Ihr Vorteil: Wir filtern, prüfen und ordnen die Angebote für die Sozialwirtschaft.

Ute Behning, Birgit Sauer (Hrsg.): Was bewirkt Gender Mainstreaming?

Cover Ute Behning, Birgit Sauer (Hrsg.): Was bewirkt Gender Mainstreaming? Evaluierung durch Policy-Analysen. Campus Verlag (Frankfurt) 2005. 240 Seiten. ISBN 978-3-593-37608-0. 29,90 EUR, CH: 52,20 sFr.

Reihe: Politik der Geschlechterverhältnisse - Band 25.

Besprochenes Werk kaufen


Entstehungshintergrund

Der vorliegende Sammelband ist das Ergebnis einer im März 2003 in Wien abgehaltenen Kooperationsveranstaltung des Instituts für Politikwissenschaft und der Abteilung Politikwissenschaften des Instituts für Höhere Studien unter dem Titel "Institutionenwandel und Gender Mainstreaming". Dieser Band schließt insofern an diese Veranstaltung an, als Aspekte der Verknüpfung der dort diskutierten Forschungsfelder Gender Mainstreaming, Institutionenwandel und vergleichende Policyforschung in unterschiedlichen Beiträgen näher beleuchtet werden.

Erste zusammenfassende Einschätzung

Um es gleich vorab zu sagen, auf die im Titel benannte Frage "Was bewirkt Gender Mainstreaming" erhält die interessierte Leserin, der interessierte Leser nicht wirklich eine Antwort. Dies ist sicherlich dem Sachverhalt geschuldet, dass die Implementation dieser geschlechterpolitischen Strategie in den unterschiedlichen (bundesrepublikanischen) Politikfeldern noch immer am Anfang steht, aber auch Folge des bekannten Tatbestands, dass eine Evaluationskultur hinsichtlich der Umsetzung politischer Programme in Deutschland nur begrenzt zu verzeichnen ist. Da also über "Wirkungen" nur wenige Ergebnisse dargestellt werden können, widmet sich der Band neben einer Darstellung der Kontroversen um die Bedeutung der Strategie Gender Mainstreaming ersten methodischen Überlegungen zur Evaluation dieser Strategie und beleuchtet unter theoriegeleiteten Gesichtspunkten Möglichkeiten der Einbindung von Gender Mainstreaming in verschiedene (lokale) Politiken.

Aufbau und Inhalt

Insgesamt gliedert sich das Buch in drei inhaltliche Teile.

  1. Im ersten Teil wird von den Autorinnen die Implementation von Gender Mainstreaming als querschnittspolitische Strategie in Bezug zu gegenwärtigen Reformbewegungen und -strategien wie dem New Public Management, dem Ansatz der Nachhaltigkeit, dem Einzug von Qualitätsmanagementverfahren in Organisationen thematisiert und die Möglichkeiten und Grenzen und auch die vorhandenen Befürchtungen dieser Verbindungen in Augenschein genommen. Auch hier sind die Darstellungen vor allem konzeptioneller Natur, indem abgewogen wird, ob eine Verbindung der schwerpunktmäßig betriebswirtschaftlich ausgerichteten Reformbewegungen des öffentlichen Sektors mit den in der Gender Mainstreaming Strategie intendierten emanzipatorischen Potentialen und Perspektiven gelingen kann. In der Absicherung des Erhalts dieser emanzipatorischen Potentiale und Perspektiven ist es Heike Kahlert zu verdanken, dass sie darauf aufmerksam macht, dass neben den Chancen, die mit Gender Mainstreaming unzweifelhaft verbunden werden, auch die Gefahr besteht, dass im Zuge der Umsetzung dieser Strategie eine "Re-Aktivierung tradierter zweigeschlechtlicher Denk- und Deutungsmuster" forciert wird. (Und diesbezüglich summiert sich in anderen Zusammenhängen tatsächlich ein gewisses "Erfahrungswissen"). Ob aber das Risiko der Re-Aktivierung traditionellen Differenzdenkens - wie Heike Kahlert behauptet - tatsächlich nur Folge der (schlechten) Umsetzung von Gender Mainstreaming in die Praxis von Organisationen ist, oder nicht doch eher eine Leerstelle oder einen Mangel in dem Konzept des Gender Mainstreamings markiert, muss sicherlich in weiteren Analysen noch näher untersucht werden.
  2. Im zweiten Teil werden verschiedene methodische Ansätze sozialwissenschaftlicher Begleitforschung in Augenschein genommen und versucht, sie in Bezug auf die Evaluierung von Gender Mainstreaming fruchtbar zu machen. In diesem Teil wird damit insgesamt der Frage nachgegangen, welche policy-orientierten Ansätze für eine Begleitforschung hinsichtlich der Umsetzung von Gender Mainstreaming von Nutzen sein können. Ein besonderer Schwerpunkt liegt in den hier vorgestellten Darstellungen auf dem sogenannten "Institutionalismus" und der Frage nach dem Zusammenspiel von vorhandenen Geschlechterverhältnissen, politischen Prozessen und Institutionen. Da die jeweilige (nationalstaatliche) Implementierung der Strategie Gender Mainstreaming nicht voraussetzungslos ist, sondern abhängig von den jeweils verschiedenen länderspezifischen Kontexten erfolgt, werden an dieser Stelle darüber hinaus Ansätze der vergleichenden Wohlfahrtsstaatsanalyse in Verbindung mit wissens- und diskurstheoretischen Analysen in ihrer Bedeutung für die Frage nach dem Wandel von Geschlechterregimen - und institutionen herangezogen.
  3. Im dritten Teil werden verschiedene empirische Befunde einer geschlechtersensiblen Begleitforschung vorgestellt. Diese Befunde stehen in der Mehrzahl aber noch nicht in Bezug zur Strategie Gender Mainstreaming, sondern sind Erfahrungen und Erkenntnisse, die eher die Voraussetzungen für eine zukünftige Implementierung thematisieren, d.h. auf der Grundlage gewonnener Erfahrungen und Erkenntnissen werden die Chancen und Hindernisse der Umsetzung von Gender Mainstreaming im Feld verschiedener Politiken erwogen. Vorgestellt werden eine Untersuchung zu den Chancen des Abbaus der Geschlechterhierarchie im Zuge der kommunalen Verwaltungsmodernisierung in einem Berliner Bezirksamt, Reflexionen über die (geschlechter-)programmatischen Rahmenbedingungen lokaler Politiken auf die Gender Mainstreaming trifft und konzeptionelle Überlegung zur Integration von Gender Mainstreaming in Steuerungsinstrumente der Städtebaupolitik. Diese Untersuchungen werden abgerundet durch einen Beitrag zum Gleichstellungspotenzial der neuen EU-Verfassung. Ingesamt verweisen die in diesem Teil vorgestellten empirischen und analytischen Befunde eher in Richtung einer skeptischen Abschätzung der Veränderungspotentiale von Gender Mainstreaming, obgleich - und das muss an dieser Stelle konstatiert werden - es dafür insgesamt angesichts des empirischen Mangels an Implementationserkenntnissen noch zu früh ist.

Fazit

Ingesamt erweist sich die vorliegende Veröffentlichung als ein relativ heterogenes Ensemble verschiedener Beiträge, die aus dem Blickpunkt theoriegeleiteter, empirischer oder beraterischer Ansätze bestimmte Bezüge zur Strategie Gender Mainstreaming näher beleuchten. Je nachdem, mit welchem Interesse die Leserin, der Leser dieses Buch zur Hand nimmt, finden sich für die an Gender Mainstreaming-Prozessen Interessierten in diesem Sammelband Ansatzpunkte der Vertiefung des eigenen Wissens. Dieser Band macht allerdings auch (schmerzlich) darauf aufmerksam, dass empirisch gewonnene Erkenntnisse über die Umsetzungspraxis von Gender Mainstreaming dringend benötigt werden, um die Erfolge und Misserfolge dieser Strategie wirklich abschätzen zu können. Dies allerdings wäre das Thema einer späteren Veröffentlichung.


Rezensentin
Dr. Dorit Meyer
Genderagentur Berlin-Brandenburg Stiftung SPI Berlin Geschäftsbereich Soziale Räume u. Projekte
Homepage www.stiftung-spi.de
E-Mail Mailformular


Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Dorit Meyer. Rezension vom 06.09.2005 zu: Ute Behning, Birgit Sauer (Hrsg.): Was bewirkt Gender Mainstreaming? Campus Verlag (Frankfurt) 2005. 240 Seiten. ISBN 978-3-593-37608-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/2848.php, Datum des Zugriffs 21.05.2012.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.

Zur Rezensionsübersicht
Zum Seitenanfang

Hilfe & Kontakt

Hinweise für RezensentInnen, Verlage, AutorInnen oder LeserInnen sowie zur Verlinkung bitte lesen, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.

Mehr zum Thema

Nicholas D. Kristof, Sheryl WuDunn: Die Hälfte des Himmels

Liz Hoggarth, Hilary Comfort: A Practical Guide to Outcome Evaluation

Literaturliste anzeigen

Stellenangebote

Fachreferent/in, Essen

Geschäftsbereichsleiter/in, Bielefeld

Weitere Anzeigen im socialnet Stellenmarkt.

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.