Beirat f. gesellschafts-, wirtschafts- u. umweltpolitische Alternativen (Beigewum) (Hrsg.): Mythen der Ökonomie
Beirat f. gesellschafts-, wirtschafts- u. umweltpolitische Alternativen (Beigewum) (Hrsg.): Mythen der Ökonomie. Anleitung zur geistigen Selbstverteidigung in Wirtschaftsfragen. VSA-Verlag (Hamburg) 2005. 128 Seiten. ISBN 978-3-89965-119-5. 13,80 EUR, CH: 23,20 sFr.
Überblick
In dem Band werden die wichtigsten ökonomischen Mythen vorgestellt und mittels Gegenargumenten als solche entlarvt. V.a. Aussagen, die die öffentliche und politische Debatte prägen, und die meistens unhinterfragt hingenommen werden, werden hier einer Prüfung unterzogen. Im Zentrum steht als roter Faden die Frage, wie weit behauptete Sachzwänge tatsächlich als solche zu sehen sind, wie weit einem angenommenem Anpassungsdruck durch Entwicklungen wie Globalisierung, Arbeitslosigkeit, Konjunkturflaute etc. Folge zu leisten ist.
Zielsetzung des Buchs
Das explizite Ziel des Buchs ist es, durch eine breite wirtschaftliche Bildung der Bevölkerung deren Teilnahme an wirtschaftspolitischen Debatten zu ermöglichen. Denn "... bei zunehmender Medienkonzentration, abnehmenden inhaltlichen Unterschieden zwischen den Parteien und politischer Schwächung von Gegenstimmen werden die Qualität der öffentlichen Debatte und die Teilnahme an der Auseinandersetzung mitunter recht dürftig." (S. 8)
Inhalt
Die entkräfteten Mythen sind in vier Themenkomplexe geordnet:
- Staats-Mythen z.B. lauten: "Die Steuern sind zu hoch", "Staatsverschuldung ist schlecht", "Staatliche Regulierungen behindern die Wirtschaft und hemmen Innovationen".
- Arbeits-Mythen proklamieren z.B.: "Die Arbeit ist zu teuer", "Löhne werden nach Leistung bezahlt", "Zuwanderungskontrollen und -gesetze schützen den Arbeitsmarkt."
- Unternehmens-Mythen behaupten "Am Markt setzt sich das beste Produkt durch", "Die Aktienbörse macht uns alle reich", "Längere Öffnungszeiten schaffen mehr Arbeitsplätze."
- Gesellschafts-Mythen schließlich lauten z.B.: "Sozialleistungen werden häufig missbraucht", "Die Überalterung macht den Wohlfahrtsstaat nicht mehr finanzierbar" oder "Das Gesundheitswesen braucht mehr Marktwirtschaft."
Mythen werden in der Regel als nicht mehr zu hinterfragende Selbstverständlichkeiten gehandelt bzw. appellieren an den Hausverstand und lenken von den historischen Ursachen und Bedingungen ihres Gegenstandes bzw. damit verbundenen Interessen ab. Gerade darum ist dieses Buch so wichtig. Argumentationen, die fachlich fundiert aber auch für Nicht-Ökonomen verständlich sind, ermöglichen erst die Auseinandersetzung mit der - die Gesellschaft wie das Alltagsleben durchdringenden Wirtschaft. Viele Argumentationen sind ungewohnt, überraschend - aber dies ist natürlich im Anspruch des Buches begründet: das Gewohnte aus anderer Perspektive betrachten und zu hinterfragen, der interessenbasierten Sachzwanglogik eine andere Expertensicht gegenüber zu stellen.
Fazit
Das Buch ist sehr empfehlenswert und zwar für Ökonomen wie auch für Laien. Auch wenn manche Argumentationslinien durchaus auch anders gesehen werden könnten, sollte es an Oberstufen von Schulen gelesen und diskutiert werden, da es kritisches Denken und Diskussionsfähigkeit schult.
Rezensentin
Prof. Dr. Ruth Simsa
Wirtschaftsuniversität Wien
Institut für Soziologie, NOP Institut
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Zitiervorschlag
Ruth Simsa. Rezension vom 04.10.2005 zu: Beirat f. gesellschafts-, wirtschafts- u. umweltpolitische Alternativen (Beigewum) (Hrsg.): Mythen der Ökonomie. VSA-Verlag (Hamburg) 2005. 128 Seiten. ISBN 978-3-89965-119-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/2919.php, Datum des Zugriffs 21.05.2012.
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