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Siegfried Lachmair, Thomas Höhne: Führung im Verein

Cover Siegfried Lachmair, Thomas Höhne: Führung im Verein. Leadership, Change und rechtliche Aspekte. LexisNexis ARD ORAC (Wien) 2015. 162 Seiten. ISBN 978-3-7007-6189-1. D: 34,05 EUR, A: 35,00 EUR, CH: 39,74 sFr.
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Autoren

  • Siegfried Lachmair, Dr., MBA ist Unternehmensberater und Dozent.
  • Thomas Höhne, Dr., ist Rechtsanwalt in Wien.

Beide Autoren beraten NPO und insbesondere Vereine.

Entstehungshintergrund

In Österreich gibt es rund 120.000 ideelle Vereine. Auch diese müssen sich nach Ansicht der Autoren „unternehmerisch“ verhalten, um ihre Existenz abzusichern. Mit dem Buch versuchen die Autoren, Theorie und Praxis zu verbinden, indem Beispiele und praktische Tipps gegeben werden, die teilweise von Vereinen adaptiert und teilweise auch aus Verbänden und Unternehmen abgeleitet wurden.

Aufbau

Das Buch ist in zwei etwa jeweils 80 Seiten umfassende Teile gegliedert.

  1. Teil I lautet „Führung im Verein – Leadership und Change“.
  2. Teil II „Die Führung des Vereins – einige rechtliche Aspekte“ ist eine strukturierte Darstellung des österreichischen Vereinsrechts.

Beide Teile sind dem jeweiligen Autor zuzuordnen. Neben dem Text gibt es auch Fallbeispiele und Reflexionsfragen sowie Muster, Übungen, Tipps und Praxisbeispiele.

Zu Teil I

Teil I „Führung im Verein – Leadership und Change“ ist etwas über 80 Seiten lang und besteht aus drei Kapiteln.

Kapitel 1 „Einleitung“ ist eine einseitige Einführung.

Das Kapitel „2. Leadership in Vereinen“ mit fast 60 Seiten ist das Hauptkapitel und in fünf Unterkapitel differenziert:

  1. „Selbst-Führung“,
  2. „Führung von Mitarbeitern“,
  3. „Team-Entwicklung“,
  4. „Personal-Entwicklung“ und
  5. „Organisations-Entwicklung“

- es ist also ein induktives Vorgehen, das sich mit größer werdenden Entitäten beschäftigt.

Schon hierbei fällt auf, dass in Kapitel „2.2.2 Führen von Ehrenamtlichen“ das Thema „2.2.2.3 Etablieren einer Konflikt-Kultur“ vorkommt, was eigentlich in Kapitel 3 gehört hätte.

Die vier kurzen Unterkapitel zu Kapitel 3 lauten

  • „Streitschlichtung nach dem Vereinsgesetz“ – wiederholt sich in Teil II, Kapitel 11 „Streitigkeiten im Verein“ –,
  • „Nutzen, Stärken und Vorteile von Mediation“,
  • „Werkzeuge zur Konfliktberatung“ und
  • „Mediatives Führen als entscheidende Kompetenz im 21. Jhdt“.

Hier enthalten bereits die Überschriften Bewertungen und vermeiden damit jeden wissenschaftlichen Diskurs. Zum in der Teilüberschrift angekündigtem „Change“ findet sich kein explizites Kapitel.

Zu Teil II

Teil II „Die Führung des Vereins – einige rechtliche Aspekte“ umfasst zwölf Kapitel:

  • „1. Alternativen zum Verein“,
  • „2. Der Verein“,
  • „3. Besondere Formen von Vereinen“,
  • „4. Die Trias Leitungsorgan (Vorstand) – Geschäftsführung – Mitgliederversammlung“,
  • „5. Die Prüfer“,
  • „6. Aufsichtsorgane“,
  • „7. Der Verein als Unternehmer“,
  • „8. Die Haftung des Vereins, seiner Mitglieder und Organe“,
  • „9. Die Entlastung“,
  • „10. Insichgeschäfte“,
  • „11. Streitigkeiten im Verein“ und
  • „12. Die (freiwillige) Auflösung des Vereins“.

Was auffällt ist, dass das eigentliche Thema des Buches nur in Kapitel 7 auf vier Seiten abgehandelt wird. Zudem gibt es einige formale Anmerkungen wie die uneinheitliche Verwendung des bestimmten Artikels oder Gliederungspunkte wie z.B. 8.2.5.1 – es gibt aber kein 8.2.5.2.

Diskussion

Peter F. Drucker hat es einmal so ausgedrückt: „Management is doing things right; leadership is doing the right things“. Damit hat er deutlich gemacht, dass Management und Leadership unterschiedliche Tatbestände beschreiben, nämlich Leiten und Führen. Leider folgen die Autoren dieser wichtigen Differenzierung nicht, sondern fassen die Vereinsführung unter zwei Aspekten: „dem Leadership- oder auch Management-Aspekt und dem rechtlichen Aspekt“ (S. V). Diese fehlende Differenzierung hat Folgen für die Publikation; Teil I enthält viele Elemente der Managementlehren, die mit einigen Leadershipansätzen vermengt werden. Die Tour d´Horizon von Aristoteles bis Peter Senge mag zwar nett zu lesen sein, sie lässt aber die notwendige wissenschaftliche Reflexion vermissen. Ein Beispiel: „Managen im Sinne von Steuern kann man vielleicht eine Maschine, ein Auto oder vielleicht einen Prozess, aber keinesfalls Menschen“ so wird aus dem „Standard“ zitiert (S. 58). Diese banale Aussage negiert die gesamte wissenschaftliche Diskussion zum sogenannten Taylorismus, wie sie seit einhundert Jahren geführt wird. Der zweite Teil ist spezifisch für Österreich, so dass er für Leser aus anderen deutschsprachigen Ländern weniger relevant ist.

Fazit

Das österreichische Vereinsrecht ist aus juristischer Sicht gut wiedergegeben und eignet sich sehr gut für diejenigen, die als Leitungsperson dort tätig sind oder es werden wollen. Die zentralen Themen sind verständlich wiedergegeben. Dagegen wird man aus dem ersten Teil nicht so richtig schlau. Die innere Logik der ausgewählten Themen erschließt sich dem Rezensenten nicht und es wird die Stringenz der Darstellung vermisst. Was hat zum Beispiel „Selbst-Führung“ mit dem „Gehalts-Modell“ zu tun? Leider fehlt eine definitorische Auseinandersetzung mit dem Begriff „Leadership“, so dass mehr oder weniger willkürlich zusammengestellte Themen, wohl an der Aktualität orientiert, den ersten Teil des Buches kennzeichnen.


Rezensent
Prof. Dr. Rüdiger Falk
Professor für Human Resource Management an der Fachhochschule Koblenz
RheinAhrCampus Remagen
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Zitiervorschlag
Rüdiger Falk. Rezension vom 17.02.2016 zu: Siegfried Lachmair, Thomas Höhne: Führung im Verein. Leadership, Change und rechtliche Aspekte. LexisNexis ARD ORAC (Wien) 2015. ISBN 978-3-7007-6189-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/20001.php, Datum des Zugriffs 25.05.2016.


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