Jörg Martin, Frank Wiedemeier u.a.: Fundraising-Instrument Stiftungen
Jörg Martin, Frank Wiedemeier, Ulrike Hesse: Fundraising-Instrument Stiftungen. Die neuen Möglichkeiten für soziale Dienstleister. Walhalla Fachverlag (Berlin) 2002. 192 Seiten. ISBN 978-3-8029-7458-8. 24,95 EUR, CH: 43,60 sFr.
Stiftungen — ein aktuelles Thema für gemeinnützige Organisationen
In Zeiten knapper werdender öffentlicher Mittel für soziale, aber auch umwelt- und verbraucherschützende Initiativen gewinnt die Frage zunehmend an Bedeutung, wie die Ziele gemeinnütziger Organisationen durch die Mobilisierung privater Gelder verstärkt und verlässlich unterstützt werden können. Auf dem kaum größer gewordenen Markt der Spendengelder ist eine rapide Professionalisierung der Spendensammler zu beobachten. Die Stiftungsidee erlebt dabei als Möglichkeit der langfristigen Sicherung von Projekten und Aufgaben ein Comeback. Und Fundraising wird zum Ausbildungsberuf.
Die Autoren
Die Autoren Frank Wiedemeier und Jörg Martin sind Gesellschafter einer gleichnamigen Stiftungsagentur in Neuss, Ulrike Hesse arbeitet dort als Projektleiterin.
Zielgruppe
Der Titel des Werks spricht soziale Dienstleister als Zielgruppe an, die sich für neue Möglichkeiten des Fundraising interessieren und näheres über das Instrument Stiftung erfahren wollen. Inhaltlich schlägt das Werk entgegen seines Titels einen überraschend weiten Bogen von sehr allgemeinen Ausführungen zum Sozialstaat, z.B. dessen Herleitung aus Art. 20 Abs. 1 Grundgesetz (welchem sozialen Dienstleister war dies bisher nicht bekannt?) bis hin zu sehr speziellen Themen wie dem der einer gemeinnützigen Organisation vorgeschalteten Förderstiftung. Ein Buch für Amateure und Profis? Die Ziel- und Käufergruppe ist nicht einfach auszumachen und an diesem nicht gelungenen Spagat leidet das Werk.
Aufbau und Inhalt des Werkes
Das Buch ist in drei wesentliche Kapitel gegliedert, die sich mit dem Sozialsystem Deutschlands, dem Fundraising und der Stiftung als Instrument des Fundraising beschäftigen. Abgerundet wird es durch ein dreiseitiges Vorwort sowie einen Adressteil und ein Literaturverzeichnis zum Thema Stiftungen.
Im kurzen 16seitigen ersten Teil finden sich Ausführungen zum Sozialstaat. Entgegen dem Versprechen des Buchtitels behandelt der daran anschließende umfänglichste Teil des Werks Fragen des Fundraising und widmet sich zunächst auf sieben Textseiten der Frage, was das überhaupt ist.
Wie schon im Vorwort des Buchs angekündigt werden hier "methodische Basics sowie die verschiedenen Tools — ohne Anspruch auf Vollständigkeit" vorgestellt. Schließlich finden sich im Schlusskapitel in acht Untertiteln Ausführungen zum Instrument der Stiftung. Erfreuliche Auflockerung erfährt das Werk durch eingestreute Interviews. Knappe "Praxis-Tipps", umrandete Beispiele und sparsam eingesetzte, grafische Darstellungen runden die Ausführungen ab.
Diskussion und Bewertung
Wenn ein Werk zu Stiftungen als Instrument des Fundraising erst auf Seite 140 von 179 Textseiten zum Thema kommt ("Warum ist es für gemeinnützige soziale Organisationen sinnvoll, eine Stiftung zu errichten?"), besteht Neigung, den Gebrauchswert für den Stiftungsinteressenten in Frage zu stellen und von einer Mogelpackung zu sprechen. Wer sich mit Stiftungen beschäftigt, benötigt sicher keine allgemein gehaltene Ausführungen zum Sozialstaat und zum Subsidiaritätsprinzip mehr. Das Eingangskapitel erscheint überflüssig und kann überblättert werden. Der Stiftungsinteressent folgt speziellen Interessen und sollte über Grundkenntnisse des Fundraising verfügen. Längeren Ausführungen zum Fundraising an und für sich sind so von begrenztem Gebrauchswert. Dazu gibt es für Einsteiger und Fortgeschrittene hilfreichere und kundigere Werke. Richten sich die beiden Eingangskapitel so eher an Menschen, die erste Gedanken an das Ob und Wie des Sozialsystems in Deutschland verschwenden und schon immer mal wissen wollten, was es mit dem Begriff Fundraising auf sich hat, geht das Stiftungskapitel andererseits so ins Spezielle, dass diese Leser nur noch Bahnhof verstehen. Den vorbelasteten Fundraiser dagegen stört z.B. die Focussierung auf die Förderstiftung. Dabei wird der gemeinnützigen Organisation eine Förderstiftung vorgeschaltet, die die Spenden entgegennimmt und an die Organisation weiterleitet. Die Spende wird so für den Spender steuergünstig in der Weise "optimiert", dass dieser in den Genuss eines betragsmäßig erweiterten steuerlichen Spendenabzugs kommt. Die Autoren verschweigen wenigstens nicht, dass dieses Steuersparmodell zu Problemen mit dem Finanzamt führen kann. Das Kapitel zu Stiftungen, mit 65 Textseiten sowieso nicht besonders üppig ausgefallen, ist insgesamt unübersichtlich gegliedert. So werden im ersten Unterkapital Trends beschrieben, die kaum verständlich ohne das erst im zweiten Unterkapitel vermittelte Wissen darüber sind, was überhaupt eine Stiftung ist. Die Frage nach dem Warum wird erst im fünften Unterkapitel angesprochen und hier verstecken sich auch die Ausführungen zu Steuerfragen. Obwohl die Autoren diese als wichtigsten Faktor für die Stiftungswerbung erkennen, werden sie auf nur drei Seiten beschränkt. Bei einem immerhin 24,95 EURO teuren Werk wäre es zudem als hilfreich empfunden worden, zitierte (steuer)rechtliche Vorschriften im Orginaltext vorzufinden. Auch daran mangelt es dem Werk. Warum beim Literaturverzeichnis jeder Hinweis auf Veröffentlichungen zum Fundraising allgemein fehlt, obwohl dem 78 Textseiten und damit der Hauptteil des Buches gewidmet ist, erschließt sich dem Leser nicht.
Fazit
Es handelt sich hier um ein Buch, das das im Titel angekündigte Programm nur teilweise einlöst.
Rezensent
RA Hartmut Strube
Vorstand des Fördervereins der Verbraucher-Zentrale Nordrhein-Westfalen
E-Mail Mailformular
Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.
Zitiervorschlag
Hartmut Strube. Rezension vom 10.05.2002 zu: Jörg Martin, Frank Wiedemeier, Ulrike Hesse: Fundraising-Instrument Stiftungen. Walhalla Fachverlag (Berlin) 2002. 192 Seiten. ISBN 978-3-8029-7458-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/288.php, Datum des Zugriffs 21.05.2012.
Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.
Zur Rezensionsübersicht
Zum Seitenanfang
Hilfe & Kontakt
Hinweise für RezensentInnen, Verlage, AutorInnen oder LeserInnen sowie zur Verlinkung bitte lesen, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
Helmut Kreidenweis: IT-Handbuch für die Sozialwirtschaft
Georg Kortendiek: Strategisches Management im sozialen Bereich
Stellenangebote
Fachreferent/in, Essen
Geschäftsbereichsleiter/in, Bielefeld
Weitere Anzeigen im socialnet Stellenmarkt.
Newsletter bestellen
Immer über neue Rezensionen informiert.
