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Sandra Eggers, Kathrin Rasper: Dienstleistungsmanagement im Setting „Wohnstift“

Cover Sandra Eggers, Kathrin Rasper: Dienstleistungsmanagement im Setting „Wohnstift“. Zur Konzeptionalisierung von Case Management im Spektrum Wohnen mit Service. Paulo Freire Verlag (Oldenburg) 2004. 215 Seiten. ISBN 978-3-86585-402-5. 21,90 EUR.

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Selbständig wohnen - begleitet !

Diese ungleiche Gleichung kann aufgehen, wenn Menschen in hohem Alter, die nicht mehr in individuellen Wohnungen oder Häusern leben wollen oder können, Einrichtungen des "betreuten Wohnens" für Ihre Bleibe wählen. "Altenwohnheime", "Wohn- und Pflegeheime", "Altenheime", wie sie in der Nomenklatur des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge genannt werden, unterscheiden sich selbstverständlich in Anspruch, Ausstattung, Komfort und finanziellem Aufwand erheblich voneinander. Eine besondere Form stellt dabei das "Wohnstift" dar. Es ist gekennzeichnet durch einen höheren Wohnstandard als die übrigen Altenunterkünfte. Die höheren Kosten für das Wohnen in solchen Häusern werden im Allgemeinen von den Bewohnern selbst getragen. Menschen, die in Wohnstiften, oder nach einem anderen Sprachgebrauch, in "Seniorenresidenzen" leben, verfügen meist über ein eigenes Appartement oder eine Wohneinheit, in dem sie bis an ihr Lebensende wohnen. Ist ein besonderer Service oder eine Pflege notwendig, wird diese durch ambulante Dienste übernommen. In vermehrtem Maße, entsprechend der immer größer werdenden Anzahl älterer und hochaltriger Menschen im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung, gibt es in Städten und auf dem Lande Angebote, die sich an Menschen richten, die über die notwendigen finanziellen Ressourcen verfügen und eine "besondere Bewohnerstruktur" bevorzugen. Sie reicht von einer weitgehenden Autonomie der Bewohner, über Service bei beginnenden Einschränkungen in der Lebensführung, bis zur schweren Pflegebedürftigkeit. Das "Kuratorium Wohnen im Alter" (KWA), ein eingetragener Verein mit Hauptsitz im oberbayerischen Unterhaching bei München gehört, nach der eigenen Werbediktion "zu den führenden sozialen Dienstleistungsunternehmen in Deutschland". Der Verein unterhält bundesweit 14 Altenwohnstifte, eine Klinik für Neurologische und Geriatrische Rehabilitation und eine eigene Altenpflegeschule. "Leben - so wie ich will", gilt als Slogan der 1966 gegründeten Initiative.

Entstehungshintergrund und Zielsetzung

Die auf dem Gebiet der Sozialen Arbeit innovativ tätige Fachhochschule Erfurt, Fachbereich Sozialwesen, legt die Diplomarbeit von Sandra Eggers und Kathrin Rasper vor. Das KWA hat mit der FH Erfurt ein Forschungsprojekt vereinbart, bei dem ein Dienstleistungsmanagement nach der Methode des Case Management-Prozesses in den Einrichtungen der Organisation implementiert werden soll. Die aus den USA kommende CM hat in der deutschen Adaption eine Reihe von unterschiedlichen Ausprägungen und Erwartungshaltungen erfahren; die platteste und in vielen Bereichen so verstandene ist die des Kostensparens, vor allem im Gesundheitsbereich. Das Internet-Magazin medizin.de definiert Case Management als einen "Weg, um die Aufgaben und Abläufe aller an der Patientenversorgung beteiligten Professionen zu koordinieren und damit die Leistung möglichst effektiv zu erbringen", wobei zwei Erwartungen gehegt werden: Kosten zu sparen und Steigerung der Behandlungsqualität. Im Arbeitsauftrag der Diplomandinnen - ein Konzept zu entwickeln mit dem Ziel, eine Sorgestruktur zu implementieren, bei der die Individualisierung der Leistungserbringung im Wohnstift gewährleistet ist, und die Bedingungen für die Ambulantierung der Dienstleistungsorganisation im stationären Setting aufzuzeigen - wird Case Management verstanden als "eine Verfahrensweise, welche in der Regel bei komplexen Problematiken mit einer Mehrzahl an Beteiligten und in vernetzten Bezügen die nötige Unterstützung, Behandlung und Versorgung von Menschen rational bewerkstelligen will"; oder, wie Wolf Rainer Wendt dies formuliert, die "steuernden Funktionen in der Erbringung von personenbezogenen Leistungen der Humandienste" zusammen fasst.

Inhalt

Die Studie geht ein auf die für das Case Management wichtigen und zu bedenkenden individuellen Situationen der Bewohnerinnen und Bewohner und diskutiert die in der praktischen Sozialen Arbeit vorhandenen und praktizierten Konzeptionen, wie z. B. "Lebensweltorientierung", "Lebensqualität und Wohlbefinden", "Empowerment und gelingender Alltag". Wichtig und bisher in der Forschung wenig berücksichtigt ist, wie im Rahmen des Case Management die erforderlichen Aufgaben für ein "Wohnen mit Service" im Regelkreis ermittelt und durch die Professionen im Wohnstift umgesetzt werden können, etwa Erkenntnisse, wie beim Wohnen im Wohnstift durch das professionelle Personal mit Problemsituationen der Bewohner umgegangen werden kann und welche Indikatoren und Anzeichen eine nicht mehr gelingende Alltagsbewältigung erkennbar machen. In einer Fragebogenaktion haben die Autorinnen dies zu ermitteln versucht: Orientierungsprobleme, Vergesslichkeit, nachlassende Fähigkeit zur Selbstversorgung, Ängste, Verwirrtheit, beginnende Inkontinenz, sozialer Rückzug, Nachlässigkeit des äußeren Erscheinungsbildes, abnehmende Körperhygiene, Vernachlässigung der Wohnungsreinigung, Stimmungsschwankungen, nachlassende Konzentration. Nach dem Ranking der ermittelten Antworten aus dem Fragebogen und der Berücksichtigung von bereits vorliegenden Konzepten (etwa das Resident Assessment-Instrument - Home Care), haben die Autorinnen das "Assessment-Instrument" entwickelt, mit dem Ziel, "die Bedürfnisse des Bewohners zu erfassen und die Hilfe- oder Versorgungsplanung zu formalisieren".

Fazit

Es ist dem Rezensenten nicht bekannt, wie viele Wohnstifte und andere Einrichtungen des betreuten Wohnens und der Pflege von alten Menschen es in Deutschland gibt. Das Instrumentarium, das auch weitere Konzepte der Betreuung und Pflege beinhaltet (wie z. B. das in den USA entwickelte Nursing diagnosis, NANDA) kann sicherlich auch anderen Wohn- und Pflegeangeboten als nur denen des Kuratoriums Wohnen im Alter (KWA) helfen, das Dienstleistungsmanagement nicht nur zu effektivieren, sondern vor allem zu individualisieren. KWA wirbt mit einem "bewohnerorientierten Management", zu dem nicht zuletzt die hier besprochene Arbeit beigetragen hat, mit dem Slogan: "Leben - so wie ich es will", in der "dritten Lebensphase", die sich in der je konkreten Existenz unterschiedlich gestaltet, die aber immer menschenwürdig ermöglicht, mit Wohnservice begleitet und wenn erforderlich, durch humane Pflege betreut werden muss.


Rezensent
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 22.11.2005 zu: Sandra Eggers, Kathrin Rasper: Dienstleistungsmanagement im Setting „Wohnstift“. Paulo Freire Verlag (Oldenburg) 2004. 215 Seiten. ISBN 978-3-86585-402-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/3225.php, Datum des Zugriffs 09.02.2012.


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