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Michael Yapko: S.O.S. Depression

Cover Michael Yapko: S.O.S. Depression. Schnelle Hilfe für Betroffene. 70 Fragen und Antworten. Carl-Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2002. 116 Seiten. ISBN 978-3-89670-272-2. 9,95 EUR, CH: 18,00 sFr.

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Das Thema

Mit seinem kleinen Band will Michael Yapko Menschen weiterhelfen, die selbst oder als Angehörige von Depression betroffen sind.

Der Autor / der Hintergrund

Michael Yapko ist klinischer Psychologe und arbeitet in Kalifornien als Einzel-, Paar- und Familientherapeut.

Der Carl-Auer-Systeme Verlag veröffentlicht den Band von Yapko in einer Reihe mit handlichen Bändchen, die Hilfen zur Selbsthilfe geben wollen.

Der Inhalt

Yapko unterteilt seinen kleinen Band in 7 grössere Abschnitte:

I. Allgemeine Fragen

II. Zur biologischen Erklärung und medikamentösen Behandlung

III. Psychotherapie

IV. Die soziale Seite der Depression

V. Familie und Depression

VI. Depression bei Kindern und Jugendlichen

Zu den einzelnen Oberthemen referiert Yapko jeweils häufig gestellte Fragen von Betroffenen und Angehörigen und beantwortet diese aus Sicht der Medizin und psychologischen Psychotherapie.

Ein paar Beispiele aus dem Fragenkatalog:

Wie wird eine Depression diagnostiziert?

Welches sind die häufigsten Symptome einer Depression?

Machen Antidepressiva süchtig?

Woher weiss ich, ob mein Kind depressiv ist oder "einfach nur eine Entwicklungsphase durchmacht"?

Wie geht man mit einem depressiven Angehörigen um?

Yapkos Antworten sprechen in der Regel für Zurückhaltung und Augenmass. Er klärt sachlich und in einfachen Worten über den heutigen Forschungs- und Behandlungsstand auf und rät durchweg, vertrauensvolle Fachleute zu finden und zu Rate zu ziehen. Depression ist für ihn ein multifaktorielles Geschehen, das biologisch-chemische, soziale und individuelle Ursachen haben und sowohl mit Medikamenten als auch durch Psychotherapie behandelt werden kann. Eine Psychotherapie hält Yapko auch dann für sinnvoll und notwendig, wenn die Symptome einer Depression abgeklungen sind, um einem Rückfall vorzubeugen. Im breiten Spektrum der möglichen Psychotherapien setzt sich Yapko für zielorientierte und kurze Verfahren ein, die er auch selbst vertritt.

Zu diesem insgesamt positiven Eindruck kommen allerdings einige Einschränkungen, die vielleicht in der lockeren US-amerikanischen Tradition begründet sind, in der das Bändchen angesiedelt ist:

Yapko berücksichtigt alle schulmedizinischen Richtungen, was in einigen Fällen zu eher schwammigen oder widersprüchlichen Aussagen führt.

Demgegenüber sind andere Aussagen in ihrer Eindeutigkeit wieder sehr gewagt. Hier zwei Beispiele:

"7. Kann der Konsum von Alkohol oder Partydrogen eine Depression verursachen oder komplizieren?" Antwort: "Ja. Alkohol...."

"62. Erhöhte eine Scheidung der Eltern die Anfälligkeit von Kindern für Depressionen?" Antwort: "Ja. Trotz der ..."

Eine weitere Einschränkung sehe ich darin, dass Yapko sich wenig Gedanken über die mögliche Stigmatisierung durch psychiatrische Behandlungen macht. So rät Yapko Eltern, die Rückzug und fehlende Freude bei ihren Kindern beobachten, ihr Kind einem "fachkundigen Nervenarzt" vorzustellen, statt den Besuch einer pädagogischen Erziehungsberatung vorzuschlagen.

Zielgruppen

Yapkos Bändchen ist für Menschen gedacht und aus meiner Sicht auch geeignet, die wegen einer Depression Hilfe suchen und sich zunächst orientieren möchten. Angehörige, die sich mit Depression in ihrem Umfeld auseinandersetzen möchten, finden hier ebenfalls kurze und prägnante Informationen, die eine erste Orientierung geben.

Fazit

Die Bezeichnung "Selbsthilfebuch" auf dem hinteren Buchumschlag ist m.E. irreführend. Depression ist für Michael Yapko ein viel zu ernstes Thema und gehört als Krankheit in die Hände von Fachleuten. Sein Band gibt eher eine erste Orientierung zum Thema und zum derzeitigen Stand der professionellen medizinischen und psychotherapeutischen Hilfsmöglichkeiten bei Depressionen.

Dieser Leitfaden kann mit den genannten Einschränkungen aus meiner Sicht Betroffenen und Angehörigen den Weg zu gelungener professioneller Hilfe ebnen.


Rezensentin
Prof. Dr. Lilo Schmitz
FH University of Applied Sciences Düsseldorf, Lehrgebiet Methoden der Sozialarbeit am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften
Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkt "Beruf und Burnout-Prävention"
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Zitiervorschlag
Lilo Schmitz. Rezension vom 07.01.2003 zu: Michael Yapko: S.O.S. Depression. Carl-Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2002. 116 Seiten. ISBN 978-3-89670-272-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/278.php, Datum des Zugriffs 21.05.2012.


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