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Ulrich Otto, Petra Bauer (Hrsg.): Mit Netzwerken professionell zusammenarbeiten

Cover Ulrich Otto, Petra Bauer (Hrsg.): Mit Netzwerken professionell zusammenarbeiten. dgvt-Verlag (Tübingen) 2005. 1120 Seiten. ISBN 978-3-87159-600-1. 64,00 EUR.

Band I: Soziale Netzwerke in Lebenslauf- und Lebenslagenperspektive. ISBN 3-87159-611-6. EUR 37,00<br> Band II: Institutionelle Netzwerke in Steuerungs- und Kooperationsperspektive. ISBN 3-87159-612-4, EUR 29,00<br> Band I und II als Gesamtwerk im Schuber. Reihe: „Fortschritte der Gemeindepsychologie und Gesundheitsförderung“, Band 11 und 12.

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Hintergrund und Thema des Buches

Die allgemeine Einschätzung des Standes der Netzwerkdiskussion wird von Ulrich Otto & Petra Bauer, den HerausgeberInnen der beiden Bände "Mit Netzwerken professionell zusammenarbeiten", als durch und durch widersprüchlich beschrieben. Die Perspektive der Netzwerkintervention etabliert sich "als fester Bestandteil fast aller wichtiger Debatten zu Interventionen im psychosozialen Bereich" (Bauer/Otto Bd. I S. 11), jedoch kommt das interdisziplinäre Potential der Arbeit mit bzw. in Netzwerken nur sehr selten zur Geltung. Vielmehr ist derzeit eine disziplinäre Abschottung zu beobachten - völlig entgegen der Netzwerkidee. Dies hat mehrere Gründe: "Bereits auf der Ebene der Begrifflichkeit lässt der Diskurs über Vernetzung jede Eindeutigkeit vermissen. Vernetzung bezieht sich auf ganz verschiedenartige Akteursbeziehungen, sie erstreckt sich von der personalen Interaktion zwischen Fachkräften über die Zusammenarbeit von Einrichtungen bei einzelnen Hilfefällen und die Koordination der Hilfeangebote von verschiedenen Einrichtungen bis hin zur Institutionalisierung von einzelfallbezogenen Kooperationsverfahren mit gegenseitiger Verbindlichkeit" (Bauer Bd. II S. 14)

Die Netzwerkforschung macht Anleihen in ganz unterschiedlichen Disziplinen wie der Sozialpsychologie (etwa bei der Suche nach Kooperationsmodellen), der Organisationssoziologie (hinsichtlich der Spezifika von Netzwerken; Change Management), der Betriebswirtschaftslehre (zu Fragen des Managements und der Strategieentwicklung) und der Politikwissenschaften. In diesen Disziplinen hat das Netzwerkkonzept mittlerweile einen prominenten Stellen erlangt, "was auch darin begründet liegt, dass es zur Projektionsfläche vielschichtiger sozialpolitischer und ökonomischer Steuerungshoffnungen avanciert ist" (Bauer Bd. II S. 12).

Im zweibändigen Werk "Mit Netzwerken professionell zusammenarbeiten" sind die aktuellen Diskussionen über Netzwerkintervention zusammengeführt und gebündelt. Dazu werden die zentralen Grundlagen in interdisziplinärer Perspektive aufgearbeitet und für eine breite Leserschaft übersichtlich dargestellt. Zentral ist in diesen Bänden weiterhin, dass die Netzwerkorientierung professioneller "Helfer" auf benachbarte Konzepte (z.B. Lebenswelt-, Alltags-, Generationen-, systemische Orientierung) bezogen wird. Anhand konkreter Modelle und Projekte aus der Praxis werden konkrete Erfahrungen systematisch ausgewertet und in den Beiträgen auf eine nachvollziehbare Art und Weise aufgearbeitet. Die verschiedenen in den Büchern thematisierten Interventionsbereiche beziehen sich sowohl auf die Arbeit mit individuellen sozialen Netzen als auch mit institutionellen und interorganisatorischen Netzwerken. Während der erste Band sich vorrangig auf Fragen der Intervention in soziale Netzwerke im engeren Sinn konzentriert, beziehen sich die Artikel des zweiten Bandes vorwiegend auf institutionelle Netzwerke. Dabei kommt es zu einigen Überschneidungsgebieten beider Bände bspw. in vielen Teilfragen wie Casemanagement oder bezüglich bestimmter Teilgruppen, wie den Älteren. Die HerausgeberInnen empfehlen deshalb "unbedingt die Lektüre beider Bände" (Bauer/Otto Bd. I S. 22).

Die beiden Bände "Soziale Netzwerke in Lebenslauf- und Lebenslagenperspektive" (Band I) und "Institutionelle Netzwerke in Steuerungs- und Kooperationsperspektive" (Band II) bestehen aus insgesamt 1120 Seiten. In 38 Beiträgen (22 im ersten Band und 16 im zweiten Band) haben 48 Autorinnen und Autoren mitgewirkt. Ein wichtiges Ziel lag darin, die von den HerausgeberInnen propagierte interdisziplinäre Sichtweise durch die beteiligten AutorInnen innerhalb der einzelnen Artikel einzulösen.

Die Herausgeberin/der Herausgeber

  • Dr. Petra Bauer ist wissenschaftliche Assistentin an der Freien Universität Berlin, Arbeitsbereich Sozialpädagogik
  • Dr. Ulrich Otto ist Professor für Sozialmanagement am Institut für Erziehungswissenschaft der Friedrich-Schiller-Universität Jena

Band I Soziale Netzwerke in Lebenslauf- und Lebenslagenperspektive

Die HerausgeberInnen Petra Bauer und Ulrich Otto plädieren in ihrem, den ersten Band einführenden Artikel mit dem Titel "Beiträge zu einer Zwischenbilanz netzwerkorientierter Intervention" für eine "interdisziplinäre Sicht auf die Förderung sozialer Netzwerke als zentraler Perspektive psychosozialer und gesundheitsbezogener Intervention - einschließlich benachbarter Teil-Gebiete wie Soziale Arbeit, Gesundheitsförderung, Pflege, soziale Gerontologie usw." (Bauer/Otto Bd. I S. 11). Der erste Band besteht aus einem ersten Teil "Grundlagen" und einem zweiten Teil "Lebenslauf und Lebenslagen". Letzterer umfasst neben "familienbezogenen Aspekten", Aspekte der Netzwerkintervention im Jugend- und Erwachsenenalter sowie im Alter. Insgesamt erstreckt sich der Band über 647 Seiten

Zum Teil 1 - Grundlagen

Der Reigen beginnt im ersten Block "Grundlagen der Netzwerkforschung für Netzwerkintervention" mit vier grundlegenden Artikeln die übergreifende Aspekte von sozialen Netzwerken und sozialer Unterstützung zum Thema haben. "In den Beiträgen entfaltet sich das Netzwerkkonzept in seiner Heterogenität und Vielschichtigkeit, sie zeigen vor allem aber, wie ein interdisziplinärerer Zugang die Diskussion befruchten kann, in dem Anschlussstellen markiert und theoretische Konzeptionen wechselseitig empirisch fundiert werden können" (Bauer/Otto Bd. I S. 13).

Es sind dies im Einzelnen die Beiträge von

  • Annelinde Eggert-Schmid Noerr "Soziale Netzwerke und Ich-Identität heute", von
  • Frieder R. Lang "Die Gestaltung sozialer Netzwerke im Lebenslauf", von
  • Franz J. Neyer "Persönlichkeit und soziale Netzwerke", sowie von
  • Ulrich Otto "Sozialtheoretische und -interventorische Paradigmen im Licht der sozialen Netzwerk- und Unterstützungsperspektive".

In den Beiträgen wird auf die Bedeutung sozialer Netzwerke sowie die Notwendigkeit ihrer theoretischen Betrachtung und empirischer Untersuchung aus soziologischer, psychologischer und (sozial-)pädagogischer Perspektive aufmerksam gemacht.

Im zweiten Block "Netzwerkförderung aus übergreifender Perspektive" schließen drei Artikel an, in denen Aspekte der sozialen Unterstützung als der wichtigsten funktionalen Dimension von Netzwerkbeziehungen im Mittelpunkt stehen. Es sind dies

  • Frank Nestmanns Beitrag "Netzwerkintervention und soziale Unterstützung fördern: Effektivität und Maximen der Nachhaltigkeit",
  • der Beitrag von Thomas Klauer & Markus Winkeler "Mobilisierung sozialer Unterstützung: Konzepte, Befunde und Interventionsansätze",
  • sowie der Beitrag von Sören Petermann "Persönliche Netzwerke: Spezialisierte Unterstützungsbeziehungen oder hilft jeder jedem?".

Zum Teil II: Lebenslauf und Lebenslagen

Die Netzwerkperspektive wird in diesem zweiten Teil einerseits auf die verschiedenen Lebensalter angewandt und die spezifische Bedeutung für das jeweilige Lebensalter herausgearbeitet. Ein Schwerpunkt wird dabei auf das Alter gelegt. Andererseits wird in diesem Teil nachgezeichnet, wie sich Netzwerkbeziehungen im Umgang mit spezifischen Lebenslagen bzw. -Ereignissen wie bspw. Krankheit, der Übergang in Beruf, Verwitwung usw. verändern bzw. anders strukturieren.

"Familienbezogene Aspekte" stehen im Zentrum der drei ersten Beiträge dieses Teils: Die Beiträge sind von

  • Anna Brake ("Intergenerationale Austauschprozesse und ihre Voraussetzungen in familialen Mehrgenerationennetzwerken"),
  • von Martin Grünendahl & Mike Martin ("Intergenerative Solidarität und praktische Implikationen"),
  • sowie von Regina Soremski ("Der Begriff der Familiensolidarität in der Netzwerkforschung und in der Sozialisationsforschung: Gibt es Anschlüsse?") verfasst worden.

Darauf folgen Artikel, die die Konzepte des sozialen Netzwerks und der sozialen Unterstützung dezidiert auf bestimmte Lebensphasen und damit verbundene lebenslagenspezifische Probleme beziehen. "Gemeinsam ist allen Beiträgen die differenzierte, empirisch fundierte Analyse der Funktion und der subjektiven Bedeutung aber auch der Tragfähigkeit und der Belastbarkeit von sozialen Netzwerken in den jeweils im Zentrum stehenden Lebenslagen" (Bd. I S. 17) Die ersten fünf Beiträge fokussieren Problemstellungen, die die Lebensphase Jugend- und Erwachsenenalter betreffen:

  • Axel Pohls, Barbara Staubers & Andreas Walters Beitrag trägt die Überschrift "Ohne doppelten Boden, aber mit Netz? Informelle Netzwerke junger Frauen und Männer beim Übergang in Arbeit, ihre Voraussetzungen und sozialpädagogischen Möglichkeiten, sie zu stärken",
  • Wolf Rainer Wendts Beitrag heißt "Vernetzung von Eltern: Unterstützungsbeziehungen rund um den Kindergarten",
  • Renate Höfer & Florian Straus schreiben über "Elterntalk: die ambivalenten Chancen eines netzwerkorientierten Ansatzes in der Elternarbeit",
  • Jörg Rössls & Michael Hölschers Beitrag thematisiert "Eine städtische Unterklasse? Die sozialen Netzwerke räumlich konzentrierter, sozial benachteiligter Bevölkerungsgruppen", und
  • Martina Eller, Andreas Mielck & Rüdiger Landgraf sprechen über ""Freunde machen den Zucker süß!" Eine Literaturübersicht über den Zusammenhang zwischen Diabetes mellitus und dem sozialen Netzwerk bzw. der sozialen Unterstützung".

Die letzten sechs Beiträge im ersten Band fokussieren die Lebensphase Alter und insbesondere den Aspekt des Umgangs mit Pflegebedürftigkeit.

  • Ulrich Otto ist gleich zu Beginn mit folgenden beiden Beiträgen vertreten: "Soziale Netzwerke und soziale Unterstützung Älterer: Status Quo und Perspektiven im Lichte demografischer Befunde" und "Soziale Netzwerke und soziale Unterstützung älterer Pflegebedürftiger: Potentiale, Grenzen und Interventionsmöglichkeiten im Lichte demographischer Befunde". Darauf folgen die Beiträge von
  • Jan H. Marbach ("Der Aktionsraum im höheren Lebensalter und Optionen der Netzwerkhilfe: Theoretische Konzepte und empirische Befunde");
  • Betina Hollstein ("Partnerverlust im Alter. Netzwerkveränderungen und Unterstützungsmöglichkeiten nach der Verwitwung"),
  • Roland Schmidt ("Geteilte Verantwortung: Angehörigenarbeit in der vollstationären Pflege und Begleitung von Menschen mit Demenz") und abschließend der Beitrag von
  • Martin Piquart & Silvia Sörensen ("Belastungen pflegender Angehöriger. Einflussfaktoren und Interventionsansätze").

Band II: Institutionelle Netzwerke in Steuerungs- und Kooperationsperspektiv

Der zweite Band wird durch einführende Überlegungen von Petra Bauer im Artikel "Institutionelle Netzwerke steuern und managen"eingeleitet. Im Zentrum des zweiten Bandes stehen einerseits Fragen nach der Rolle von Netzwerken als alternative gesellschaftspolitische Steuerungsformen. Anderseits beschäftigen sich die Artikel dieses Bandes "mit Voraussetzungen, Rahmenbedingungen, Verlauf und Wirkungen von Vernetzungsprozessen, wobei ein starker Fokus auf Fragen der Zusammenarbeit zwischen sozialen Unterstützungsnetzwerken und institutionellen Helfernetzwerken liegt" (Bauer Bd. II S. 14). Nach den Überlegungen von Bauer ergeben sich für institutionelle Netzwerke "Probleme der doppelten Steuerung". "Zu klären ist zum einen, welche Rolle Netzwerke als neue Steuerungsform neben traditionellen marktlichen und hierarchischen Formen spielen. Zum anderen treten Netzwerke als zu steuernde Systeme in den Blick, die sich dabei in spezifischer Weise von Gruppen und Organisationen unterscheiden" (Bauer Bd. II S. 12). Die Herausgeberin plädiert für ein Lösen von einer allgemein methodisch abgesicherten Netzwerkarbeit - vielmehr sei genauer zu analysieren, "welche Netzwerke, an welchen Punkten, auf welche Weise beeinflusst und "gesteuert" werden können" (Bauer Bd. II S. 13). Der zweite Band ist ebenfalls zweiteilig gegliedert: "Netzwerkmanagement und Kooperation" sowie "Netzwerkmanagement an der Schnittstelle professioneller und sozialer Netzwerke". Er umfasst 469 Seiten. Die intensive Durchdringung sehr vielfältiger Bereiche macht deutlich, "wie vielfältig und schwierig die daraus resultierenden Herausforderungen für die professionelle Praxis sind. Bei allen erkennbaren Fortschritten wird damit angesichts einer deutlich widersprüchlichen Befundlage ein nach wie vor starker Forschungsbedarf unterstrichen" (Bauer Bd. II S. 46)

Zum Teil 1 - Netzwerkmanagement und Kooperation

In den folgenden fünf Artikeln werden "übergreifende Aspekte institutioneller Netzwerke in Steuerungs- und Kooperationsperspektive" thematisiert:

  • Im Artikel "Vernetzung sozialer Einrichtungen als Weg zur Erschließung von Ressourcen bürgerschaftlichen Engagements" schreibt Adalbert Evers über die zunehmende Bedeutung des "sozialen Kapitals" und deren Förderung und Pflege durch bürgerschaftliches Engagements. Aktive Netzwerkarbeit wird dabei, so Evers, zu einem zentralen Erfolgsfaktor im Wettbewerb von öffentlichen und freien Trägern.
  • Der Artikel "Das Management von Akteursnetzwerken im Sozialraum" von Herbert Schubert plädiert auf der Basis umfassender Studien zu regionalen Akteursnetzwerken für Vernetzungsstrategien, die nicht nur von Organisationen ausgeht, sondern auf allen Ebenen sozialräumlicher Arbeit in Stadtteilen und im Wohnquartier zu organisieren ist.
  • "Die Störungsanfälligkeit organisierter Netzwerke und die Frage nach Netzwerkmanagement und Netzwerksteuerung" stehen im Zentrum des Beitrags von Tilly Miller. Die Funktionsfähigkeit von Netzwerken ist dabei in gleicher Weise von den vorhandenen Management- und Steuerungskompetenzen im Netzwerk wie von der Kooperationsfähigkeit der Akteure abhängig, wie die systemtheoretischen Überlegungen von Miller zeigen.
  • Die "Netzwerkentwicklung als Lernprozess" thematisiert Susanne Weber im vierten Artikel dieses Blocks. In ihrem Beitrag entwirft sie ein komplexes Prozessmodell, das aus netzwerktheoretischer Perspektive mehrere Gestaltungsdimensionen umfasst und diese in einen mehrphasigen Ansatz einbettet.
  • Abgeschlossen wird dieser Block durch den Beitrag "Zur Evaluation von Netzwerken und Kooperationsmanagement" von Holger Spieckermann. Um der Komplexität von Netzwerken gerecht zu werden, bedarf es methodischer Herangehensweisen, die die herkömmlichen Methoden der Evaluation weit übertreffen - so sein Fazit. Die zentralen Dimensionen einer Evaluation von Netzwerken werden in dem Beitrag an der konkreten Empirie hergeleitet.

Fünf Beiträge zu konkreten "Projekten und Handlungsfeldern" schließen an diesen Block an. Es sind dies die Beiträge von

  • Eric van Santen & Mike Seckinger ("Fallstricke im Beziehungsgeflecht: die Doppelebenen interinstitutioneller Netzwerke"), von
  • Michael Wissert ("Netzwerkarbeit in unabhängigen" Case-Management-Stellen. Evaluationsergebnisse und Schlussfolgerungen"), von
  • Kurt P. Bierstock ("Vernetzung und Kooperation im Bezug auf familienbildende Maßnahmen nach § 16 KJHG im ländlichen Raum"), von
  • Jörg Ernst ("Vernetzung in der Arbeit mit Migrantinnen und Migranten"), sowie von
  • Ewald Johannes Brunner ("Zur Implementierung eines institutionellen Netzwerks. Eine systemtheoretische Annäherung"). Brunner geht dabei von einem konkreten Netzwerk von Koordinatoren der Suchthilfeprophylaxe an Schulen aus.

Zum Teil 2 - Netzwerkmanagement an der Schnittstelle professioneller und sozialer Netzwerke

Im Mittelpunkt des zweiten Teils stehen Fragen zur Gestaltung der Schnittstelle zwischen professionellen und sozialen Netzwerken. Die fünf Artikel konzentrieren sich dabei auf das Handlungsfeld Altenhilfe und Pflege bzw. auf den "Schwerpunkt Alter". "Exemplarisch werden in diesem Feld die zentralen Herausforderungen deutlich, denen sich Kooperationen stellen müssen, die das Zusammenwirken von professionellen und sozialen Netzwerken zu befördern suchen" (Bauer Bd. II S. 44) Die Installierung von Pflegearrangements (Netzwerke aus familialer, professioneller und ehrenamtlicher Unterstützung) stoßen auf massive strukturelle, institutionelle aber auch lebensweltliche Hindernisse.

  • Dies aufzuzeigen gelingt Peter Zeman in seinem Beitrag "Altenpflegearrangements: Vernetzung der Netzwerke", indem er die Kompatibilitätsprobleme zwischen informellen und formellen Helfersystemen herausarbeitet.
  • Die häusliche Pflegesituation ist wesentlich vom "Beziehungssinn" und von der emotionalen Nähe der Angehörigen zum Pflegebedürftigen getragen. In ihrem Beitrag "Pflege zwischen Privatheit und Profession. Theoretische Überlegungen, empirische Befunde und praktische Konsequenzen" zeigen Stefan Blüher & Manfred Stosberg auf, dass unter zunehmenden wirtschaftlichen Anforderungen dieses Beziehungssystem unter Druck gerät. Sie fordern eine Anerkennung der Beziehungsdimension als zentrales Element einer professionellen Dienstleistung.
  • Die Selbstbestimmung von Pflegebedürftigen wird wesentlich durch die professionellen Pflegenden erhalten. Josefine Heusinger & Monika Klünder thematisieren diesen Zusammenhang in ihrem Beitrag "Die Bedeutung der professionellen Pflegenden für die Netzwerke pfegebedürftiger älterer Menschen".
  • Soziale Unterstützung sowohl durch die Familie als auch durch professionelle Helfer trägt dazu bei, die Zahl der stationären Wiederaufnahmen und die Dauer eines möglichen Krankenhausaufenthaltes zu reduzieren. Anhand von empirischen Ergebnissen wird dieser Bezug im Beitrag "Ambulante professionelle Unterstützung bei alterspsychiatrischen Patienten: Interaktion mit familiären Unterstützung und der Bezug zur Prävention" von Sabine Bährer-Kohler & Michael Hemmeter erarbeitet.
  • Die Entwicklung eines tragfähigen Unterstützungsnetzwerkes hängt vom Wissen über die Regeln ab, die Kommunikation und Kooperation zwischen Patienten und sozialem Umfeld, zwischen Patienten und Behandlern, aber auch zwischen den beteiligten Berufsgruppen. Diese und weitere Aspekte werden von Astrid Hedtke-Becker & Rosemarie Hoevels im ihrem Beitrag "Netzwerkbezogene Unterstützung chronisch kranker und alter Menschen: Multiprofessionelle stationär-ambulante Überleitung im Akutkrankenhaus" herausgearbeitet.

Zielgruppen

Die Zielgruppe dieser beiden Bände ist umfassend, indem Studierende in gleichem Masse lesenswerte und spannende Beiträge finden werden, wie Dozierende aber auch Menschen die in der Praxis als "HelferInnen", Pflegende, Betreuende und "Unterstützende", kurz als NetzwerkerInnen arbeiten. Die beiden Bände sollten als Standardnachschlagewerk in Bibliotheken stehen, die von professionellen "HelferInnen" und interessierten Laien frequentiert wird.

Diskussion

Die Titelgebung der einzelnen Beiträge scheint ziemlich offen, was die Übersichtlichkeit stört. Dies könnte es erschweren, zu einem spezifischen Thema den geeigneten Artikel zu finden - obwohl jeder Artikel mit mehreren deutschen und englischen Keywords beginnt. Leider fehlt ein zentrales Register, welches diese Stichworte auch aufnimmt und den/die LeserIn leiten kann.

Man könnte durchaus auf eine andere innere Systematisierungslogik kommen (obwohl die beschriebene Logik nachvollziehbar ist). Beispielsweise hätten die Vernetzung und das Querdenken von Positionen und Ansätzen gerade beim Thema "Netzwerk" einen besonderen Reiz. So bleibt es eine (gute) Bündelung der Diskussionen. Wieso aber um alles in der Welt scheint diese selbst ein Netzwerk zu werden? Wieso scheint man regelrecht im Netz gefangen zu sein? Wie kommt man über die Netzwerkarbeit aus der bisherigen nationalstaatszentrierten und institutionalisierten Logik heraus? So liegen die Grenzen der Netzwerkmetapher? Zum Glück lassen die beiden sehr schön aufgemachten Bände am Ende weiterhin fragen offen.

Fazit

Ob mit den beiden Bänden "nun in der Tat nur eine "Zwischenbilanz" oder schon ein "Handbuch" vorgelegt wurde, ist für uns nicht so entscheidend - wichtig dagegen wäre, inwiefern die Publikation dazu beitragen kann, die Diskussion weiter zu bündeln und voranzubringen" (Bauer/Otto Bd. I S. 22).

Fängt man bei diesem Wunsch ganz hinten an, so ist es mit dem " - nicht nur umfangmäßig - substanzreichen Sammelwerk" (Bauer/Otto Bd. I S. 12) gelungen, die bisher verstreuten Diskussionen zu bündeln (=Zwischenbilanz!). Immerhin - so ein Blick auf die Namen der AutorInnen in den beiden Büchern - sind die meisten VertreterInnen der verschiedenen Netzwerkdiskussionen der vergangenen Jahre mit ihrem jeweiligen Ansatz in einem Artikel vertreten. Insofern kann diese Sammlung als Nachschlagewerk (=Handbuch?) dienen.


Rezensent
Prof. Dr. Christian Reutlinger
FHS St.Gallen - Hochschule für Angewandte Wissenschaften
Institut IFSA
Homepage www.fhsg.ch/ifsa
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Zitiervorschlag
Christian Reutlinger. Rezension vom 14.02.2006 zu: Ulrich Otto, Petra Bauer (Hrsg.): Mit Netzwerken professionell zusammenarbeiten. dgvt-Verlag (Tübingen) 2005. 1120 Seiten. ISBN 978-3-87159-600-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/3185.php, Datum des Zugriffs 07.02.2012.


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