Ingrid Miklitz: Der Waldkindergarten. Dimensionen eines pädagogischen Ansatzes
Ingrid Miklitz: Der Waldkindergarten. Dimensionen eines pädagogischen Ansatzes. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2005. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. 296 Seiten. ISBN 978-3-407-56260-9. 19,90 EUR, CH: 36,00 sFr.
Kindergärten im Wald
Im Waldkindergarten verbringen Kinder und Erzieher/innen den Tag weit überwiegend in der Natur und spielen vorwiegend mit den Dingen, die sie im Wald oder auf dem Feld vorfinden. Nur bei besonders schlechtem Wetter bieten Zelte, Bauwagen oder Hütten Unterschlupf. 1993 wurde der erste staatlich anerkannte Waldkindergarten in Deutschland eröffnet, heute gibt es in Deutschland schon schätzungsweise 400 Einrichtungen.
Zielgruppe und Autorin
Für alle, die mehr darüber wissen wollen, welche Ziele und Prinzipien die Waldkindergartenpädagogik verfolgt oder wie ein Tag im Waldkindergarten gestaltet werden kann, ist dieses Buch gedacht: für Waldkindergartenerzieherinnen, und naturpädagogisch Interessierte sowie Initiativen, die einen Waldkindergarten gründen wollen. Ingrid Miklitz ist Sozialpädagogin, Diplom-Sozialwissenschaftlerin mit Zusatzausbildung zur Spiel-, Natur- und Erlebnispädagogin und ist seit 1996 in der Waldkindergartenarbeit aktiv. Ihr Buch erscheint nun in der dritten, akutalisierten und erweiterten Auflage. Darin enthalten sind auch zwei kurze Beiträge einer Vereinsvorsitzenden und von Erzieherinnen.
Aufbau und Gestaltung des Buchs
Das Buch gliedert sich in drei umfangreiche und neun kürzere Kapitel und spannt den Bogen von den theoretischen Grundlagen des pädagogischen Konzeptes über die Praxis im Waldkindergarten bis zu einem Rechts-ABC. Mit seinen Schwarz-Weiß-Fotos, in grün gehaltenen Kapiteldeckblätter, Überschriften, Tabellen und Abbildungen ist das Buch attraktiv gestaltet. Viele Fallbeispiele, Vorlagen, Lieder, Gedichte und Qualitätsstandards in Tabellenform sorgen außerdem für eine anschauliche Beschreibung.
Pädagogische Theorie und Praxis der Waldkindergärten
Nach einer kurzen Einführung, unter anderem zur Geschichte, zu Formen und zur Konzeption von Waldkindergärten, beschreibt Ingrid Miklitz deren theoretische Grundlagen (Kapitel 1): Sie verweist dabei auf die autonom strukturierte Umgebung des Waldkindergartens, die sich wesentlich von der eines Regelangebots unterscheidet. Sie zeigt Möglichkeiten der Strukturierung der Umgebung wie des Spielens mit Naturmaterialien auf und stellt den lebenspraktischen Ansatz, das ganzheitliche Lernen sowie Bildungsstrukturen und Bildungsprozesse im Naturraum vor. Zudem gibt Ingrid Miklitz beispielsweise Hinweise zum Umgang mit der animistischen Denkhaltung und Ängsten der Kinder.
"Was die Erzieherin wissen muss" beschreibt Ingrid Miklitz in Kapitel 2: Welches Basiswissen ist notwendig, welche Gefährdungen, zum Beispiel beim Klettern oder durch Tiere, müssen erkannt werden und wie sollte damit umgegangen werden? Praktische Hinweise zur Ausstattung (was alles in den Bollerwagen muss), zur Auswahl und Qualität des Geländes und zum Umgang mit Jägern werden gegeben.
Kapitel 3 beschreibt die pädagogische Praxis: Spielformen und Aktivitäten des Waldkindergartens über Methoden zur Erkundung der Natur, Rituale wie den Morgen- und Abschlusskreis, Regeln im Waldkindergarten, Bewegung, Erlebnispädagogik sowie Feste im Jahresverlauf werden anschaulich und anregend, zum Beispiel durch Lieder, Gedichte, Fallbeispiele, dargestellt. Auch Integration von Kindern mit erhöhtem Betreuungsbedarf, Waldkindergartenpädagogik in Regeleinrichtungen und den Übergängen vom Elternhaus in den Waldkindergarten und von dort in die Schule werden in kurzen Abschnitten angesprochen.
Elternarbeit, Organisation, Finanzierung und Gründung
Alle folgenden Kapitel sind deutlich kürzer und umfassen zum Teil nur einige Seiten. In aller Regel werden Waldkindergärten durch engagierte Eltern und Erzieher/innen initiiert, die einen Verein gründen, der Träger des Waldkindergartens wird. Auch daraus ergeben sich besondere Anforderungen an die Elternarbeit (Kapitel 4), die Organisation des Waldkindergartens (Kapitel 5), seine Finanzierung (Kapitel 6) und Richtlinien (Kapitel 7). Rund zwanzig Seiten werden der Gründung eines Waldkindergartens gewidmet (Kapitel 8) die u.a. das Vorgehen bei der Vereinsgründung sowie die Errichtung von Wetterschutzbauten beschreiben. Darüber hinaus findet sich noch kurze Abschnitte über Waldkindergärten in Schweden (Kapitel 9), Forschungsergebnisse über Waldkindergärten (Kapitel 10) und ein "Kleines Rechts-ABC" (Kapitel 11). Schließlich finden sich im Anhang u.a. Vertragsmuster, Musterbriefe und Kontaktadressen (Kapitel 12).
Fazit
Für Erzieher/innen und Eltern, die einen Waldkindergarten gründen wollen und alle, die sich über Waldkindergärten informieren wollen, ist dieses Buch ein absolutes "Muss".
Rezensentin
Dr. Sandra Schaffert
Pädagogin. Tätigkeit in Wissenschaft und Weiterbildung
Homepage sandra.schaffert.ws
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Zitiervorschlag
Sandra Schaffert. Rezension vom 22.02.2005 zu: Ingrid Miklitz: Der Waldkindergarten. Dimensionen eines pädagogischen Ansatzes. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2005. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. 296 Seiten. ISBN 978-3-407-56260-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/2307.php, Datum des Zugriffs 09.09.2010.
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