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Karl Lenz, Martin Rudolph u.a. (Hrsg.): Die alternde Gesellschaft

Cover Karl Lenz, Martin Rudolph, Ursel Sickendiek (Hrsg.): Die alternde Gesellschaft. Problemfelder gesellschaftlichen Umgangs mit Altern und Alter. Juventa Verlag (Weinheim) 1999. 307 Seiten. ISBN 978-3-7799-1306-1. 25,00 EUR.

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Bei dem Sammelband handelt es sich nicht – wie der Titel und mehr noch der Untertitel vermuten ließe – um eine politikwissenschaftliche Aufarbeitung der gesellschaftlichen (sozialpädagogischen, geriatrischen, sozialpolitischen, ökonomischen...) Reaktionen auf die alternde Gesellschaft, sondern eher um eine allgemeine Einführung in die Thematik des Alters und des Alterns. Es werden – bis auf wenige Ausnahmen wie den Aufsatz von Karl-Heinz Reuband über Kriminalitätsfurcht im Alter – kaum neue Forschungsergebnisse vorgestellt, sondern es werden überwiegend Erkenntnisse aus der einschlägigen Literatur zusammengetragen.

Der Sammelband besteht aus einer langen Einleitung (die ein Drittel des Gesamtvolumens einnimmt) und elf Aufsätzen, die verschiedene Facetten des Alter(n)s etwas intensiver beleuchten. Der rote Faden, der sich durch die Beiträge hindurchzieht, ist die besondere Berücksichtigung Ostdeutschlands, die in manchen anderen Büchern etwas zu kurz kommt.

Die Einleitung beginnt mit einem Datenüberblick zur Demographie, räsoniert über kulturelle Aspekte des Alter(n)s, diskutiert gerontologische Modelle und endet mit Lebenslageproblemen und sozialpolitischen Aspekten. Die Aufsätze beschäftigen sich teils mit konventionellen, teils mit originellen Aspekten des Alter(n)s: Mit Altern und sozialen Beziehungen, mit Altern als biographischem Prozeß, mit Großelternschaft, mit Frauen im Alter, mit kognitionspsychologischen Fragen, mit Gerontopsychiatrie, mit Körperlichkeit, mit Kriminalitätsfurcht, mit dem Frühruhestand, mit altersgerechtem Wohnen und mit sozialer Altenarbeit.

Die Methodologie der Beiträge ist höchst unterschiedlich. Teilweise handelt es sich um reine Literaturberichte, teilweise werden eigene empirische Primärerhebungen ausgewertet, teilweise wird aber auch belletristische Literatur anekdotisch dargestellt. Höchst unterschiedlich ist auch die Qualität der Beiträge. Es finden sich solide Überblicksartikel (die man auch in der Lehre verwenden kann) neben eher exotisch anmutenden Beiträgen aus kulturwissenschaftlicher Perspektive. Leider müssen auch einige Schwachstellen aufgezeigt werden: Drei Seiten zum Thema „Demenz“ sind definitiv zu wenig; die Lebenserwartung von Neugeborenen hat in einem gerontologischen Buch nichts zu suchen (sondern die fernere Lebenserwartung); und der Aufsatz zum „altersgerechtes Wohnen“ zeugt von absoluter Unkenntnis des Themas.

Insgesamt handelt es sich um einen eher mittelmäßigen Sammelband, der zwei bis drei interessante Aufsätze enthält, von denen zumindest einer (von Reuband) neue Erkenntnisse bietet, der allerdings in weiten Strecken auch weit hinter dem Stand der Forschung zurückbleibt.


Rezensent
Prof. Dr. Volker Eichener
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Zitiervorschlag
Volker Eichener. Rezension vom 01.11.2000 zu: Karl Lenz, Martin Rudolph, Ursel Sickendiek (Hrsg.): Die alternde Gesellschaft. Juventa Verlag (Weinheim) 1999. 307 Seiten. ISBN 978-3-7799-1306-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/26.php, Datum des Zugriffs 21.05.2012.


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