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Verband binationaler Familien und Partnerschaften iaf e.V. NRW (Hrsg.): WeltkinderSpiele – Interkulturelle Materialien und Ideen [...]

Cover Verband binationaler Familien und Partnerschaften iaf e.V. NRW (Hrsg.): WeltkinderSpiele – Interkulturelle Materialien und Ideen für den Alltag mit Kindern. Verband binationaler Familien und Partnerschaften iaf e.V. NRW (Bonn) 2005. 134 Seiten. 10,00 EUR.

Preis zuzüglich Versandkosten. Bestellungen über iaf, Thomas-Mann-Str. 30, 53111 Bonn, www.verband-binationaler.de.


Wie wird man ein Weltkind?

Die Vokabel "Welt(en)kind" wird in der realen und virtuellen Diskussion arg strapaziert. Bei der Versicherung, was "Weltkind" denn heute bedeuten könnte, hilft weder eine Replik auf die schöngeistige, deutsche Literatur weiter, noch die mittlerweile virtuelle Inbesitznahme. Die Suchmaschine weist z. B. auf 126 Seiten die merkwürdigsten Begriffszusammenhänge aus, von "Weltkinder-Jeans" bis zu dubiosen spirituellen Aufrufen. Am seriösesten ist immer noch der Zugang, wie ihn das "Weltkinder"hilfswerk der Vereinten Nationen, UNICEF, anbietet: Kinderrechte sind Menschenrechte, überall in der Welt. Soweit die Vorrede zu einer interessanten Initiative.

Bei einem Designerwettbewerb ist ein schöner Blickfang entstanden, mit vielen verschiedenen, bunten Kindergesichtern und dem Spruch: "Kinder kämen nie von alleine auf die Idee, einander wegen ihrer Hautfarbe zu hassen". Der Verband binationaler Familien und Partnerschaften (iaf), Frankfurt/M., setzt sich mit vielfältigen Initiativen für eine Erziehung von Kindern dafür ein, "einander auf gleicher Ebene zu begegnen, gemeinsame Interesse zu entdecken und die Vielfalt der Menschen, ihrer Fähigkeiten, Kenntnisse und Lebensformen als Bereicherung wahrzunehmen". Weil die Wirklichkeit in unserer multikulturellen Gesellschaft vielfach anders aussieht. Besonders Menschen, die in binationalen Zusammenhängen leben, haben viel Erfahrung mit Außenseiterpositionen und ihrem Hin- und Hergerissensein zwischen verschiedenen Kulturen. Für die Herkunftsseite sind sie "fremd gegangen", haben also durch das Zusammenleben und die Kontaktaufnahme mit Menschen anderskultureller Herkunft die eigene soziale, kulturelle und religiöse "Heimat" verlassen. Die andere empfindet sie als "Eindringlinge". Fremde auf beiden Seiten (vgl. dazu auch die Rezension des Buches "The BlackBook. Deutschlands Häutungen). Der Zwiespalt stellt sich, in erster Linie für die "Außenstehenden", bei bikulturellen Familien und Partnerschaften dar. Während seitens des gesellschaftlichen Umfeldes solche Familien als "Problempartnerschaften" eingeschätzt werden, mit der absurden Notwendigkeit, dass die Familien in der Öffentlichkeit gezwungen werden, ihre Situation, ihr Leben, ihr Glück und ihre Zufriedenheit zu rechtfertigen; andererseits wird in Analysen und hehren programmatischen Erklärungen immer wieder betont, dass bikulturelle Familien beispielhaft für das Bemühen um Toleranz beim Zusammenleben der Menschen sein können: Menschen in bikulturellen Beziehungen sind eher bereit, das `Anderssein` des Anderen anzunehmen (vgl. dazu die österreichische Fraueninitiative Bikulturelle Ehen und Lebensgemeinschaften, FIBEL, www.verein-fibel.at).

Entstehungshintergrund

Der Verband binationaler Familien und Partnerschaften (iaf) vertritt seit 1972 die Interessen von binationalen Familien und Paaren. Der Verein engagiert sich in mehr als 30 regionalen Gruppen im In- und Ausland "für die soziale und rechtliche Gleichstellung von Menschen ungeachtet ihrer Hautfarbe oder kulturellen Herkunft". Die Landesgeschäftsstelle in NRW hat, gefördert von der Nordrhein-Westfälischen Stiftung für Umwelt und Entwicklung, ein Projekt gestartet, bei dem in einer Ausstellung interkulturelle Spielmaterialien präsentiert werden. Dazu hat das Autorenteam Mechthild Kleine-Salgar, Anya Sachsenmeier, Marlies Wehner und Tharangini Sriharan das Handbuch "WeltkinderSpiele" heraus gebracht.

Inhalt

Die Aufforderung zum Blick- und Perspektivenwechsel richtet sich dabei an alle in unserer multikulturellen Gesellschaft. Besonders die dabei formulierten "Prinzipien für den veränderten Kinderalltag" sind geeignet, den gesellschaftlichen Diskurs zu beleben:

  • Individualität - Gleichwertigkeit: "Jeder Mensch ist etwas Besonderes!"
  • Positive Identität: "Ich bin okay, so wie ich bin!"
  • Wertschätzung: "Was ich mitbringe, ist wichtig!"
  • Repräsentant: "Bei uns findet jeder ein Stück zu Hause!"
  • Die heimlichen Botschaften erkennen: "Was andere verletzt, ist nicht harmlos!"
  • Den Blickwinkel ändern: "Meine Sicht ist nur eine von vielen!"
  • Gemeinsamkeiten entdecken: "Wenn wir zusammen spielen und lernen, finden wir vieles, was zwischen uns ähnlich ist!"
  • Solidarität fördern: "Wir halten zusammen und können uns wehren!"

Durch Beispiele wird alltäglicher Rassismus und vielfach unbewusster und unreflektierter Diskriminierung bewusst gemacht; Spielsachen und Spiele werden vorgestellt und beschrieben; wertvolle Kinderliteratur wird empfohlen. Und Lernmaterialien zur Förderung der Mehrsprachigkeit werden präsentiert. In so etwas wie einer "Elternschule" werden Argumente und Beispiele aufgeführt, wie sich Erwachsene dafür einsetzen können, dass alle unsere Kinder Weltkinder werden können.

Fazit

Die Initiative des iaf zeigt, was mit einer "professionellen Ehrenamtlichkeit" möglich ist, um ein friedfertiges, gerechtes, demokratisches und humanes Zusammenleben in unserer multikulturellen Gesellschaft in der EINEN WELT zu schaffen. Indem wir ganz konkret bei uns anfangen, bei unseren Alltagssituationen, in der Familie, Schule und im Freundeskreis, spielend und denkend. Deshalb sollte das Handbuch parat sein, vielleicht sogar zusammen mit der Ausstellung.


Rezensent
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 31.05.2005 zu: Verband binationaler Familien und Partnerschaften iaf e.V. NRW (Hrsg.): WeltkinderSpiele – Interkulturelle Materialien und Ideen für den Alltag mit Kindern. Verband binationaler Familien und Partnerschaften iaf e.V. NRW (Bonn) 2005. Preis zuzüglich Versandkosten. Bestellungen über iaf, Thomas-Mann-Str. 30, 53111 Bonn, www.verband-binationaler.de. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/2762.php, Datum des Zugriffs 27.03.2017.


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