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Joachim Bensel, Gabriele Haug-Schnabel: Kinder beobachten und ihre Entwicklung dokumentieren

Cover Joachim Bensel, Gabriele Haug-Schnabel: Kinder beobachten und ihre Entwicklung dokumentieren. Herder (Freiburg, Basel, Wien) 2005. 7., völlig neuüberarbeitete Auflage. 64 Seiten. ISBN 978-3-451-00092-8. 9,95 EUR.
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Einführung

Ausgehend von der Frage, ob die Beobachtung und Dokumentation ein entbehrlicher Luxus ist, weisen die Autoren anhand der aktuellen bildungspolitischen Diskussion und der Bildungspläne nach, dass die regelmäßige Beobachtung der Kinder unverzichtbar ist. Durch das Aufzeigen verschiedenster Beispiele werden Anregungen gegeben, wie diese Tätigkeit in den Alltag von Kindertageseinrichtungen integriert werden kann.

Zu den Autor/innen

  • Joachim Bensel, Dr. rer. nat., Verhaltensbiologe, der an verschiedenen Forschungsprojekten, so auch an der "Freiburger Säuglingsstudie" beteiligt ist; Mitinhaber der selbstständigen Gesellschaft "Forschungsgruppe Verhaltensbiologie des Menschen" (FVM).
  • Gabriele Haug-Schnabel, Priv. Doz. Dr. rer. nat., Verhaltensbiologin und Völkerkundlerin; als Privatdozentin an der Wirtschafts- und Verhaltenswissenschaftlichen Fakultät der Universität Freiburg tätig; Initiatorin und Leiterin der FVM.

Entstehungshintergrund

Die Autoren vertreten die Auffassung, dass es zwar eine aktuelle Bildungsdiskussion über das Beobachten und Dokumentieren gibt, aber den Kindertageseinrichtungen konkrete Vorschläge zur Umsetzung dieser Aufgabe fehlen. Mit dem "kindergarten heute spezial" soll diese Lücke geschlossen werden. Das Themenheft ist ein Sonderheft der Zeitschrift "kindergarten heute - Zeitschrift für Erziehung".

Aufbau und Inhalte

Einleitung. Sinnvolles Beobachten geschieht nur, wenn es vom Zeit- und Erwartungsdruck befreit wird und nicht als einmalige Aktivität vor einem Elterngespräch stattfindet. Aber Beobachtung allein reicht nicht, es muss in eine Reflexionsphase und in eine Phase der Überlegung von pädagogischen Konsequenzen münden.

Warum beobachten? Es wird erläutert, warum sich das systematische Beobachten lohnt und wie man dadurch das Kind in seinen Stärken bestätigen kann. Durch Beobachtung wird die Beziehung von Erzieherin und Kind intensiviert, können Vorurteile abgebaut und Fehlentwicklungen vielleicht verhindert werden. Langfristig zahlt sich das auch in Zeitersparnissen, z. B. bei der Vorbereitung von Entwicklungsgesprächen und bei der Planung von Angeboten für die Gruppe, aus.

Wie beobachten? Auch wenn es gelingt, die objektive Beschreibung von der subjektiven Deutung zu trennen, so ergibt sich doch noch eine Reihe von Beobachtungsfallen, die in diesem Abschnitt beschrieben werden. Vielerlei Blickwinkel auf Beobachtungen werden diskutiert:

  • systematische Beobachtung oder Gelegenheitsbeobachtung
  • nichtteilnehmende oder teilnehmende Beobachtung
  • offene oder versteckte Beobachtung
  • unstrukturierte oder strukturierte Beobachtung.

Was beobachten? Verschiedene Beobachtungsverfahren, wie SISMIK (Sprachverhalten und Interesse an Sprache bei Migrantenkindern in Kindertageseinrichtungen von Ulich und Mayr) oder die Lerngeschichten nach Margaret Carr, werden kurz vorgestellt. Das Beobachtungsverfahren der ressourcenorientierten Beobachtung führt dazu, dass nach den "Schätzen" gesucht wird, statt immer nur - wie es weit verbreitet ist - nach Defiziten Ausschau zu halten.

Neben der Beobachtung der Aktivitäten einzelner Kinder ist es von Zeit zu Zeit auch wichtig, die soziale Struktur der Kindergruppe zu betrachten. Ein Soziogramm oder Beziehungs-Beobachtungen können dazu geeignete Mittel sein. Weiterhin empfehlen die Autoren, die eigene Tätigkeit in der Gruppe mit Hilfe der Selbst- und der Fremdbeobachtung zu analysieren.

Nach der Beobachtung. Im Anschluss an die Beobachtung müssen die relevanten Inhalte dokumentiert werden, um sie "aufzubewahren" und ein Arbeitsinstrument für das Team oder als Brücke für die Eltern zu haben.

Im Anhang sind ein je Beispiel und ein Bogen für ein Verhaltensprotokoll und ein Soziogramm sowie ein Literaturverzeichnis enthalten.

Diskussion

Im konzentrierter und gut verständlicher Form wird der gegenwärtige Stand der pädagogischen Diskussion zum Beobachten und Dokumentieren dargestellt. Kurz und prägnant werden verschieden Beobachtungsformen und -verfahren erläutert. Die Übersicht über mögliche Beobachtungsfallen regt zur Reflexion der eigenen pädagogischen Praxis an. Die Autoren haben den Mut, ihr eigenes Beobachtungsverfahren - die ressourcenorientierte Beobachtung und die darauf aufbauenden Kompetenzkarten - in Ansätzen vorzustellen, obwohl das Verfahren noch nicht völlig "ausgereift" zu sein scheint. Hier darf man auf weitergehende Veröffentlichungen gespannt sein.

Zielgruppe

Erzieher/innen und Kita-Leiter/innen sowie Lehrende und Studierende, die sich mit der Beobachtung von frühkindlichen Bildungsprozessen auseinander setzen.

Fazit

Das Heft bietet eine gute Zusammenfassung des gegenwärtig diskutierten Standes zum Beobachten und Dokumentieren und gibt vielfältige praxisorientierte Anregungen. Eine Bereicherung der Diskussion ergibt sich durch die Vorstellung des ressourcenorientierten Beobachtungsverfahrens mit der Erstellung einer Kompetenzkarte für jedes Kind.

 

 


Rezensentin
Prof. Dr. paed. Michaela Rißmann
Fachhochschule Erfurt
Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften
Professur "Erziehungswissenschaften, Erziehung und Bildung von Kindern"
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Kommentare

Anmerkung der Redaktion: Die Rezension basiert auf der Auflage aus dem Jahr 2005.


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Zitiervorschlag
Michaela Rißmann. Rezension vom 10.01.2006 zu: Joachim Bensel, Gabriele Haug-Schnabel: Kinder beobachten und ihre Entwicklung dokumentieren. Herder (Freiburg, Basel, Wien) 2005. 7., völlig neuüberarbeitete Auflage. ISBN 978-3-451-00092-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/3051.php, Datum des Zugriffs 27.06.2016.


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