Barbara Langmaack: Einführung in die themenzentrierte Interaktion (TZI)
Barbara Langmaack: Einführung in die themenzentrierte Interaktion (TZI). Leben rund ums Dreieck. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2004. Vollständig überarbeitete Auflage. 288 Seiten. ISBN 978-3-407-22164-3. D: 14,90 EUR, A: 15,40 EUR, CH: 27,20 sFr.
Reihe: Beltz-Taschenbuch - 164.
Seit Erstellung der Rezension ist eine neuere Auflage mit der ISBN 978-3-407-22921-2 erschienen, auf die sich unsere Bestellmöglichkeiten beziehen.
Autorin und ihr Hintergrund
Barbara Langmaack ist diplomierte Partnerschafts- und Konfliktberaterin, Lehrbeauftragte für Themenzentrierte Interaktion nach Ruth C. Cohn. Sie arbeitet als Beraterin und als Fortbildnerin in Firmen und Institutionen, im Profit und Non-Profitbereich. Gemeinsam ist den Autorinnen einzelner Beiträge, dass sie Lehrbeauftrage für TZI am RCI international sind, sie unterscheiden sich in ihren Arbeitsschwerpunkten: Wirtschaft, Politik, Kirche, Schule und Hochschule
Zielgruppen
Das Buch wendet sich an alle Menschen, die als Lehrende, Vorgesetzte, KollegInnen, MitarbeiterInnen daran interessiert sind, sich und Anderen, ein von Werten geleitetes, lebendiges und sinnstiftendes Arbeiten und Lernen zu ermöglichen.
Aufbau und Inhalt
Das Buch hat ein Vorwort, 18 Kapitel, Literaturverzeichnis, Personen- und Sachregister, Adressen der Autoren.
Im Vorwort erläutert die Autorin kurz und prägnant, dass und wie in der 3. überarbeiteten Auflage die einschneidenden Veränderungen in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft durch und mit den Kontinuität widerspiegelnden Elementen der TZI - Axiome, Postulate, Vierfaktorenmodell - und den Wandel/Veränderung widerspiegelnden Elementen - Individuen, Um- und Mitwelt - aufgegriffen, angegangen und reflektiert werden.
Kapitel 1 "Zum Aufbau dieses Buches - Wo findet der Leser was?" liefert einen Wegweiser, der die inhaltlichen Akzentuierungen der 18 Kapitel benennt.
Kapitel 2 "Einstieg und aufmerksam werden" (S. 15-38) nähert sich der TZI aus drei Perspektiven - Ziele/Intentionen, biografische Schlüsselszenen R.C. Cohns, erfahrungswissenschaftliche und philosophische Quellen und konzeptionelle Verwandtschaften. Anliegen der TZI ist es, ein wert-geleitetes lebendiges Lernen und Arbeiten zu ermöglichen, indem sie individuelle, zwischenmenschliche, sachliche und gesellschaftliche Aspekte in einem Vierfaktorenmodell interdependent und interagierend verknüpft, um so einen dynamisch balancierenden Ausgleich zu schaffen zwischen real existierenden Polaritäten - z.B. individuellen und kollektiven Bedürfnissen, kognitiven und emotionalen Ansprüchen, Profitmaximierung und Menschenwürde, Abhängigkeit und Einsatz von Macht. Nachgezeichnet wird wie für Ruth C. Cohn, die Erfinderin der TZI, biographisch bedeutsame Erlebnisse, Erfahrungen, Erkenntnisse und Einsichten Puzzlesteine für die Entwicklung und Ausgestaltung der TZI lieferten. Der Stammbaum der TZI repräsentiert die Quellen und Verwandtschaftsbeziehungen: Tiefenpsychologie - Freud, Jung, Adler -, Behaviorismus - Maslow -, Humanistische Psychologie (HP) - Pearls, Rogers, Berne, Satir, Stock-Sullivan, Gindler -,Existenzphilosophie - Buber, Heidegger. Gemeinsam ist der TZI und ihren HP-"Geschwistern": ein die Schattenproblematik einbeziehender anthropologischer Optimismus, die Möglichkeit der Destruktivität ist eine Realität des Menschen, Wechselwirkung von individueller und sozialer Veränderung, Autonomie in der Interdependenz.
Kap. 3 "Die Axiome" (S. 39-47)befasst sich mit den ethischen Grundlagen der TZI, "die sowohl als antreibende Kraft als auch als Begrenzer zu verstehen sind." Erst die Setzung von axiomatischen Werten verhindert, dass die TZI zu einer Technik oder beliebigen Methode degeneriert. Die drei Axiome - existentiell-anthropologisches, Autonomie in der Interdependenz; ethisch-soziales, Ehrfurcht gebührt allem Lebendigen und seinem Wachstum"; pragmatisch-politisches, "Freie Entscheidung geschieht innerhalb bedingender innerer und äußerer Grenzen. Erweiterung dieser Grenzen ist möglich!" - werden vorgestellt und erläutert.
Kap.4 "TZI - Ein Grundkonzept zum Leben und Leiten" (S.48- 74) stellt das Vier-Faktorenmodell, das Dreieck, Individuum (Ich)- Interaktion (Wir) -Thema/Aufgabe (Es), in der Kugel, dem gesellschaftlich- systemischen Kontext (Globe), die Bezogenheit und Wechselwirkung der vier Faktoren untereinander vor und prüft seine Alltagsrelevanz. Die dynamische Balancierung der vier Faktoren ist für Menschen, die selbstbestimmt leben und gestalten wollen, sowohl eine herausfordernde Zumutung als auch ein fortlaufender Prozess, Balance zu verlieren, sie neu zu suchen und wieder zu finden. Das Dreieck in der Kugel verknüpft Langmaack mit dem Eisbergmodell der Kommunikation von French&Bell und illustriert auf dieser Folie die Repräsentanz der Interdependenz von Sachebene/Sachlogik und psychosozialer Ebene/Psychologik im TZI-Dreieck. Überzeugend erläutert sie vergleichend die existentielle Bedeutung des Wassers für den Eisberg und des Globe für das TZI-Dreieck. Das Dreieck in der Kugel, dessen Mittelpunkt freibeweglich auf einer Nadelspitze ruht, ist als Diagnose-, Planungs- und Steuerungskompass sowohl für persönliche als auch kollektive Entwicklungs- und Arbeitsprozesse nutzbar. So lässt sich diagnostizieren, ob eine Gruppe sachlich und psycho-logisch auf dem richtigen Kurs ist. "Eine gesunde psychosoziale Ebene der Gruppe, auf der der Einzelne auch auf seine "Kosten" kommt, ist eine wichtige Voraussetzung für die Leistungsfähigkeit der Gruppe auf der Sachebene." Wie das geht, demonstriert Langmaack theoretisch und an einer Fallvignette. Wer Gruppen/Teams und sich selbst leitet, benötigt als Echolot ein gutes Gespür für und Kenntnis über psychische und soziale Prozesse, um sowohl die Ansprüche und Energien der drei Faktoren - Selbstverwirklichung, Kooperation und Aufgabenlösung in den Bezug zum Umfeld zu stellen als auch Arbeits-, Lern- und Entwicklungsprozesse dynamisch zu balancieren.
Kap. 5 Menschen wachsen weiter. Notizen zur Ich-Findung (S.75-92) zeichnet zunächst nach, wie sich der Rahmen, die eigene Identität selbst-verantwortlich zu gestalten und weiter zu entwickeln, vom Mittelalter bis heute geweitet hat und aus der "Kurübung, die Dreiecksbalance für das eigene Ich zu gestalten, im Hier und Jetzt eine Pflichtübung" geworden ist. Identität und Selbstverwirklichung zeigen sich in der Gestalt der Person und in der Gestaltung ihres Lebens. Angestoßen und beeinflusst werden identitätsbildende Lern-, Entwicklungs- und Wachstumsprozesse durch Ereignisse und Themen in der großen Welt und des persönlichen Umfeldes. Selbstverwirklichung ereignet sich im Spannungsfeld von Fremd- und Selbstbestimmung. Sie verlangt - insbesondere in Krisen, und Umbruchzeiten und bei markanten Lebenseinschnitten, sich der Realität des Wandels zu stellen und die eigene Identität neu zu konstellieren bzw. zu definieren in der Bewusstheit sowohl originell als auch "in gewissem Sinne eine Abschrift oder Neuauflage seiner Ahnen" zu sein (Steffensky 1988). Zwei Übungen zur aufklärenden Vergewisserung des Ich-Standes und des Gewordenseins werden angeboten. Diese verdeutlichen, dass und wie das Ich nicht nur die Konsequenzen seiner eigenen (Nicht)- und Entscheidungen, sondern auch die der Entscheidungen, die für es getroffen wurden, trägt und sie beleben und verlebendigen muss. Wachstum gestalten - eine eigene Identität zu entwickeln - "führt in größere Höhen des Erlebens und in größere Tiefen der Erkenntnis", ein Prozess, der sowohl Schmerzen und Verluste als auch Freude und Zugewinn bringt.
Kap. 6 Notizen zum Wir (S.93-105) erläutert, dass und wie sich das Bedürfnis und die Gestaltung der Wir-Zugehörigkeit des Einzelmenschen und der Menschheit entwickelt. Im sozialen Bezugsrahmen entwickeln Menschen ihre Wertvorstellungen, Einstellungen zum Leben, ihren Lebensstil, ihre Individualität und Gruppenfähigkeit. Sie erleben, erkennen und gestalten ihre Autonomie in der Interdependenz und umgekehrt. Diese Wechselseitigkeit ist konstitutiv für die Ich-Identität und Wir-Zugehörigkeit. Das Wir in der TZI ist kein psychobiologischer Organismus wie das Ich, sondern eine Gestalt, die durch die jeweiligen Ichs aus deren Interaktion über/zu einem gleichen Thema entsteht. Jedes Ich übernimmt Selbstverantwortung und partielle Verantwortung für die Gruppe und das gemeinsame bzw. verbindende Thema. Aus einer Ansammlung von Menschen wird ein Wir i. S. der TZI, wenn es ein gemeinsames Ziel/Thema gibt, jede/r individuell mitgestaltet und alle miteinander kommunizieren und interagieren. "Jeder Teilnehmer steuert den Prozess des Wir mit und die so entstehende Interaktion ist das eigentliche Vehikel für Aufgabenerfüllung und Zielerreichung. Von einer Gruppe (Wir) im TZI-Sinn ist zu sprechen, wenn Struktur und Vereinbarungen, Zielsetzung und Aufgaben, Mitsteuerungsmöglichkeiten im Prozess, Interaktion, ein gemeinsames Wertesystem vorhanden sind und die Individualität gewahrt wird.
Kap. 7 Rund ums Thema (S.106-124) widmet sich der Aufmerksamkeit den Themen gegenüber. Ein Thema in der TZI "hat immer den inhaltlichen Schwerpunkt an einem der Dreieckspunkte, steht aber sozusagen mit zwei anderen Beinen an den anderen beiden Ecken des Dreiecks, um im Auge zu behalten, dass Gespräche in aller Regel alle Dreiecksaspekte mitberühren bzw. in hohem Maße von diesen gesteuert werden." Ein Thema ist das Anliegen, wozu eine Gruppe sich trifft. Die Verknüpfung des Eisbergmodells mit dem Vierfaktorenmodell der TZI gewinnt beim Thema erneut Bedeutsamkeit. Denn Sachthemen ergeben sich eher aus der Logik der Situation denn aus der Psychologik der Interagierenden, diese liefert jedoch die "Mitläuferthemen", die "unsachlichen" Themen, die auf die Gesprächsebene zu heben sind. Anschließend wird dargestellt, wie Themen/Anliegen für/in einer Gruppe zu entwickeln, zu formulieren und zu setzen sind. Es folgen Hinweise zum Entwickeln von Themen, zum Prozess der Bearbeitung und zur Reflexion des Prozesses des Themas, letzteres als mögliche Quelle für die weitere Planung.
Kap. 8 Kreise ums Dreieck - die komplexe Realität des Globe (S.125 - 133). Zum Globe gehören alle Menschen, Geschehnisse und Dinge, die außerhalb der Personen, der Gruppe und der Anliegen liegen, die in wechselseitiger Beziehung zueinander stehen. Das Dreieck Ich-Wir-Es hat nicht nur seinen Globe - Gruppenkultur bestehend aus Werten, Normen und Spielregeln -, sondern zu berücksichtigen sind auch die Globes an jeder der drei Ecken des Dreiecks. Der Globe repräsentiert die vielfältigen Kräfte, die von außen das Geschehen im Dreieck und Vorhaben fördernd oder behindernd beeinflussen. Er setzt den Rahmen für die jeweilige Aufgabe, ihre Bewältigung und Bewältiger. Mit dem Globe konstruktiv umgehen, bedeutet die änderbaren Beziehungen und Dinge von den unveränderbaren zu scheiden. Exemplarisch werden die Bedingungen verschiedener Globes vorgestellt und verständlich erläutert, wie Themen zu behandeln sind, damit nachhaltige Transfers/Veränderungen möglich werden und eingesehen wird, dass und wie der Globe Quelle und Mündung allen Handelns ist bzw. sein muss.
Kap. 9 Das erste Postulat: "Sei dein eigener Chairman" (S.134 - 146). Ein Postulat ist "eine existentielle Tatsache, eine ethisch begründete Aussage, die sich aus sich selbst beweist." Chairpersonship wird erklärt und erläutert. Zugetraut wird jedem Menschen, der in Freiheit lebt und gesund ist, die Fähigkeit, sich selbst zu leiten, selbst- und mit-verantwortlich zu leben - zu arbeiten, zu reden und zu handeln. Das Chairpersonpostulat fordert heraus, sich zu entscheiden, sich immer wieder neu zu positionieren in den Polaritäten Autonomie / Interdependenz, Fähigkeiten / Bedürfnisse, Eigen- / Gemeininteressen, Innen- / Außenanforderungen. Es geht ihm darum, dass der Mensch die ihm gegebenen Spielräume verantwortlich und umfassend nutzt und zugleich seine inneren Gegebenheiten, die zwischenmenschlichen und sachlichen Abhängigkeiten kontinuierlich überprüft. "Wir sind nicht allmächtig, wir sind nicht ohnmächtig, wir sind partiell mächtig in allen Entscheidungen und Gestaltungen unseres Lebens." (Ruth C. Cohn)
Kap. 10 Das zweite Postulat: "Störungen haben Vorrang" (S.147 - 168). Dieses ist eng mit dem ersten verknüpft; denn nicht nur jeder Mensch und seine Anliegen sind wichtig, sondern gleichermaßen seine Verwirrungen, Irritationen und Leidenschaften, denn diese nehmen sich, werden sie nicht ernst genommen, als Störungen Vorrang. Störung in diesem Sinne ist alles Positive und Negative, dass jemanden davon abhält, sich mit dem gemeinsamen Anliegen zu beschäftigen, obgleich er es eigentlich möchte. Ziel jeder "Entstörungsarbeit" ist, die Arbeitsfähigkeit des/der Gestörten wieder herzustellen. Dargestellt werden die Quellen von Störungen - Übertragungen, Ängste, Körper. Verdeutlicht wird, wie sich die Anlässe zu Störungen im Vierfaktorenmodell verorten lassen und wie die "Hierarchie der Störungen" genutzt werden kann, um mit-ein-ander wieder arbeitsfähig zu sein.
Kap. 11 bis Kap. 15 (S.169 - 197) beschreibt und erläutert fünf Hilfs-/Gesprächsregeln der TZI, die in der inhaltlichen und zwischenmenschlichen Interaktion Menschen unterstützen, im Reden, Verhalten und Handeln den Axiomen und Postulaten der TZI Rechnung zu tragen und sie authentisch umzusetzen.
Kap. 16 Der Leiter: Lernquelle und Modellfigur (S.198 - 213). Beschrieben und begründet wird das Leitungsverständnis der TZI, das sich vom gemeinhin üblichen wesentlich unterscheidet. LeiterInnen müssen fachlich und sozial kompetent sein. Sie sind Modellteilnehmer der Gruppe, d.h. auf der Verhaltens- und Interventionsebene verlangen sie nichts, was sie nicht selber versuchen zu praktizieren. Sie bringen sich als Personen selektiv authentisch ein, spielen keine "Rolle". Im Prozess sind sie HüterIn der Balance, Chairperson der Gruppe/des Teams, bezüglich des Vierfaktorenmodells. Ihre Aufmerksamkeit ist sechsfach fokussiert auf - die Erfüllung des Auftrages, die Realität des Umfeldes, die inhaltlichen Ziele und den Weg dahin, den Prozess, die Teilnehmer und sich selbst. LeiterInnen sollten ihre eigene Leitungsbiographie aufgeklärt haben, um ihre Wirkung auf ihr Leitungshandeln in etwa zu kennen. Dargelegt wird, dass Leitungsverantwortung Selbstfürsorge - Psychohygiene - impliziert.
Kap. 17 Die Praxis soll es zeigen. Anwendungsbereiche der TZI ( S.214 - 276). Fünf ausgewählte Anwendungsgebiete der TZI - Beratung, Schul- und Hochschulbereich, Priesterausbildung, politische Arbeit und Bildung, Unternehmen - werden mit konkreten Beispielen vorgestellt. Für die Beratung verdeutlicht Langmaack die Bedeutung, Funktion und Anwendung des Dreischritts - "Hier und Jetzt"- Situation (Gegenwart), "Dort und Damals" (Vergangenheit) und "Da und Später" (Zukunft) und beschreibt die Nutzung des Vierfaktorenmodells als diagnostischen Kompass bzw. Leitlinie. Vertiefend führt sie in die Riemannsche Persönlichkeitstheorie ein. Hermann Kügler, Jesuit, stellt einen Ausbildungskurs für angehende Ordenspriester im Rahmen des Priestermonats vor. In dieser Kurswoche geht es bzgl. der eigenen Identität, um die Prägungen durch die eigenen lebensgeschichtlichen Wurzeln, den bisherigen, sechsjährigen Erfahrungen im Orden, die Geschichte der persönlichen Berufung zum Priestertum und deren Wechselwirkungen untereinander. Manfred Krämer setzt sich zunächst grundsätzlich mit der politischen Dimension der TZI auseinander, um sie dann an drei Beispielen - politische Bildung mit TZI in Schule und Erwachsenenbildung, TZI in deutsch-polnischen Begegnungen, TZI in politischen Groß- (Open-Space-) Veranstaltungen. Renate Mann/Konrad Thomas exemplifizieren den Einsatz der TZI an der Hochschule. Sie verdeutlichen, wie selbstverantwortetes Lernen ermöglicht werden kann und damit die Voraussetzung, um in der zukünftigen Tätigkeit Verantwortung zu übernehmen für die Mitmenschen und die gesellschaftlichen Aufgaben. Ulrike Rietz verdeutlicht an einem Beispiel einer 8. Sonderschulklasse, dass Lehren und Lernen eine gemeinsame Sache der Beteiligten ist. Wenn das ernst genommen wird, dann wird ein humaneres Lehren und Lernen möglich. Elisabeth Gores-Pieper erläutert an einer Seminarreihe für Führungskräfte in der Wirtschaft die Wirksamkeit der TZI für dieses Feld, da sie effektives Arbeiten an Sachthemen mit der Wertschätzung der beteiligten Personen verknüpft, ressourcenorientiert arbeitet - Stärken hervorhebt und für Schwächen Handlungsalternativen entwickeln hilft. So geförderte Führungskräfte fokussieren sowohl Ziele und Aufgaben als auch Personen und deren Interaktionen.
Kap. 18 Zum aktuellen Stand der TZI (S.277- 281) Dietrich Stollberg zeichnet nach, wie sich das Vierfaktorenmodell der TZI auch bei gesellschaftlichen Veränderungen dauerhaft nutzen lässt. Mussten in den Anfängen der TZI die Menschen sich selbst ernster nehmen (Ich), so geht es heute wohl einerseits eher um das Wir, das wie das Ich durch das Thema, die gemeinsame Aufgabe, relativiert wird. Andererseits aber auch um den Globe, insbesondere um die bislang eher marginal bearbeiteten Potenziale der TZI, ihre politischen Aufgaben: die Integration der politischen Lage, die diesbezüglichen Differenzen in Kooperationsprozessen und die Spiegelungen des Umfeldes in Gruppen- /Teamprozesse; den antiautoritären Impuls, das "shared leadership", von R. Cohn, die Notwendigkeit, realistisch mit W. Reichs Einsicht umzugehen, dass "jede Wahrheit alsbald ihre Gegenwahrheit hervorbringt".
Fazit
Das Buch ist klar strukturiert, gut gegliedert und bietet eine überzeugende Mischung von Theorie, Fallvignetten und reflektiertem Erfahrungswissen. Es führt kompetent und zugleich anschaulich in die Grundlagen der TZI ein. Die vorgestellten Übungen und fragengeleiteten Selbstinterviews sind hilfreich, sie bieten ein Geländer - eine Struktur -, für die Planung und Reflexion von Gruppen und der eigenen Entwicklung. Das Buch ist lesens-wert, weil es sachlich kompetent, empathisch, respektvoll-konfrontativ und herausfordernd geschrieben ist sowohl von der Autorin als auch den Co-AutorInnen, die alle Lehrbeauftragte für TZI beim RCI international sind.
Rezensentin
Dr. Michaela Schumacher
Homepage www.drmichaelaschumacher.de
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Zitiervorschlag
Michaela Schumacher. Rezension vom 07.06.2005 zu: Barbara Langmaack: Einführung in die themenzentrierte Interaktion (TZI). Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2004. Vollständig überarbeitete Auflage. 288 Seiten. ISBN 978-3-407-22164-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/2277.php, Datum des Zugriffs 21.05.2012.
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