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Roswitha Jelley, Olivier M. Elmer: HOPE - handlungsorientierte Psychoedukation [...]

Cover Roswitha Jelley, Olivier M. Elmer: HOPE - handlungsorientierte Psychoedukation bei bipolaren Störungen. Ein Gruppentherapieprogramm zur Krankheitsbewältigung. dgvt-Verlag (Tübingen) 2004. 88 Seiten. ISBN 978-3-87159-358-1. 14,80 EUR.

Reihe: Materialie / Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie e.V., Tübingen - 58.

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Anwendungsbereiche für Psychoedukation

Im deutschsprachigen Raum wird Psychoedukation - neben Schizophrenie - am zweit häufigsten bei affektiven Erkrankungen durchgeführt. Lange Zeit existierten für diesen Indikationsbereich jedoch keine Manuale. Im Jahr 2003 wurde dann ein Manual zur Psychoedukation bei Depressionen (Pitschel-Walz et al. 2003) veröffentlicht und 2004 erschienen von zwei verschiedenen Arbeitsgruppen Manuale zur Psychoedukation bei bipolaren Störungen (Schaub et al. 2004; Wagner & Bräunig 2004). In diesem Jahr kam dann das Manual "HOPE" zur Handlungsorientierten Psychoedukation bei bipolaren Störungen von Jelley und Elmer (2005) dazu.

Überblick

Das Buch von Jelley und Elmer beginnt mit einem kurzen theoretischen Teil zum Multifaktoriellen Modell bipolarer Störungen und der Bedeutung von Psychoedukation. Anschließend werden das Konzept des Gruppenprogramms und sein Aufbau beschrieben, sowie Hinweise zur Benutzung des Manuals gegeben. Kernstück des Buches ist das eigentliche Manual, das auf 56 Seiten die praktische Durchführung der 13 vorgesehenen Gruppensitzungen beschreibt. Die zu vermittelnden Inhalte werden als Abbildungen dargestellt. Insgesamt sind 59 Abbildungen enthalten, die als Overheadfolien, Handouts oder Hausaufgabenblätter verwendet werden sollen. Zu einzelnen relevanten Punkten werden Formulierungsvorschläge für den Gruppenleiter in Kursivschrift angeboten. Danach folgt ein knappes Literaturverzeichnis. Im Anhang finden sich auf 4 Seiten der Fragebogen zur Erfassung bipolarer Störungen (FBS), sowie Hinweise zur Handhabung der beiliegenden CD-ROM, die Power-Point-Dateien mit den Arbeitsmaterialien enthält.

Zielgruppe

Das Manual wendet sich vorrangig an Ärzte und Psychologen, aber auch an alle weiteren Berufsgruppen, die sowohl in stationären als auch ambulanten psychiatrischen Einrichtungen tätig sind.

Informationen zum Psychoedukationsprogramm

Das Psychoedukationsprogramm selbst, das sich über 13 Gruppensitzungen (0-12) von je 1 Stunde Dauer erstreckt, ist in fünf Teile gegliedert.

  1. Teil 1 entspricht der Einführungssitzung (Sitzung 0).
  2. Bei Teil 2, der die 1. bis 3. Gruppensitzung umfasst, liegt der Schwerpunkt auf der Vermittlung von allgemeinen Informationen über Symptomatik, Krankheitsmodelle und Diagnosenstellung.
  3. Im Teil 3, der 4. bis 7. Gruppensitzung, geht es um die Vermittlung der Therapieformen (Psychotherapie, biologische Behandlungsverfahren mit Schwerpunkt Psychopharmakotherapie, Ergotherapie).
  4. Beim 4. Teil (Gruppensitzungen 8 bis 11) wird auf die Erarbeitung von Bewältigungsstrategien fokussiert (Früherkennung von Symptomen, Stressmanagement, Umgang mit Stigma).
  5. Der Teil 5 besteht aus der Abschlusssitzung (12. Gruppensitzung), in der ein Rück- und Ausblick erfolgt.

Jede einzelne Sitzung ist im Manual gesondert aufgeführt und folgt einer einheitlichen Gliederung:

  • Blitzlicht
  • Resümee der letzten Sitzung
  • Ziel der aktuellen Sitzung
  • Stoffsammlung auf der Grundlage der Hausaufgabe
  • Einordnung des Gesagten in ein multifaktorielles Krankheitsmodell
  • Zusammenfassung
  • Wiederholung der Ergebnisse durch die Teilnehmer
  • Ausblick auf die nächste Sitzung
  • Hausaufgabe und Handouts
Das Programm ist für offene Gruppen mit 2 Sitzungen pro Woche konzipiert und für Patienten in allen Phasen des Verlaufs geeignet.

Diskussion

Das knappe und praxisorientierte Manual ermöglicht psychoedukations- und/oder psychotherapieerfahrenen Psychologen und Ärzten eine rasche Orientierung und bietet gute Anregungen zur Durchführung der Patientengruppen.

Psychoedukationsunerfahrene brauchen sicherlich deutlich mehr Unterweisung z.B. im Rahmen von Ausbildungsworkshops zur interaktiven Gestaltung der Gruppensitzungen (Verhältnis emotionaler und informativer Anteile etc.) und zum sinnvollen Einsatz der Materialien (was ist unverzichtbar, was kann man ggf. weglassen, um eine Überforderung zu vermeiden?), sowie weitere Literatur zum Hintergrundwissen. Besonders für die "Psychoedukationsneulinge" wäre es hilfreich, wenn sich im Manual detailliertere Hinweise zum Ablauf und zu den Inhalten der einzelnen Gruppensitzungen fänden, da die Abbildungen nicht immer selbsterklärend sind und die Anleitungen sehr knapp gehalten sind.

Das Thema "Angehörigenarbeit" wird zwar kurz angesprochen, für die praktische Durchführung psychoedukativer Angehörigengruppen wäre jedoch ein eigenes Manual mit einer Anleitung für die Bearbeitung angehörigenspezifischer Themen (Wie gehe ich am besten mit meinem manischen Partner um? Wie kann ich selbst diese Zeit durchstehen? Was sage ich meinen Kindern? Wie komme ich an einen Betreuer? etc.) wünschenswert.

Fazit

Das Manual "HOPE - Handlungsorientierte Psychoedukation bei bipolaren Störungen" von Jelley & Elmer ergänzt die bereits bestehenden Materialien und bietet dadurch dem Praktiker eine weitere Unterstützung bei der Durchführung psychoedukativer Gruppen für Patienten mit bipolaren Störungen. Für erfahrene Profis, die sich zeitökonomisch auf die Gruppendurchführung vorbereiten wollen, ist dieses Manual eine durchaus brauchbare Alternative zu den anderen beiden, ausführlicheren Programmen.

Besonders positiv hervorzuheben ist der Kurztitel "HOPE", der dem wichtigen Anliegen der Psychoedukation, Hoffnung zu vermitteln, Rechnung trägt.


Rezensentin
Dr. rer. biol. hum. Gabi Pitschel-Walz
Psychologische Psychotherapeutin
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der TU München
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Zitiervorschlag
Gabi Pitschel-Walz. Rezension vom 01.11.2005 zu: Roswitha Jelley, Olivier M. Elmer: HOPE - handlungsorientierte Psychoedukation [...]. dgvt-Verlag (Tübingen) 2004. 88 Seiten. ISBN 978-3-87159-358-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/2446.php, Datum des Zugriffs 21.05.2012.


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