohngemeinschaft konkret in den Blick genommen. Der Begriffsbestimmung und der kurzen Darstellung der historischen Entwickelung folgt die Abgrenzung dieses Angebotes gegenüber andern Angeboten im Bereich der Pflege und Betreuung. Mögliche Prinzipien und Konzepte werden kurz dargestellt. Besonders herausgestellte sind die Prinzipien der Selbstverwaltung und der geteilten Verantwortung in einer solchen ambulant betreuten Wohngemeinschaft. Diese Prinzipien stellen spezifische Anforderungen an die Rolle und die Aufgaben von Angehörigen. Tanja Sand nimmt die die Ergebnisse bestehender wissenschaftlicher Untersuchungen in den Fokus. Sie bezieht sie dann konkret auf die besonderen Herausforderungen und Themen für Angehörigen die sich für ihre demenziell veränderten Familienmitglieder für eine solche Wohnform entschieden haben bzw. entscheiden.

Im vierten Kapitel erläutert die Autorin ihre eigene Befragung zur Einbindung von Angehörigen bei dieser Art der Wohnform. Nach der Beschreibung des methodischen Vorgehens und der Auswahlkriterien zur Befragung schildert sie die Bearbeitung der Ergebnisse der Befragung.

Im fünften Kapitel werden dann die Ergebnisse näher beschreiben und ausgewertet. Im Zentrum stehen dabei die Aufgaben und Tätigkeiten von Angehörigen und deren Beurteilung für die Organisation, sowie für die Strukturen und Prozesse in einer Wohngemeinschaft. Frau Sand entwickelt daraus Hypothesen zu den Motiven und den Motivationen von Angehörigen die sich für diese Wohnform und dieser Form der Pflege und Betreuung entschieden haben.

Im sechsten Kapitel beleuchtet Frau Sand abschließend konkret die Motive der Angehörigen. Sie gib Hinweise auf die Wichtigkeit der Motivlage bei den Angehörigen und der Rolle der Angehörigen selbst für die erfolgreiche Etablierung und Umsetzung von ambulant betreuten Wohngemeinschaften vor allem für dementiell Erkrankte.

Diskussion

Die Motive und die Motivationen von Angehörigen die eine Entscheidung für eine ambulant betreute Wohngemeinschaft getroffen haben zeigen die Notwendigkeit für ein neues Bewusstsein über die Rolle und die Aufgaben von Angehörigen. In diesem Buch werden erstmals die Angehörigen als wichtige Akteure für das Gelingen von ambulant betreuten Wohngemeinschaften identifiziert und in den Fokus genommen.

Das Buch bietet keine Vorschläge oder gar Lösungen für ein Gelingen dieser Wohnform. Es bietet jedoch auf einer eher abstrakt theoretischen Grundlage die Möglichkeit sich mit den Motiven und den Motivationen von Angehörigen zu beschäftigen. So informiert können dann auch Missverständnisse über die Rolle, die Aufgaben und die Wünsche der Angehörigen im Vorfeld geklärt oder zu mindestens als Thema in den Blick genommen werden.

Mit der Studie von Tanja Sand über die Motive, Motivationen und Entscheidungshintergründe von Angehörigen für eine Wohngemeinschaft für Demente bietet das Buch eine gute Vorlage für Initiatoren, Projekt- und Trägerverantwortliche, aber auch für Angehörige und Interessierte sich mit diesem Thema im Vorfeld von Entscheidungen zu befassen und sich kritisch zu hinterfragen ob diese spezielle Wohnform für die eigenen Interessen geeignet ist.

Fazit

Angehörige von dementiell erkrankenden Menschen die in einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft leben werden wie selbstverständlich als aktiv Handelnde betrachtet ohne konkret ihre Motive und Motivationen für den Umzug des pflegebedürftigen Angehörigen ein eine ambulant betreute Wohngruppe zu hinterfragen. Darüber hinaus wird ihr Engagement als Angehörige als selbstverständlich voraus gesetzt. Doch wie sehen dies die Angehörigen selbst? Welche Motive und Motivationen stehen hinter der Auswahl einer solchen alternativen Wohn- und Versorgungsform? Können oder wollen sie die hohen Erwartungen und Anforderungen an ihre Rolle als Angehörige in einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft erfüllen? Diese und mehr Fragen zu den Motiven, der Motivation, aber auch zur Rolle und zur Aufgabe von Angehörigen in ambulant betreuten Wohngemeinschaften versucht Tanja Sand im vorliegenden Werk zu beantworten. Sie nimmt bestehende Untersuchungen und ihre eigene Befragung zur Hilfe und führt die Ergebnisse zusammen. Das Ergebnis sind interessante Hinweise zur besonderen Situation von Angehörigen und zeigt Kriterien für ein gelingendes Miteinander auf.


Rezensentin
Diplom Sozialpädagogin Monika Jansen
Erziehungswissenschaftlerin (M.A.) und Master of Organizational Management (MoM), ist tätig als Referentin für ambulante Dienste, Bereich Wirtschaft und Statistik eines großen Wohlfahrtsverbandes. Langjährige Berufserfahrung in Führungspositionen der unterschiedlichen Arbeitsfelder der Altenhilfe. Herausgeberin der beiden Werke „Pflege & Management“ und Pflegehandbuch des DUZ-Verlages.
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Zitiervorschlag
Monika Jansen. Rezension vom 09.12.2015 zu: Tanja Sand: Ambulant betreute Wohngemeinschaften. Die Rolle der Angehörigen von Menschen mit Demenz. Mabuse-Verlag GmbH (Frankfurt am Main) 2015. ISBN 978-3-86321-292-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/19611.php, Datum des Zugriffs 26.09.2016.


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