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Franz Ruppert: Berufliche Beziehungswelten

Cover Franz Ruppert: Berufliche Beziehungswelten. Das Aufstellen von Arbeitsbeziehungen in Theorie und Praxis. Carl-Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2001. 255 Seiten. ISBN 978-3-89670-191-6. 23,00 EUR.

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Das Thema

Szenische Verfahren zur Analyse und Verbesserung von Arbeitsbeziehungen und Organisations-Strukturen haben derzeit Konjunktur. Mit "Berufliche Beziehungs-welten" stellt Franz Ruppert dazu eigene Modelle und Erfahrungsberichte vor.

Der Autor/ der Hintergrund

Franz Ruppert lehrt als Professor für Psychologie im Studienfach Soziale Arbeit an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München. Zusätzlich ist er als Psychologischer Psychotherapeut, Unternehmensberater und Supervisor in eigener Praxis tätig.

Bereits während seines Studiums lag Rupperts Schwerpunkt auf der Organisationspsychologie. Durch eigene Familienaufstellungserfahrungen angeregt integriert Ruppert seit Mitte der 90er Jahre Elemente von Familienauf-stellungen in der Tradition Hellingers und Organisationsaufstellungen nach Gunthard Weber mit seiner Arbeit an der Hochschule und in Betrieben.

Aus dieser Arbeit heraus hat Ruppert eigene Modelle entwickelt, die er in diesem Band vorstellt und mit Fallbeispielen dokumentiert.

Der Inhalt

Zunächst stellt Franz Ruppert seinen speziellen theoretischen Hintergrund und seinen persönlichen Bezug zum Thema vor.

Er entwickelt einen interessanten eigenen Ansatz, der Erkenntnisse und Postulate der humanistischen Organisationspsychologie mit den normativen Aussagen der Hellinger’schen Aufstellungstheorie verbindet.

Dabei besteht für Ruppert die Brücke in einem "Bindungssinn", der als Basis für das soziale Agieren von Menschen auch in der Arbeitswelt zum Wirken kommt. Dieser "Bindungssinn" ist es auch, der aus Rupperts Sicht das empathische Erleben in Aufstellungen ermöglicht.

Eine weitere wertvolle Erkenntnisquelle ist für Ruppert die Trauma-Forschung, denn auch im Arbeitsbereich bringen Aufstellungen häufig unbewältigte Traumata Einzelner oder ganzer Organisationseinheiten ans Licht. Da Ruppert zahlreiche Aufstellungen mit Sicherheits-Fachkräften aus unfallgefährdeten Betrieben gemacht hat, erscheint dieser Akzent besonders verständlich.

Analog zu Hellingers Ordnungssystemen benennt Ruppert dann die aus seiner Sicht für die Arbeitswelt gültigen Ordnungs- und Hierarchie-Kategorien wie Vorrang der höheren Hierarchieposition und der längeren Betriebszugehörigkeit. Danach entwickelt er grundlegende Arbeitsziele seiner Aufstellungen und stellt seine eigenen Modelle und Arbeitsansätze für die Arbeit in Gruppen und mit Einzelnen vor.

Wie im Grossteil der Literatur zu Organisationsaufstellungen beschränkt sich auch Ruppert in der Regel auf Arbeitsbeziehungsaufstellungen in Gruppen mit supervisorischem oder Welterbildungs-Charakter, in denen Menschen aus unterschiedlichen Betrieben zur gemeinsamen Supervision oder Fortbildung zusammenkommen. Aufstellungs-Arbeit direkt innerhalb von Unternehmen und Organisationen, in denen die Mitglieder einer Aufstellungsgruppe gleichzeitig Kollegen und Kolleginnen sind, birgt aus Rupperts Sicht viele Gefahren und ist — wenn überhaupt — sehr vorsichtig anzugehen. In Modellen und Beispielen wird dieser Bereich nur sehr kurz angerissen.

Die Nutzung der Aufstellungs-Dynamik für Supervision und Coaching von Einzelnen findet dagegen breiter Raum und der Band enthält dazu manch neue Anregung, die sich bisher in der Literatur nicht findet.

Alle Fallbeispiele illustriert Ruppert mit einfachen, aber eingängigen grafischen Darstellungen. Die Fallbeispiele sind spannend zusammengefasst und lebendig dokumentiert. Sie geben einen guten Einblick in die tatsächliche Arbeit Rupperts und enthalten zahlreiche Anregungen, die über die Theorie-Kapitel hinausweisen.

Zielgruppen

Empfehlenswert für OrganisationsberaterInnen und Coachs, die mit Aufstellungen arbeiten möchten, aber auch für LeiterInnen von Supervisionsgruppen, z.B. zum Anerkennungsjahr in der Sozialen Arbeit, die dieses Medium für ihre Supervisionsgruppen nutzen möchten.

Fazit

Ein erfrischendes Buch in der Tradition heutiger Organisationsaufstellungen mit innovativen eigenen Impulsen Rupperts und spannenden Falldokumentationen.


Rezensentin
Prof. Dr. Lilo Schmitz
FH University of Applied Sciences Düsseldorf, Lehrgebiet Methoden der Sozialarbeit am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkt "Beruf und Burnout-Prävention"
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Zitiervorschlag
Lilo Schmitz. Rezension vom 30.06.2002 zu: Franz Ruppert: Berufliche Beziehungswelten. Carl-Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2001. 255 Seiten. ISBN 978-3-89670-191-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/275.php, Datum des Zugriffs 21.05.2012.


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