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MOSBY, Uwe Krämer u.a. (Hrsg.): Pflegedokumentation leicht gemacht

Cover MOSBY, Uwe Krämer, Marina Schnabel (Hrsg.): Pflegedokumentation leicht gemacht. Was Pflegende wann und wie dokumentieren müssen. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2005. 2., korrigierte und erweiterte Auflage. ISBN 978-3-456-84160-1. 34,95 EUR, CH: 59,90 sFr.

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Einführung

Pflegedokumentation ist ein wesentliches Aufgaben- und Verantwortungsfeld von Pflegenden in der Gesundheits- und Pflegeversorgung. Aufgrund gesundheitspolitischer Maßnahmen wie Einführung neuer Programme oder Verkürzung von Liegezeiten nimmt die Bedeutung von Dokumentation durch Pflegende zu. Die Pflegedokumentation hat das Ziel, für eine kontinuierliche Pflege, für Informationen über die Gesundheitsversorgung und über den Zustand des Patienten gegenüber anderen Berufsgruppen sowie für das Qualitätsmanagement zu liefern und als Grundlage für das professionelle pflegerische Handeln zu dienen. Darüber hinaus kann es im Falle einer gerichtlichen Verhandlung als wesentliche Beweisbasis heran gezogen werden. Dementsprechend formulieren die Autoren als Ziel dieses Buch, dass es sämtliche professionellen und juristischen Aspekte der Pflegedokumentation sowie weitere wertvolle Informationen erläutern soll. Es will den Pflegenden zeigen, wie eine Dokumentation aussehen muss, um gerichtlichen Verfahren wegen Vernachlässigung beruflicher Sorgfaltspflicht vorzubeugen und Fehler zu vermeiden. Darüber hinaus enthält es in einer verständlichen Sprache praktische Ratschläge, Techniken und Anleitungen für annähernd 100 der wichtigsten und schwierigsten Pflegesituationen.

Aufbau und Inhalt

Dieses aus den USA übersetzte Buch umfasst 3 Teile. Die deutschen Herausgeber haben den Hauptteilen noch ein Geleitwort voran gestellt, das über die Bedeutung der Dokumentation in der Pflege in Deutschland aufklärt und einige einführende Worte zum Buch enthält. Sie merken selbstkritisch an, dass das Buch vor allem die Situation der Pflege im US-amerikanischen Raum widerspiegelt und in das dortige Pflege- und Gesundheitsverständnis sowie Rechtssystem eingebettet ist. Vor diesem Hintergrund seien die Empfehlungen der US-amerikanischen Autoren einzuordnen, die häufig die Schwerpunkte der Aufgaben von Pflegenden im dortigen Gesundheitssystem wie Anleitung und Beratung, Entlassungsplanung oder Funktionen wie Risiko-Manager, Patientenfürsprecher oder Sicherheitsbeauftragter reflektieren. Die Herausgeber haben an in Frage kommenden Stellen versucht, eine Übertragung auf die deutsche Situation zu leisten, um die Praxisrelevanz für die deutschen Leser herzustellen. Sie fassen mögliche Diskrepanzen zwischen der US-amerikanischen und der deutschen Situation in der Pflege als Impulse auf, um über die Fragen nachzudenken, was die originär pflegerischen Aufgaben sind, welche Ziele die Pflege verfolgt sowie welche Rolle der Pflege im interdisziplinären Team zukomme. Zu all diesen Fragen herrsche nach Ansicht der Herausgeber ein großer Nachholbedarf in Deutschland.

Im Überblick werden Zweck der Dokumentation, Rolle der Pflegenden sowie unterschiedliche Dokumentationssysteme diskutiert. Die nachfolgenden Teile und Abschnitte sind alle gleichartig gegliedert. Spezielle Symbole zu juristischen Kurzinformationen, praktischen Ratschlägen, Exemplarischen Rechtsfällen, Tipps und Ratschlägen sowie Dokumentations-Checklisten werden durchgehend in den Kapiteln benutzt und sollen dem Leser erleichtern, auf wichtige Themen zu achten.

  • Teil 1 beinhaltet die "Versorgung der Patienten". In diesem Teil geht es um die Dokumentation der körperlichen Einschätzung und der klinischen Versorgung von Patienten mit bestimmten Krankheiten und Störungen. Insgesamt werden 28 mögliche Erkrankungen und Störungen dargestellt. Sie reichen von "Patient ohne peripheren Puls" über "Patient mit Herzinfarkt", "Patient mit Pneumonie" bis hin zu "Patient mit Transfusionszwischenfall", "Patient mit Dekubitus" u.ä. Über die Auswahl der Erkrankungen und Störungen lassen sich leider keine Hinweise finden. Die einzelnen Abschnitte zur Dokumentation der Erkrankungen und Störungen sind gleichartig aufgebaut. Sie enthalten jeweils Hinweise zur Dokumentation der Angaben des Patienten, zur Dokumentation der Pflegeanamnese, zur Dokumentation der Versorgungsleistungen und zur Dokumentation der Aufklärung. Mit der Gliederung wollen die Autoren logische Kategorien für die Dokumentation bilden, die eine Organisation der Daten erleichtern sollen. Im einleitenden Abschnitt zu Teil 1 geben die Autoren Hinweise, welche Informationen jeweils zu den einzelnen Gliederungspunkten in welcher Weise erhoben und dokumentiert werden sollen. Nachfolgend gehen die Autoren für jede der 28 möglichen Erkrankungen und Situationen auf die einzelnen Kategorien ein. Sie beschreiben sehr detailliert, fast wie eine Checkliste, welche Informationen erhoben und dokumentiert werden müssen.
  • Teil 2 beschäftigt sich mit der Dokumentation zum Thema "Umgang mit schwierigen Patientensituationen", d.h. mit der Frage, wie schwierige oder ungewöhnliche Situationen zu dokumentieren sind, um sowohl die professionellen als auch die juristischen Aspekte zu berücksichtigen. Insgesamt werden 32 Situationen beschrieben. Die Punkte umfassen z.B. "Ihre Patientin übernimmt die Dokumentation selbst", " Ihr Patient verlangt Einblick in die Krankenakte" über "Ihr Patient geht gegen ärztlichen Rat nach Hause", "Eine feindselige Patientin" hin zu "Ihr Patient versteckt seine Medikamente" oder "Infragestellen der Pflegequalität durch Angehörige". Gegliedert werden die einzelnen Abschnitte durch die Überschriften "Wie verhalten Sie sich?" und "Was dokumentieren Sie?", zu denen die Autoren genaue Hinweise geben.
  • Teil 3 hat den Umgang mit schwierigen Situationen im Berufsalltag zum Inhalt. Also die Frage, wie der eigene rechtliche Status bei der Dokumentation von ungewöhnlichen und komplizierten Situationen im Berufsalltag gewahrt werden kann. Es geht um das Problem, welche Verantwortung Pflegende tragen, wenn andere Berufsgruppen durch berufliches Handeln prekäre Situationen schaffen oder gegen gesetzliche Bestimmungen und Standards verstoßen. Im Ganzen werden 27 mögliche Situationen dargestellt. Themen sind z.B. "Ein Arzt oder Kollege fälscht die Krankenakte", "Der Arzt gibt eine fragwürdige Anordnung. Wie verhalten Sie sich?" oder "Sie arbeiten mit personeller Unterbesetzung". Auch in dieser Teil wird gegliedert durch die Fragen: "Wie verhalten Sie sich?", "Was dokumentieren Sie?"
  • Das Buch schließt mit einem Anhang ab. Der 1. Teil des Anhangs umfasst Anhaltspunkte für die Dokumentationspraxis. Die deutschen Herausgeber des Buches geben relevante Informationen zur Pflegedokumentation bezogen auf die deutsche professionelle und juristische Situation. Teil 2 des Anhangs enthält Informationen zur Wunddokumentation in Deutschland.

Diskussion

Der Titel impliziert das Versprechen, dass die Autoren ein Patentrezept für eine möglichst einfache Pflegedokumentation gefunden hätten. Sie versuchen ein lobenswertes Unterfangen - nämlich, den Pflegenden mit Hilfe einer Art Checkliste, mit Hinweisen, Ratschlägen und Tipps das Dokumentieren zu erleichtern. Es ist gut lesbar geschrieben und gegliedert und enthält zahlreiche Tipps und Ratschläge für mögliche pflegerische Situationen. Die zu dokumentierenden Situationen und Störungen sind detailliert beschrieben. Die Ratschläge und Tipps können den Pflegenden in praxisnahen Bereichen sicherlich nützlich sein, wenn sie für genau die im Buch definierten Bereichen Dokumentationshilfen benötigen.

Der Umfang des Buches zeigt jedoch, dass dieses Versprechen aufgrund der Vielfältigkeit der Situationen im pflegerischen Alltag nicht leicht zu erfüllen ist. Es erscheint fast unmöglich, alle Pflegesituationen, die für eine Pflegedokumentation in Frage kommen, zu beschreiben. Pflegende, Gesundheitspolitiker, Kostenträger, Vertreter von Wohlfahrtsverbänden u.A. erachten bereits jetzt den Umfang der Dokumentation als zu hoch und zeitraubend. Pflegende, die in der Praxis unter dem zunehmenden Zeitdruck und den höher werdenden Anforderungen an die Pflegedokumentation leiden, werden kaum die Muße finden, sich mit den Inhalten dieses Buches differenziert auseinander zu setzen. Darüber hinaus werden zahlreiche Pflegesituationen ausgespart sowie bestimmte Settings wie ambulante Pflege oder Altenheimpflege nicht berücksichtigt, die jeweils andere Anforderungen an die Dokumentation stellen. Kritisch anzumerken ist, dass das Buch aus dem US-amerikanischen System übersetzt worden ist. Pflegeverständnis sowie Aufgaben- und Verantwortungsfelder unterscheiden sich im Vergleich zum deutschen System, so dass einige der Hinweise zur Dokumentation nicht übertragen werden können.

Die Dokumentation der Versorgung von Patienten vieler anderer Fachgebiete und Settings sind in diesem Buch aus nachvollziehbaren Gründen nicht enthalten. Es wäre sonst zu umfangreich und unübersichtlich geworden. Aus diesem Grunde stellt sich die Frage, ob es nicht sinnvoller ist, für enger definierte Fachgebiete und Settings entsprechende Hilfen zur Pflegedokumentation zu veröffentlichen. Titel und Ziele des Buches erwecken im Moment ein omnipotentes Versprechen, das unter Umständen zu zu hohen Erwartungen führen kann. Die Begrenzung auf Pflegedokumentation auf bestimmte Fachgebieten oder Settings kann den Vorteil haben, dass viele Probleme in der Dokumentation noch differenzierter aufgenommen und dargestellt werden können.

Zielgruppe

Die Zielgruppe dieses Buches sind den amerikanischen Autoren zufolge professionell Pflegende in Ausbildung sowie in der speziellen und allgemeinen Pflege, die verlässliche Ratschläge für eine verbesserte und professionelle Dokumentation suchen.

Fazit

Dieses Buch ist eines der wenigen Fachbücher, das sich detailliert und praxisbezogen mit dem wichtigen Thema Pflegedokumentation auseinandersetzt. Für Einrichtungen und Dienste der Pflege sowie Pflegende in praxisnahen Bereichen kann es als eine Art Nachschlagewerk empfohlen werden. Für bestimmte Krankheiten, Störungen und Situationen kann es sinnvolle und schnelle Informationen für eine fachlich angemessene Dokumentation liefern. Für Lehrende in der Pflege in Aus-, Fort- und Weiterbildung kann es als eine Grundlage für eine praxisnahe Gestaltung von möglichen Unterrichts- oder Seminarinhalten zum Thema Pflegedokumentation dienen.

Allerdings sind auch von diesem Buch keine Wunder und Patentrezepte zu erwarten. Zahlreiche mögliche Situationen und Settings in der Pflege bleiben unerwähnt. Den Transfer der dargestellten Informationen, Tipps und Ratschläge müssen in der Pflegesituation die Pflegenden selbst leisten. Die detaillierten Angaben verdeutlichen, dass die Pflegenden über hohe fachliche Kompetenzen verfügen müssen, um die zu erhebenden und zu dokumentierenden Informationen angemessen einordnen zu können.

Des Weiteren bleibt kritisch anzumerken, dass dieses Buch die Nachteile einer Übersetzung aus dem US-amerikanischen Raum in sich birgt, auch wenn die deutschen Herausgeber an in Frage kommenden Stellen eine Adaptation an die deutsche Situation versucht haben. Die beschriebenen Pflegesituationen und Beispiele sind vor dem Hintergrund des US-amerikanischen Gesundheitssystems sowie des Verständnisses der Pflege zu reflektieren.


Rezensentin
Prof. Dr. rer.medic. Martina Hasseler
Hochschule für Angewandte Wissenschaften
Fakultät Wirtschaft & Soziales
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Zitiervorschlag
Martina Hasseler. Rezension vom 11.07.2006 zu: MOSBY, Uwe Krämer, Marina Schnabel (Hrsg.): Pflegedokumentation leicht gemacht. Verlag Hans Huber (Bern, Göttingen, Toronto, Seattle) 2005. 2., korrigierte und erweiterte Auflage. ISBN 978-3-456-84160-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/3056.php, Datum des Zugriffs 08.02.2012.


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