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Veronika Fischer, Desbina Kallinikidou u.a. (Hrsg.): Handbuch interkulturelle Gruppenarbeit

Cover Veronika Fischer, Desbina Kallinikidou, Birgit Stimm-Armingeon (Hrsg.): Handbuch interkulturelle Gruppenarbeit. Wochenschau Verlag (Schwalbach/Ts.) 2001. 372 Seiten. ISBN 978-3-87920-628-5. 34,80 EUR.

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1. Interkulturelles Lernen in der Erwachsenenbildung — ein bisher vernachlässigtes Feld

Interkulturelles Lernen und interkulturelle Bildung sind in Deutschland bisher überwiegend für Schule und vorschulische Erziehung thematisiert worden. Das Handbuch schließt hier eine Lücke, indem es die Konzepte interkultureller Bildung für die Erwachsenenbildung auf dem aktuellen Diskussionsstand zusammenfasst und — in den Beiträgen von Veronika Fischer — originell ergänzt und weiterführt. Diesen, etwa die Hälfte ausmachenden, theoretischen Einführungen in die Themen interkultureller Bildung und Gruppenarbeit mit Erwachsenen folgen Praxisbeispiele, gegliedert nach gruppenpädagogischen Methoden, Zielgruppen (Frauen, Familien, ältere Erwachsene) und Rahmenbedingungen (Teilnehmerwerbung, Fortbildung des Fachpersonals, Netzwerkarbeit).

Im einzelnen werden folgende Themenkreise in jeweils mehreren Einzelbeiträgen bearbeitet:

  • Gruppenpädagogik und gesellschaftlicher Wandel: Thematisiert wird der eigentümliche Umstand, dass pädagogische Arbeit überwiegend und ganz selbstverständlich in Gruppen organisiert wird und stattfindet, dass aber über die besonderen methodischen Anforderungen, die dieses Arrangement erfordert, derzeit wenig diskutiert und geforscht wird. Dass dies schon einmal anders war, zeigt ein historischer Rückblick.
  • Migration und Multikulturelle Gesellschaft als Rahmenbedingung auch für Erwachsenenbildung: Die derzeit wieder aktuell gewordene Diskussion über die Folgen anhaltender Zuwanderung von Menschen mit einem differenten lebensweltlichen Hintergrund — Akzeptanz der Vielfalt in einer multikulturellen Gesellschaft oder Zwang zur Anpassung — wird in ihren Grundlinien herausgearbeitet und in ihrer Bedeutung für die Arbeit in interkulturellen Lerngruppen erörtert.
  • Interkulturelle Erwachsenenbildung: Die bisherige Diskussion über interkulturelles Lernen auch in der Erwachsenenbildung wird eigenständig weitergeführt durch Überlegungen zu einer entsprechenden Didaktik. Hier geschieht die Verbindung zu Ansätzen der Gruppenpädagogik, und zwar unter theoretischem Rückgriff auf Ansätze der Humanistischen Psychologie.
  • Praxis interkultureller Gruppenarbeit: Die zuvor vorgestellten allgemeinen Überlegungen werden in Einzelbeiträgen zu konkreten, auch praktisch erprobten Konzepten weiterentwickelt, etwa über Gruppen mit Themenzentrierter Interaktion, szenische Verfahren, biographisches Lernen und Zukunftswerkstätten.
  • Zielgruppen für die interkulturelle Bildungsarbeit: Frauen, Familien und ältere Erwachsene werden als besondere Zielgruppen erörtert.
  • Rahmenbedingungen zur Durchführung interkultureller Bildungsarbeit: Außer den in der Erwachsenenbildung üblichen Themen wie Teilnehmerwerbung und Kursplanung wird ein besonderes Gewicht auf Netzwerkarbeit gelegt, die für diesen Ansatz von besonderem Ertrag ist.

2. Die Autorinnen: theoretisch und praktisch ausgewiesen

Veronika Fischer ist Professorin für Erziehungswissenschaft an der Fachhochschule Düsseldorf, ihre Mitautorinnen arbeiten als hauptamtliche pädagogische Mitarbeiterinnen in Einrichtungen der Erwachsenenbildung in Oberhausen.

3. Zielgruppen: MitarbeiterInnen in der Erwachsenenbildung und Studierende der Erziehungswissenschaft

Das Buch richtet sich an haupt- und nebenberufliche MitarbeiterInnen der Erwachsenenbildung sowie an Studierende der Erziehungswissenschaft und benachbarter Fächer, soweit sie sich auf solche Tätigkeit vorbereiten möchten.

4. Ein gut lesbarer Text

Der entstandene Text ist gut lesbar, enthält den aktuellen Diskussionsstand mit Literaturreferaten und Literaturhinweisen sowie mit originellen Weiterführungen im theoretischen Teil und Praxisbeispielen, die sich modifiziert auch auf andere Bereiche und in andere Institutionen übertragen lassen. Die gebotene Vereinfachung der zuweilen komplizierten Fachdiskussion zur Interkulturellen Bildung ist gelungen, ohne zu sehr zu simplifizieren oder wesentliche Aspekte ganz fortzulassen.

5. Doppelter Nutzwert: interkulturelle Bildung in der Erwachsenenbildung und Einführung in die Methoden pädagogischer Gruppenarbeit

Das Handbuch hat einen doppelten Nutzwert: Einerseits hilft es für die Planung von interkultureller Bildung in der Erwachsenenbildung, andererseits lässt es sich unabhängig davon auch als informative Einführung in die gängigen Methoden der pädagogischen Gruppenarbeit mit Erwachsenen verwenden. Da hierfür eine eigene, aktuelle und einschlägige Einführung derzeit fehlt, kann dieses Buch einstweilen auch diese Lücke füllen, indem die Kapitel zur interkulturellen Bildung bei der Lektüre einfach überschlagen werden können.


Rezensent
Prof. Dr. Wolfgang Nieke
Universität Rostock, Philosophische Fakultät
Lehrstuhl für Allgemeine Pädagogik
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Zitiervorschlag
Wolfgang Nieke. Rezension vom 08.04.2002 zu: Veronika Fischer, Desbina Kallinikidou, Birgit Stimm-Armingeon (Hrsg.): Handbuch interkulturelle Gruppenarbeit. Wochenschau Verlag (Schwalbach/Ts.) 2001. 372 Seiten. ISBN 978-3-87920-628-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/218.php, Datum des Zugriffs 21.05.2012.


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