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Wolfgang Ritscher: Systemische Modelle für die Soziale Arbeit

Cover Wolfgang Ritscher: Systemische Modelle für die Soziale Arbeit. Ein integratives Lehrbuch für Theorie und Praxis. Carl-Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2002. 381 Seiten. ISBN 978-3-89670-225-8. 39,90 EUR, CH: 67,00 sFr.

Vorwort von Helm Stierlin.

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Das Thema

Systemische Therapie- und Beratungsmodelle, besonders diejenigen in der Tradition der Familientherapie, haben großen Einfluss auf die aktuelle Ausbildung und Praxis der Sozialen Arbeit. Besonders in Beratungsstellen, zunehmend auch bei aufsuchender Arbeit mit mehrfach belasteten Familien (z.B. SPFH) und anderen ambulanten Hilfen nach dem KJHG arbeiten Fachkräfte nach dem systemisch-familientherapeutischen Paradigma.

Dafür steht zumeist psychologisch-therapeutische Fachliteratur zur Verfügung, die auf Ausbildung und Alltagshandeln in der Sozialen Arbeit erst übertragen werden muss. Amerikanische Lehrbücher leisten diesen Transfer häufiger (s. z.B. die Rezension des Buchs von Insoo Kim Berg und Susan Kelly über Kinderschutz und Lösungsorientierung), gehen aber von US-amerikanischen Vorschriften und Gesellschaftsstrukturen aus.

Wolf Ritscher hat ein Lehrbuch verfasst, das systemische Beratungs- und Handlungsmodelle direkt für die deutschsprachige Soziale Arbeit aufbereitet und in deren professionellen Rahmen einbettet.

Der Autor/ der Hintergrund

Wolf Ritscher lehrt als Professor für Psychologie mit Schwerpunkt Klinische Psychologie, Familientherapie und Familiensozialarbeit an der Hochschule für Sozialwesen Esslingen. Neben seinen therapeutischen und familien-therapeutischen Schwerpunkten ist und war er auch im Bereich der politischen Bildung aktiv.

Der Inhalt

Zunächst stellt der Autor systemische Metatheorie, ihre Vordenker und ihre Wurzeln vor.

Danach geht er unter dem Titel "Soziale Kontexte der systemischen Arbeit mit Familien" auf das traditionelle ökosoziale Paradigma in der Sozialen Arbeit ein, das - von Uri Bronfenbrenners Systemebenen-Modell inspiriert - auch heute praktische Impulse für die Soziale Arbeit gibt.

In seinem Kapitel "Schritte zu einer systemisch begründeten Sozialen Arbeit" beschäftigt sich Ritscher dann aus systemischer Sicht mit zahlreichen Themen, die in der heutigen Sozialarbeitswissenschaft und der Praxis Sozialer Arbeit diskutiert werden. Schwerpunkte sind u.a.:

  • Lebenslagen und Handlungsspielräume
  • Alltag und Lebenswelt
  • Soziale Netzwerke
  • Soziale Probleme
  • Ressourcen und Coping-Strategien
  • Partizipation und Empowerment
  • Auftragsorientierung und AuftraggeberInnen
  • Qualitätssicherung.

Unterstützung holt sich Ritscher bei Werner Müller, der für ihn als Co-Autor die Kapitel über Gemeinwesenarbeit und Arbeit in Sozialen Organisationen schreibt (S. 217-229). Damit unterstützt er Ritschers Arbeitsanliegen, das psychologische und familientherapeutische Setting mit der aktuellen Diskussion einer durchaus gesellschaftskritischen Sozialarbeit zu verbinden.

In einem 6. Kapitel gibt Ritscher dann einen Überblick über "Systemische Handlungsrichtlinien und Methoden für die Soziale Arbeit". Hier findet die Leserin und die interessierte Studentin noch einmal kurz und prägnant klassische und neue Methoden und Formen systemisch-methodischen Handelns und grundlegende systemische Beratungsstrategien vereint dargestellt.

Im Ganzen wird das Buch seinem Anliegen gerecht, familientherapeutisch-systemische Tradition und gesellschaftskritische Sozialarbeit zusammen zu führen.

Hierbei ist der Autor einer ganz bestimmten systemischen Tradition verpflichtet:

Im Rahmen der großen Bandbreite systemischer Ansätze favorisiert Ritscher eher die Position von Habermas als die von Luhmann und auch im Rahmen der Sozialarbeitswissenschaft schließt er sich den eher kritischen Positionen von Staub-Bernasconi an.

Zielgruppen

Für systemisch ausgerichtete Lehrende des Lehrgebietes Psychologie an Fachhochschulen für Sozialwesen unbedingt, für alle anderen dort Lehrenden und für Studierende sehr empfehlenswert. Das Buch sollte in mehreren Exemplaren die Lehrbuchsammlung an Fachhochschulen bereichern! Auch für klinische Psychologen, die sich im Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit bewegen (z.B. bei der aufsuchenden Familientherapie).

Fazit

Ein Lehrbuch, das systemisch-therapeutische Ansätze mit beruflicher Identität und methodischem Handeln in der Sozialen Arbeit verbindet. Ich möchte es uneingeschränkt empfehlen.


Rezensentin
Prof. Dr. Lilo Schmitz
FH University of Applied Sciences Düsseldorf, Lehrgebiet Methoden der Sozialarbeit am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkt "Beruf und Burnout-Prävention"
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Zitiervorschlag
Lilo Schmitz. Rezension vom 22.06.2002 zu: Wolfgang Ritscher: Systemische Modelle für die Soziale Arbeit. Carl-Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2002. 381 Seiten. ISBN 978-3-89670-225-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/277.php, Datum des Zugriffs 21.05.2012.


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