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Anne Groschwald, Henning Rosenkötter: Inklusion in Krippe und Kita

Cover Anne Groschwald, Henning Rosenkötter: Inklusion in Krippe und Kita. Ein Leitfaden für die Praxis. Herder (Freiburg, Basel, Wien) 2015. 144 Seiten. ISBN 978-3-451-32877-0. D: 19,99 EUR, A: 20,60 EUR, CH: 28,90 sFr.
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Thema

Inklusion - ein gesamtgesellschaftliches und aktuelles Thema, das aber dennoch im frühpädagogischen Bereich verhältnismäßig wenig Beachtung findet.

Dieses Buch zeigt nicht nur, warum Inklusion schon in der frühen Kindheit eine Rolle spielt, sondern es klärt auch Fragen, die sich für alle Beteiligten ergeben, verweist auf Herausforderungen und Unsicherheiten und stellt das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven dar. Durch praxisnahe Beispiele und Arbeitshilfen zeigt das Buch, wie Inklusion aktiv gestaltet, gelebt und umgesetzt werden kann.

Autorin und Autor

Anne Groschwald ist Erzieherin und Fachtrainerin für soziale Kompetenz mit Zusatzausbildung im Bereich Sozialmanagement, arbeitete seit 1987 als Pädagogin und Leiterin in verschiedenen Kindertagesstätten und übernahm 2010 die Geschäftsstellenleitung eines Vereins für Kleinkindbetreuung. Seit 2011 ist Anne Groschwald als pädagogischer Coach bei educcare tätig. Ihre Schwerpunkte liegen in der Sprachförderung, Inklusion sowie der Krippenpädagogik.

Henning Rosenkötter ist Kinder-und Jugendarzt, Neuropädiater und Familientherapeut. Er leitete das Sozialpädiatrische Zentrum Ludwigsburg und war von 2008-2015 als Lehrbeauftragter an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg (Studiengang Frühkindliche und Elementarbildung „FELBI“) tätig. Seit 2015 lehrt Rosenkötter an der Evangelischen Hochschule Freiburg insbesondere zu den Themenbereichen „Körperliche und Motorische Entwicklung“ sowie „Sprachentwicklungsstörungen“.

Aufbau

Neben der Einleitung am Anfang sowie einer „Checkliste für Inklusion“, Links und Buchempfehlungen und der Literatur am Schluss gliedert sich das Buch in 13 Kapitel, die jeweils noch in Unterkapitel oder Teilabschnitte unterteilt sind.

Jedes Kapitel beginnt mit einer kurzen Einführung, die inhaltliche Vertiefung erfolgt dann in den Unterkapiteln. Jeder Definition folgt ein hervorgehobener Merksatz und durch Fall-und Praxisbeispiele wird die Theorie praxisnah und anschaulich vermittelt. Generell ist der Aufbau sehr klar und strukturiert, so dass sich das Buch auch sehr gut eignet, einzelne Themen oder Arbeitshilfen herauszugreifen und nachzuschlagen.

Hier die einzelnen Kapitel im Überblick:

Kapitel 1: Begriffsbestimmung: Integration und Inklusion

  1. Was ist Integration
  2. Was ist Inklusion

Kapitel 2: Geschichte und rechtliche Grundlagen der Inklusion

  1. UN-Kinderrechtskonvention
  2. UN-Behindertenrechtskonvention
  3. Gesetzliche Grundlagen in Deutschland

Kapitel 3: Inklusive Pädagogik in Krippe und Kita

  1. Wertschätzung der Vielfalt und Abbau von Barrieren
  2. Ansatz der Vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung

Kapitel 4: Zentrale Ressource: die Haltung der pädagogischen Fachkräfte

  1. Biografische Kompetenz und Selbstreflexion
  2. Aktive und forschende Haltung
  3. Empathie, Responsivität und Feinfühligkeit
  4. Netzwerkarbeit
  5. Wertschätzung von Diversität
  6. Austausch zwischen allen Beteiligten

Kapitel 5: Inklusionsziel: Starke Kinder

  1. Ausschlaggebende Faktoren für die Entwicklung von Resilienz
  2. Den Schutzschild der Kinder stärken

Kapitel 6: Erziehungspartnerschaft mit den Eltern

  1. Vielfalt der elterlichen Wünsche und Erwartungen
  2. Vorurteilsbewusste Bereitschaft zum Dialog

Kapitel 7: Behinderungsformen und Fördermöglichkeiten

  1. Definition und Ursachen von Behinderung
  2. Kinder mit Körperbehinderung
  3. Kinder mit Sprachbehinderung
  4. Kinder mit Lernbehinderung oder geistiger Behinderung
  5. Kinder mit Sehbehinderung
  6. Kinder mit Hörbehinderung
  7. Kinder mit seelischen Störungen

8. Kapitel: Umgang mit schwierigen Situationen

  1. Armut und die Folgen
  2. Andere sozial schwierige Situationen

9. Kapitel: Umgang mit Entwicklungsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten

  1. Was sind Entwicklungsstörungen?
  2. Was sind Verhaltensauffälligkeiten?

10. Kapitel: Aus- und Fortbildung in Inklusion und Anforderungen an eine Inklusionsassistenz

  1. Anforderungen an die Aus- und Weiterbildung
  2. Wer kann Inklusionsassistent sein?
  3. Einsatz einer Inklusionsassistenz

11. Kapitel: Pro und Kontra Inklusion. Teilabschnitte gliedern das Kapitel und thematisieren z.B. die Anforderungen an alle inklusiv denkenden Pädagogen, das geteilte Bild der Elternmeinung zum Thema Inklusion und Schwierigkeiten und Kritik gegenüber Inklusion.

12. Kapitel: Aufgaben der Träger, unterstützende Leistungen und Finanzierung. Auch dieses Kapitel ist in Teilabschnitte unterteilt, in denen auf verschiedene Rahmenbedingungen, wie bauliche Maßnahmen, Personal, Gruppengröße oder Eingliederungshilfe, eingegangen wird.

13. Kapitel: Kooperation und Netzwerk. In diesem Kapitel wird in Teilabschnitten geklärt, wer zum Netzwerk einer Kita gehört und was für den Aufbau eines guten Netzwerkes förderlich sein kann.

Anschließend an die Kapitel ist eine „Checkliste für Inklusion“ aufgeführt, die bei Erstgesprächen helfen soll und sich auf Fragen zum Kind, die Zusammenarbeit mit den Eltern sowie Fragen an die Kindertagesstätte und den Träger bezieht.

Die Links und Buchempfehlungen verweisen nicht nur auf Informationsquellen, sondern auch auf Projekte, Programme und Kinderbücher zum Thema Inklusion.

Inhalt

In der Einleitung wird der Leser sehr gut an das Thema Inklusion herangeführt, in dem generelle Begegnungen mit dem „Fremden“ und dem Verhalten einer Gruppe gegenüber einem „Neuen“ beschrieben werden. Solche alltäglichen Begegnungen und Erfahrungen machen Inklusion zu einem gesamtgesellschaftlichen Thema, mit dem jeder immer wieder in unterschiedlichen Situationen konfrontiert wird. Zudem wird angekündigt, dass in dem Buch die unterschiedlichen Seiten von Inklusion, die Schwierigkeiten und Profite beleuchtet werden, Inklusion im Kern jedoch von einer Grundhaltung abhängt, die nicht erzwungen werden kann. Die AdressatInnen sind insbesondere PädagogInnen, mit dem Ziel, diese bestmöglich auf den Beginn mit einem neuen Kind vorzubereiten, sowohl durch eine inklusive individuelle Haltung, als auch durch eine inklusive Zusammenarbeit im Team.

In Kapitel 1 werden zunächst die Begriffe „Integration“ und „Inklusion“ voneinander abgegrenzt. Während im Zusammenhang mit der Integration Gruppen oder Personen definiert werden, die nicht „normal“ sind und in eine soziale Gruppe einbezogen werden sollen, meint Inklusion, dass alle Kinder oder Menschen generell, unabhängig von ihren Fähigkeiten, der ethnischen, kulturellen oder sozialen Herkunft, des Geschlechts, dem Alter usw. die gleichen Teilhabemöglichkeiten und Rechte gewährleistet werden sollen und Strukturen geschaffen werden sollen, die sich an die Bedürfnisse der Kinder anpassen und nicht umgekehrt. Anerkennung und Wertschätzung von Vielfalt ist das Maßgebliche und die Sensibilisierung dafür, zu erkennen, wo Barrieren oder Ungerechtigkeiten bestehen. Durch die Theorie des „schnellen und langsamen Denkens“ von Daniel Kahnemann (2011) wird verdeutlicht, dass bestimmte, oft defizit-orientierte Eindrücke oder Gefühle „normal“ sind und meist unwillentlich geschehen, dass diese aber durch Reflexion veränderbar sind. Inklusion wird hier als oft langwieriger und schwieriger Lern- und Erfahrungsprozess dargestellt, gleichzeitig wird aber das eigene Verhalten sehr gut durchleuchtet und erklärt, was den Leser bestärkt, sich damit reflexiv auseinander zu setzen.

In Kapitel 2 werden die gesetzlichen Grundlagen zum Thema Inklusion, die einen gesellschaftlichen Wandel in Gang setzten, dargestellt. Ausschlaggebend waren insbesondere die UN-Kinderrechtskonvention von 1986 und die Behindertenrechtskonvention von 2006 sowie die in Deutschland geltenden Leitlinien der Bildungspolitik und die Bildungspläne der einzelnen Bundesländer, die jedoch in Bezug auf Inklusion eine hohe Variabilität aufweisen und in denen Inklusion in Bezug auf die frühe Kindheit nur einen schmalen Raum einnimmt. Es wird nach wie vor zu wenig berücksichtigt, dass Kindertagesstätten neben einem Betreuungsauftrag auch einen Erziehungs- und Bildungsauftrag zu erfüllen haben und Inklusion nicht erst mit dem Schuleintritt relevant wird.

In Kapitel 3 wird das Verständnis einer inklusiven Pädagogik, das dem Buch zugrunde liegt, erläutert. Die inklusive Pädagogik wird als Ansatz vorgestellt, bei dem es hauptsächlich um die Auseinandersetzung mit Chancengleichheit, Diskriminierung und Privilegien geht, nicht nur gesamtgesellschaftlich betrachtet, sondern auch im Rahmen von Bildungseinrichtungen oder in Bezug auf das eigene pädagogische Handeln. Inklusion fordert einen Perspektivwechsel, der es erfordert, keine Zwei-Gruppen-Einteilungen mehr vorzunehmen (z.B. Behinderte-Nicht-Behinderte), sondern alle Kinder mit all ihren Heterogenitätsmerkmalen zu beachten und wertzuschätzen. Es geht um die Anerkennung und Wertschätzung von Heterogenität und der Abbau von Barrieren sollte das Ziel jeder Kindertagesstätte sein, so dass Bildungsprozesse so gestaltet werden, dass sie allen Kindern gerecht werden. Als Praxiskonzept wird der Ansatz der Vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung vorgestellt, der es nicht nur zum Ziel hat, die Identität der Kinder zu stärken und allen Kindern Erfahrungen mit Vielfalt zu ermöglichen, sondern auch dazu anregt, ein kritisches Denken über Vorurteile und Diskriminierung zu entwickeln und aktiv dagegen anzugehen, wofür didaktische Prinzipien und Materialien für die Umsetzung entwickelt wurden. Für die pädagogische inklusive Arbeit der Fachkräfte sind u.a. die innere Haltung, der fachliche Austausch und die notwendigen gesellschaftlichen Veränderungen wichtige Voraussetzungen und für die Umsetzung und Verinnerlichung von Inklusion wird neben dem Ansatz der Vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung der Index für Inklusion als Hilfsmittel empfohlen.

In Kapitel 4 wird daran angeknüpft, was in Kapitel 3 schon als wichtigste Ressource für die Umsetzung von Inklusion angesehen wurde: die Haltung der pädagogischen Fachkräfte. Es werden Kernkompetenzen herausgearbeitet, die eine solche Haltung ausmachen. Selbstreflexion und das Bewusstsein der eigenen Biographie, die sich in dem eigenen Handeln widerspiegelt, stellen einen Grundpfeiler dieser Haltung dar. Des Weiteren ist die Wertschätzung von Diversität und eine permanente Auseinandersetzung mit Gerechtigkeit, Chancengleichheit und Diskriminierung wichtig, wofür es Empathie und Responsivität bedarf. Unabdingbar ist neben guter Netzwerkarbeit auch ein Austausch zwischen allen Beteiligten und insbesondere eine vertrauensvolle Zusammenarbeit im Team, damit teils heikle Themen wie Diskriminierungen o.Ä., offen angesprochen werden können und man sich über eigene Erfahrungen und Perspektiven austauschen kann.

In Kapitel 5 richtet sich der Blick auf die Kinder hinsichtlich der Fragestellung, was nötig ist, damit Kinder in ihrem Selbstbild und ihrer Entwicklung gestärkt werden können und sich trotz gegebenenfalls ungünstiger Lebensbedingungen positiv entwickeln können. Hierzu wird aufgeführt, über welche Ressourcen eine Kindertagesstätte verfügen sollte und welche Faktoren für eine resiliente Entwicklung der Kinder ausschlaggebend sind.

Auch die gute und enge Zusammenarbeit mit den Eltern und Familien ist für die inklusive Arbeit ein wichtiger Bestandteil. Kapitel 6 beleuchtet die Ziele der Erziehungspartnerschaft, mit welchen Herausforderungen Fachkräfte in der Zusammenarbeit mit Eltern konfrontiert werden und wie eine gute Vertrauensbasis hergestellt werden kann.

Auch wenn Inklusion als weit gefasster Begriff, der alle Vielfaltmerkmale miteinbezieht und berücksichtigen sollte, behandelt wird, beschreibt Kapitel 7 im Speziellen die verschiedenen Behinderungsformen sowie diesbezügliche Empfehlungen für die Praxis. Neben der Definition einer Behinderung generell und deren unterschiedlichen Ursachen, werden die Behinderungsformen (Kinder mit Körper-, Sprach-,Lern-, Seh-,Hörbehinderung und Kinder mit seelischen Störungen) dargestellt und die Fachkräfte umfassend über ihre Aufgaben, die Diagnose, die Herausforderungen und Fördermöglichkeiten informiert.

In Kapitel 8 geht es um den Umgang mit sozial schwierigen Situationen und was das Leben in Armut für das einzelne Kind bedeuten kann. Was versteht man überhaupt unter „Armut“ und wie ist die Lage in Deutschland? Welche Ansprüche haben Kinder und wie kann man Armut in der Kindertagesstätte erkennen? Diese Fragen werden hier geklärt und stellen hervor, dass gerade in Bezug auf dieses Thema, das häufig mit Ängsten oder seitens der Betroffenen mit Schamgefühl verbunden ist, die Qualität der pädagogischen Arbeit weniger von Konzepten, als vielmehr, wie auch schon in vorangegangenen Kapiteln dargestellt, von der Haltung der Fachkräfte abhängig ist. Jeder Mensch denkt in Kategorien und hat Vorurteile und es geht darum, sich diese bewusst zu machen. Insbesondere Fachkräfte tragen eine große Verantwortung, da ihre Einstellungen bewusst oder unbewusst von Kindern als Normen und Werte übernommen werden können.

Neben den verschiedenen Behinderungsformen und dem Umgang mit schwierigen Situationen (wie Armut usw.) werden in Kapitel 9 Entwicklungsstörungen und Verhaltensauffälligkeiten fokussiert. Diese werden definiert und die unterschiedlichen Formen voneinander differenziert. Fachkräfte werden angeleitet, welche Handlungs- und Verhaltensweisen im Zusammenhang mit dieser Thematik im Sinne von Inklusion förderlich und ratsam sind und wie eine gute Zusammenarbeit mit den Eltern und im Team gelingen kann.

In Kapitel 10 geht es um die Aus- und Fortbildung in Inklusion, denn durch die großen Herausforderungen, die an das generelle Verständnis von Erziehung und Bildung im Zusammenhang mit Inklusion gestellt werden, ist es für eine erfolgreiche Umsetzung wichtig, dass eine beständige Fort- und Weiterbildung aller Fachkräfte erfolgt. Auch der Einsatz einer Inklusionsassistenz wird hier diskutiert und es wird generell bemängelt, dass die praktischen Folgen von Inklusion in der Ausbildung zur Frühpädagogik noch nicht überall und nicht ausreichend berücksichtigt werden.

Angesichts der vielen unterschiedlichen Aspekte rund um Inklusion, wird in Kapitel 11 nicht nur für eine Umsetzung plädiert, sondern es werden kritisch pro und kontra Argumente aufgeführt. Angesichts unterschiedlicher Perspektiven auf das Thema Inklusion wird noch einmal verdeutlicht, dass Inklusion nicht erzwungen werden kann. Nicht nur das Bild der Elternmeinung zum Thema Inklusion ist oft geteilt, sondern auch den Fachkräften sollte der Raum gegeben werden, sich Zeit zu lassen und sich individuell zu positionieren.

Kapitel 12 geht noch einmal im Speziellen auf die Kinder mit Behinderung ein, da für deren Integration oft noch andere Rahmenbedingungen notwendig sind. Hierzu gehören konkrete Aufgaben des Trägers bezogen auf das Personal oder bauliche Maßnahmen, aber auch unterstützende Leistungen und Finanzierungen, wie etwa die Eingliederungshilfe oder das Pflegegeld, die hier detailliert und gemäß der Gesetzesgrundlage erläutert werden.

Abschließend wird in Kapitel 13, wie es in vorherigen Kapiteln schon oftmals hervorgehoben wurde, die hohe Bedeutung einer guten Kooperation und eines Netzwerkes beschrieben und wie der Aufbau und die Zusammenarbeit bestmöglichst gelingen kann.

Diskussion und Fazit

Dieses Buch beleuchtet umfassend alle Aspekte, die für die Verwirklichung einer inklusiven Praxis von Bedeutung sind, richtet sich direkt an die Fachkräfte und klärt alle Fragen, die in der Praxis und bezüglich des eigenen Handelns auftauchen können, nicht nur aus pädagogischer, sondern auch aus medizinischer Sicht. Gerade durch die vielen Fallbeispiele kann der Leser sich Situationen vorstellen und ihm wird immer wieder die Möglichkeit geboten, sich selbst zu positionieren. Unsicherheiten, Hemmschwellen und eigene Ängste werden dadurch genommen, dass sie in Bezug auf die Thematik als etwas „Normales“ dargestellt werden, die aber ganz bewusst reflektiert und im Team besprochen werden sollten.

Der Umsetzung von Inklusion wird durch die konkreten Handlungsanweisungen der „Schrecken“ genommen und durch den gut strukturierten Aufbau und die zahlreichen stichwortartigen Ratschläge und Fragestellungen eignet sich das Buch nicht nur als genereller Praxisleitfaden, sondern auch um spezielle Thematiken oder „Probleme“ kurz nachzuschlagen oder zu klären. An einigen Stellen wird betont, dass Inklusion alle betrifft und sich auf alle Heterogenitätsmerkmale bezieht. Dennoch wird hier der Aspekt der Behinderung stark fokussiert, während die kulturelle/ethnische Herkunft, das Geschlecht, bzw. Gender, das Alter, die Religion usw. weniger Beachtung finden, obwohl auch diese Aspekte Unsicherheiten hervorrufen und praktische Anleitungen den Fachkräften hilfreich sein könnten.

Eine Schwierigkeit im Zusammenhang mit Inklusion ist, das in Bezug auf einige Merkmale immer noch eine Diagnose vorangehen muss, was der Idee eigentlich widerspricht, weshalb es aber notwendig ist, gerade diese, oftmals auch finanziellen oder medizinischen Faktoren zu klären, was in Bezug auf andere Aspekte, wie etwa Gender oder die kulturelle Herkunft weniger der Fall ist und was die Fokussierung auf die „diagnoseabhängigen“ Merkmale erklärt. Und wünschen sich Fachkräfte eine Vertiefung von Themen oder in Bezug auf bestimmte Vielfaltsmerkmale, so wird dem Leser beispielsweise durch die Vorstellung des Ansatzes der Vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung und die Material-und Linksammlung ein grundsätzlich umfassendes Handwerkzeug bereitgestellt, so dass das Buch kaum eine Frage offen lässt und den Leser ermutigt und unterstützt, Inklusion in der frühpädagogischen Praxis umzusetzen.


Rezensentin
Caroline Ali-Tani
Erziehungswissenschaftlerin (MA), wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Paderborn, Fakultät für Kulturwissenschaften, Institut für Erziehungswissenschaften: Arbeitsbereich: Inklusive (Früh-)pädagogik
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Zitiervorschlag
Caroline Ali-Tani. Rezension vom 23.02.2016 zu: Anne Groschwald, Henning Rosenkötter: Inklusion in Krippe und Kita. Ein Leitfaden für die Praxis. Herder (Freiburg, Basel, Wien) 2015. ISBN 978-3-451-32877-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/20078.php, Datum des Zugriffs 24.07.2016.


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