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Ulrich Otto (Hrsg.): Partizipation und Inklusion im Alter

Cover Ulrich Otto (Hrsg.): Partizipation und Inklusion im Alter. Aktuelle Herausforderungen. IKS-Garamond (Jena) 2005. 119 Seiten. ISBN 978-3-938203-01-9. 12,00 EUR.

Reihe: Reihe: Aus dem Institut für Erziehungswissenschaft der Friedrich-Schiller-Universität Jena - Nr. 2.

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Zielsetzung und Zielgruppen

Die Frage, der in vorliegender Publikation nachgegangen werden soll, ist die, ob der "verdiente Ruhestand" noch gesellschaftlich akzeptiert und damit handlungsleitend ist oder ob die aktivgesellschaftliche Programmatik für die soziale Realität im Alter Relevanz besitzt. Ulrich Otto als Herausgeber der Broschüre ist Professor für Sozialmanagement an der Friedrich-Schiller-Universität Jena mit den Arbeitsschwerpunkten "Soziale Gerontologie" sowie "Netzwerk- und Unterstützungsforschung". Weitere fünf AutorInnen aus dem gleichen Institut sind an der Publikation beteiligt.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in fünf Abschnitte zu differenzierten Themenschwerpunkten untergliedert.

  1. Stephan Lessenich, Professor für Vergleichende Gesellschafts- und Kulturanalyse am Institut für Soziologie genannter Universität, und Ullrich Otto sind die Autoren des ersten Abschnittes, der zum Alter in der Aktivgesellschaft und seinen offenen Fragen und Widersprüchen Stellung nimmt. Sie gehen in der gegenwärtigen Altenpolitik von einer gesellschaftlichen Neuverhandlung des Alters und seiner sozialen Funktion aus und verweisen darauf, dass die Alten zunehmend als Passiva der gesellschaftlichen Wohlfahrtsbilanz gelten. Deshalb wird heute verstärkt nach deren Ressourcen und Potenzialen gefragt und das RE-Engagement sowie die Verpflichtung im Generationenvertrag angemahnt.
  2. Der zweite Abschnitt von Martha Friedenthal-Haase, Professorin für Erwachsenenbildung am Institut für Erziehungswissenschaft an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, beleuchtet die Wissensgesellschaft und das lebenslange Lernen. Sie wirft eine durchaus interessante Frage auf, was das notwendige Wissen und Können in einer Gesellschaft des langen Lebens sei und wann bzw. wo dieses zu vermitteln ist. Sie geht von einem Strukturwandel der Wissensgesellschaft und einem zunehmenden Erwartungsdruck hinsichtlich der Modernisierung und Marktgängigkeit von Qualifikationen aus. Im lebenslangen Lernen gehe es mehr um Anwendungs- als um Theorieorientierung, um problemkonzentrierte gegenüber systematischer Stoffstrukturierung bis hin zur Auflösung einer allgemein verbindlichen curricularen Struktur. Andererseits betont sie wenige Zeilen weiter eine für mich widersprüchliche Aussage, die nach der curricularen Berücksichtigung lebensalters- und generationsspezifischer Gesichtspunkte. Völlig berechtigt stellt Friedenthal-Haase die Frage nach der Zuständigkeit der Erziehungswissenschaft als einer Profession für lebenslanges Lernen, die doch eher im Ruf einer überwiegenden Befassung mit Kindern und Jugendlichen steht. In diesem Zusammenhang kritisiert sie auch die Disziplinbezeichnung als vorwiegend erzieherisch determiniert, der schon bei der Neubegründung der Disziplin an den Universitäten der neuen Bundesländer hätte neu akzentuiert werden müssen wie etwa den Universitäten Graz oder Bremen folgend als "Erziehungs- und Bildungswissenschaft".
  3. Abschnitt drei von Dr. Käthe Schneider, Privatdozentin für Erziehungswissenschaft an der Universität Jena, verfasst, setzt sich mit der digitalen Teilung im Erwachsenenalter auseinander. Sie beschreibt den Prototyp des Internet-Nutzers als berufstätige jüngere Männer mit höherem Bildungsabschluss, der in einem Mehrpersonenhaushalt lebt und den Nicht-Nutzer als eine allein lebende, ältere nicht berufstätige Frau mit niedrigem Bildungsabschluss. Die Barrieren Älterer das Internet als "globales Gehirn" zu nutzen, bestünden in erster Linie in dem für sie nicht wahrnehmbaren Nutzen, in hohen materiellen Kosten und in den subjektiven Schwierigkeiten, mit dem PC umzugehen.
  4. Der vorletzte Abschnitt von Alexander Zwickies beschäftigt sich mit dem Altern und Geschlecht im Kontext lebenslangen Lernens. Er verweist auf die äußerst ernst zu nehmende Gefahr der heutigen Gerontagogik, in der Nichtlernen zum Verlust der Sozialintegration und zum Ausschluss aus der Gemeinschaft führt. Des Weiteren kritisiert er den in nahezu allen gerontologischen Teilgebieten anzutreffenden geschlechtsneutralen Terminus des alten Menschen als zu kurz greifend und spricht sich für einen schärfenden Blick auf das Geschlecht und deren sozialisationsspezifischer Prägung aus. Die Kernaussage der Feminisierungsthese wäre nach Backes/Clemens (1998) "Das Alter ist weiblich - auch in den benachteiligten Ausprägungen dieser Lebenslage". Nach der Herausarbeitung von Gründen setzt sich Zwickies mit den strukturellen, inhaltlichen und individuellen Schlussfolgerungen auseinander.
  5. Der letzte Abschnitt ist von Heike Schubert mit dem Titel "Auf dem Weg zu einer kultursensiblen Altenhilfe und interkulturellen Öffnung der Dienste" überschrieben. Sie befasst sich zunächst mit den sozialen Netzwerken älterer Migranten und der innerfamiliären ethischen Unterstützung und zeigt danach auf, welche Zugangsbarrieren zu den Diensten und Einrichtungen der deutschen Altenhilfe bestehen. Sie fordert eine kultursensible Altenpflege ein, die in besonderer Weise biografie- und subjektorientiert sein muss und die Migrationserfahrung im Pflegealltag berücksichtigen sollte.

Fazit

Die vorliegende Broschüre vermittelt Denkanstösse hinsichtlich der Problematik der "Produktivität des Alters", die in der Beförderung einer selbst bestimmten und sozial verantwortlichen Lebensführung bestehen sollte. Es ist mehr oder weniger eine Skizze wissenschaftlicher Auseinandersetzung nach dem "wissens- und praxisstrukturierenden Potenzial der alterspolitischen Aktivierungsprogrammatik, den gesellschaftlichen Deutungs- und Verarbeitungsmustern und den Formen und Mechanismen der subjektiven Aneignung durch die Adressaten ..." (S. 6).


Rezensentin
Prof. Dr. habil. Gisela Thiele
Hochschule Zittau/Görlitz (FH)
Berufungsgebiete Jugendsoziologie und Gerontologie
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Zitiervorschlag
Gisela Thiele. Rezension vom 01.11.2005 zu: Ulrich Otto (Hrsg.): Partizipation und Inklusion im Alter. IKS-Garamond (Jena) 2005. 119 Seiten. ISBN 978-3-938203-01-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/3070.php, Datum des Zugriffs 07.02.2012.


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