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Wolfgang Melzer, Hans-Dieter Schwind (Hrsg.): Gewaltprävention in der Schule

Cover Wolfgang Melzer, Hans-Dieter Schwind (Hrsg.): Gewaltprävention in der Schule. Grundlagen - Praxismodelle - Perspektiven. Dokumentation des 15. Mainzer Opferforums 2003. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2004. 366 Seiten. ISBN 978-3-8329-0645-0. 20,00 EUR, CH: 35,20 sFr.

Reihe: Mainzer Schriften zur Situation von Kriminalitätsopfern - Band 38. Hrsg.: Weisser Ring - Gemeinnütziger Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und zur Verhütung von Straftaten e.V.

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Einführung in das Thema

Über Ursachen von Gewalt im Allgemeinen und im Speziellen an Schulen gibt es inzwischen eine Vielzahl von Veröffentlichungen. Die Gewaltprävention an Schulen wird - insbesondere im letzten Jahrzehnt - durch einen sich rasch entwickelnden und breitgestreuten Projektreichtum gekennzeichnet. Zwischen präzis evaluierten, fundiert durchgeführten Projekten auf der einen Seite und wildwuchsartigem, teils kontraindiziertem Aktionismus auf der anderen Seite zeigt sich eine bunte Palette von Präventionsmaßnahmen an Schulen. Welche Basisinformationen berücksichtigt werden müssen, welche Praxismodelle möglich und hilfreich sind sowie die Perspektiven für eine effektive, erfolgreiche Gewaltprävention greift dieser Sammelband auf. Grundlage für dieses Buch ist das 15. Mainzer Opferforum vom 01.November 2003, zu dem der "WEISSE RING" als "Opferschutzinstitution" zahlreiche Fachleute nach Mainz eingeladen hatte.

Autoren/-innen

Prof. Dr. Wolfgang Melzer lehrt an der TU Dresden Schulpädagogik und befasst sich insbesondere mit den Schwerpunkten Schul-, Gewalt- und Gesundheitsforschung sowie Schulevaluation. Er ist Mitglied des Fachbeirates Vorbeugung des WEISSEN RINGS.

Prof. em. Dr. jur. Hans-Dieter Schwind von der Universität Osnabrück war Landesjustizminister und in folgenden Gremien als Vorstands (-mitglied) bzw. Präsident tätig: Deutsche Kriminologische Gesellschaft (DKG), Anti-Gewaltkommision, WEISSR RING. Seit 2003 ist er Kuratoriumsmitglied des Deutschen Forums für Kriminalprävention (DFK).

Daneben haben noch 24 weitere Personen an diesem Band mitgewirkt: Ullrich Bauer, Dieter Becker, Günther Braun, Dr. Heidrun Bründel, Monika Büttner, Prof. Dr. Manfred Cierpka, Frank Ehninger, Ilse Gärtner, Prof. Dr. Werner Greve, Dr. Reiner Hanewinkel, Reinhold Hepp, PD Dr. Dieter Hermann, Tilmann Kübler, Dr. Karl Landscheidt, Prof. Dr. Friedrich Lösel, Freddy Müller, Helmolt Rademacher, Dr. Stefan Schanzenbächer, Prof. Dr. Günther Schatz, Dr. Andreas Schick, Prof. Dr. Wilfried Schubarth, Wiebke Steffen, Dr. Gudrun Wiborg, Nicola Wilmers, Ellen Wilms.

Die Wissenschaftszweige und Berufsfelder reichen von Sozialwissenschaften, Psychologie, Erziehungswissenschaften, Familientherapie, Supervision, Theologie, Polizei, Psychotherapie, bis hin zu Mathematik, Psychiatrie und Mediation.

Aufbau und Inhalte

Diese Dokumentation ist im Anschluss an die Grußworte des Bundesvorsitzenden des WEISSEN RINGS und der Bundesjustizministerin sowie das Vorwort der Herausgeber in drei große Teile untergliedert:

  1. Grundlagen
  2. Praxismodelle
  3. Perspektiven

Bei den Grundlagen ermöglichen die beiden Herausgeber in separaten Aufsätzen einen Einblick in die Phänomene und Grundlagen von Gewalt an Schulen (insbesondere vor dem Hintergrund des "Massaker von Erfurt") und zeigen auf, wie bedeutsam die gründliche Analyse vor der Umsetzung von Prävention in die Praxis ist.

Der Hauptteil des Buches macht dann die Vorstellung von 15 Praxismodellen aus.

Dieser Teil ist in folgende Schwerpunkte untergliedert:

  • Präventionsprogramme für den Unterricht
  • Mediation in der Schule
  • Intervention und Unterstützung für Schulen

Bei den unterrichtsbezogenen Modellen wird das Heidelberger "FAUSTLOS"- Curriculum für Grundschulen und Kindergärten, das mit der Polizei entwickelte "PIT 2 - Programm", "Erwachsen werden", "Eigenständig werden" sowie die Trainingsraum-Methode vorgestellt.

Streitschlichter-Programme und Peer-Mediation an Schulen werden im zweiten Schwerpunkt vielfältig beleuchtet. Im Schwerpunkt 3 werden unterschiedliche Kooperationsmodelle beschrieben. Hierbei kommt Schulsozialarbeit, Vernetzung mit anderen Jugendarbeitsangeboten, die Filminitiative "Abseits?!" sowie die Arbeit des mobilen Beratungsteams "Boxenstopp-Anti-Gewalttraining für Jugendliche" aus Brandenburg zur Geltung.

Jedem der drei Schwerpunkte im Hauptteil des Buches sind sehr übersichtliche weiterführende Informationen zu den vorgestellten Programmen angehängt.

Im dritten großen Teil des Buches wird bei der Betrachtung der Zukunftsperspektiven von Gewaltprävention deutlich, wie wichtig geschlechtsspezifische, multimodale Prävention ist, die nicht nur in den Schulen, sondern auch in vorschulischen Einrichtungen und in den Familien greift.

Die Ausführungen sind durch sorgfältig aufbereitete Tabellen und Graphiken ergänzt.

Zielgruppen

Mit der Thematik dieses Buches sind alle pädagogischen, psychologischen und therapeutischen Fachkräfte befasst, die sich mit Kindern und Jugendlichen auseinandersetzen. Daher sind die Inhalte dieses Bandes sowohl für Praktiker/-innen aus der Kinder- und Jugendhilfe und Lehrer/-innen aller Schularten als auch für Verantwortungs- und Entscheidungsträger/-innen der Einrichtungen und politischen Gremien wertvoll.

Fazit

Eine sehr gut aufbereitete Tagungsdokumentation, wie sie in dieser Art und Weise selten anzutreffen ist. Übersichtlich, Fakten berücksichtigend, praxisrelevant, wissenschaftlich fundiert und äußerst facettenreich, was die unterschiedlichen Praxis- und Forschungsfelder betrifft. Ein wertvolles Plädoyer für gründliche Evaluation und die Umsetzung einer Mehr-Ebenen-Prävention, die nicht nur auf Gewalt fokussiert ist, sondern auch den, die Thematik tangierenden Bereichen Gesundheit, Schulleistung, Arbeitsmarkt, Freizeitgestaltung, Armut und Migration einen wichtigen Stellenwert beimisst. Hierbei verdeutlichen die Autorinnen und Autoren in beeindruckender Weise, dass ein Aktionismus, wie er beispielsweise zeitweise bei der Einführung von "Streitschlichter-Modellen" an den Tag gelegt wurde, viel zu kurz greift. Die Kinder und Jugendlichen in Schulen sollten nicht nur auf ihr Dasein als Schüler/-innen reduziert werden. Vielmehr muss allen Beteiligten deutlich werden, dass es sich um junge Menschen handelt, die in einem Konglomerat von Interessen (-konflikten) klarer Strukturen sowie mitmenschlicher Unterstützung und Begleitung bedürfen.

Dass institutionelle Begebenheiten und Mitmenschlichkeit keine Ausschlusskriterien sind, zeigt dieser Band sehr eindrucksvoll auf. Die praktische Umsetzung obliegt jedoch freilich den Menschen vor Ort. Mögen die politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen hierzu die nötigen Freiräume schaffen.


Rezensent
Dipl. Soz. Päd. Detlef Rüsch
Systemischer Familientherapeut
Jugendsozialpädagoge an einer Grund- und Hauptschule
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Zitiervorschlag
Detlef Rüsch. Rezension vom 15.03.2005 zu: Wolfgang Melzer, Hans-Dieter Schwind (Hrsg.): Gewaltprävention in der Schule. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2004. 366 Seiten. ISBN 978-3-8329-0645-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/2283.php, Datum des Zugriffs 08.02.2012.


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