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Gisela Clausen: Vorstands- und Gremienarbeit aktiv gestalten

Cover Gisela Clausen: Vorstands- und Gremienarbeit aktiv gestalten. Ein Praxishandbuch für die Arbeit in Vereinen und Verbänden. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2002. 164 Seiten. ISBN 978-3-407-36378-7. 22,90 EUR.

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Gremienarbeit bestimmt das (Vereins-)Leben

Statistisch ist jeder Deutsche in mehreren Vereinen Mitglied. Und jeder der rund 300.000 Vereine bedarf der Steuerung durch Gremien. Neben Vorstand und Mitgliederversammlung gibt es Kuratorien, Beiräte, Aufsichtsräte, Ausschüsse und mehr. Diese Gremien haben entscheidende, beratende oder kontrollierende Funktionen. Ehrenamtliche und Hauptamtliche verbringen zahlreiche Stunden in Sitzungen, deren Verlauf über die Zukunft des jeweiligen Vereins entscheidet. Das Vereinswesen hat weitreichende Bedeutung für die Freizeitgestaltung (z.B. Sport- und Kulturvereine) und für das Arbeitsleben. Alleine in der Wohlfahrtspflege sind rund eine Million Arbeitnehmer tätig.

Ein Praxishandbuch ...

Die Publikation deckt ein breites Spektrum von Fragestellungen ab: Gremiengröße, Besetzung, Aufgabenverteilung, persönliche Motive und Machtspiele sind nur einige Aspekte. Der Schwerpunkt liegt deutlich im Bereich Organisationspsychologie und -soziologie. Auch komplexe Entwicklungs- und Innovationsprozesse sowie Verfahren der Konfliktlösung werden angesprochen.

Betriebswirtschaftliche oder rechtliche Aspekte werden, wenn überhaupt, höchstens gestreift.

Die Autorin weiß, wovon sie schreibt. Sehr anschaulich wird die Lebenswelt von Vereinen dargestellt. Typische Spannungen, z.B. zwischen Ökonomie und sozialem Freiraum oder zwischen Ehren- und Hauptamt, werden anschaulich vorgeführt. Dabei helfen zahlreiche Praxisbeispiele und Schaubilder. Die folgenden Analysen und abgeleiteten Handlungsempfehlungen sind immer klar gegliedert. Checklisten behandeln u.a. die Zusammenarbeit von Vorstand und Gremien, die Planung von Meinungsbildungsprozessen oder die Gestaltung einer Fachtagung.

Breiten Raum nehmen Fragen der Kommunikation und Sozialpsychologie ein, z.B. Kommunikationsebenen im Vorstand und persönliche Rollen. Dabei bleibt die Darstellung immer verständlich und praxisbezogen. Jedes Kapitel ist eine reichhaltige Quelle für Anregungen, z.B. zum Einsatz einer Balanced Scorecard (ein Verfahren, mehrere Zieldimensionen ausbalanciert zu verfolgen) oder zur Notwendigkeit und Auswahl externer Beratung.

... von großer Nützlichkeit

Das Buch erscheint in der Reihe "Beltz Weiterbildung", die sich bereits durch zahlreiche empfehlenswerte Titel ausgezeichnet hat. Auch dieser Band macht einen soliden Eindruck. Die Autorin, Diplompsychologin, ist seit 20 Jahren als Organisationsberaterin und Trainerin freiberuflich in Profit- und Nonprofit-Unternehmen tätig. Die reichhaltige Erfahrung merkt man dem Buch deutlich an. Immer bleibt es anschaulich und offensichtlich auf die Vereinspraxis bezogen. Durch die vielen Beispiele und Zitate wird der Bezug zum eigenen Vereinsleben schnell hergestellt. Die Dichte an gut strukturierten Informationen und Anregungen ist sehr hoch.

Das Buch richtet sich an derzeitige oder künftige Mitglieder in Gremien, insbesondere im Vorstand. Diese erfahren (fast) alles, was sie zur guten Gremienarbeit wissen müssen.

Weiche und harte Faktoren?

Das Buch ist mehr ein Praxislesebuch als ein Praxishandbuch. Leider gibt es keinen Index, der einem auf die Schnelle zur richtigen Stelle führt. Wo stand noch mal etwas über externe Beratung? Die Breite der behandelten Themen führt zwangsweise dazu, dass die Autorin manches nur anreißen kann und die wichtigsten Aspekte behandelt. So werden z.B. verschiedene Vorstandskonstruktionen dargestellt, aber nicht umfassend hinsichtlich ihrer Eignung für unterschiedliche Anforderungen bewertet.

Die Beschränkung auf die "weichen" Faktoren der Gremienarbeit ist an einigen wenigen Stellen kritisch zu sehen. So führt die Autorin z.B. eine Gestaltungsvariante für den Vorstand auf, bei der die Geschäftsführung bei einem geschäftsführenden Vorstand liegt und der Gesamtvorstand eine beratende Funktion erhält (Seite 21). Im Vordergrund steht die berechtigte Frage nach einer funktionsfähigen Gremiengröße. Völlig außer Acht gelassen wird in der Darstellung die rechtliche Sicht, wonach der Gesamtvorstand nach dem BGB die Geschäfte im Auftrag der Mitglieder führt und für diese Geschäftsführung sowohl gegenüber den Mitgliedern wie auch nach verschiedenen Rechtsvorschriften in einigen Fällen gegenüber Dritten haftet. Gerade in der Zeit vermehrter Insolvenzen und der Diskussion über Risikomanagement und Haftung sollten die harten Fakten in einem Praxishandbuch für Vorstände nicht völlig ignoriert werden. Vielleicht finden diese Aspekte in einer zweiten Auflage Eingang.

Fazit

Für alle Personen, die aktiv in Vereinen und anderen Nonprofit-Organisationen tätig sind, ist das Buch nachdrücklich zu empfehlen. Mit sehr großer Praxis- und Fachkompetenz werden alle wesentlichen Aspekte des Gremien- und Vereinslebens anschaulich und differenziert dargestellt. Nicht die graue Theorie, sondern praktische, fundierte Empfehlungen stehen im Vordergrund. Für Fragen der Gremienstruktur und Aufgabenverteilung sollte unbedingt auf ergänzende Literatur zum Vereins-, Steuer- und Haftungsrecht zurückgegriffen werden.


Rezensent
Dipl.-Kfm. Christian Koch
Geschäftsführer der socialnet GmbH und selbständiger Unternehmensberater für Nonprofit-Organisationen
Homepage www.npoconsult.de
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Zitiervorschlag
Christian Koch. Rezension vom 07.01.2003 zu: Gisela Clausen: Vorstands- und Gremienarbeit aktiv gestalten. Ein Praxishandbuch für die Arbeit in Vereinen und Verbänden. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2002. ISBN 978-3-407-36378-7. Beltz Weiterbildung. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/238.php, Datum des Zugriffs 25.09.2016.


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