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Michael Schratz, Hans Anand Pant u.a. (Hrsg.): Was für Schulen!

Cover Michael Schratz, Hans Anand Pant, Beate Wischer (Hrsg.): Was für Schulen! Deutscher Schulpreis 2015. Klett-Kallmeyer (Seelze/Velber) 2015. 152 Seiten. ISBN 978-3-7800-4834-9. D: 24,95 EUR, A: 25,70 EUR, CH: 35,50 sFr.
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„Stell dir vor, es ist Schule und alle wollen hin“,

dieser Optimismus stammt von einer Initiative, die seit 2006 von der Robert-Bosch-Stiftung, der Heidehof-Stiftung, in Zusammenarbeit mit dem „stern“ und der ARD, die Schullandschaft in Deutschland positiv verändert (Margret Rasfeld, 2011, www.socialnet.de/rezensionen/11659.php). Mit dem Motto „Schulen in Bewegung“ wollen die Initiatoren „herausragende Schulen mit richtungsweisenden pädagogischen Leistungen herausheben, damit ihre beispielhaften Innovationen anderen Schulen zugute kommen können“. Sie wollen aufzeigen, dass allgemeinbildende und Berufsschulen in der Lage sind, durch eine innovative Schulentwicklung dem „Lernen Flügel zu verleihen“. Eine unabhängige Jury von zwölf Theoretikern und Praktikern und einer Reihe von weiteren Bildungsexpertinnen und Experten wählen alljährlich die Bildungseinrichtungen aus, die künftig die Auszeichnung „Deutscher Schulpreis“ führen dürfen.

Seit der Gründung haben sich bisher mehr als 1.600 Schulen um diesen Titel beworben. Beim Wettbewerb 2015 waren es 116 Schulen, die in das Juryverfahren aufgenommen wurden; 20 davon kamen in die engere Auswahl und wurden von den Jurymitgliedern besucht und begutachtet, 15 für den Schulpreis nominiert und sechs davon mit Preisen bedacht; davon ein Hauptpreisträger mit 100.000.- Euro und fünf weitere Schulen mit je 25.000.- Euro.

Die ausgezeichneten Schulen arbeiten weiterhin in einem Netzwerk zusammen, der „Akademie des Deutschen Schulpreises“, tauschen ihre Erfahrungen aus, diskutieren ihre geplanten Innovationen, bilden Hospitationszirkel und Gesprächskreise und öffnen sich vor allem für interessierte Schulen. Die Jury orientiert sich bei ihren Entscheidungen an den Kriterien:

  • Leistung,
  • Umgang mit Vielfalt,
  • Unterrichtsqualität,
  • Verantwortung,
  • Schulklima,
  • Schulleben und
  • außerschulische Partner – Schule als lernende Institution.

Inhalte

Die Begründungen für die Preisvergabe und die Arbeit der prämiierten Schulen werden in der Schriftenreihe „Der Deutsche Schulpreis“, hrsg. von der Robert-Bosch-Stiftung und der Heidehof Stiftung, veröffentlicht (vgl. auch die Rezension zu einem früheren Jahrgang). Mit dem 9. Band stellen der Erziehungswissenschaftler von der Universität Innsbruck und Sprecher der Jury, Michael Schratz, der Geschäftsführer der „Deutschen Schulakademie“ und Berliner Bildungstheoretiker Hans Anand Pant und die Schulpädagogin von der Universität Osnabrück, Beate Wischer, die Preisträger vor und diskutieren Fragen zur Theorie und Praxis erfolgreichen schulischen Lernens.

Der Schulpreis 2015 wurde am 10. Juni 2015 in der Heilig-Kreuz-Kirche in Berlin verliehen. Als Hauptpreisträger wurde die Gesamtschule Barmen in Wuppertal ausgezeichnet. Die fünf weiteren Preise gingen an Schulen in Bremen, Hamburg, Rostock, Flensburg und Würzburg. Für Michael Schratz ist die Konsequenz im Unterricht ein wichtiger Teil des Erfolgsrezepts der Gesamtschule Barmen in Wuppertal: „Die Lehrer fordern die Kinder und Jugendlichen heraus, sie führen sie gezielt an ihre Leistungsgrenzen – und darüber hinaus“. Besonders beeindruckt hat die Jury das hervorragende Schulklima. Jeder Schüler ist für irgendetwas verantwortlich, sei es als Pate, Medienscout oder Schulsanitäter. "Ich habe selten eine Schule erlebt, an der Schüler, Lehrer und Eltern so respektvoll und wertschätzend miteinander umgehen", lobt Schratz. „Andere Schulen können von der Gesamtschule Barmen lernen, wie Partizipation und Teilhabe in exzellenter Weise gelebt werden“.

Auch in den weiteren Bildungseinrichtungen, die zu den Preisträgern gehören – der Grundschule am Buntentorsteinweg in Bremen, dem GanztagsGymnasium Klosterschule Hamburg, der Jenaplanschule Rostock, der Waldschule / Grundschule der Stadt Flensburg und der Berufsschule Don Bosco in Würzburg – zeigen sich innovative Formen und Aktivitäten, die sich als neues pädagogisches und professionelles Denken und Handeln darstellen; z. B. der Perspektivenwechsel von individualisiertem Unterrichtsstil und Methoden hin zu einem lernenden System, an dem Lehrende und Lernende verantwortlich beteiligt sind. In den Schulportraits eröffnen sich Wagnisse und Wirkungsmöglichkeiten, wie durch künstlerisches, fächerübergreifendes Unterrichten Aufmerksamkeiten bei Schülerinnen und Schülern, beim Kollegium und in der Schulgemeinschaft erzeugt und motiviert werden. Es sind Organisationsformen und didaktische Konzepte, die immer irgendwo in der Theorie diskutiert und präsentiert werden, sich aber in der Praxis nur dann durchsetzen, wenn die Beteiligten sich einlassen und sich einbringen mit der Kraft und Phantasie ihres pädagogischen Eros.

Diskussion

Es ist das Bild vom Pfad, der beim ersten Entstehen noch als unwirtlicher, kaum sichtbarer und mit viel Mühe in das schwierig zu begehende Gelände getreten werden muss, und dann, wenn viele Menschen ihn benutzen, zu einem soliden und zielführenden Weg wird, das auch für die Initiative des Deutschen Schulpreises passt (Nikolas Kristof / Sheryl WuDunn, Ein Pfad entsteht. Chancen öffnen, Leben verändern. Inspirierende Geschichten aus aller Welt, C. H. Beck Verlag, München 2015, 395 S.).

Und zum Schluss soll noch auf zwei Parallelen hingewiesen werden:

  • Die UNESCO, die Bildungs-, Wissenschafts- und Kulturorganisation der Vereinten Nationen, hat den 5. Oktober eines jeden Jahres zum Tag der Lehrerinnen und Lehrer ausgerufen. Damit soll auf die Bedeutung von Bildung und Erziehung der Menschen überall in der Welt aufmerksam gemacht und die Wertschätzung von Erzieherinnen, Erziehern und Bildnern betont werden ( Jos Schnurer, Lehrerbeschimpfung oder Lehrerlob?, 03.09.2007, http://www.socialnet.de/materialien/53.php );
  • zum anderen treffen sich seit 2011 Bildungsexpertinnen und -experten aus aller Welt einmal jährlich zum „International Summit on the Teaching Profession (ISTP)“. Vom dritten bis vierten März 2016 findet die internationale Konferenz in Berlin statt. Die Kultusministerkonferenz (KMK) ist Veranstalter der Tagung. Der zuständige Verantwortliche, der Kultusminister von Sachsen-Anhalt, Stephan Dogerloh, informiert in einem Interview in der Wochenzeitung DIE ZEIT, Nr. 3 vom 14. Januar 2016, S. 63, über die Ziele und Perspektiven, vor allem, wie es gelingen kann, Bildung für alle und guten Unterricht überall in der Welt durchzusetzen.

Fazit

Dass die zahlreichen Schulen, die sich aus allen Bundesländern um den Deutschen Schulpreis 2015 beworben haben, keine „Elite-“ oder bevorzugte Bildungseinrichtungen sind, sondern „ganz normale“ Schulen, die sich auf den Weg machen, um besser zu werden; die sich trauen, aus den ausgetretenen Pfaden eines „Das haben wir schon immer so gemacht“ zu verabschieden, sich also verändern wollen hin zu einer neuen Schule, in der Gleichberechtigung und demokratisches Miteinander praktiziert werden, in der Leistung nicht per Ordre Mufti eingetrichtert, sondern gemeinsam und selbstverantwortlicherarbeitet und erworben wird, ist ein Verdienst der Initiative des Deutschen Schulpreises.

Die Schulen, die mit dem Schulpreis ausgezeichnet wurden, und auch die Bewerberschulen, die 2015 nicht zum Zuge gekommen sind, zeigen auf und ermutigen, dass besser unterrichten und besser lernen möglich sind, wenn es gelingt, Schule als einen Ort für demokratische, lebensweltliche und nachhaltige Bildung und Erziehung zu entwickeln und zu leben!


Rezensent
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 29.02.2016 zu: Michael Schratz, Hans Anand Pant, Beate Wischer (Hrsg.): Was für Schulen! Deutscher Schulpreis 2015. Klett-Kallmeyer (Seelze/Velber) 2015. ISBN 978-3-7800-4834-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/20114.php, Datum des Zugriffs 27.06.2016.


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