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Michael Walter: Jugendkriminalität. Eine systematische Darstellung

Michael Walter: Jugendkriminalität. Eine systematische Darstellung. Richard Boorberg Verlag (Stuttgart) 2005. 3., neu bearb. und erweiterte Auflage. 352 Seiten. ISBN 978-3-415-03513-3. 25,00 EUR, CH: 42,10 sFr.
Reihe: Schriftenreihe Rechtswissenschaft heute.

Einführung

Zehn Jahre nach Veröffentlichung der ersten Auflage liegt nunmehr die 3., aktualisierte Auflage dieses umfassenden Werks zum jederzeit relevanten Thema Jugendkriminalität vor. Adressiert an einen breiten Leserkreis verfolgt es einen geradezu aufklärerischen Anspruch durch gleichzeitige Darlegung wissenschaftlich fundierter Informationen und entsprechende Interpretationsangebote, die dem "Verstehen" und "gedanklichen Einordnen" dienen sollen.

Hintergrund/Autor

Der Autor ist seit 1984 Inhaber des Lehrstuhls für Kriminologie und Strafrecht an der Universität Köln und Leiter des dortigen Instituts für Kriminologie. Neben zahlreichen Publikationen zu Jugend(straf)recht und (Jugend)Kriminologie ist er weit über rein akademische Befassungen hinaus bekannt als engagierter Streiter für ein Mehr an jugendkriminalpolitischer Rationalität.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist untergliedert in drei Teile, mit jeweils zum Teil in mehreren Ebenen unterteilten Unterabschnitten. Darüber hinaus sind sämtliche Textabsätze mit fortlaufenden Randnummern versehen, die den Verweisen im Sach- und Stichwortregister dienen. Jedem Unterabschnitt vorangestellt ist ein ausführliches (dem Umfang des nachfolgenden Textes zuweilen nahe kommendes) Literaturverzeichnis.

  1. Teil I befasst sich mit Jugendkriminalität als besonderem Phänomen und Problem: Hier erfolgt zunächst ein historischer Überblick zur "Entdeckung" der Jugendkriminalität als Thema für Wissenschaft und Kriminalpolitik. Es schließt sich an die Darstellung einschlägiger Theorien zur Erklärung von Kriminalität und Kriminalisierungen, gefolgt von speziell jugendtheoretischen Zusammenhängen grundsätzlicher Art sowie speziell für ausgewählte aktuelle Problembereiche (u.a. Migration, Arbeitslosigkeit, Drogengebrauch, Gewalt), die jeweils um empirische Befunde ergänzt werden. Unter rechtstheoretischer Perspektive wird dann der Frage nachgegangen, welche theoretischen Annahmen mit je eigenen jugendtheoretischen Verständnissen mit welchen Konsequenzen in das (Jugend)Recht übernommen worden sind. Teil I schließt mit einer dieser Auflage neu hinzugefügten Gegenüberstellung der Selbstverständnisse und kriminalpolitischen Ausrichtung der jugendrechtlichen Akteure aus insbesondere Jugendgericht, Polizei und Jugendhilfe.
  2. Teil II widmet sich den Erscheinungsformen der Jugendkriminalität: Ausführlich werden hier die Ergebnisse zweier grundsätzlich unterschiedlicher Informationsquellen dargestellt, die für ein Bild von "der" Jugendkriminalität bekanntermaßen unbedingt ergänzend zu betrachten sind. Zunächst erfolgt ein Überblick über die sog. Dunkelfeldforschung, die Informationen über strafrechtlich relevante Handlungen junger Menschen unabhängig von deren "Entdeckung" durch polizeiliche Ermittlung oder Anzeige geben, basierend auf freiwilligen und anonymen Angaben (was passiert). Gegenübergestellt wird dem der Ausschnitt der registrierten Jugendkriminalität, d.h. die der Polizei bekannt gewordenen Fälle und Tatverdächtigen aus dem Hellfeld der Kriminalstatistiken (was wird "aufgeklärt"). Ergänzt werden diese Befunde um eine Analyse der Kriminalitätsdarstellungen in den Medien, welchen im Hinblick auf die Kriminalitätsvorstellungen in der Bevölkerung eine zentrale Bedeutung zukommt. Unter dem Titel "Bedeutung der Jugendkriminalität für die Gesellschaft und das Individuum" behandelt der letzte Abschnitt Begriffe wie subjektive Kriminalität, Kriminalitätswahrnehmungen, Kriminalitätsfurcht sowie deren kommerzielle und kriminalpolitische Bedeutung.
  3. Teil III schließlich gibt einen Überblick über Jugendkriminalität und Jugendviktimologie: Nach einer Einführung in die viktimologische Perspektive werden Befunde zu jungen Menschen als Täter und Opfer dargelegt. Mit Verweis vor allem auf noch ausstehende Klärungen schließt das Buch mit Überlegungen zu kriminalpolitischen Folgerungen der referierten viktimologischen Befunde.

Einschätzung und Fazit

Bei dem Buch handelt es sich sicherlich um eines der Standardwerke zum Thema Jugendkriminalität, das über die üblicherweise abgehandelten thematischen Bereiche hinausgeht und immer wieder den kritischen, skeptischen Blick auf auch in einschlägigen Fachkreisen eingefahrene Sicht- und Interpretationsweisen wagt - ohne freilich zu verharmlosen. Die gewählte Systematik der Rand-Nummerierung macht es auch zu einem äußerst brauchbaren Nachschlagwerk. Allerdings dürfte auch die hier nur knapp erfolgte Darstellung des Inhalts den hohen Anspruch und die Komplexität der Darlegungen verdeutlicht haben: zumindest ein Fundus an (jugendstraf-)rechtlichen und kriminologischen Grundkenntnissen sollte vorausgesetzt werden. Für eine fundierte Befassung mit dem Phänomen Jugendkriminalität - auch über das Werk hinaus mithilfe der unzähligen Literaturverweise - ist das Buch für Leserkreise in Wissenschaft, Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie in vielen Praxisbereichen unbedingt empfehlenswert.


Rezensentin
Dr. Regine Drewniak
Pädagogin, M.A. Nach langjähriger wissenschaftlicher Mitarbeit am Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen e.V. mit Schwerpunkt auf Fragen adäquater Reaktionen auf Jugenddelinquenz mittlerweile tätig in der Weiterqualifizierung und Evaluation von Einrichtungen "ambulanter Maßnahmen".
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Zitiervorschlag
Regine Drewniak. Rezension vom 29.08.2006 zu: Michael Walter: Jugendkriminalität. Eine systematische Darstellung. Richard Boorberg Verlag (Stuttgart) 2005. 3., neu bearb. und erweiterte Auflage. 352 Seiten. ISBN 978-3-415-03513-3. In: socialnet Rezensionen unter http://www.socialnet.de/rezensionen/3066.php, Datum des Zugriffs 11.03.2010.


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