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Kai Lehmann, Michael Schetsche (Hrsg.): Die Google-Gesellschaft. Wissen im 21. Jahrhundert

Cover Kai Lehmann, Michael Schetsche (Hrsg.): Die Google-Gesellschaft. Wissen im 21. Jahrhundert. transcript (Bielefeld) 2005. 408 Seiten. ISBN 978-3-89942-305-1. 26,80 EUR, CH: 46,90 sFr.

Mit Beiträgen von Christian Arns, Jan-Mark Batke, Markus Beckedahl, Helga Böhm, Nina Degele, Markus Deggerich, Hannes Diedrich, Christine Dietmar, Michael Domsalla, Nicola Döring, Alexandra Hein, Katja Hoffmeister, Ingrid Kamerbeek, Alexandra Klein, Thomas Krug, Rainer Kuhlen, Kai Lehmann, Monika Lenhard, Bö Lohmöller, Beatrice Lüttcher, Marcel Machill, Stephan Moebius, Erik Möller, Katja Mruck, Dieter Müller, Frieder Nake, Marc Neller, Christoph Neuberger, Oliver Passek, Klaus Patzwaldt, Thea Payome, Christine Plass, Sandra Pöschl, Birgit Richard, Petra Risau, Martin Röll, Judith Roth, Florian Rötzer, Wolfgang Sander-Beuermann, Andreas Schelske, Michael Schetsche, Holger Schilp, Christian Schlieker, Jan Schmidt, Wiebke Schodder, Christiane Schulzki-Haddouti, Martin Schumacher, Hendrik Speck, Frédéric Philipp Thiele, Natascha Thomas, Jochen Wegner, Peter Wippermann, Benjamin Wischer & Oliver Zendel.
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Neue Wissensordnung mit Google

Wer etwas wissen will, kann zum Lexikon greifen - oder mal eben "googeln". Weil die Internet-Suchmaschine "Google" so häufig genutzt wird, hat das Verb "googeln" bereits in den Duden Einzug gehalten und bedeutet "Internetrecherchen mithilfe einer Suchmaschine durchführen".

Weil das Googlen immer wichtiger wird, ist es aus Sicht von Michael Schetsche und Kai Lehmann auch Bestandteil unserer neuen Wissensordnung. Das von beiden herausgegebene, im Mai 2005 erschienene Buch "Die Google-Gesellschaft" stellt laut Klappentext eine "aktuelle Bestandsaufnahme der verschiedenen Dimensionen der internetbasierten Wissensgesellschaft dar".

Michael Schetsche ist promovierter Soziologe und hat unter anderem einen Lehrauftrag an der Universität Freiburg. Kai Lehmann ist Soziologe und PR-Redakteur. Beide kennen sich durch ihre gemeinsame Tätigkeit an der Universität Bremen, aus der bereits Buchprojekte entstanden, die als innovative und wegweisende Beiträge der Mediensoziologie bezeichnet werden.

Zum Inhalt

Kritisch-informativ schildern die Autorinnen und Autoren wie sich die Welt mit und im Web aus Perspektive der Sozialwissenschaften verändert. Überraschend ist die thematische Bandbreite, die auch Politik, Bildung, Medien, Wirtschaft und Kunst einschließt.

Der Reihe nach: Zunächst stellen die Herausgeber zusammen mit Thomas Krug zur Einführung "Zehn Prinzipien der neuen Wissensordnung" vor. Das erste Prinzip lautet dabei "Suchmaschinen sind der zentrale Einstiegspunkt ins Netz. Sie entwickeln sich zwischen Mensch und Information." (S. 20).

Die folgenden 49 Essays und Interviews wurden in zehn Abschnitte geordnet. Sie tragen die Überschriften

  • "Die Google-Gesellschaft. Vom Digitalen Wandel des Wissens",
  • "Neue Wissenswelten. Vom Suchen und Finden",
  • "Weltbilder virtuell. Politik und Gegenöffentlichkeit",
  • "E-Rights. Bürgerrechte in der Informationsgesellschaft",
  • "Wa(h)re Information. Die Ökonomie des Wissens.",
  • "Orientierungsmaschinen. Massenmedien online",
  • "Gut aufgehoben? Virtuelle Wissensnetze",
  • "Von der Information zum Wissen. Digitale Lernprozesse",
  • "The New Frontier. Wissen in einer neuen Welt" und
  • "Bilder-Wissen. Die Macht der Oberflächen."

Die Beiträge greifen also ganz unterschiedliche Aspekte rund um die Nutzung des Internets auf. Angesichts ihrer großen Anzahl sind die folgenden Hinweise als Beispiele, vielleicht "Appetitmacher", zu betrachten:

Dass Google als profitorientierte Suchmaschine gar keine objektiven Suchergebnisse liefern kann, zeigen Hendrick Spreck und Frédéric Philipp Thiele im Beitrag "Google, Gossip & PR-ostitution". Wie Suchmaschinen genau funktionieren, legen sie meist nicht offen; was warum gefunden und als "Treffer" angeboten wird, bleibt weitgehend im Reich der Spekulation. Wolfgang Sander-Beuermann fordert den freien Wissenszugang und bringt daher eine öffentlich-rechtliche Suchmaschine ins Gespräch. Und falls Sie auch schon einmal darüber gestolpert sind, dass Ihr Nachrichtenblatt auf Google-Recherchen verweist: Jochen Wegner illustriert amüsant die "Googelisierung der Medien" durch solche Zitate aus Printzeitschriften.

Neben den Beiträgen, die sich speziell mit Google beschäftigen, gibt es noch eine ganze Reihe nicht minder interessante Beiträge aus ganz unterschiedlichen Bereichen:

  • Nina Degele erörtert beispielsweise, welche Kompetenzen im Internet wichtig sind. Angesichts von Spam und Informationsdschungel überrascht es kaum, dass sie auch "Kommunikation und Informationen abwehren" als eine wichtige Kompetenz betrachtet.
  • Christoph Neuberger beschreibt in seinem Beitrag das Ende des "Gatekeeper"-Zeitalters des traditionellen Journalismus: Dass John Kerry bei den letzten US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen John Edwards als seinen Vize aufstellte, konnte zuerst in einem Weblog gelesen werden.
  • Das Internet verändert auch Arbeitsorte von Sozialpädaogen: Wer Jugendliche beraten will, muss sie in ihrer Lebenswelt "abholen", also zum Beispiel nach Alexandra Klein einen "Sorgenchat" zur Verfügung stellen.
  • Und dann gibt es tatsächlich auch schon Suchmaschinen, die den Titel eines Musikstücks finden, von dem man die Melodie in das Mikrofon gesummt hat (Jan-Mark Bartke).
  • Wer sich bis gerade gedacht hat: "Nun ja, das mag ja sein, aber betrifft das mich?" sollte den Beitrag von Christian Arns lesen: Denn wer online ist, hinterlässt Spuren - die manchmal zu unliebsamen Folgen bei potentiellen Arbeitgebern oder Versicherungen führen können. Und Sie werden dann vielleicht Ihren eigenen Namen oder Ihre E-Mail-Adresse in eine Suchmaschine tippen und sich darüber Gedanken machen, was andere über die "Treffer" denken.

Mehr hier:

Auf der Website www.google-gesellschaft.de sollen zukünftig Texte, Interviews und Diskussionen das Buch ergänzen und aktualisieren. Hier findet sich auch das Inhaltsverzeichnis und Informationen zu Presseterminen der Herausgeber.

Fazit: Spannend - Kritisch - Informativ

Die deutschsprachige, kritisch-sozialwissenschaftlichen Literatur zur Internet ist recht übersichtlich. Dieses Buch ist als ein vielseitiges, facettenreiches, aktuelles Werk zu den Anforderungen und Auswirkungen von Internet, Google und Co. höchst willkommen. Das Internet nutzen, sollte man als Leser auf alle Fälle: Technisches Wissens ist zwar nicht von Nöten, Suchmaschinen sollte man aber schon bedient haben und über Begriffe wie "Weblog" und "Spam" sollte man auch nicht stolpern.

Mit seiner ansprechenden, essayistischen Form ist das Buch kritisch-informativ, selten tröge, stellenweise amüsant und verblüffend - und ist aus meiner Sicht für jeden Internetnutzer empfehlenswert. Nicht zuletzt internetaffine Sozialarbeiter, die sich in ihren sozialpädagogischen Bemühungen an der "Idee der Freiheit des Menschen in einer freien und gerechten Gesellschaft" (Klafki) bemühen, werden dazu jede Menge Lesens- und Bemerkenswertes zur internetbasierten Wissensgesellschaft entdecken. Sich aufgeklärt im Internet bewegen, bedeutet nämlich nicht nur eine Suchmaschine bedienen zu können.


Rezensentin
Dr. Sandra Schaffert
Pädagogin. Tätigkeit in Wissenschaft und Weiterbildung
Homepage sandra.schaffert.ws


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Zitiervorschlag
Sandra Schaffert. Rezension vom 26.07.2005 zu: Kai Lehmann, Michael Schetsche (Hrsg.): Die Google-Gesellschaft. Wissen im 21. Jahrhundert. transcript (Bielefeld) 2005. ISBN 978-3-89942-305-1. Mit Beiträgen von Christian Arns, Jan-Mark Batke, Markus Beckedahl, Helga Böhm, Nina Degele, Markus Deggerich, Hannes Diedrich, Christine Dietmar, Michael Domsalla, Nicola Döring, Alexandra Hein, Katja Hoffmeister, Ingrid Kamerbeek, Alexandra Klein, Thomas Krug, Rainer Kuhlen, Kai Lehmann, Monika Lenhard, Bö Lohmöller, Beatrice Lüttcher, Marcel Machill, Stephan Moebius, Erik Möller, Katja Mruck, Dieter Müller, Frieder Nake, Marc Neller, Christoph Neuberger, Oliver Passek, Klaus Patzwaldt, Thea Payome, Christine Plass, Sandra Pöschl, Birgit Richard, Petra Risau, Martin Röll, Judith Roth, Florian Rötzer, Wolfgang Sander-Beuermann, Andreas Schelske, Michael Schetsche, Holger Schilp, Christian Schlieker, Jan Schmidt, Wiebke Schodder, Christiane Schulzki-Haddouti, Martin Schumacher, Hendrik Speck, Frédéric Philipp Thiele, Natascha Thomas, Jochen Wegner, Peter Wippermann, Benjamin Wischer & Oliver Zendel. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/2798.php, Datum des Zugriffs 25.08.2016.


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