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Ulrich Janßen, Ulla Steuernagel (Hrsg.): Die Kinder-Uni. Forscher erklären die Rätsel der Welt

Cover Ulrich Janßen, Ulla Steuernagel (Hrsg.): Die Kinder-Uni. Forscher erklären die Rätsel der Welt. Drittes Semester. Deutsche Verlagsanstalt (München) 2005. 223 Seiten. ISBN 978-3-421-05867-6. D: 19,90 EUR, A: 20,50 EUR, CH: 35,50 sFr.

Mit Illustrationen von Klaus Ensikat.

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Neu und bewährt zum Dritten!

Fragen gibt es, die gibt es gar nicht? Kinderfragen sind legendär und für Erwachsene manchmal belustigend. Und sie machen nicht selten ratlos. Bei näherem Hinsehen jedoch kommt eine neue, eigentlich uralte Entdeckung zu Tage: "Werdet wie die Kinder", in eueren Fragen an euch und die Welt. Nicht "primitiv" in der interpretatorischen und überheblichen Erwachseneneinschätzung, sondern im Sinne von "urtümlich", was ja heißen kann: Zurück zu führen zum Verstehen!

Entstehungshintergrund

Das bewährte Team beim Schwäbischen Tagblatt in Tübingen und der kreative Buchillustrator, haben im Frühjahr 2002 damit begonnen, zusammen mit Wissenschafterinnen und Wissenschaftlern der Universität ihrer Stadt, eine Initiative in Gang zu setzen, die sich heute als "Kinder-Uni-Bewegung" nicht nur in Deutschland und Europa, sondern an vielen Hochschulstandorten in der Welt etabliert hat. Die vom Autorentrio aus den Vorlesungen an der Eberhard Karls Universität in Tübingen komprimierten und ergänzten Texte zu so ungewöhnlichen Fragen, wie "Warum stammt der Mensch vom Affen ab?" und "Warum sind die Dinosaurier ausgestorben?" (1. Semester, vgl. die Rezension), "Warum darf man Menschen nicht klonen?" und "Warum träumen wir?" (2. Semester, vgl. die Rezension), erfuhren bei den Hunderten von zuhörenden Kindern, wie in den Büchern ein bemerkenswertes Echo: Anerkennungen und Preise, Neuauflagen und Übersetzungen in mittlerweile zwölf Sprachen, darunter auch in Chinesisch. Die Homepage www.die-kinder-uni.de weist zahlreiche Initiativen von Hochschulen aus. Interessant an der Entwicklung ist, dass die einzelnen Kinder-Unis nicht einfach die Tübinger Idee nachahmen, sondern mit eigenen, kreativen Projekten erweitern, wie z. B. an der Universität Hildesheim, wo Vorlesungen und Kennen lernen der Hochschule im Inneren für Kinder miteinander verbunden werden, mit so handhabbaren und schmackhaften Angeboten, wie das Kinder-Uni-Frühstück.

Inhalt

Sieben Professoren und eine Professorin der Universität Tübingen bestritten 2004 die Kinder-Uni.

  • Die Archäologin Barbara Scholkmann fand die richtigen Worte und Bilder, um die jungen Zuhörer für die Frage zu interessieren: "Warum bauten die Ritter Burgen?" Ihr Unbehagen, dass vielfach in Geschichtsdarstellungen nur die Zeugnisse, Urkunden und heutigen Ruinen der Reichen und Mächtigen eine Bedeutung haben und kaum das Leben der einfachen Leute, der Bauern und Handwerker, das also, was man heute "Mentalitätsgeschichte" nennt, vermittelt sie den Kindern mit so überraschenden, aber (nicht nur) für Kinder interessanten Fragen, wie "Wo gingen die Ritter aufs Klo?", aber auch "Was kostete die Ausrüstung eines einzigen gepanzerten Reiters ... und Wer bezahlte das alles?"
  • Der 1961 in England geborene Physiker David Wharam wollte den Kindern sein Spezialgebiet, die Halbleiterphysik, mit seiner Frage nahe bringen: "Warum gibt es Blitz und Donner?" Die Jahrtausende alten Forscherfragen lassen sich, so zeigt es der Wissenschaftler den Kindern, in einfachen Experimenten erkennbar machen. Und die schwierigen aus der Nano-Physik? Auch auf die findet er Antworten, die die Kinder zum Weiterdenken anregen.
  • Der Psychologe Michael Diehl wollte eigentlich Verhaltensforscher werden. Aber er ist ein "Menschenversteher" geworden. Was so einer tut und womit er sich beschäftigt, hat er mit der Frage den Kindern näher gebracht: "Warum raufen Jungs und sind Mädchen zickig?" Seine provozierenden Fragen, was "Raufbolde" eigentlich sind und was "Zicken" regten die Kinder auf und an. Und die Behauptung, es gäbe ein "schwaches" und ein "starkes" Geschlecht, hat er in seiner Vorlesung ganz schön zurecht gerückt.
  • Was ist und was tut ein Zoologe? Hans-Ulrich Schnitzler (1939) hat sich auf Fledermäuse spezialisiert. Deshalb weiß er auf die Frage "Warum sehen Fledermäuse mit den Ohren?" auch die richtigen Antworten und er hat spannende Experimente parat, die es den Kindern ermöglichen, darauf selbst die Antwort zu finden.
  • Rainer Nagel beschäftigt sich mit so etwas Kompliziertem wie "Funktionsanalysis". Wer kann damit Kinder schon interessieren? Nun ja, mit seiner Frage "Warum können Mathematiker nicht rechnen?" erstaunt er erst einmal die Zuhörer. Kann es vielleicht sein, dass das von vielen Schülerinnen und Schülern unbeliebte Fach Mathematik doch Spaß macht? Waren Pythagoras und Adam Riese Riesen im Rechnen? Aber vielleicht funktioniert Mathematik tatsächlich so (einfach) wie ein Spiel!
  • Und was ist ein Germanistikprofessor? Hans-Georg Kemper fragt: "Warum erzählen wir Geschichten?" Und was sind überhaupt Geschichten? Was steckt davor und was dahinter? Schon sind wir bei der Sprache und den Sprachen in der Welt. Beim miteinander reden und sich verstehen. Beim Vortragen und beim Zuhören.
  • Der Kinderonkologe Dietrich Niethammer sagt von seinem Beruf: "Ich habe den schönsten Beruf der Welt". Mit der Frage "Warum können Ärzte heilen?" will er die Möglichkeiten der Medizin den Kindern verdeutlichen. Auch, was "Hippokratischer Eid" für Ärzte und Patienten bedeutet. Vom "Quacksalber" ist die Rede und vom Stab des Äskulap, dem Zeichen der Mediziner. Aber auch: "Die Ärzte können viel, aber sie können nicht jede Krankheit vermeiden helfen oder heilen".
  • Schließlich kommt der Sportwissenschaftler Helmut Digel zu Wort. Die Frage, die sicherlich viele Kinder schon bewegt hat - "Warum werden Sportler immer besser?" - ist für ihn eine nach dem Sinn des Lebens. Weder das bekannte Churchill-Wort "No sports" ist für den Sportwissenschaftler eine angemessene Antwort, noch die vielleicht sogar durch Dopingmittel hervorgerufenen sportlichen Höchstleistungen einiger Weniger. Vielmehr gilt die Erkenntnis: Spitzensportler werden durch den Sport manchmal eher krank als gesund und fit. Und: Sport treiben will gelernt und geübt sein.

Weitere Aussichten und Hoffnungen

Die Kinder-Uni vom 26. 4. bis 5. 7. 2005 ist an der Universität Tübingen bereits annonciert. Dabei geht es um so spannende Fragen wie "Warum kann man Gedanken lesen?", "Warum streiten sich Religionen?", "Warum schwebt der Astronaut in einer Raumstation?" und andere. Die Herausgeber der bisherigen Bücher "Die Kinder-Uni" werden (sollen!) auch darüber ein Buch vorlegen, damit Kinder angeregt werden, Fragen zu stellen und Antworten darauf zu bekommen, die sie verstehen. Interessant auch der Aspekt, den das Herausgeberteam im Vorwort formuliert: "An den Kinder-Unis wächst und gedeiht das Wissen, und es blüht die Phantasie - nicht nur bei den Kindern, sondern auch bei den Professoren". Und: Es ist zu hoffen, dass die Ergebnisse und Erfahrungen, die sich aus den vielfältigen Initiativen der Kinder-Unis ergeben, Auswirkungen auf die curriculare und methodische Lernarbeit in den Schulen haben und die nicht wenigen Lehrerinnen und Lehrer bestätigen, die sich darum bemühen, die zu vermittelnden kognitiven und emotionalen Lerninhalte an die Schülerinnen und Schüler altersgemäß zu vermitteln. Auch: Dass Kinder und Jugendliche erkennen, dass Lernen und sich mit den vielfältigen Fragen in unserer Welt auseinander zu setzen, Spaß macht.


Rezensent
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 17.05.2005 zu: Ulrich Janßen, Ulla Steuernagel (Hrsg.): Die Kinder-Uni. Forscher erklären die Rätsel der Welt. Deutsche Verlagsanstalt (München) 2005. 223 Seiten. ISBN 978-3-421-05867-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/2723.php, Datum des Zugriffs 21.05.2012.


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