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Dorothea Weinberg: Traumatherapie mit Kindern

Cover Dorothea Weinberg: Traumatherapie mit Kindern. Strukturierte Trauma-Intervention und traumabezogene Spieltherapie. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2005. 264 Seiten. ISBN 978-3-608-89738-8. 23,00 EUR, CH: 41,30 sFr.

Peiffer bei Klett-Cotta. Reihe: Leben lernen - 178.

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Die Autorin und ihr Hintergrund

Dorothea Weinberg ist Diplompsychologin und evangelische Theologin mit Zusatzausbildungen in Personenzentrierter Psychotherapie und Psychodrama. Sie arbeitet in eigener Praxis in Nürnberg.

Seit 1997 Aufbau, Konzeption und psychologische Begleitung des Kleinkinderheimes "Dom Duga" in Bosnien. Traumatherapie mit Kindern ist ihr Arbeitsschwerpunkt.

Zielgruppen

Das Buch wendet sich an alle Menschen, denen traumatisierte Kinder in ihrer Arbeit begegnen. Es hilft einerseits, diese Kinder besser zu verstehen und andererseits ihnen professionelle Hilfe zuteil werden zu lassen, indem frühzeitig auf Kindertraumata spezialisierte ExpertInnen hinzugezogen werden.

Aufbau und Inhalt

Das Buch hat ein Vorwort, 10 Kapitel und ein Literaturverzeichnis. Im Vorwort erläutert Weinberg, dass es zwar seit ca. 10 Jahren eine lebhafte Fachdiskussion über extreme Erlebnisse und ihre Auswirkungen auf die seelische Gesundheit/Entwicklung in Deutschland gibt, jedoch die Rolle der betroffenen Kinder eher marginal behandelt wird. Bekannt ist, dass schwer traumatisierende Ereignisse wie sexuelle Ausbeutung, Misshandlung und Vernachlässigung - meist ausgeübt von nahen Bezugspersonen - die Identität des Individuums, seine Lebensberechtigung und seine Liebenswertheit so massiv in Frage stellt, dass meistens die Bindungs- und Identitätsentwicklung erheblich gestört wird. Weinberg begleitet seit Jahren die Arbeit in Dom Duga, einem Säuglings- und Kleinkinderheim im Nordwesten Bosniens, in dem nach dem Konzept der ungarischen Kinderärztin Emmi Pikler gearbeitet wird. Weinberg legt ein konzeptionelles und praktisches Buch vor, das sich den kindspezifischen Aspekten der Traumatisierung und ihrer Behandlung widmet. Am Schicksal und Therapieverlauf einzelner Kinder exemplifiziert sie Theorie und Methodik. Ihr Ansatz ist konfrontativ und impliziert zugleich Schutzmechanismen - z.B. So-tun-als-ob-Regel, Vermeidung von Opferidentifikation - und haltgebende Strukturen, um einer Retraumatisierung entgegenzuwirken

1 "Der Traumabegriff" (S. 19-68). Vorgenommen wird eine Begriffsklärung und -differenzierung, die jeweils mit Fallvignetten illustriert werden. Unterschieden wird in Trauma-Ereignis, Trauma-Reaktion, Trauma-Erfahrung und Trauma-Folgen. Für die Trauma-Ereignisse entwickelt Weinberg ein Diagramm, dass die Stärke der die Seele zerstörenden Potenz wiedergibt. An zwei Fallvignetten exemplifiziert sie, dass Schweigen und Isolieren keine Lösungen sind, sondern dass das Traumaereignis in das Leben des Kindes und seiner Familie integriert werden muss. Trauma-Reaktionen (Stressreaktionen) sind Kampf, Flucht, Täuschen, Erstarren und Sich-dahin-geben, wobei die letzten drei kinderspezifisch sind. An Beispielen verdeutlicht Weinberg z.B., dass und wie die Täuschung als Notfallreaktion nicht nur eine Fremd- sondern auch eine Selbsttäuschung ist, indem, wenn Flucht, Kampf und Täuschung des Täters nicht möglich sind, der Mensch sich durch psychische Ablösung vom Körper "nach innen" täuschen kann und sich so via Dissoziation ein psychisches Überleben ermöglicht. Eine gesunde und erfolgreiche Traumareaktion des kleinen Kindes ist die Schutzsuche bei Bindungspersonen, in deren Arm oder Schoss Kinder auch schreckliche Erlebnisse seelisch relativ unbeschadet überstehen, wenn die Bezugspersonen die Ängste akzeptieren, trösten und die Kinder aufklären, damit sie ihre Ängste integrieren können. Trauma-Erfahrung meint das Zusammenspiel von Traumaereignis, seiner subjektiven Wahrnehmung und Bewertung und der instinktiven Traumareaktion. Zu beachten ist, dass ein gemeinsam durchlebtes Traumaereignis subjektiv höchst unterschiedlich bewertet, abgespeichert und anschließend umgegangen wird. Für die Trauma-Folgen orientiert sich Weinberg am Heinerthschen Diagramm des Weges vom Notfall zur seelischen Pathologie. Deutlich wird, dass Stärke und Art der Traumafolgen sowohl von der Art der Traumaerfahrung, den sozialen und persönlichen Ressourcen, den Möglichkeiten, sie in das Leben zu integrieren, abhängig sind. Zwei Fallvignetten exemplifizieren das. Ausführlich behandelt wird die Bedeutung der Bindungsforschung und der vier Bindungsstile - unsicher-vermeidend, sicher, unsicher-ängstlich und chaotisch-desintegriert - für die Traumapsychologie. In diesem Kontext wird das pädagogische Konzept von Emmi Pikler differenziert vorgestellt. Das Maß an negativer Beeinflussung der psychischen Struktur erläutert Weinberg anhand von vier Fallbeispielen für die einmalige, anhaltende und frühe Traumatisierung. Ein Fall bezieht sich auf einen grauenvollen Verkehrsunfall, bei dem ein Fünfjähriger seine Mutter, seinen großen Bruder und seine Oma verlor; drei auf die Ereignis-Kategorie sexuelle Ausbeutung - bei Mädchen im Alter zwischen 12 und 15 Jahren. Aufgezeigt werden 5 zentrale Gefährdungen für sexuell Ausgebeutete, Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Behandlung und die wichtige therapeutische Aufgabe, Sexualität als positiven Bereich unseres Lebens zu integrieren.

2 "Traumatisierende Kindheiten" (S. 69-82). Weinberg skizziert an konkreten Fällen typische Situationen/Prozesse - Tod eines Elternteils, Misshandlung, Verelendung, Verwahrlosung, Verlusterfahrungen durch Trennung/Scheidung der Eltern, sexuelle Ausbeutung - die traumatisierend für Kinder wirken können. Sie entfaltet differenziertere Vorstellungen von Wesensart und Unterscheidungsmöglichkeiten von traumatisierenden Lebensbedingungen und Reaktionsformen in der Kindheit.

3 "Traumafolgen in der Kindheit" (S. 83-113). Zunächst referiert Weinberg den aktuellen Stand der Hirnforschung bezüglich der traumaspezifischen kortikalen Erregung - "Erster Kreislauf: Erregung führt zu Wachheit und hoher Lösungsorientiertheit", "Zweiter Kreislauf: Chronische Übererregung führt zu Hemmung und Degeneration" - und die "Traumaspezifischen Mechanismen des Speicherns und Erinnerns". Sie erläutert welche irritierenden Gedächtnisphänomene die Kombination von Hemmungen und Blockierungen einerseits und Übererregung andererseits auslöst. Frühe und anhaltende Traumatisierungen verursachen neurobiologische und hirnphysiologische Schäden. So bildet der präfrontale Cortex weniger komplexe Verschaltungen aus, wodurch sowohl die Fähigkeiten zur Impulskontrolle und Handlungsplanung als auch die Herausbildung eines Selbstbildes beschädigt werden. Sie entwickelt Vorstellungen darüber, wie sich unkontrollierbarer Stress auf das sich entwickelnde Hirn eines Kindes auswirkt. Dann erläutert sie an Fallbeispielen die kindspezifische Symptomatik in den drei Symptomuntergruppen der ICD 10 und visualisiert sie in einem Diagramm gegenüberstellend. Kindspezifische Symptome in der Symptomgruppe Übererregung sind Hyperaktivität, Aufsässigkeit und Trotz, extreme und schnelle Stimmungswechsel; in der Symptomgruppe Wiedererleben Posttraumatisches Spiel, Wiederinszenierung im Spiel, stressvolle Erinnerungen, Albträume mit oder ohne spezifischen Inhalt; in der Symptomgruppe Vermeidung Abflachung der allgemeinen Reagibilität, Eingeschränkte Spielfähigkeit und Körperwahrnehmung, Sozialer Rückzug, Verlust von Entwicklungsfähigkeiten (Sprache, Sauberkeit etc.), Vermeiden der Einschlafsituation. Abschließend setzt sie sich auseinander mit der "Seelenblindheit". In den Familien fallen traumatisierte Kinder oft nicht auf, zum einen, weil sie angepasst sind und formal funktionieren, zum anderen, weil die Familien selbst in ihrer Wahrnehmung, Empathie und Achtsamkeit blockiert sind. Bezüglich der "Seelenblindheit" gesellschaftlicher Institutionen reflektiert sie besonders die potentielle Gefahr für Kinder nach der Reform des Kindschaftsrechtes, wenn der Verdacht auf sexuelle Ausbeutung und/oder seelische Misshandlung besteht. Zum einen fehlt den forensischen GutachterInnen oftmals die kindertherapeutische und traumapsychologische Erfahrung und zum anderen hat in diesen Familien der Schein fast das Sein verdrängt und dieser würde dann begutachtet. Sie fordert deshalb für den Verdachtsfall die familiengerichtliche Entscheidung eines "Beschützten Umgangs, bis ein Kind für sich selber sprechen kann!". In diesem eingeschränkten Rahmen kann die Vater-Kind-Beziehung gepflegt und fortgeführt werden und ein Kind erheblich entlastet und entängstigt werden. Bei der fachlichen "Seelenblindheit" benennt sie die sexuelle Ausbeutung durch TherapeutInnen, das Phänomen des mangelnden Vorstellungsvermögens, was Erwachsene Kindern antun können und nochmals das Dilemma auf Aussagenlogik basierender forensischer Gutachten bei fehlendem traumapsychologischem und hirnphysiologischem Wissen.

4 "Diagnostik und Differentialdiagnostik" (S. 114-117). Weinberg skizziert die nach ihrer Erfahrung für die Erfassung psychischer Störungen infolge von Trauma-Erfahrungen bei Kindern hilfreichen diagnostischen Verfahren: Zeichentests, Sceno-Test und projektive Bildererzähltests. Sie exploriert das Schlafverhalten, die Träume, die Interessen und Stärken des Kindes und bei Älteren das Selbstbild und bittet die Kinder im Therapieraum, einen sicheren Ort zu bauen. Differentialdiagnostisch sind auszugrenzen das Hyperkinetische Syndrom, das Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom, Angststörungen, Mutismus, Bindungsstörungen, Enuresis etc..

5 "Traumatherapie für bewusste und abgrenzbare Trauma-Erfahrungen" (S. 118-143). Weinberg stellt die "Strukturierte Trauma-Intervention" (STI) vor, eine von ihr speziell für Kinder (ab ca. 7 Jahre) entwickelte, jedoch auch für Erwachsene nutzbare Methode zur Behandlung bewusster Traumaerfahrungen. Die STI verfolgt das Ziel die kortikale Erregung zu dämpfen, indem sie das aufgreift, was der traumatisierte Mensch spontan macht, das Dissoziieren, Blockieren und Degenerieren von kortikalen Assoziationen. Dazu zerlegt sie mittels der Methode des Zeichnens schichtweise den Erinnerungskomplex, die Perzeption, systematisch und baut sie Schicht für Schicht wieder auf. Unverzichtbare Voraussetzungen, Sicherheitsmassnahmen und die 6 Schritte der STI werden benannt und kurz, knapp, das Wesentliche hervorhebend - am Fall eines achtjährigen Jungen, der im Alter von drei Jahren von einem Verwandten oral vergewaltigt wurde - erläutert: " Die Rekonstruktion erfolgt in folgenden Durchgängen: 0. Sicherer Ausgangs- und Endpunkte; 1. Visueller Sinn in Schwarz-Weiß; 2. Visueller Sinn in Farbe; 3. Auditiver Sinn; 4. Körpersinne (Geruch, Geschmack, taktil, kinästhetisch, Schmerz, TemperaturÉ); 5. Gefühle und Gedanken."(S. 121). Es folgt die Ablage des Bildes in einer Tresorübung und eine motorische Entlastung. Nach der STI muss für die folgenden Stunden eine verlässliche Bezugsperson bei dem Kind sein, damit es ggf. erzählen kann, jedoch darf es niemals zur Sitzung befragt werden. Des Weiteren werden die Prinzipien und die Rahmenbedingungen der STI vorgestellt und fachlich fundiert erläutert.

6 "Spieltherapie "(S.144-177). Theoretisch und mittels eines Falles wird in die Grundlagen der Spieltherapie eingeführt. Die Spieltherapie arbeitet mit dem natürlichen Betätigungsfeld des Kindes, dem freien Spiel und seinem Möglichkeitsraum. Das Spiel ist die "via regia zur Seele des Kindes und zu deren Genesung" (148). Wegen ihrer Bedeutung für die Aufklärung unbewusster traumaspezifischer Wahrnehmungs- und Erlebnisweisen erläutert Weinberg - sowohl fachlich fundiert als auch gut versteh- und nachvollziehbar - vier Aspekte: die "zweite Realität", Aggression und Opfer-Täter-Umkehrung, Regression und Fürsorglichkeit und Verbesserung des Sicherheitserlebens. Ziel der spieltherapeutischen Interventionen ist es, das Sicherheitserleben des Kindes aufzubauen, damit es ihm möglich wird, die Abwehrmechanismen der Vermeidung und Spaltung aufzugeben.

7 "Spieltherapeutische Prozessdiagnostik" (S.178-196). Eingegangen wird auf ausgewählte, für die Arbeit mit früh und anhaltend traumatisierten Kindern besonders relevante Aspekte der Prozessdiagnostik: Anamnese und das Phänomen der Täuschung. Fremdheit, "unbewusste" Täuschung und Selbsttäuschung verursachen "Blindheiten" i.S. echter Erkenntnisprobleme. Vier Abhilfemassnahmen werden benannt.

  1. Exploration und erste Interventionen: Ziel der Anfangsexploration ist nicht die Aufdeckung der traumatischen Erfahrungen, sondern das gegenwärtige Befinden des Kindes zu verstehen und erste stabilisierende Interventionen anzubieten z.B. ressourcenorientierte Themen; statt das Angsterleben explorierend zu vertiefen wird mit der Angst aktiv - z.B. durch Fremderzählung oder körperliche Aktivität - umgegangen.
  2. Erwartungen von außen an Exploration oder Therapie: Abgrenzung gegenüber Aufdeckung und gerichtsrelevante Unterstützung wird eingefordert. Wesentliche und zentrale Aufgabe von Therapeuten/innen ist, dem Kind Schutz und Geborgenheit für seine Heilung und Entwicklung anzubieten.
  3. Exploration und Fehlinformation durch Kind oder Mutter: Aussagen von Kindern sind grundsätzlich ernst zu nehmen, denn bei den - sehr seltenen - Falschbeschuldigungen handelt es sich fast immer um - anderweitig - sexuell traumatisierte Kinder.
  4. Diagnostische Erfahrungen und mögliche Hinweise auf traumatisches Erleben: Weinberg führt standardmäßig Zeichentests ( Mensch-, Baum-, Haus-Zeichentest, Familie in Tieren oder Verzauberte Familie), freie Bilder, Sceno-Test und einen Bilder-Erzähltest durch. Testdiagnostische Beobachtungen werden an einem Fall exemplifiziert.

8 "Traumabezogene Spieltherapie" (S.197-238). Vernachlässigung, Misshandlung und/oder sexuelle Ausbeutung evozieren Entwicklungsverzögerungen, Lernstörungen, fehlangepasstes Sozialverhalten, oft mit impulsgesteuerten aggressiven Ausbrüchen bzw. Verhalten. Schutz und Sicherheit sind sowohl für eine spieltherapeutische als auch traumapsychologische Behandlung unverzichtbare Voraussetzung. Beschrieben, an Fallvignetten illustriert und fachlich fundiert diskutiert werden fünf entscheidende Problemfelder für die psychische Entwicklung früh und anhaltend traumatisierter Kinder und darauf abgestimmte therapeutische Arbeitsweisen bzw. gezielte Interventionen:

  1. Der misslungene Aufbau guter innerer Instanzen - Therapeutischer Aufbau guter innerer Instanzen
  2. Die Arbeit mit nicht endenden aggressiven Spielen und die Würdigung der totalen Hilfslosigkeit
  3. Die gezielte Arbeit mit Spaltungen
  4. Der therapeutische Aufbau von Grenzen
  5. Bindung, Regression und therapeutische Bindung

9 "Arbeit mit den Bezugpersonen" (S.239-256). Prinzipen für die Arbeit mit Bezugspersonen sind: Aufklärung, Vertrauensvolle Zusammenarbeit, Kooperation mit Kindergarten/Schule, Dosierte Konfrontation, Vernetzung der Helfer, Aufklärung der Kinder über die Eltern (Kindern ein realistisches Erklärungsmodell anbieten von dem, was ihnen alltäglich widerfährt, um sie zu entlasten, die Zuständigkeiten zu klären und die Verantwortung von ihnen zu nehmen). Weinberg verlangt von TherapeutInnen, die Situation auch aus der Perspektive der Bezugspersonen zu betrachten, um Respekt und Verständnis für Eltern zu entwickeln, die an der Erziehung scheitern, weil diese oft multifaktoriell belastet sind - z.B. alleinerziehend, ökonomisch und sozial schwach, geringe Bildung, Immigrationserfahrungen, eigene leidvolle Kindheit. Um nicht den Spaltungsmechanismus fortzuführen, muss für das Kind spürbar werden, dass der/die TherapeutIn "bei aller grundsätzlichen Kritik seine Eltern respektiert - zumindest dafür, dass sie ihm das Leben geschenkt haben."(246). Vorgestellt und kritisch gewürdigt wird ein "Modell für die Familienarbeit bei stationär aufgenommenen Kindern in der Jugendhilfe". Weinberg thematisiert die Herausforderung, Schwierigkeiten und Grenzen der kulturabhängigen Beziehungsaufnahme bei der Arbeit mit Menschen aus anderen Kulturen. Abschließend zeigt Weinberg die Bedeutung der zentralen Bezugsperson für die Therapie auf.

10 "Wir, die TherapeutInnen" (S.257-261). Für die KollegInnen empfiehlt sie, zu überprüfen, ob und inwieweit eigene Traumaerfahrungen integriert sind, Bedeutung und Einfluss der eigenen geschlechtlichen Identität in kollegialer Supervision zu bearbeiten, Aggression - nicht nur bei den Kindern, sondern auch für sich selbst - als eine entscheidende Lebenskraft zu sehen und zu schätzen, selbst-fürsorglich zu sein - sich motorisch abzureagieren, sich Gutes zu gönnen, sich zu begrenzen.

Fazit

Das Buch ist klar strukturiert, gut gegliedert und bietet eine überzeugende Mischung von Theorie, gelebter Praxis und reflektiertem Erfahrungswissen . Es gewährt einen fundierten Einblick sowohl in das Leben und Schicksal traumatisierter Kinder und den Prozess ihrer Heilung als auch in die spieltherapeutischen Methoden, Arbeitsweisen und Interventionen. Die Fallvignetten verlebendigen und konkretisieren, sie machen die Betroffenen quasi zu KoautorInnen und würdigen sowohl ihr Schicksal als auch ihre (Über)-Lebenskraft. Trotz oder vielleicht gerade wegen seiner höchst fachwissenschaftlichen Kompetenz ist das Buch auch für Nicht-Fachleute gut lesbar und verstehbar.

Pflichtlektüre sollte es sein für alle, die mit traumatisierten Kindern leben und arbeiten, damit sie diese besser verstehen, sie nicht nur schützen, sondern sie auch kompetenten Fachleuten zuführen.


Rezensentin
Dr. Michaela Schumacher
Homepage www.drmichaelaschumacher.de
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Zitiervorschlag
Michaela Schumacher. Rezension vom 20.09.2005 zu: Dorothea Weinberg: Traumatherapie mit Kindern. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2005. 264 Seiten. ISBN 978-3-608-89738-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/2847.php, Datum des Zugriffs 07.02.2012.


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